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Band II (1990)Spalten 554-568 Autor: Friedrich Wilhelm Bautz

HARNACK, Adolf von (seit 1914), Theologe, * 7.5. 1851 in Dorpat (Livland) als Sohn des Professors der Theologie Theodosius Harnack (s. d.), 10.6. 1930 in Heidelberg, eingeäschert in Berlin und beigesetzt auf dem dortigen Alten Matthäikirchhof. - H.s Mutter, Marie, Tochter des Professors für Staatswissenschaften und russisches Recht Gustav Ewers ( 1830) und seiner Ehefrau Dorothea geborene Freiin von Maydell, wurde am 22.5. 1828 in Dorpat geboren und starb nach neunjähriger Ehe am 23.11. 1857 in Erlangen, am Tag der Geburt ihres fünften Kindes. Sein Vater verheiratete sich 1864 mit der Baltin Helene Baronesse von Maydell ( 1923), einer Base seiner ersten Frau, die sich der verwaisten Kinder mit der größten Liebe und Treue annahm. In dankbarem Gedenken an seinen 1889 heimgegangenen Vater schreibt H.: "Was ein Vater seinen Söhnen in den entscheidenden Jahren sein kann, das ist er uns gewesen; ich habe alles, was Erfahrung, Bildung und Urteil ausmacht, auf allen Gebieten des persönlichen Lebens und des Wissens, zuerst durch ihn und unter seiner nie ermüdenden Leitung kennengelernt. Er hat viel in seinem Leben gearbeitet und noch bis zuletzt seine Korrekturbogen korrigiert; aber auf wieviel genußreiche Arbeit hat er verzichtet, um sich mit uns abzuquälen!" H. besuchte in Erlangen und seit 1866 in Dorpat das Gymnasium. Schon viele Monate vor seinem Abitur schrieb er an seinen Erlanger Freund Wilhelm Stintzing: "Wie Du wissen wirst, werde ich Theologie studieren. Ich weiß nicht, ob Du auch zu denen gehörst, die auf alles, was Religion und Theologie heißt, mit Verachtung oder doch mit Gleichgültigkeit hinuntersehen. Allein, man mag das Christentum auch ansehen, wie man es wolle; ja auch zugegeben, es sei ein Irrtum; ist es da nicht von dem größten Interesse, der Geschichte dieses Irrtums nachzugehen und sich zu überzeugen, welche weltbewegende Ereignisse, Umwälzungen dieser Irrtum hervorgerufen hat, in welche ungewohnten Bahnen er den Geist der Jahrhunderte gelenkt hat, wie er unsere ganze heutige Kultur und Bildung durchzogen hat und untrennbar von ihr ist. Allein noch weiter. Je länger ich lebe (und wie kurze Zeit haben wir doch erst hinter uns), desto mehr erfahre ich es täglich, wie alle Probleme und Konflikte immer schließlich auf das Gebiet des Religiösen rekurrieren und dort zum Austrag kommen und wie deshalb ein christlicher Standpunkt niemals ein überwundener sein kann. Und darum bin ich ein begeisterter Theologe; denn ich hoffe in dieser Wissenschaft den Weg zur Lösung der Hauptprobleme unseres Lebens zu finden; nicht freilich die ganze Lösung, aber doch wenigstens den rechten Weg; denn ich bin mir wohl bewußt, daß man diesen Weg tagtäglich von neuem anfangen muß. Nicht eine Fülle fertig gemachter Glaubenssätze begehre ich, sondern jeden einzelnen Satz in dem Gewebe will ich mir selbständig produzieren und zu eigen machen." Im Frühjahr 1869 begann H. in Dorpat mit dem Studium der Theologie. Außer seinem Vater waren Alexander von Oettingen (s. d.) und Moritz Baron von Engelhardt (s. d.) seine Lehrer. Im Herbst 1872 siedelte er nach Leipzig über und fand dort einen Kreis gleichaltriger Freunde, durch die ihm viel Anregung und Förderung zuteil wurde: Julius Kaftan (s. d.), Emil Schürer (s. d.), Wolf Graf von Baudissin (s. d.) und Oskar Leopold von Gebhardt (s. d.). H. promovierte mit der Dissertation "Zur Quellenkritik der Geschichte des Gnostizismus" zum Dr. phil. und reichte im Januar 1874 der Theologischen Fakultät seine Habilitationsschrift "De Apellis Gnosi monarchia" ein. H., Baudissin, Kaftan, Schürer und Herdegen, die fünf jungen Leipziger Privatdozenten, reisten zusammen nach Italien. H. eröffnete 1874 eine "Kirchenhistorische Gesellschaft" und begann im Winter 1874/75 seine Lehrtätigkeit mit der Vorlesung über sein Spezialgebiet, Gnostizismus. Im Gedenken an die ersten Jahre seiner akademischen Laufbahn schreibt H.: "Das kam in Leipzig so, daß es wohl noch niemals einen jungen Mann, vielleicht Melanchthon ausgenommen, so glücklich ging wie mir. Die Situation, die ich vorfand, war, daß zwar ausgezeichnete Leute da waren - denn diesen Ruf hatten sie -, zugleich aber, daß sie schlechte Musikanten für die Studenten waren - das kann ich ruhig sagen -, so daß ich mit 23 Jahren auf einmal eine Ernte einheimsen konnte, wie sie sonst nur auf der Höhe des Lebens beschert ist. Und dann kamen alle diese ausgezeichneten jungen Leute. Auf einmal war es mir also beschert, so daß ich die deutliche Empfindung hatte: Du hast wirklich die besten Studenten, die da sind." Zu dem engsten Kreis, der sich zu regelmäßigen Sitzungen um ihn versammelte, zählten seine Freunde und späteren Kollegen Caspar René Gregory (s. d.), Martin Rade (s. d.), Wilhelm Bornemann (s. d.), Friedrich Loofs (s. d.) und William Wrede (s. d.). H. wurde 1876 zum ao. Professor ernannt und Ende 1878 zum o. Professor nach Gießen berufen. Als er im Frühjahr 1879 sein neues Amt antrat, zählte die Theologische Fakultät nur 17 Studenten. Am 2.8. 1879 verlobte sich H. mit Amalie ( 1950), Tochter des Professors der Medizin Carl Thiersch. Die Hochzeit fand am 27.12. 1879 in Leipzig statt. An dem Aufbau der Theologischen Fakultät in Gießen wirkte H. eifrig mit. Die Zahl der Studierenden wuchs langsam, aber stetig, so daß im Sommersemester 1884 fast 100 in Gießen Theologie studierten. Am 19.12. 1885 sandte H. an Albrecht Ritschl (s. d.) das erste Exemplar des 1. Bandes seines "Lehrbuchs der Dogmengeschichte" und schrieb dazu: "Es ist mir ein Bedürfnis, indem ich den Band in Ihre Hände lege, Ihnen nochmals meinen herzlichen Dank für alles zu sagen, was ich von Ihnen empfangen habe. Mit dem Studium Ihrer Entstehung der Altkatholischen Kirche hat vor 17 Jahren meine theologische Arbeit begonnen, und es ist seitdem schwerlich ein Vierteljahr vergangen, in dem ich nicht weiter von Ihnen gelernt hätte. Das gegenwärtige Buch ist eine Art von Abschluß langjähriger Studien: es wäre ohne die Grundlage, die Sie gelegt, wohl nie geschrieben worden, so unvollkommen es ist. Nehmen Sie es freundlich auf und bleiben Sie dem Verfasser auch dort wohlgesinnt, wo Sie seine Beobachtungen oder Urteile nicht teilen." Auf Grund eingehender Untersuchungen zu der bisher von den Dogmenhistorikern vernachlässigten Frage "Wie ist das kirchliche Dogma entstanden?" war H. zu dem Ergebnis gekommen, daß die Entstehungsgeschichte des Dogmas erst im Lauf des 3. Jahrhunderts ihren Abschluß gefunden habe. In seinem "Lehrbuch der Dogmengeschichte" vertrat er die These, daß das Dogma eine Frucht der Hellenisierung des Christentums sei: "Es ist in seiner Konzeption und in seinem Ausbau ein Werk des griechischen Geistes auf dem Boden des Evangeliums." Das Buch bezeichnet den Abschluß der religiös-theologischen Entwicklung des Verfassers: "Ich kann Ihnen sagen", schreibt er an Loofs am 30.12. 