Българско Национално Радио
Radio Bulgarien
Radio Bulgarien
Български
Русский
English
Deutsch
Français
Español
Српски
Ελληνικά
Shqip
Türkçe
عربي
Internetradio
Хоризонт
Христо Ботев
Български
Русский
English
Deutsch
Français
Español
Српски
Ελληνικά
Shqip
Türkçe
Geschichte
Veröffentlicht am November 10, 2006, 17:53 BG
Speichern Drucken Senden
Der Serbisch-bulgarische Krieg 1885
Am 2. November des Jahres 1885 erklärte Serbien unserem Land unerwartet den Krieg. Das geschah nur acht Jahre nach der Befreiung Bulgariens von der türkischen Fremdherrschaft.

Nur wenige Monate nach dem Ende des russisch-türkischen Krieges von 1878/88, der unserem Land die Freiheit gebracht hatte, war Bulgarien durch den Berliner Vertrag der Großmächte in fünf einzelne Teile zerrissen.
Das heutige Nordbulgarien mit dem Gebiet von Sofia wurde nach den Kongressbeschlüssen ein autonomes und tributpflichtiges, also ein türkisches Lehensfürstentum. Der Fürst von Bulgarien durfte von der Bevölkerung frei gewählt werden, musste aber vom Sultan mit Zustimmung der Großmächte bestätigt werden. Südbulgarien hingegen war unter der Bezeichnung Ostrumelien eine von der Hohen Pforte halbabhängige Provinz mit ausgedehnter administrativer Autonomie verblieben. Nach dem Wunsch der Engländer war auch der Name Südbulgarien verschwinden, denn die Bewohner sollten selbst durch den Namen ihres Landes nicht an ihre Nationalität erinnert werden können. Der dritte wichtige bulgarische Landesteil, also das ganze Mazedonien, war wieder der direkten und uneingeschränkten Autorität des Sultans unterstellt worden. Das Gebiet des Westufers des Morava-Flusses war an Serbien gegangen, während die Norddobrudscha im Nordosten Rumänien einverleibt worden war. Ein für alle Bulgaren unerträglicher Zustand, dessen erste Änderung am 6. September 1885 mit der Vereinigung des Fürstentums Bulgarien mit Ostrumelien vollzogen wurde.
Die Reaktion der Großmächte war natürlich missbilligend. Die bulgarische Vereinigung widersprach dem Berliner Vertrag. Vor allem die Türkei war davon betroffen und aus diesem Grund wurde die bulgarische Armee an die Südgrenze verlagert, um einen eventuellen Angriff abzuwehren. Der Überfall kam aber nicht aus dieser Richtung. Serbien, angestachelt von Österreich-Ungarn, erklärte Bulgarien den Krieg, weil das Gleichgewicht auf dem Balkan gestört worden sei. Die Dinge sahen aber hinter den Kulissen etwas anders aus: Der serbische König Milan war mit der österreichischen Erzherzogin Natalia verheiratet und seine Regierungsgeschäfte waren direkt von Wien abhängig und entsprachen in keiner Weise den Stimmungen in der serbischen Gesellschaft, die zu jener Zeit panslawistisch eingestellt war.
Russland, das den Berliner Vertrag nicht ohne Zähneknirschen hatte hinnehmen müssen, trat plötzlich für die Aufrechterhaltung der Vertragsbestimmungen und gegen den Anschluss ein. Der russische Zar Alexander III. konnte den bulgarischen Fürsten Alexander I. auf Grund seiner Unduldsamkeit gegenüber den Einmischungsversuchen Russlands in die inneren Angelegenheiten Bulgariens, nicht ausstehen. Kurzer Hand zog er alle sich in bulgarischem Dienst befindenden russischen Offiziere ab. Dem jungen bulgarischen Heer verblieben nur einige wenige Offiziere, unter denen der ranghöchste nur ein einziger Major war.
