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Band III (1992) Spalten 1133-1136 Autor: Klaus Herbers

KARL III. (»der Dicke«), seit 876 (Teil)König im Ostfrankenreich; 880 König von Italien, 881 römischer Kaiser, 882 alleiniger König im Ostfrankenreich, 885 König des Westfrankenreiches. * 839 als jüngster Sohn Ludwigs des Deutschen und seit 862 mit Richardis verheiratet. K. erhielt 865 von seinem Vater Alemannien mit Churrätien zugesprochen; andere Teile des ostfränkischen Reiches waren für seine Brüder Karlmann (Bayern und östl. Marken) und Ludwig den Jüngeren (Thüringen, Sachsen) vorgesehen. Bis zum Tode des Vaters blieb jedoch der Einfluß der Söhne beschränkt, am bedeutendsten war wohl die Entsendung K.s nach Oberitalien, als nach dem Tod von Kaiser Ludwig II. Ost- und Westfranken um die Nachfolge konkurrierten. K. konnte sich jedoch gegen den westfränkischen König Karl den Kahlen in Italien nicht durchsetzen. Erst nach dem Tod des Vaters (28.8. 876) trat K. die Nachfolge in dem ihm zugewiesenen Raum des ostfränkischen Reiches an. Die drei Brüder bestätigten die väterlich verfügte Teilung mit einem im Nördlinger Ries abgeschlossenen Eid (November 876). - Zu Beginn seiner Herrschaft hielt sich K. wohl vernehmlich in Schwaben auf; in der Italienpolitik wurde hingegen zunächst sein Bruder Karlmann aktiv, der den Westfranken Karl den Kahlen 877 dazu zwang. Italien wieder zu verlassen. Erst als Karlmann durch schwere Krankheit regierungsunfähig geworden war, appellierte Papst Johannes VIlI., mehrfach an K., vor allem, um Hilfe gegen mittelitalische Fürsten und die Sarazenen zu erhalten. Der Papst bot K. sogar die Kaiserkrone an, und Karlmann verzichtete im August 879 zugunsten von K. auf die Herrschaft in Italien. K. zog Ende 879 nach Oberitalien und wurde Anfang des Jahres 880 in Ravenna nach Huldigung der Großen vom Papst zum König von Italien gesalbt. Nachdem er sich anschließend am Kampf gegen die Errichtung eines niederburgundisch-provenzalischen Reiches durch Boso von Vienne beteiligt hatte, kehrte er auf mehrfaches Drängen des Papstes im November 880 erneut nach Italien zurück, und wurde am (12.) 2. 881 in Rom zum Kaiser gekrönt. K. verweilte anschließend noch über ein Jahr in Italien, urkundete für zahlreiche Empfänger und bestritt im Februar 882 mit dem Papst in Ravenna eine Reichsversammlung. Trotz aller Bemühungen blieb jedoch die Bedrohung Roms durch Widonen und Sarazenen weiterhin bestehen. Auf die Nachricht vom Tod seines Bruders Ludwigs des Jüngeren (+ 20.1. 882) zog K. nach Norden zurück und konnte nun alleiniger König in Ostfranken werden (Mai 882, Reichsversammlung in Worms). Als Herrscher des gesamten Ostfrankenreiches und des Regnum Italiae hatte K. drei Hauptprobleme zu bewältigen: die Normannengefahr im Nordwesten, die Bedrohung Bayerns und der Ostmark durch Swatopluk von Mähren und das Streben der Spoletiner nach verstärktem Einfluß in Italien. In allen drei Bereichen trug K. zwar zu einer friedlichen Lösung bei (Mitte 882 nach der Schlacht bei Asselt Vertrag und erkaufter Rückzug der Normannen; Herbst 884 Frieden mit Swatopluk und Huldigung des Mährerfürsten; nach Sanktionen mit Papst Marinus I. 883 in Nonantola gegen den Spoletiner Wido Versöhnung mit diesem am 7.1. 