1885, "daß ich meinem Gott und Herrn danke, daß ich von Berufs wegen Gelegenheit in diesem Buch gehabt habe, zu sagen, ungeschminkt zu sagen, wie ich über entscheidende Fragen denke, ohne daß man mir vorwerfen kann, daß ich die Aussprache gesucht habe. Etwas von der Freude, die Luther gehabt hat, als er nach dem Zeugnis zu Worms fröhlich ausgerufen: >Ich bin hindurch, ich bin hindurch!<, bewegte mich, als mein Buch fertig vor mir lag. Vielleicht können Sie es nachempfinden, vielleicht lächeln Sie über den anmaßenden Mann. Aber die Freude, daß es mir vergönnt gewesen ist, zu sagen, wie ich denke, und nicht anders zu scheinen, als ich bin, ist für mich eine so hohe, daß in ihrer Kraft alle die Peinlichkeiten schwinden werden, auf die ich gefaßt bin." H.s "Dogmengeschichte" ist das Werk eines Theologen, der sich endgültig innerlich von der lutherischen Orthodoxie losgerungen hat. Nach längerem Schweigen schrieb ihm sein Vater am 29.1. 1886: "Unsere Differenz ist keine theologische, sondern eine tiefgehende, direkt christliche, so daß ich, wenn ich über sie hinwegsähe, Christum verleugnete, und das kann kein Mensch, auch wenn er mir so nahe stände wie Du, mein Sohn, von mir verlangen oder erwarten. Wer - um nur die alles entscheidende Hauptsache zu nennen - so wie Du zur Auferstehungstatsache steht... der ist in meinen Augen kein christlicher Theologe mehr. Ich begreife total nicht, wie man bei solcher Geschichtsmacherei noch auf die Geschichte sich berufen kann, oder ich begreife es nur, wenn man das Christentum dabei degradiert. Also entweder - oder... Mit der Auferstehungstatsache steht oder fällt mir das Christentum; mit ihr steht mir auch die Trinität fest." Die Theologische Fakultät in Leipzig schlug im Wintersemester 1885/86 mit einer beträchtlichen Mehrheit H. als einzigen vor; aber der Minister lehnte auf Grund eines Gutachtens des Oberkonsistoriums den Vorschlag der Fakultät ab. "Das ist eine erste Frucht meiner Dogmengeschichte", schrieb H. an Ritschl. Im Sommer 1886 wurde er an die Universität Marburg berufen, deren Theologische Fakultät ihm bereits 1879 ehrenhalber die Doktorwürde verliehen hatte. 1887 erschien der 2. Band seines "Lehrbuchs der Dogmengeschichte", der die Entwicklung des kirchlichen Dogmas vom Anfang des 4. Jahrhunderts an bis zum Auftreten des Augustinus (s. d.) behandelte. Als der Kirchengeschichtler Karl Semisch (s. d.) in Berlin im Wintersemester 1887/88 durch Krankheit an der Ausübung seines Lehramts verhindert war, forderte das Ministerium die Fakultät auf, Vorschläge für die Neubesetzung seiner Stelle zu machen. Diese schlug am 10.12. 1887 einstimmig H. vor. Professor Bernhard Weiß (s. d.), vortragender Rat im Ministerium der geistlichen Angelegenheiten, der sich von den Beratungen ferngehalten hatte, schrieb: "Auch ich verkenne nicht, daß manches in den Resultaten H.s und in der Art, sie geltend zu machen, noch eine gewisse vorschnelle und herausfordernde Keckheit zeigt und daß beides vielleicht nicht immer ganz unbeeinflußt von seiner Richtung (H. ist Ritschlianer) ist. Allein er ist ohne Frage gegenwärtig der fleißigste, originellste Kirchenhistoriker von ungewöhnlicher Produktivität und wissenschaftlicher Forschungsgabe sowie der anregendste Dozent unter ihnen. Aus beiden Gründen glaube ich, daß er bei einer Berufung an die erste Theologische Fakultät Deutschlands (der Zahl der Studierenden nach) nicht wohl umgangen werden kann." Da in den altpreußischen Provinzen durch eine Kabinettsordre von 1855 der Evangelische Oberkirchenrat (EOK) das Recht hatte, sich vor der Berufung eines Theologen über dessen Lehre und Bekenntnis zu äußern, erging am 30.12. 1887 vom Ministerium an den EOK die Anfrage, ob dort gegen die Berufung H.s Bedenken beständen. Der EOK antwortete am 29.2. 1888: "Es läßt sich zwar nicht verkennen, daß die theologische Gesamtanschauung des D. H. eine dem positiven Christentum und dem kirchlichen Bekenntnis zugeneigte ist. Andererseits aber enthält seine Dogmengeschichte Ausführungen, welche inbetreffs seiner Stellung zum neutestamentlichen Kanon, zu mehreren grundlegenden Heilstatsachen aus dem Leben Jesu Christi und zu der Einsetzung des Sakramentes der heiligen Taufe durch den Herrn Bedenken hervorgerufen haben, welche in unserer Mitte nicht haben überwunden werden können." Friedrich Althoff, Hochschulreferent im preußischen Kultusministerium, wünschte in seinem Schreiben vom 24.3. 1888 an den EOK dringend, "zur sorgfältigen Prüfung der angedeuteten Zweifel in den Stand gesetzt zu werden. Den EOK ersuche ich daher ganz ergebenst, mir mit möglichster Genauigkeit diejenigen Stellen in seiner Dogmengeschichte zu bezeichnen, worauf sich die Bedenken gründen, welche in der Mitte des EOK bis dahin nicht haben überwunden werden können." Am 2.5. ging darauf ein ausführliches Gutachten des EOK im Ministerium em. Althoff und Weiß begannen nun, durch Gutachten und Zeugnisse ausreichendes Material zu beschaffen, damit der Kultusminister Gustav von Goßler die Differenz mit dem EOK in einem Immediatbericht an höchster Stelle zur Entscheidung brächte. Eine Verzögerung trat ein durch die Todeskrankheit und das Ableben des Kaisers Friedrich am 15.6. 