Verlag Traugott Bautz
www.bautz.de/bbkl
Zur Hauptseite
Bestellmöglichkeiten
Abkürzungsverzeichnis
Bibliographische Angaben für das Zitieren
Suche in den Texten des BBKL
Infobriefe des aktuellen Jahres

NEU: Unser E-News Service
Wir informieren Sie vierzehntägig über Neuigkeiten und Änderungen per E-Mail.

Helfen Sie uns, das BBKL aktuell zu halten!



Band I (1990)Spalten 402-403 Autor: Friedrich Wilhelm Bautz

BASEDOW, Johann Bernhard, Begründer der philanthropischen Bewegung, Hauptvertreter der Aufklärungspädagogik in Deutschland, * 11.9. 1724 in Hamburg als Sohn eines Perückenmachers, † 25.7. 1790 in Magdeburg. - Wegen zu harter Behandlung durch seinen Vater und in der Schule floh B. mit 15 Jahren aus dem Elternhaus und war ein Jahr Gehilfe eines Arztes in Flensburg. Er kehrte dann zu seinem Vater zurück und besuchte in Hamburg das Johanneum, an dem u. a. der rationalistische Philosoph und Theologe Hermann Samuel Reimarus als Professor unterrichtete, der auf ihn nachhaltigen Einfluß ausübte. B. studierte in Leipzig und Kiel Theologie und ging 1749 als Hauslehrer nach Borghorst (Holstein), promovierte 1752 in Kiel zum Magister und wurde 1753 an der dänischen Ritterakademie in Soroe auf Seeland Professor der Moral und der Beredsamkeit, später auch der Theologie. Seine freisinnige Schriftstellerei und rationalen Anschauungen führten 1761 seine Versetzung an das Gymnasium in Altona herbei. Die orthodoxen Theologen unter Führung des Seniors Johann Melchior Goeze befehdeten ihn heftig wegen seiner popularphilosophischen und theologisch-pädagogischen Schriften. B. wurde 1767 von dem ihm wohlgesinnten Minister Andreas Graf von Bernstorff mit Belassung seines Gehalts vom Lehramt entbunden. Stark beeinflußt durch die Erziehungsschrift »Emile« (1762) von Jean Jacques Rousseau, entwarf B. 1768 ein vollständiges Programm der philanthropischen Pädagogik. Er verlangte eine gründliche Umgestaltung des gesamten Bildungswesens. Die Hauptaufgabe der Erziehung sei die Vorbereitung zu einem gemeinnützigen, patriotischen und glückseligen Leben. Er wandte sich scharf gegen den Einfluß der Kirche auf die Schule und forderte darum ein staatliches Edukations- und Studienkolleg als Aufsichtsbehörde über die Erziehung. Mit großem Eifer ging B. an die Ausarbeitung seiner Reformpläne, für die er viele Freunde und einflußreiche Förderer im In- und Ausland gewann. 1771 wurde B. von dem Fürsten Leopold Friedrich Franz von Anhalt-Dessau zur Verbesserung des Schulwesens nach Dessau berufen und eröffnete hier 1774 eine Erziehungsanstalt nach seinen Ideen, das Philanthropinum, »eine Schule der Menschenfreundschaft für Lehrer und Lernende«, die bis 1793 bestand. Bereits 1776 gab B. vorläufig und 1778 endgültig die Leitung des Philanthropinums ab und lebte seitdem in Dessau, Leipzig, Halle und Magdeburg zurückgezogen ganz seinen schriftstellerischen Arbeiten.

Werke: Vorstellung an Menschenfreunde und vermögende Männer über Schulen, Studien und ihren Einfluß in die öffentl. Wohlfahrt, mit einem Plane eines Elementarbuchs der menschl. Erkenntnis, 1768, hrsg. v. Theodor Fritzsch, 1906; Methodenbuch für Väter u. Mütter der Familien u. Völker (Art Hdb. der Erziehung für die Eltern u. Lehrer), 1770, hrsg. v. dems., 1913, v. Aloys Josef Becker, 1914; Elementarwerk, 4 Bde., 1774 (ein »Orbis pictus« im Geist der Aufklärung; »geordneter Vorrat aller nötigen Erkenntnisse z. Unterricht der Jugend«; mit 100 Kupfertaf., meist v. Daniel Chodowieckis Hand), hrsg. v. Theodor Fritzsch, 3 Bde., 1909. - Ausgew. Schrr., hrsg. v. Hugo Göring, 1880; - Leben u. Werke (Ausw.), hrsg. v. Walter Vorbrodt, 2 Tle., 1920. - Ausgew. päd. Schrr., hrsg. v. Albert Reble, 1965.