885), allerdings stellten die verschiedenen Konzessionen sicher die kaiserliche Autorität auch in Frage, insbesondere wurde der Vertrag mit den Normannen schon in vielen zeitgenössischen Quellen als eine Schmach empfunden. - Der Tod des Westfranken Ludwigs III. (+ 12.12. 884) führte die westfränkischen Großen dazu, K. auch als ihren König anzuerkennen, da dessen Halbbruder Karl (III., der Einfältige, * 879) als nicht vollbürtig galt. Eine Gesandtschaft erreichte K. in Italien und im Juni 885 nahm er die Huldigung der westfränkischen Großen entgegen. Mit Ausnahme des Herrschaftsbereiches Bosos von Niederburgund war so das gesamte Frankenreich wieder in einer Hand vereinigt und Ansprüche Hugos, eines Sohnes Lothars II., waren noch kurz zuvor durch die Blendung Hugos ausgeschaltet worden. Die Vereinigung des Gesamtreiches war jedoch eher ein dynastischer Zufall; die Datierung in den Urkunden erfolgte zumeist entsprechend dem Regierungsantritt in den einzelnen Teilreichen, ein Zeichen für deren Eigenständigkeit. - Vor diesem Hintergrund erscheinen die Bemühungen K.s um eine Sicherung der Nachfolge im Gesamtbereich fast wie eine Verzweiflungstat. Als mögliche Nachfolger wären der Westfranke Karl (III.) der Einfältige, K.s eigener illegtimer Sohn Bernhard sowie sein Neffe Arnulf, der Sohn Karlmanns, in Frage gekommen. K.s Streben, vor allem eine Nachfolge Arnulfs zu verhindern und seinem Sohn Bernhard den Thronanspruch notfalls mit Hilfe des Papstes Hadrian III. noch 885 zu sichern, scheiterte. Unterdessen nahm die Bedrohung des Reiches durch weitere Normannenstürme zu. Auch ein ostfränkisches Entsatzheer konnte den von Graf Odo und Bischof Gauzlin bei Paris begonnenen Kampf gegen die Normannen nicht zu einer Entscheidung bringen. K. erkaufte den Abzug der Normannen und gab den Durchzug nach Burgund frei. Die Schwierigkeiten und die sich verschlimmernde Krankheit K.s seit dem Winter 886/887 machten die Regelung der Nachfolge dringend, wenn der Kaiser selbst noch einmal Einfluß auf diese Entscheidung nehmen wollte. K., zu einer Ausschaltung der Ansprüche Arnulfs entschlossen, adoptierte nun Bosos erst vierjährigen Sohn Ludwig, einen Enkel Kaiser Ludwigs II., in Kirchen bei Lörrach zum Sohn und König (Mai 887). Aber der Unmut im Reich war schon zu sehr angewachsen, als daß diese Regelung noch weitere Bedeutung hätte erlangen können. Ebenfalls in Kirchen erzwangen die Großen kurz darauf die Absetzung des Erzkanzlers Liutward von Vercelli und die Bestellung Liutberts von Mainz als Erzkanzler. Damit war jedoch ein Anhänger Arnulfs Erzkanzler geworden. Zu einer ostfränkischen, nach Tribur einberufenen Reichsversammlung (November 887) erschien Arnulf mit einem bayerisch-slawischen Heer. Die versammelten Großen sagten sich von K. los und riefen Arnulf zum König aus. Nur mit wenigen Getreuen zog K. nach Alemannien zurück, wo er am 13.1. 888 in Neidingen (Neudingen) (Donau) starb. Bestattet wurde er auf der Reichenau (Mittelzell).