1888. H. wurde zu einer persönlichen Zusammenkunft mit dem Minister von Goßler geladen, die am 10.6. in Naumburg stattfand. Am 17.6. schrieb der Minister an Otto von Bismarck: "Ew. Durchlaucht wollen geneigtest gestatten, daß ich eine Angelegenheit zur Sprache bringe, welche allerdings zunächst nur mein Ressort berührt, aber in ihren Folgen von erheblicher politischer Bedeutung ist. Gegen die von mir beabsichtigte Berufung des Kirchenhistorikers H. von Marburg nach Berlin hat der Evangelische Oberkirchenrat Bedenken bezüglich Lehre und Bekenntnis erhoben. Formal ist der Einspruch zulässig, materiell aber unbegründet. Die Bedenken des Oberkirchenrats beruhen teils auf einer mißverständlichen Auffassung einzelner Stellen der H.schen Dogmengeschichte, teils sind sie der Art, daß, wenn sie für durchschlagend erachtet werden sollten, die Freiheit der wissenschaftlichen Forschung untergraben, die Stellung der theologischen Fakultäten verkümmert werden würde. Bei der Bedeutung, welche dem Konflikt zwischen dem Unterrichtsministerium und dem Oberkirchenrat innewohnt, und der nur durch Allerhöchste Entscheidung zu lösen ist, habe ich nichts unterlassen, um mir Klarheit über die vorliegenden Fragen zu verschaffen, angesehene, positive, ja selbst orthodoxe Professoren innerhalb und außerhalb der Landeskirche der alten Provinzen vertraulich und mittelbar gehört, die Tätigkeit H.s auf dem Lehrstuhl wie im kirchlichen Leben während seines Wirkens in Marburg, vordem in Gießen, auf das sorgfältigste geprüft, mit H. persönlich verhandelt, und ich bin schließlich in den Besitz des Materials gelangt, welches m. E. die absolute Sicherheit gewährt, daß die Bedenken des Oberkirchenrats der Begründung entbehren und daß die Berufung des unbestritten bedeutendsten Kirchenhistorikers unter den Jüngeren nach Berlin der Theologie, der Heranbildung der akademischen Jugend, der Belebung des kirchlichen Sinnes, mithin der weiteren Entwicklung der evangelischen Kirche selbst zum Segen gereichen wird. Wie die Entscheidung des hochseligen Königs in dem Streit zwischen dem Unterrichtsminister und dem von dem Oberhofprediger beherrschten Oberkirchenrat ausgefallen wäre, ist mir nicht zweifelhaft gewesen. An dem Tage, an welchem ich den Immediatbericht vollendete, starb S. M. König Friedrich. Die Spannung, mit welcher alle akademischen Kreise, alle Fakultäten im Norden wie im Süden Deutschlands den Ausgang der H.schen Angelegenheit betrachten, ist infolge des Thronwechsels ungemein gesteigert. Man betrachtet den Konflikt als einen Zweikampf zwischen dem Unterrichtsminister und der Hofpredigerpartei und findet mit Recht eine Verschärfung in der Tatsache, daß H. erst vor zwei Jahren zufolge Allerhöchster Ernennung zum o. Professor von Gießen nach Marburg berufen worden ist. - Ew. Durchlaucht bitte ich geneigtest, darüber befinden zu wollen, ob ich diese Angelegenheit zum Gegenstand weiterer Erörterungen mit Hochderselben oder im Staatsministerium machen oder ob ich den Immediatbericht ohne weiteres S. M. vorlegen soll." Das Schreiben wurde erst am 27.6. abgesandt. Noch an dem Tag, an dem der Reichskanzler es erhielt, antwortete er und bat, "mit der Erstattung eines Immediatberichts hochgeneigtest warten zu wollen, bis die Sache im Staatsministerium beraten ist". Diese Beratung fand am 30.6. statt. Minister von Goßler machte darüber folgende Notiz: "Das Staatsministerium hat sich unter dem Vorsitze seines Präsidenten einmütig für meine Auffassung ausgesprochen und es als politisch unzuträglich und nachteilig bezeichnet, wenn dem Gutachten des Evangelischen Oberkirchenrats praktische Folge gegeben werden sollte." Am 4.7. 1888 wurde der Immediatbericht an den Kaiser, ein Schriftstück von 35 Folioseiten, abgesandt. Während die Entscheidung auf sich warten ließ, wählte die Marburger Universität H. zum Rektor, ein Zeichen dafür, wie sehr sie den umstrittenen Mann schätzte. Wilhelm II. befahl am 12.7., sämtliche Akten erst noch einmal dem EOK zur Rückäußerung vorzulegen. Trotz dringender Mahnung durch von Goßler traf erst am 6.9. die Antwort des EOK ein, der an seinen Bedenken festhielt. Am 16.9. schrieb der Minister zum Schluß seines zweiten Immediatberichts an den Kaiser: "Ich halte mich für verpflichtet, die Versetzung des Professors D. H. in die Theologische Fakultät der Universität Berlin als eine licht- und heilbringende Tat auf das angelegentlichste zu befürworten." Schon am Tag darauf, im Manöverquartier in Müncheberg, unterzeichnete Wilhelm II. H.s Versetzungsurkunde. Die Theologische Fakultät in Gießen verlieh am 31.10. 1888 Bismarck die Ehrendoktorwürde. Bereits 1889 brachte H. mit dem 3. Band des "Lehrbuchs der Dogmengeschichte" sein großes Werk zum Abschluß. Daneben gab er für seine Hörer 1889 einen "Grundriß der Dogmengeschichte" heraus, der im Aufbau dem großen Werk folgt. Anfang 1890 wurde H. Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften. Diese beschloß 1891 die Herausgabe der älteren griechischen Kirchenväter und nahm H.s Vorschlag an, ihr im Lauf von zwei oder drei Jahren eine Übersicht vorzulegen. Bereits im Juli 1893 erschien die geplante Zusammenstellung: "Geschichte der altchristlichen Literatur bis Eusebius. 1. Teil: Die Überlieferung und der Bestand." Es folgten 1897 und 1904 zwei weitere Bände, die die "Chronologie der altchristlichen Literatur" und die Echtheitsfragen behandelten. Die Akademie setzte eine Kommission zur Herausgabe der griechischen Kirchenväter ein und übertrug H. die Leitung des Unternehmens. Die Ausgabe war auf etwa 50 Bände berechnet, die in einem Zeitraum von etwa 20 Jahren erscheinen sollten. Umfangreiche Untersuchungen sollten gesondert in den von H. und Oskar Leopold von Gebhardt (s. d.) herausgegebenen "Texten und Untersuchungen zur Geschichte der altchristlichen Literatur" erscheinen. Durch die Arbeit der Kichenväterkommission erwuchs H. die Freundschaft mit Theodor Mommsen (s. d.). Die Akademie bat ihn am 16.4. 1896, "den Auftrag zur Abfassung einer Geschichte der Akademie als Festschrift zum 200jährigen Jubiläum der Akademie entgegenzunehmen". Der Druck begann Anfang 1898 und war mehrere Wochen vor dem Jubiläum im Frühjahr 1900 vollendet. "Das H.sche Werk über die Akademie habe ich in vier oder fünf Tagen, gleich nach meiner Rückkehr verschlungen", schreibt der Nationalökonom Georg Friedrich Knapp. "Es ist ganz unbeschreiblich gelungen, einfach meisterhaft durch Reichtum, Überblick, Einteilung und Schlichtheit. Es schlägt alle sogenannte Kulturgeschichte tot. Der Stoff ist so lebendig gemacht, daß der Leser dabei philosophieren muß und der Verfasser nicht nötig hat, Allgemeinheiten zu entwickeln. Ich habe hier förmlich Leser dafür geworben und fand bei allen dieselben Eindrücke. Jetzt steht mein Exemplar auf dem Seminar, und die Schüler sind angewiesen, ehe sie eine pragmatische Arbeit versuchen, zunächst einmal das Muster zu studieren. Der preußische Staat kann sich Glück wünschen, daß für ihn wieder einmal ein Historiker erstanden ist, der nicht nur will, sondern kann." - Am 28.5. 