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Dr. med. Gerhard Rose

Dr. med. Gerhard Rose
Photographie, 18.4.1947, United States Holocaust Memorial Museum, Washington, Nr. 81967
Die Aufnahme zeigt Rose am ersten Tag der Zeugenaussage zu seiner eigenen Verteidigung auf dem Nürnberger Ärzteprozeß.
 

Schreibtischtäter Rose (1896 - 1992)

Gerhard Rose promovierte 1922 in Breslau zum Doktor der Medizin. Im gleichen Jahr trat er der NSDAP und der SA bei. Sein wissenschaftliches Interesse galt der Hygiene und den Infektionskrankheiten, insbesondere der Malaria. 1936 wurde er Abteilungsleiter für Tropenmedizin am Robert-Koch-Institut in Berlin, dem er 1943-1945 als Vizepräsident vorstand. Daneben war Rose beratender Hygieniker und Tropenmediziner beim Chef des Sanitätswesens der Luftwaffe.
Rose war nie als KZ-Arzt tätig gewesen. Aber in seiner Funktion als Hygienefachmann am Robert-Koch-Institut wußte er von den Versuchen in Buchenwald. Er stand ihnen durchaus kritisch gegenüber. Das Argument seines Vorgesetzten, es handele sich ohnehin nur um zum Tode verurteilte Verbrecher, konnte er nicht akzeptieren:

"Wenn dieses Verfahren Schule macht, könnten wir ja die ganze Immunitätslehre an den Scharfrichter abtreten und nächstens eine Scharfrichterschule am Institut aufmachen."
Rose zu Gildemeister, dem Präsidenten des Robert-Koch-Instituts, im März 1942

Im krassen Gegensatz dazu steht ein Schreiben Roses vom Dezember 1943 an Prof. Joachim Mrugowsky, den Chef des Hygiene-Instituts der Waffen-SS. Rose regte darin die Durchführung von Versuchen mit einem neuen Fleckfieber-Impfstoff aus Kopenhagen an. Das Präparat wurde daraufhin an "30 Zigeunern" im KZ Buchenwald getestet. 6 von ihnen starben.

Kritiker und Täter - wie paßt das zusammen? Rose fürchtete nicht um die Gesundheit und das Leben der Versuchspersonen, sondern um den Ruf der Immunologie. Die künstliche Infektion gesunder Menschen mit einer lebensgefährlichen Erkrankung widersprach seiner Meinung nach den gültigen Forschungsgrundsätzen. Trotz dieser Bedenken nutzte aber auch Rose letztendlich die in Buchenwald gebotene Möglichkeit, die Frage der Fleckfieber-Impfung durch Menschenversuche zu einer raschen Klärung zu bringen.

 

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