Nach der unerwarteten Kriegserklärung der Serben gab es damals kaum einen Beobachter in Europa, der daran zweifelte, dass die serbische Armee binnen weniger Tage in Sofia einmarschieren würde. Die 70.000-Mann starken serbischen Streitkräfte hatten im serbisch-türkischen Krieg von 1876 und auch während des russisch-türkischen Krieges von 1877/78 Kampferfahrungen gesammelt. Ihnen stellten sich lediglich 10.000 Mann entgegen, ein Großteil von ihnen als Freiwillige, ohne jegliche Erfahrungen. Das bulgarische Militärkommando befahl die sofortige Verlagerung seiner 128.000 Mann von der südlichen Grenze in Richtung Sofia. Die Eisenbahnlinie endete aber bei Belowo in Südbulgarien. Von dort ging es zu Fuß weiter. Das Wetter war eisig – entweder regnete es, oder es schneite. Unter normalen Bedingungen kann ein solcher Fußmarsch in zehn Tagen bewältigt werden. Trotz schlechter Witterung schafften es die bulgarischen Streitkräfte in nur drei Tagen. In der Zwischenzeit hatte es die Hauptstreitkraft der Serben am 5. November geschafft, die Ortschaft Sliwnitza, 30 km von Sofia entfernt, zu erreichen. Der erste große Angriff begann um 9.00 Uhr am Tag darauf. Trotz der zahlenmäßigen Überlegenheit der Serben konnten die Bulgaren ihre Stellungen halten. Am Nachmittag gingen die serbischen Streitkräfte zum Hauptsturm entlang der ganzen Linie. Ohne Munition geblieben, warteten die bulgarischen Soldaten auf die Angreifer, denen sie sich einzig mit ihren Bajonetten entgegenstellten. Ihre Verzweiflung mehrte sich, als sie in der Abenddämmerung vom Rücken her große Streitkräfte herannahmen sahen. Man hielt sie für eine serbische Kolonne, die die bulgarischen Stellungen vom Westen her umzingelt hatte. Doch plötzlich vernahm man das Lied „Es rauscht die Maritza“, das später für längere Zeit zur Nationalhymne Bulgariens wurde. Die ersten 32.000 Mann der von der Südgrenze abgezogenen bulgarischen Soldaten waren eingetroffen – nass bis auf die Knochen, hungrig und mit mittlerweile vom Gewaltmarsch zerschlissenen Stiefeln – einige sogar Barfuss. Sofort schlossen sie sich jedoch dem Kampf an und es gelang die Serben bei Sliwnitza zurückzuwerfen. Es folgte ein weiterer Sieg der Bulgaren bei Dragoman und ein dritter bereits bei Pirot, das auf serbischen Gebiet lag. Unter dem Oberbefehl des jungen bulgarischen Fürsten Alexander I., gelang es die königlich-serbische Armee in nur sieben Tagen zu zerschlagen. Die Donau-Monarchie rettete den serbischen König Milan, indem ihr Vertreter den Vormarsch der bulgarischen Truppen unter Androhung militärischer Maßnahmen zum Stehen brachte. Der daraufhin abgeschlossene Vertrag stellte nur den Frieden wieder her, ohne Serbien Gebietsverluste oder materielle Entschädigungen aufzuerlegen. Damit ging der serbisch-bulgarische Krieg von 1885 als der bislang kürzeste auf der Balkanhalbinsel in die Geschichte ein und zählt auch zu einem der unblutigsten: insgesamt fielen auf beiden Seiten etwa 700 Mann. Die Gründe für den Sieg der Bulgaren sind in der hohen Kampfmoral der bulgarischen Truppen zu suchen. Die serbischen Soldaten hatte man hingegen damit zu motivieren versucht, dass sie zusammen mit den Bulgaren gegen die Türken kämpfen werden. Nur vier Jahre später wurde König Milan für die serbische Katastrophe bei Sliwnitza abgesetzt. Damit wurde eine verhältnismäßig ruhige Phase in den bulgarisch-serbischen Beziehungen bis zur Gründung der Balkanunion 1912 eingeleitet.
In Ergebnis des serbisch-bulgarischen Krieges waren die europäischen Großmächte gezwungen, sich mit der Vereinigung der zwei größten bulgarischen Landesteile abzufinden.

Autor: Konstantin Sybtschew
Übersetzung: Wladimir Wladimirow

Speichern Drucken Senden
 
Sitemap Hilfe Für Kontakte

Aktuell

© 2007 Bulgarischer Nationaler Rundfunk. Alle Rechte vorbehalten Designed and Powered by BSH Ltd.