1890 gründeten Adolf Stoecker (s. d.), Adolf Wagner (s. d.), Ludwig Weber (s. d.) H. u. a. den "Evangelisch-Sozialen Kongreß", dessen Vorsitzender Landesökonomierat M. A. Nobbe wurde. Ihm folgte 1902 H. Er leitete de Kongreß in Darmstadt 1903, Breslau 1904, Hannover 1905, Jena 1906, Straßburg 1907, Dessau 1908, Heilbronn 1909, Chemnitz 1910 und Danzig 1911. - 1892 brach der Streit um das "Apostolikum" aus. Der württembergische Pfarrer Christoph Schrempf (s. d.) wurde am 3.7. 1892 wegen seines Widerspruchs gegen das "Apostolikum" fristlos und ohne Pension entlassen. Nun fragte eine Abordnung Studierender H., ob er ihnen rate, den EOK zu bitten, das "Apostolikum" aus der Verpflichtungsformel der Pfarrer und aus dem gottesdienstlichen Gebrauch zu entfernen. H. beantwortete die Frage im Kolleg und veröffentlichte die Antwort in der "Christlichen Welt" vom 18.8. 1892, die einen Sturm hervorrief. "Nach allem, was ich bereits veröffentlicht hatte", schreibt H., "konnte ich nicht ahnen, daß eine wohlerwogene und maßvolle Kritik des Apostolikums, über die niemand sich wundern durfte, der meine Schriften kannte, als Feuerzeichen in der Kirche aufgepflanzt werden würde. Wenn ich eine zielbewußte Aktion hätte unternehmen wollen, so wäre ich nicht so unvorsichtig und so geschmacklos gewesen, bei der Lehre von der Geburt aus der Jungfrau einzusetzten, über die auf dem Markte zu streiten anstößig und häßlich ist." Es folgte eine Schrift "Das Apostolische Glaubensbekenntnis", die 27 Auflagen erlebte. Darin stellte er eingehend dessen Entstehung dar. In Streitschriften aller Art wurde H. angegriffen; Synoden und Konferenzen sprachen sich gegen ihn aus. Treu hielt zu ihm der Freundeskreis der "Christlichen Welt" unter Führung Rades: am 5.10. trafen sich die Freunde in Eisenach und verfaßten gemeinsam eine Erklärung, die ein volles Bekenntnis zu Jesus Christus enthielt, aber auch das Recht der Wissenschaft in der Kirche geltend machte. Sie war von zahlreichen namhaften Professoren unterzeichnet. Veranlaßt durch die in der "Kreuzzeitung" veröffentlichte Erklärung der "Evangelisch-Lutherischen Konferenz", die H. aufs schärfste angriff, forderte der Kaiser einen Immediatbericht. Daraufhin lud Kultusminister Robert Bosse H. zu einer persönlichen Unterredung zu sich. Darüber berichtete H. am 7.10. seinem Schwiegervater: "Von Anfang bis zu Ende war das Gespräch ohne Schminke und ohne Schmuck, offen und von seiner Seite herzlich." Über diese Unterredung schrieb H. 1894 an Rade: "Der Minister hat mich in freundlichen Worten ersucht, doch in Anbetracht der schwierigen Lage vorsichtig zu sein." Bosse erstattete am 12.11. den Immediatbericht. Friedrich von Lucanus berichtete am 12.11. Bosse, daß er dem Kaiser Vortrag gehalten habe: "S. M. wollen diese Angelegenheit durch die seitens Ew. Excellenz dem D. H. mündlich erteilte Mahnung sowie in Aussicht genommene Berufung eines positiven Ordinarius für systematische Theologie an die hiesige Universität als erledigt ansehen." Nachdem der von der Fakultät einstimmig vorgeschlagene Martin Kähler (s. d.) von Halle abgelehnt hatte, wurde Adolf Schlatter (s. d.) von Greifswald nach Berlin berufen. - Im Wintersemester 1899/1900 hielt H. eine einstündige öffentliche Vorlesung für Hörer aller Fakultäten über "Das Wesen des Christentums". Die Nachschrift eines Studenten ermöglichte die Drucklegung der 16 Vorlesungen. Das Buch nannte Loofs "eine neue Auflage der Dogmengeschichte, umgearbeitet für die praktische Wirksamkeit". Es rief einen neuen, leidenschaftlichen Streit hervor. Karl Holl (s. d.) schrieb am 1.7. 1900 an H.: "Es tut mir gut, daß ich wieder einmal so unmittelbar vor jene Gestalt hingeführt wurde, wie es in Ihren Vorlesungen geschieht. Ich habe in den letzten Jahren immer eine Scheu empfunden, mich mit dem Urchristentum und mit Jesus auseinanderzusetzen: die Empfindung, daß wir ihm doch nicht tief genug ins Herz sehen können, um die letzten Fragen zu entscheiden - auch der Gedanke, daß das, was ich als Legende beiseite schieben muß, der mächtigste Hebel zur Verbreitung des Christentums gewesen ist, quälten mich immerfort; die harten Züge in seinem Bild sind mir schließlich die liebsten geworden; da spürte ich am meisten die Kraft, die nicht aus der Zeit und nicht von der Welt ist. Ihr Bild ist etwas anders; aber gerade darum ist mir Ihre Darstellung heilsam. Wenn ich Ihnen danke, so danke ich Ihnen für mehr als für ein geschenktes Buch, und ich wünsche, daß die Vorlesungen viele Hörer finden, die durch sie einfältige Freude und den einfachen Sinn für die Herrlichkeit des Christentums wiedergewinnen." Ernst Rolffs (s. d.) schrieb am Schluß einer in der "Christlichen Welt" veröffentlichten größeren Aufsatzreihe, in der er die gegnerischen Stimmen zusammenstellte: "Als mir der Christus des kirchlichen Dogmas ein quälendes Rätsel geworden war, als ich keine Predigt hören konnte, ohne daß neue Zweifel in mir aufstiegen, als ich mich den Umklammerungen der materialistischen Weltanschauung nicht mehr zu entziehen vermochte - da war es H.s Art, von Christus zu reden, die Kraft und Wärme, mit der er die Majestät des Heiligen und der Liebe in seiner schlichten Menschlichkeit darzustellen verstand, was mich bei dieser Persönlichkeit festhielt, der ein Großer im Reiche des Geistes in anbetender Verehrung sein Bestes zu Füßen legte. Jenen Zug zu Christus hin habe ich beim Lesen seiner Vorlesungen wieder in voller Stärke gespürt. Könnte er durch sie nicht unzähligen Gottsuchern unserer Zeit werden, was er manchem zweifelgequälten Studenten durch sein lebendiges Wort geworden ist: ein Führer zu Christus?" - Am 31.5. 1902 erhielt H. den Orden Pour le mérite für Wissenschaften und Künste. 1915 wurde er Vizekanzler und 1920 Kanzler des Ordens und verwaltete dieses Amt bis zu seinem Tod. - Im Oktober 1905 übernahm H. zunächst kommissarisch das Amt des Generaldirektors der Königlichen Bibliothek; die endgültige Ernennung erfolgte am 28.5. 1906. Seinem Vorschlag entsprechend wurde seine Lehrverpflichtung vom Ministerium eingeschränkt und auf seinen Wunsch zur Ergänzung seiner Lehrtätigkeit sein Schüler und Freund Karl Holl aus Tübingen berufen. Im Mittelpunkt aller Arbeiten und Sorgen H.s und des ersten Direktors Paul Schwenke stand der Neubau der Bibliothek, der am 22.3. 