Lit.: J. F. Böhmer/E. Mühlbacher, Regesta Imperii I. Die Regesten des Kaiserreichs unter den Karolingern, 751-918, 2. Aufl., Innsbruck 1908. Nachdr. Hildesheim 1966, S.669-725; - P. Kehr (ed.), Die Urkunden der deutschen Karolinger II: Die Urkunden Karls III. (MG DD, 1937); - Briefe der Päpste Johannes' VIII. und Stephans V.: E. Caspar/G. Laehr (ed.), Epp Karolini aevi Bd. 5 (MG Epp Bd. 7) Berlin 1912-1928, Nachdr. München 1978; - weitere Quellen bei Wattenbach-Levison, 4. Heft (H.Löwe): Italien und das Papsttum, Weimar 1963, S.387ff. und 6. Heft (H.Löwe): Das ostfränkische Reich, (Weimar 1990). E.Dümmler, Geschichte des Ostfränkischen Reiches Bd. II und III, 2. Auflage Leipzig 1887f. (Nachdr. Hildesheim 1960); - W. Vogel, Die Normannen und das Fränkische Reich bis zur Gründung der Normandie (799-911), Heidelberg 1906; - G. Eiten, Das Unterkönigtum im Reiche der Merovinger und Karolinger, Heidelberg 1907; - P. Kehr, Die Kanzlei Karls III., Berlin 1936; - ders., Aus den letzten Tagen Karls III., in: DA 1, 1937, S. 138-146 (Nachdr. in: Königswahl und Thronfolge in fränkisch-karolingischer Zeit, hg. von E. Hlawitschka, Wege der Forschung Bd. 247, Darmstadt 1975, S. 399-412); - M. Lintzel, Zur Stellung der ostfränkischen Aristokratie beim Sturz Karls III. und der Entstehung der Stammesherzogtümer, in: HZ 166, 1942, S.457-472; - E. Ewig, Kaiser Lothars Urenkel, Ludwig von Vienne, der präsumtive Nachfolger Kaiser Karls IlI., in: Das erste Jahrtausend. Kultur und Kunst im werdenden Abendland an Rhein und Ruhr, Textband 1, Düsseldorf, 2. Aufl. 1963, S. 336-343; - H. Keller, Zum Sturz Karls III., in: DA 22, 1966, S. 333-384 (Nachdr. in: Königswahl und Thronfolge in fränkisch-karolingischer Zeit, hg. von E. Hlawitschka, Wege der Forschung Bd. 247, Darmstadt 1975, S. 432-494); - A. d'Haenens, Les invasions normandes en Belgique au IXe siècle. Le phénomène et sa répercussion dans l'historiographie médiévale (Recueil de travaux d'histoire et de philologie, 4e série, fascicule 38) Louvain 1967; - E. Hlawitschka, Lotharingien und das Reich an der Schwelle der deutschen Geschichte (Schriften der MG, Bd. 21) Stuttgart 1968, S. 26-64 (Nachdr. in: Königswahl und Thronfolge in fränkisch-karolingischer Zeit, hg. von dems., Wege der Forschung Bd. 247, Darmstadt 1975, S. 495-547); - H. Zettel, Das Bild der Normannen und der Normanneneinfälle in westfränkischen, ostfränkischen und angelsächsischen Quellen des 8.-11. Jahrhunderts, München 1977; - M. Borgolte, Karl III. und die Neudingen. Zum Problem der Nachfolgeregelung Ludwigs des Deutschen, in: Zeitschrift für Geschichte des Oberrheins 125, 1977, S. 21-55; - E. Hlawitschka, Nachfolgeprojekte aus der Spätzeit Kaiser Karls III., in: DA 34, 1978, S. 19-50 (Nachdr. in: ders., Stirps regia. Forschungen zu Königtum und Führungsschichten im früheren Mittelalter, Festgabe zu seinem 60. Geburtstag, hg. von G. Thoma und W. Giese, Frankfurt u.a. 1988, S. 123-154); - H. J. Oesterle, Die sogenannte Kopfoperation Karls IlI. 887, in: Archiv für Kulturgeschichte 61, 1979, S.445-451; - H. Schwarzmaier, Neudingen und das Ende Kaiser Karls III., in: Forschungen und Berichte der Archäologie des Mittelalters in Baden-Württemberg 6, 1979, S. 21-55; - H.-W. Goetz, Zur Landnahmepolitik der Normannen im Fränkischen Reich, in: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein 183, 1980, S. 9-17; - E. Hlawitschka, Die Widonen im Dukat von Spoleto, in: QFIAB 63, 1983, S. 20-92, (Nachdr. in: ders., Stirps regia. Forschungen zu Königtum und Führungsschichten im früheren Mittelalter, Festgabe zu seinem 60. Geburtstag, hg. von G. Thoma und W. Giese, Frankfurt u.a. 1988, S. 155-226); - H. Maurer, Sagen um Karl III., in: Institutionen, Kultur und Gesellschaft im Mittelalter. Festschrift für Josef Fleckenstein, hg. von L. Fenske, W. Rösener und Th. Zotz, Sigmaringen 1984, S. 93-100; - ADB XV, S. 157-163 (E. Mühlbacher); - NDB XI, S. 181-184 (Th. Schieffer); - LThK V Sp. 1357 (Th. Schieffer).

Klaus Herbers

Letzte Änderung: 09.06.1998