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Band I (1990) Spalten 1054-1056 Autor: Friedrich Wilhelm Bautz

CLEMENS VII., Papst, * 26.5. 1478 als unehelicher Sohn des bei der Verschwörung der Pazzi in Florenz am 26.4. 1478 ermordeten Giuliano I. de' Medici, † 25.9. 1534.- Giulio de' Medici trat in den Johanniterorden ein und wurde Prior von Capua. Leo X., sein Vetter, erteilte ihm Dispens wegen seiner unehelichen Geburt und entschied, daß er das Kind einer "heimlichen Ehe" sei. So wurde Giulio Bischof von Narbonne, Erzbischof von Florenz, Kardinaldiakon bei Sta. Maria in Domnica und Kardinalpriester bei S. Clemente und bei S. Lorenzo in Damaso. Am 18.11. 1523 erfolgte seine Wahl zum Papst. C. war bestrebt, die weltliche Macht des Papsttums und des Hauses Medici zu behaupten. Seit 1521 führte Karl V. mit Franz I. von Frankreich Krieg um die Herrschaft in Italien. C. wollte neutral bleiben und lehnte darum am 5.1. 1525 es ab, ein Bündnis mit dem Kaiser gegen Frankreich einzugehen. Franz 1. erlebte am 24.2. 1525 bei Pavia seine entscheidende Niederlage; er wurde gefangengenommen und nach Spanien gebracht. Darum trat C. am 1.4. 1525 in ein Bündnis mit dem Kaiser. Franz I. mußte am 14.1. 1526 in dem Frieden zu Madrid auf Italien verzichten. Angesichts der drohenden Übermacht Karls V. schloß C. am 22.5. 1526 mit Franz I., Mailand, Venedig und Florenz die Liga von Cognac gegen den Kaiser. Im Sommer brach der Krieg aus. Er erlebte im Mai 1527 die furchtbare Plünderung Roms durch die kaiserlichen Truppen, den "Sacco di Roma". C. wurde in der Engelsburg belagert und mußte sich ergeben. Gefangenschaft war sein Los. Die Medici wurden aus Florenz verjagt. Der Kaiser gab im November 1527 dem Papst gegen das Versprechen der Neutralität die Freiheit und die Regierung des Kirchenstaates zurück. C. verzichtete auf die päpstlichen Ansprüche auf Modena und Reggio und erreichte durch den Frieden von Barcelona am 29.6. 1529 die Wiederherstellung der Herrschaft der Medici in Florenz. Am 24.2. 1530 krönte er Karl V. in Bologna zum Kaiser. - Auf dem 2. Nürnberger Reichstag 1524 drang C. durch seinen Legaten Lorenzo Campegio vergebens darauf, die strenge Durchführung des Wormser Edikts zu beschließen. Durch seine antikaiserliche Haltung 1526 förderte er indirekt die Reformation. C. versprach in Bologna Karl V., ein allgemeines Konzil einzuberufen, das über die kirchlichen Streitigkeiten entscheiden sollte. Im Augsburger Reichstagsabschied vom 19.11. 1530 verlangte der Kaiser, "daß durch ihre Heiligkeit ein gemein Christlich Concilium innerhalb sechs Monaten, nach Endung diß Reichs-Tags, an gelegene Malstadt ausgeschrieben, und das zum förderlichsten und auf das längst in einem Jahr nach solchem Ausschreiben angefangen und gehalten werden soll". Da C. die Forderung des Konzils nicht offen abzulehnen wagte, suchte er ihm durch beständiges Aufschieben auszuweichen. Im "Nürnberger Anstand" (= Waffenstillstand) vom 23.7. 1532 verhieß der Kaiser den Protestanten ausdrücklich Duldung bis zum nächsten, binnen einem Jahr zu berufenden Konzil. Karl V. bestand im Dezember 1532 bei einer neuen Zusammenkunft mit dem Papst in Bologna auf der Notwendigkeit des Konzils. Franz I. aber, mit dem C. 1533 einen neuen Bund einging, bestärkte ihn in der Abneigung gegen eine allgemeine Synode. - Da C. sich 1534 weigerte, die Ehe Heinrichs VIII. von England mit Katharina von Aragón zu scheiden, sagte sich der König und sein Reich vom Papst los.