1914 eingeweiht wurde. An diesem Tag wurde H. der erbliche Adel verliehen. Am 31.3. 1921 legte er das Amt des Generaldirektors der Königlichen und Preußischen Staatsbibliothek nieder. Daß H. trotz aller anderen Arbeiten Theologe war und blieb, zeigten auch die kirchlichen Kämpfe der Jahre 1909 bis 1912. Die preußische Generalsynode nahm im November 1909 einstimmig einen Gesetzentwurf über die Einsetzung eines "Spruchkollegiums" von 13 Personen an. Vier Mitglieder des Evangelischen Oberkirchenrats, drei Mitglieder der Generalsynode, drei Mitglieder der an dem Einzelfall beteiligten Provinzialsynode, der jeweils zuständige Generalsuperintendent und zwei vom König zu ernennende Professoren der Theologie sollten gegebenenfalls entscheiden, ob ein Pfarrer in seiner amtlichen und außeramtlichen Lehrtätigkeit mit dem Bekenntnis der Kirche so in Widerspruch getreten sei, "daß seine fernere Wirksamkeit innerhalb der Landeskirche mit der für die Lehrverkündigung allein maßgebenden Bedeutung des in der Heiligen Schrift verfaßten und in den Bekenntnissen bezeugten Wortes Gottes unvereinbar ist". Schärfsten Widerspruch gegen das neue Gesetz erhob der "freie Protestantismus", wie er sich im "Deutschen Protestantenverein" und um die Zeitschrift "Christliche Freiheit", die Gottfried Traub (s. d.) herausgab, gesammelt hatte. Auch der Kreis um die "Christliche Welt" hatte starke Bedenken. "Ich kann nicht davon los", schrieb Gustav Krüger (s. d.) an H., "daß es eben doch die Grundsätze sind, nach denen man in Rom auch Luther verurteilt hat und verurteilen mußte." Viele, u. a. Rade, Heinrich Weinel (s. d.) und Paul Wernle (s. d.), unterzeichneten eine öffentliche Erklärung gegen diesen Gesetzentwurf unter der Führung des Kirchenrechtslehrers Rudolf Sohm (s. d.). H. verteidigte trotz zahlreicher Bedenken das Gesetz: "Der Tag wird in der Kirchengeschichte unvergessen bleiben, wie sich auch die Anwendung des Gesetzes gestalten mag; denn er bezeichnet einen eminenten Fortschritt. Dieser besteht darin, daß künftig die Frage der Irrlehre nicht mehr im Disziplinarverfahren, d. h. als Vergehen, beurteilt wird." H. schloß seine Ausführungen mit dem Wunsch: "Mögen sich die Verhältnisse innerhalb der preußischen Landeskirche so gestalten, daß der Oberkirchenrat niemals in die Lage kommt, das Spruchkollegium einzuberufen." Am 16.3. 1910 wurde das "Kirchengesetz, betreffend das Verfahren bei Beanstandung der Lehre von Geistlichen" von dem Kaiser als dem "summus episcopus" erlassen. Bereits am 30.3. 1911 wurde das erste Verfahren eröffnet, und zwar gegen den Kölner Pfarrer Karl Jatho (s. d.), den Otto Baumgarten (s. d.) und Gottfried Traub verteidigten. Das Spruchkollegium verhandelte am 24. und 25.6. 1911 gegen ihn und erkannte mit 11 gegen 2 Stimmen, die von Wilhelm Kahl (s. d.) und Loofs, auf Amtsenthebung. In der Kollegstunde am 27.7. 1911 äußerte sich H. über das Urteil des Spruchkollegiums gegen Jatho: er hielt auch weiterhin an dem Gesetz fest, das allerdings der Verbesserung sehr bedürfe, und stellte dann fest, daß die Lehre Jathos zwar die Grenze überschritten habe, die die Landeskirche ziehen müsse, man ihn aber um seiner Wirksamkeit in der Gemeinde willen nicht hätte verurteilen dürfen, sondern zu dem Ergebnis hätte kommen müssen: "Deine Theologie ist unerträglich - aber dein Same ist aufgegangen, also müssen wir dich ertragen - wir werden dich ertragen." An den von den Freunden Jathos eingeleiteten Protestaktionen beteiligte sich H. nicht. Am 5.7. 1912 wurde der Dortmunder Pfarrer Lic. theol. Gottfried Traub wegen seiner leidenschaftlichen Agitation gegen das Spruchkollegium und für Jatho im Disziplinarverfahren zur Dienstentlassung verurteilt: "Wer systematisch und in der Art wie der Angeklagte der verfaßten Landeskirche die Existenzberechtigung überhaupt abspricht, sie in ihren Behörden und Einrichtungen bekämpft und verächtlich macht, entzieht sich selbst die Möglichkeit einer ferneren Wirksamkeit als Geistlicher und Diener der Kirche, und es kann der Landeskirche nicht zugemutet werden, einen solchen Mann im geistlichen Stande zu belassen." In seiner Schrift "Die Dienstentlassung des Pfarrers Lic. G. Traub" gab H. die Maßlosigkeit Traubs zu, fuhr aber fort: "Der Versuch, wahrheitswidrige Entstellungen und absichtliche Verschweigungen nachzuweisen, und zwar im Sinne sittlicher Verfehlungen, ist dem Oberkirchenrat nach meinem Urteil nicht gelungen. Ja, ich muß noch mehr sagen: Dieser Versuch, aus den publizistischen Äußerungen Traubs Trug und Lüge herauszudestillieren - denn darauf läuft es hinaus -, berührt auf das peinlichste. Wer Traub ist, das wissen wir alle und die ganze evangelische Landeskirche... gewiß ein Agitator, aber kein skrupelloser, gewiß ein erbitterter Gegner der gegenwärtigen Entwicklung der Landeskirche, aber nicht ihr Feind, gewiß ein Mann einseitigster Subjektivität und zu umsichtiger Prüfung, welche die Enden der Dinge stets in der Hand behält, wenig geschickt, aber eben deshalb subjektiv wahrhaftig und ein Ehrenmann mit einem wohlüberlegten und ausgeprägten kirchlichen Ideal, über dessen Ausführbarkeit man zweifeln, aber dessen Reinheit und Höhe man nicht in Abrede stellen kann." Nach Verneinung der Frage, ob es sich in diesem Disziplinarverfahren doch um einen verschleierten Lehrprozeß handle, fährt H. fort: "Es muß dahin kommen, daß offen gesagt werden darf, diese und diese bestimmten Lehren und Behauptungen in den Bekenntnissen sind unrichtig, und daß niemand gezwungen wird, Dinge im Gottesdienst zu bekennen, die er außerhalb desselben nicht zu bekennen braucht. - Zu den Geistlichen, die den liturgischen Zwang des Apostolikums als schweren Gewissensdruck empfinden, gehört auch Traub, und ich glaube nicht zu irren, daß ihn dieser Druck vor allem in die Agitation getrieben und großen Anteil an den Maßlosigkeiten gehabt hat, die wir beklagen. - Unsägliche Gewissensnot, viel Kummer und Tränen, irregewordene Gemüter, innerlich aufgeriebene Seelen und zerstörte Existenzen sind die Folgen dieses unseligen Zwanges - in der evangelischen Kirche, die sich rühmt, die Christenheit vom Banne des Gewissens befreit zu haben." - Wilhelm II. richtete 1909 durch Rudolf von Valentini, den Chef des Kaiserlichen Zivilkabinetts, an Ministerialdirektor Friedrich Schmidt-Ott die Frage, was er anläßlich des Universitätsjubiläums 1911 im Interesse der Wissenschaft tun könne. Auf Schmidt-Otts Vorschlag wurde H. aufgefordert, eine Denkschrift über die Gründung von Forschungsinstituten zu verfassen. Sie wurde am 21.11. 