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Wednesday, April 26, 2006

Rassenpolitik und Lebensborn e. V.

Zur stabsmäßigen Führung der Aufgabe der Sicherung und Wahrung deutschen bzw. arischen Blutes initiierte Himmler am 12.12. 1935 die Gründung eines eigenen Vereins (Lebensborn e.V.), der diese Aufgabe übertragen bekam. Zuerst wurde dieser vom „Rasseund Siedlungshauptamt“ und dann sogar vom Initiator Himmler selbst betreut. In der Fortführung des bereits 1932 erlassenen Heiratbefehls trug die Satzung des Lebensborns vom 13.09.1936 jeden SS-Mann auf, mindestens vier Kinder zu zeugen – ob ehelich oder unehelich. In gut ausgerichteten Heimen sollten nun zielgerichtet Kinder zur Welt kommen. Die Mutter wurde von der Umwelt abgeschirmt, Geburtsurkunden im eigenen Standesamt ausgestellt, der Unterhalt geregelt und Adoptiveltern geworben. Der Verein wurde durch Zwangsbeiträgen der SS-Mitglieder finanziert. Dazu erging ein spezieller Erlass Himmlers. Obwohl ihn alle 3.500 hauptamtlichen SS-Führer obligatorisch angehörten und fünf bis acht Prozent ihres Gehaltes überweisen mussten, zählte er 1939 nur 8.000 SS-Männer als offizielle Mitglieder. Diese Anzahl war also bei fast 240.000 Mitgliedern der Allgemeinen SS relativ gering, Das von Himmler propagierte und festgelegte Vier-Kinder-System wurde ebenfalls nicht annähernd erreicht, 1939 wiesen zum Beispiel von 116.000 verheirateten SS-Männern ihre Ehen nur ein Kinderdurchschnitt von 1,1 pro Ehe aus und bei den Führern 1,41. Auch der Lebensborn änderte an diesen Zahlen sehr wenig. So entstammen z. B. von den über 12.000 Kindern der verheirateten SS-Führer im Alter zwischen 20 und 55 Jahren nur 135 in unehelichen Verhältnissen. Das erste Heim und der Amtssitz des Vereins war in Steinhöring in Oberbayern. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Radius des Lebensborn bedeutend vergrößert. So entstanden auch Heime im Ausland und schließlich begann man neben der Geburtsaufgabe die „Eindeutschung von Kindern germanischen Typs“. Auf ca. 30 Millionen schätzten die Naziideologen die Zahl mit „germanischen Blut“, die den Eltern genommen, vom Lebensborn geprüft und dann an deutsche Adoptiveltern gegeben werden sollten. Die tatsächliche Zahl der durchgeführten Eindeutschungen ist ungewiss, sie schwankt in unterschiedlichen Quellen zwischen mehreren Tausend und 200.000. Kindern. Als besondere Perversion ist zu werten, dass selbst Kinder aus Orten die im Rahmen von „Strafaktionen“ liquidiert und deren Bewohner ermordet wurden, zur Eindeutschung ausgewählt wurden.

Als Heinrich Himmler 1929 den Posten des Reichsführers SS übernahm, erklärte er, dass die SS der „Blutsträger ist, der Geschichte schreiben kann.” Und er fuhr fort: „Wenn es uns gelingt, diese nordische Rasse in und um Deutschland herum wieder zu etablieren und sie zu veranlassen, Bauern zu werden, und auf diesem Saatbeet ein Volk von 200 Millionen zu produzieren, dann wird uns die Welt gehören … Wir sind daher aufgerufen, eine Basis zu schaffen von der aus die nächste Generation Geschichte Schreiben kann (nach: Vlay/Leapmann. Herrenmenschen. Das Lebensborn-Experiment der Nazis)

Am 12. Dezember 1935, im selben Jahr, wo die Nürnbergergesetze (u.a. das Ehegesundheitsgesetz)

verabschiedet wurde, veranlasste er zehn SS-Führer, den „Lebensborn e. V.” zu gründen.

 

Deutschland sollte viele Kinder produzieren, „in der Hauptsache arische, reinrassige Kinder, eben Kinder guten und reinen Blutes.” Aus ihnen wollte Himmler die künftige Elite des national-sozialistischen Staates heranziehen. Auch in den besetzten Ländern Europas suchten Himmler und der Lebensborn nach „gutem Blut“. In Österreich, Norwegen, Belgien, Luxemburg und Frankreich wurden nach deutschem Muster Lebensbornheime aufgebaut, wo Frauen, die von einem deutschen Soldaten, SS-Mann, Polizisten etc. ein Kind erwarteten, ihre Babys zur Welt bringen konnten. Vor allem Norwegerinnen galten als „rassisch besonders wertvoll“. Wenn sie ihre Kinder nicht behalten konnten oder wollten, brachte der Lebensborn sie nach Deutschland, zur „Aufnordung“.

In Osteuropa wurde die gesamte Bevölkerung „gesiebt und gesichtet“, um Juden auszusortieren und zu vernichten – und um nach „gutem Blut“ zu fahnden. Himmler ging davon aus, dass es auch in Polen und Slowenien, in der Tschechoslowakei und der Ukraine Kinder gab, die „gutes Blut“ besaßen, weil sie blond und blauäugig waren. Wie er dieser Kinder habhaft werden wollte, erklärte er 1943 unverblümt:


 

        „Wie es dem Russen geht, wie es dem Tschechen geht, ist mir

           total gleichgültig. Das was in diesen Völkern an gutem Blut

           unserer Art da ist, werden wir uns holen, indem wir denen,

           wenn notwendig, die Kinder rauben und bei uns groß ziehen …”

          (Posener Rede)

In Deutschland wurden die Aufgaben des Lebensborn so umrissen:

„1. Rassisch und erbbiologisch wertvolle, kinderreiche Familien zu unterstützen;

2. rassisch und erbbiologisch wertvolle werdende Mütter zu unterstützen und zu betreuen,

bei denen nach sorgfältiger Prüfung der eigenen und der Familie des Erzeugers

durch das Rasse- und Siedlungshauptamt SS anzunehmen ist, daß sie gleichwertvolle

Kinder gebären;

3. für diese Kinder zu sorgen;

4. für die Mütter der Kinder zu sorgen.“

(Lebensborn-Satzung)


 

Die Nationalsozialisten setzten unterschiedliche Strategien ein, um Frauen dazu zu bringen, ihre „Pflicht“ zu erfüllen und Kinder zu bekommen. Mütter mit drei und mehr Kindern unter zehn Jahren erhielten „Ehrenkarten”. Damit konnten sie einkaufen ohne anzustehen. Außerdem gewährten die Behörden ihnen einen Mietnachlass.

Ein Anreiz war auch die Aussicht auf die Verleihung des Mutterkreuzes

Jede Frau erhielt von Heinrich Himmler bei der Geburt von:

4 Kindern den Mutterkreuz in Bronze,

6 Kindern den Mutterkreuz in Silber

8 Kindern den Mutterkreuz in Gold.

Junge Ehepaare, die die gesundheitlichen und rassischen Voraussetzungen erfüllten, bekamen ein Darlehen. Damit wurde eine Familiengründung erleichtert. Mit jedem Kind, das zur Welt kam, wurde den Paaren ein Viertel des Darlehens gestrichen. Nach der Geburt des vierten Kindes war das Darlehen getilgt.

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