Lit.: P. Balan, La politica di C. VII, Rom 1884; - Ders., C. VII e l'Italia dei suoi tempi, Mailand 1887; - Stephan Ehses, Die Politik C.' VII. bis z. Schlacht v. Pavia, in: HJ 6, 1885, 557 ff.; 7, 1886, 553 ff.; - Ders., Die päpstl. Dekretale im Scheidungsprozeß Heinrichs VIII., ebd. 9, 1888, 24 ff. 209 ff. 609 ff.; - Ders., Papst K. VII. in dem Scheidungsprozesse Heinrichs VIII., ebd. 13, 1892, 470 ff.; - Röm. Dokumente z. Gesch. der Ehescheidung Heinrichs VIII. v. England, 1527-1534, hrsg. v. dems., 1893; - R. Grethen, Die polit. Beziehungen K.' VII. zu Karl V. in den J. 1523-27, 1887; - W. Hellwig, Die polit. Beziehungen K.' VII. zu Karl V. im J. 1526, 1889; - Paul Kalkoff, Zu Luthers röm. Prozeß, in: ZKG 25, 1904, 90 ff. 273 ff. 399 ff. 503 ff.; - J. Fraikin, Nonciatures de France. Nonciatures de C. VII, 2 Bde., Paris 1906-26; - Herbert Millingchamp Vaughan, The Medicis Popes, Leo X and C. VII, London 1908, 285 ff.; - T. Pandolfi, Giovan Matteo Giberti e l'ultima difesa della libertà d'Italia negli anni 1521-25, in: Archivio della Società romana di storia patria 34, Rom 1911, 131 ff.; - G. Pieraccini, La stirpe dei Medici di Cafaggiuolo I, Florenz 1924; - G. Constant, La Réforme en Angleterre. Le schisme anglican, Henri VIII (1509 bis 1547), Paris 19302, 18 ff.; - Emmanuel Rodocanachi, Histoire de Rome. Les pontificats d'Adrien VI et de C. VII, ebd. 1933, 87 ff.; - P. Janelle, L'Angleterre catholique à la veille du schisme, ebd. 1935, 80 ff.; - Pierre Crabitès, C. VII and Henry VIII, London 1936; - Alfred Tresidder Sheppard, Rom gibt, Rom nimmt. Roman. Aus dem Engl. v. Lucy v. Wangenheim, 1937; - Karl Brandi, Kaiser Karl V. Werden u. Schicksal einer Persönlichkeit u. eines Weltreiches I4, 1942; II: Qu. u. Erörterungen, 1941; - Gerhard Ritter, Die Neugestaltung Europas im 16. Jh. Die kirchl. u. staatl. Wandlungen im Zeitalter der Ref. u. der Glaubenskämpfe, 1950, 104 ff.; - Hubert Jedin, Gesch. des Konzils v. Trient I, 19512, 176 ff. 181 ff. 204 ff. 211 ff. 530 ff. 537 ff. u. ö.; - Paul Joachimsen, Die Ref. als Epoche der dt. Gesch., hrsg. v. Otto Schottenloher, 1951, 155 ff.; - J. M. De Garganta, El papa C. VII y sus criterios juridicos en la reforma de las ordenes mendicantes, in: Annuario de historia del clerecho español 23, Madrid 1953, 289 ff.; - Leopold v. Ranke, Die röm. Päpste in den letzten 4 Jhh., 1953; - Ders., Dt. Gesch. im Zeitalter der Ref. I, 1957, 330 ff. 429 ff.; - Leonard v. Matt u. Hans Kühner, Die Päpste. Eine Papstgesch. in Bild u. Wort, 1963, 150 f.; - S. Maurano, Il sacco di Roma, 1967; - Gerhard Müller, Die röm. Kurie u. die Ref. 1523-1534. Kirche u. Politik während des Pontifikats C.' VII., 1969; - v. Pastor IV/212, 161 ff. u. ö.; - LexP 181 ff.; - Fliche-Martin XVII, 22 ff.; - RE IV, 147 ff.; XXIII, 312; - EKL I, 800; - RGG I, 1833; - DThC III, 72 ff.; - DACL XII, 1175 ff.; - DHGE XII, 1175 ff.; - EC III, 1821 ff.; - LThK II, 1226; - ODCC 298; - MennLex I, 360 f.; - MennEnc I, 621 f.; - NCE III, 931 f.; - EItal X, 569 f.

Literaturergänzung:

Hermann Fillitz, Papst Clemens VII. u. Michelangelo. D. Jüngste Gericht in d. sixtin. Kapelle. Wien 2005 (=Veröffentl. d. Kommission f. Kunstgeschichte / Österreich. Akademie d. Wiss.; 6); - Gouwens, Kenneth / Reiss, Sheryl (ed.): The Pontificate of Clement VII: History, Politics, Culture. Aldershot, Hampshire UK: Ashgate 2005; - Jutta Götzmann, Der Triumph d. Medici. Zur Ikonographie d. Grabmäler Leos X. u. Clemens.' VII. in S. Maria sopra Minerva, in: Praemium virtutis II. Joachim Poeschke ... (Hgg.). Münster 2005, S. 171-200; - Hegener, Nicole: Mediceischer Ruhm und künstlerische Selbstinszenierung. Bandinelli und die Papstgrabmäler in S. Maria sopra Minerva, in: Tod und Verklärung, hg. von Arne Karsten und Philipp Zitzlsperger, Köln, Weimar und Wien 2004, S. 259-284.

Letzte Änderung: 17.09.2006