1909 überreicht und bezeichnet die Grundsteinlegung der "Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften". Als die Berliner Universität am 10., 11. und 12.10. 1911 ihr 100jähriges Bestehen feierte, verkündete Wilhelm II. bei der Einweihung der neuen Aula die Gründung dieser neuen Gesellschaft, deren Senat H. zum ersten Präsidenten wählte. Dieses Amt verwaltete er bis zu seinem Tod. Am 18.9. 1929 schreibt H. an Rade: "Die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft hat mir große Opfer auferlegt und tut es noch; aber ich habe nicht willkürlich gewählt, sondern ein Schicksal auf mich genommen und bin dann nach dem Grundsatz verfahren >Ordentlich oder gar nicht.< Ganz ohne Frucht für unsere evangelische Kirche und Theologie ist es nicht, wenn die Fachgenossen es auch nicht direkt spüren. Für mich selbst bin ich nach wie vor ein theologus, und meine abgesparten Stunden gehören wie von Jugend auf unserer theologischen Wissenschaft." Am 30.10. 1920 wurde die "Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft" gegründet und eine Reihe von Fachausschüssen gebildet. Den Vorsitz des Hauptausschusses übernahm H. und führte ihn bis 1929. - Nach dem Zusammenbruch von 1918 trat H. keiner politischen Partei bei und blieb auch bis zu seinem Tod parteilos, obwohl die Parteien immer wieder um ihn warben: "Meine Stellung als Präsident der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft und im Dienst der Not der deutschen Wissenschaft machen mir Zurückhaltung in politicis zur obersten Pflicht; denn der Senat ist aus Mitgliedern aller Parteien (von den Deutschnationalen bis Hilferding) zusammengesetzt, und ich bin im Reichstag und Landtag fort und fort auf das Vertrauen und das Wohlwollen aller Parteien in bezug auf die finanziellen Bedürfnisse der Gesellschaft angewiesen. Ich habe es bisher bei ihnen und ebenso bei den wechselnden Reichs- und Staatsministern, namentlich bei den Finanzministern, in reichem Maß gefunden; aber zugleich auch die Erfahrung gemacht, daß ich mir - so drückend mir das oft ist - jede direkte politische Beteiligung versagen muß." 1919 war H. Sachverständiger der Regierung für die Beratung der Verfassungsbestimmungen über Kirche und Schule. Im August 1919 verlebte H. zum erstenmal eine Ferienzeit auf Schloß Elmau (zwischen Garmisch und Mittenwald) bei Johannes Müller (s. d.). Seit 1921 kam er jedes Jahr dorthin für mehrere Wochen. - Mit "Fünfzehn Fragen an die Verächter der wissenschaftlichen Theologie unter den Theologen" eröffnete H. 1923 in der "Christlichen Welt" das Streitgespräch mit Karl Barth (s. d.), der 1906 sein Schüler gewesen war. Der Gegensatz der theologischen Anschauungen war schon 1919 an Barths Kommentar zum Römerbrief offenbar geworden. Noch schärfer und deutlicher wurde er von H. 1920 empfunden auf einer Studentenkonferenz zu Aarau in der Schweiz, wo beide sich wiedersahen und Vorträge hielten. Die Auseinandersetzung zwischen H. und Barth in der "Christlichen Welt" konnte keine Verständigung herbeiführen; aber die Begegnungen der beiden in den Jahren 1925 und 1926, als H. in Münster und Bonn Gastvorlesungen hielt, verliefen wohltuend. - 1921 erschien H.s Monographie über Marcion (s. d.), einen einflußreichen Irrlehrer des 2. Jahrhunderts, der das Alte Testament, das scheußliche Offenbarungsbuch des Judengottes, verwarf, als Heilige Schrift nur die Paulusbriefe (ohne die Pastoralbriefe) und eine Überarbeitung des Lukasevangeliums anerkannte und nach seinem Ausschluß aus der Gemeinde Rom eine große marcionitische Gegenkirche schuf. In diesem Werk stellte H. die These auf: "Das Alte Testament im 2. Jahrhundert zu verwerfen war ein Fehler, den die große Kirche mit Recht abgelehnt hat; es im 16. Jahrhundert beizubehalten war ein Schicksal, dem sich die Reformation noch nicht zu entziehen vermochte; es aber seit dem 19. Jahrhundert als kanonische Urkunde im Protestantismus noch zu konservieren ist die Folge einer religiösen und kirchlichen Lähmung." H.s Einstellung zum Alten Testament rief den Widerspruch der Theologen hervor, und zwar nicht nur der orthodoxen. H. wurde nach Erreichung der Altersgrenze 1921 emeritiert, verwaltete aber bis zum Amtsantritt seines Nachfolgers Hans Lietzmann (s. d.) 1924 die volle Professur. Auch dann setzte er seine Lehrtätigkeit fort und schloß erst im Sommer 1929 sein kirchen-historisches Seminar, das er 54 Jahre ohne Unterbrechung - in den letzten Semestern in seinem eigenen Haus - gehalten hatte. Im Namen des Seminarkreises dankte ihm beim Abschied Dietrich Bonhoeffer (s. d.): "Daß Sie unser Lehrer in vielen Stunden waren, ging vorüber; daß wir uns Ihre Schüler nennen dürfen, bleibt." Zu H.s Ehren wurde in Berlin-Dahlem von der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft ein H.-Haus errichtet und an H.s 78. Geburtstag 1929 eingeweiht. Es ist eine Arbeitsstätte für ausländische Gelehrte, die zu wissenschaftlicher Arbeit nach Berlin kommen. Den erbitterten Kampf gegen das preußische Kultusministerium um den Fortbestand der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft in der von ihm geschaffenen Struktur brachte H. in seinem letzten Lebensjahr zum siegreichen Abschluß. Zur Einweihung eines neuen Instituts der Gesellschaft reiste er im Frühjahr 1930 nach Heidelberg, wo sein rastloses, vielfältiges Schaffen und sein an Ehren und Auszeichnungen reiches Leben durch den Tod das Ende fand. - H. war o. Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Amsterdam, Gothenburg, Neapel, Oslo, Rom, Stockholm und Uppsala; korrespondierendes Mitglied der Akademien in London und Paris (bis 1914); Ehrenmitglied der Akademie der Wissenschaften in Wien und Dublin; nach Friedrich Schleiermacher der bedeutendste evangelische Theologe des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts; Verwaltungsfachmann und Kulturpolitiker von hervorragender Organisationsgabe und universaler Bildung; der anerkannte Meister der Kirchengeschichtsschreibung seiner Zeit; der glänzendste Vertreter der liberalen Theologie in der Wilhelminischen Ära. H.s akademische und literarische Tätigkeit galt neben der Kirchen- und Dogmengeschichte dem Neuen Testament.