Lit.: G. Hahn, B. u. sein Verhältnis zu Rousseau, 1885; - A. Pinloche, B. et le philanthropinisme, 1889 (dt. 1896, 19142); - Carl Gößgen, Rousseau u. B. (Diss. Straßburg), 1891; - Richard Diestelmann, J. B. B., 1897; - Curt Swet, Btrr. z. Lebensgesch. u. Pädagogik J. B. B.s (Diss. Leipzig 1899), 1898; - H. Bahlcke, Die Stellung der Philanthropisten z. Rel.unterricht, 1901; - Friedrich Fischer, B. u. Lavater in ihren persönl. u. literar. Beziehungen zueinander auf Grund ihres unveröffentl. Briefwechsels u. Tagebuch-Aufzeichnungen Lavaters (Diss. Freiburg i. Br.), 1912; - David Stern, J. B. B. u. seine philos. u. theol. Anschauungen (Diss. Leipzig), 1912; - Georg Heller, Pestalozzis Verhältnis zu den Philanthropen u. ihrer Pädagogik, 1914; - Franz Jacobi, Lohn u. Strafe bei J. B. B. Eine Stud. z. Gesch. des Philanthropinismus, 1916; - Hugo Radtke, Kleinkinderpädagogik bei B. (Diss. Würzburg), 1921; - Daniel Chodowiecki, 62 bisher unveröffentl. Handzeichnungen zu dem Elementarwerk v. J. B. B. Mit einem Vorw. v. Max v. Boehn, 1922; - Wilhelm Reese, Die Schulaufsichtsfrage bei J. B. B. u. ihre Qu. (Diss. Würzburg), 1922; - Adolf Bach, Goethes Rheinreise mit Lavater u. B. im Sommer 1774, 1923; - Johannes Rammelt, J. B. B., der Philanthropismus u. das Dessauer Philanthropin, 1929; - Ders., J. B. B., in: Mitteldt. Lb. IV, 1929, 134 ff.; - Armin Basedow, J. B. B. Neue Btrr., Ergg. u. Berichtigungen zu seiner Lebensgesch,. 1924; - Margarete Krebs, Elementarwerke aus der Zeit des Philanthropinismus (Diss. Königsberg), 1929; - Willy Moog, Gesch. der Pädagogik III, 1933, 85 ff.; - Johann Schmitt, Der Kampf um den Katechismus in der Aufklärungsperiode Dtld.s (Diss. München), 1935, 177 ff.; - Olaf Carlsen ,über J.B. B.s Entlassung v. der Ritterakad. zu Soroe, Kopenhagen 1937; - Werner Wagener, Die Standes- u. Berufserziehung in der Pädagogik der Philanthropisten (Diss. Leipzig), 1936; - Walter Hasenzahl, Vernunft u. Leidenschaften in der Erziehung der Philanthropen (Diss. Gießen 1941), 1942; - Friedrich Schneider, Geltung u. Einfluß der dt. Pädagogik im Ausland, 1943, 54 ff.; - Otto Friedrich Bollnow, Comenius u. B., in: Die Sammlung. Zschr. f. Kultur u. Erziehung 5, 1950, 141 ff.; - Günter Ulbricht, J. B. B., 1963; - Udo Müllges, Selbst u. Sache in der Erziehung. Strukturen u. Bildungsvermittlung bei B., Humboldt, Herbart u. Hegel (Diss. Bonn), 1968; - Kurt Meiers, J. B. B.s Ideen z. Rel.unterricht. Ein Modell f. die Gegenw., in: Der ev. Erzieher 22, 1970, 1 ff.; - Überweg III, 485 f. 709; - Biogr. Wb. z. dt. Gesch., 1952, 49 f.; - ADB II, 113 ff.; - NDB I, 618 f.; - EKL I, 323 f.; - RGG I, 904; - LThK II, 20 ff.; - EC II, 942 f.; - DLL I, 287 f.

Letzte Änderung: 17.04.2001