Werke: Das Mönchtum, seine Ideale u. seine Gesch. (eine der Vorlesungen, die der Ghzg. v. Hessen als Schirmherr der Univ. Gießen v. Zeit zu Zeit in Darmstadt veranstaltete), 1881 (19218-10); Martin Luther in seiner Bedeutung f. die Gesch. der Wiss. u. Bildung (Rede bei dem Festakt der Univ. Gießen z. 400. Geb. Luthers), 1883 (19114); Lehrb. der DG I, 1886; II, 1887; III, 1889 (1931/325; Nachdr. 1964); Grdr. der DG, 1889 (19317); Das Apostol. Glaubensbekenntnis, 1892 (189627); Gesch. der altchristl. Lit. bis Eusebius. I: Die Überl. u. der Bestand, 1893 (19582; mit einem Vorw. v. Kurt Aland); II: Die Chronologie der altchristl. Lit., 1. Hbd., 1897; 2. Hbd., 1904 (19582); Das Wesen des Christentums, 1900 (195015 mit Geleitw. v. Rudolf Bultmann; 78.-82. Tsd.); Die Gesch. der Kgl. Preuß. Akademie der Wissen zu Berlin, 3 Bde., 1900; Die Mission u. Ausbreitung des Christentums in den ersten drei Jhh., 1902 (19062: 2 Bde.; I: Die Mission in Wort u. Tat. II: Die Verbreitung; 19234); Reden u. Aufss. I, 1904; II, 1906; Reden u. Aufss. NF. I. II: Aus Wiss. u. Leben, 1911; III: Aus der Friedens- u. Kriegsarbeit, 1916; IV: Erforschtes u. Erlebtes, 1923; V: Aus der Werkstatt des Vollendeten, hrsg. v. Axel v. H., 1930; Btrr. z. Einl. in das NT. I: Lukas der Arzt, der Verf. des 3. Ev. u. der Apg, 1906; II: Sprüche u. Reden Jesu. Die 2. Qu. des Mt u. Lk, 1907; III: Die Apg, 1908; IV: Neue Unterss. z. Apg u. z. Abfassungszeit der synopt. Evv., 1911; V: Über den privaten Gebrauch der hl. Schrr. in der alten Kirche, 1912; VI: Die Entstehung des NT u. die wichtigsten Folgen der neuen Schöpfung, 1914; VII: Zur Revision der Prinzipien der nt. Textkritik. Die Bedeutung der Vulgata f. den Text der kath. Briefe u. der Anteil des Hieronymus an dem Übers.werk, 1916; Entstehung u. Entwicklung der Kirchenverfassung u. des KR in den zwei ersten Jhh., 1910; Die Dienstentlassung des Pfr. Lic. G. Traub, 1912; Martin Luther u. die Grundlegung der Ref., 1917 (1928: 106. bis 110. Tsd.); Marcion: Das Ev. v. fremden Gott. Eine Monogr. z. Gesch. der Grundlegung der kath. Kirche, 1921 (19242; Nachdr. 1960); Albrecht Ritschl. Rede, 1922; Augustinus, Reflexionen u. Maximen. Aus seinen Werken ges. u. übers., 1922; Die Briefsmlg. des Apostels Paulus u. die anderen vorkonstantin. christl. Briefsmlg.en, 1926; Die Entstehung der christl. Theol. u. des kirchl. Dogmas (die in Bonn geh. Vorlesungen), 1927 (Nachdr. 1967); Stud. z. Gesch. des NT u. der alten Kirche. I: Zur nt. Textkritik, 1931; Vom inwendigen Leben. Betrachtungen über Bibelworte u. freie Texte, 1931; Ausgew. Reden u. Aufss., neu hrsg. v. Agnes v. Zahn-Harnack u. Axel v. Harnack, 1951.

Gab heraus: Patrum apostolicorum opera (mit Oskar v. Gebhardt u. Theodor Zahn), 1876 ff.; ThLZ (mit Emil Schürer), 1881-1910; TU, 1882 ff. (seit 1892 mit Oskar v. Gebhardt; seit 1907 mit Karl Schmidt). - Bibliogr. v. Friedrich Smend (unter Benutzung der 1912 ersch. H.-Bibliogr. v. Max Christlieb): A. v. H. Verz. seiner Schrr. (1590 Nummern), 1927; Nachtr. (mit Verz. der A. v. H. gewidmeten Schrr.), hrsg. v. Axel v. Harnack, 1931.

Lit.: Jatho u. H. Ihr Briefwechsel. Mit einem Geleitwort v. Martin Rade, 1911; - 15 J. Kgl. u. Staatsbibl. Dem scheidenden Generaldir. Exz. A. v. H. z. 31.3.1921 überreicht v. den wiss. Beamten der Preuß. Staatsbibl., 1921; - Festg. v. Fachgenossen u. Freunden, A. v. H. z. 70. Geb. dargebr., 1921; - H.-Ehrung. Btrr. z. KG, ihrem Lehrer A. v. H. zu seinem 70. Geb. dargebr. v. einer Reihe seiner Schüler, 1921; - Ernst Troeltsch, A. v. H. u. Ferdinand Christian Baur, in: Festg. f. A. v. H., 1921, 282 ff.; - Ansprachen bei der Einweihung des H.-Hauses der Kaiser-Wilhelm-Ges. z. Förderung der Wiss.en, 1929; - A. v. H. u. der Ev.-Soziale Kongreß, hrsg. v. Johannes Herz, 1930; - A. v. H. Erinnerungsworte v. Erhard Schmidt; Gedächtnisrede v. Erich Seeberg, 1930; - Roderich v. Engelhardt, A. v. H. z. Gedächtnis, in: Balt. Bll. 13, 1930, 590 ff.; - Johannes Müller, A. v. H. auf Schloß Elmau, in: Die grünen Bll. Zschr. f. persönl. u. allg. Lebensfragen 32, 1930, 137 ff.; - Briefe A. v. H.s an Johannes Müller, ebd. 164 ff.; - Emil Jacobs, A. v. H., in: ZBlfBibl 47, 1930, 365 ff.; - Karl Ludwig Schmidt, Zum Tode A. v. H.s, in: ThBl 9, 1930, 163 ff. (Zus.stellung u. krit. Würdigung der in der Tagespresse ersch. Nekrologe); - Jean de Ghellinck, La carrière scientifique de H., in: RHE 26, 1930, 962 ff.; - Ders., En Marge de l'oeuvre de H., in: Gregorianum 11, 1930, 497 ff.; - G. D. Henderson, A. v. H., in: ExpT 41, 1930, 487 ff.; - Martin Grabmann, A. v. H., in: Jb. der Bayer. Akademie der Wissen 17, 1930/31, 41 ff.; - Bernhard Geyer, in: Hochland 28, 1930/31, 84 - Maurice Goguel, A. v. H., in: RHR 102, 1931, 123 ff.; - G. W. Richards, The place of A. v. H. among church historians, in: JR 11, 1931, 333 ff.; - L. Murillo, A. v. H. y et problema religioso en muestros dias, in: EE 10, 1931, 97 ff. 273 ff.; - Hamilkar Alivisatos, A. v. H. (dt. v. R. Schlier), in: Die Eiche. Vjschr. f. Freundschaftsarbeit der Kirchen 19, 1931, 290 ff.; - Hans Lietzmann, Gedächtnisrede auf A. v. H., 1931 = Ders., Kleine Schrr., hrsg. v. Kurt Aland, III, 1962, 302 ff.; - Axel v. Harnack, Die Bibl. A. v. H.s, in: ZBlfBibl 49, 1932, 341 ff.; - Kornelis Sietsma, A. v. H. voornamelijk als dogmahistoricus, Delft 1933; - Martinus Cornelis Slotemaker de Bruine, A. v. H.s kritische Dogmengeschiedenis, 's Gravenhage 1933; - Walter Wendland, Die Berufung A. H.s nach Berlin im J. 1888 (auf Grund der Akten des EOK), in: JBrKG 29, 1934, 103 ff.; - Werner Richter, A. v. H.s Stellung im kulturellen Leben seiner Zeit, in: ZKG 55, 1936, 295 ff.; - Agnes v. Zahn-Harnack, A. v. H., 1936 (19512; dazu W. Eltester, in: ThLZ 76, 1951, 736 ff.); - Martin Schian, A. v. H. u. die Kirche, in: ThBl 18, 1939, 257 ff.; - Wilhelm Schneemelcher, Christentum als Kulturmacht. Zum 100. Geb. A. v. H.s, in: EvTh 10, 1950/51, 527 ff.; - Ders., Das Problem der DG. Zum 100. Geb. A. v. H.s, in: ZThK 48, 1951, 63 ff.; - Theodor Heuß, A. v. H., in: Ders., Dt. Gestalten. Stud. z. 19. Jh., 19513, 492 ff.; - Wolfgang Trillhaas, A. v. H. u. der heutige Prot., in: Die Smlg. Zschr. f. Kultur u. Erziehung 6, 1951, 369 ff.; - Walther Völker, A. v. H. als Kirchenhistoriker, in: ThZ 7, 1951, 209 ff.; - Dietrich Bonhoeffer, Gedächtnisrede auf A. v. H. am 15.6.1930, in: A. v. H. Ausgew. Reden u. Aufss., neu hrsg. v. Agnes v. Zahn-Harnsck u. Axel v. Harnack, 1951, 210 f.; - Theophil Wurm, A. v. H., in: DtPfrBl 52, 1951, 287 f.; - A. v. H. in memoriam. Reden z. 100. Geb., geh. bei der Gedenkfeier der Theol. Fsk. der Humboldt-Univ. Berlin, 1951; - Kurt Aland, A. H. als wiss. Organisator, ebd. 7 ff.; - Walter Elliger, A. H. als Kirchengeschichtler, ebd. 19 ff.; - Otto Dibelius, A. v. H. als akadem. Lehrer, ebd. 31 ff.; - Ders., In memoriam f. A. v. H., in: Ev. Welt 5, 1951, 274 f.; - Friedrich Hauck, Briefe A. H.s an Theodor Zahn, in: ThLZ 77, 1952, 497 ff.; - Johannes Rathje, Die Welt des freien Prot. Ein Btr. z. dt.-ev. Geistesgesch. Dargest. an Leben u. Werk v. Martin Rade, 1952; - Floyd V. Filson, A. v. H. and his "What is christisnity?", in: Interpretation. A journal of Bible and theology 6, Richmond/Virginia 1952, 51 ff.; - Günter Stein, A. v. H. Die hist.-theol. Grundmotive des Lebenswerkes, ihre Weiterbildung im Sinne allg. Geisteswiss. u. ihr polit.-hist. Vollzug (Diss. Berlin F.U.), 1954; - Georg Schreiber, Dt. Wiss.politik v. Bismarck bis z. Atomwiss.ler Otto Hahn, 1954, 33 ff.; - Gottfried Voigt, Gespräch mit H. Zur krit. Auseinandersetzung mit dem "Wesen des Christentums", 1954; - Götz v. Selle, A. v. H., in: Ostdt. Biogr., 1955, Nr. 156; - Walther v. Loewenich, A. v. H., in: ELKZ 9, 1955, 268 ff.; - W. Dulière, Pour le 25e anniversaire de la mort de H., in: Le Flambeau. Le journal du Camerounais 1, Douala-Deido 1, 1955, 628 ff.; 2, 1956, 288 ff. 445 ff.; - Walter Klaas, Aktualität u. Problematik der Theol. A. v. H.s (Diss. Bonn), 1956; - Karl Barth, Theol. Fragen u. Antworten, Zollikon 1957, 7 ff.: Ein Briefwechsel mit A. v. H.; - Walter Goetz, Leben u. Werk A. v. H.s, in: Ders., Historiker in meiner Zeit. Ges. Aufss., hrsg. v. Herbert Grundmann, 1957, 394 ff.; - Karl Hans Windschild, A. v. H. Ein Rufer in unserer Zeit (Freies Christentum. Schrr.reihe des Dt. Bundes f. Freies Christentum. H. 22. 23), 1957; - Hans Herzfeld, A. v. H., in: Die Großen Deutschen, hrsg. v. Hermann Heimpel, Theodor Heuß, Benno Reifenberg, IV, 1957, 255 ff.; - Peter Meinhold, Gesch.kritik u. Kirchenerneuerung, in: Saeculum. Jb. f. Universalgesch. 9, 1958, 1 ff.; - Karl Kupisch, A. v. H., in: ThViat 6, 1958, 53 ff.; - Erich Fascher, A. v. H. - Größe u. Grenze, in: WZ Berlin 9, 1959/60, 409 ff.; - Ders., A. v. H. Größe u. Grenze, 1962; - Ernst Barnikol, Theolog. u. Kirchl. aus dem Briefwechsel Loofs-H., in: ThLZ 85, 1960, 217 ff.; - Erik Thomson, Ostdt. Charakterköpfe. A. v. H., in: Ostdt. Mhh. 26, 1960, 151 ff.; - Wilhelm Maurer, Die Auseinandersetzung zw. H. u. Sohm u. die Begründung eines ev. KR, in: KuD 6, 1960, 194 ff.; - Otto Eißfeldt, A. v. H.: Christentum u. AT. Eine Bem. zu H.s "Marcion", in: Ders., Kleine Schrr. Hrsg. v. Rudolf Sellheim u. Fritz Maaß, I, 1962, 72 ff.; - Klauspeter Blaser, Gesch. - KG - DG in A. v. H.s Denken. Ein Btr. z. Problematik der hist.-theol. Disziplinen (Diss. Mainz), 1964; - Carsten Colpe, Bem.en zu A. v. H.s Einschätzung der Disziplin "Allg. Rel.gesch.", in: NZSTh 6, 1964, 51 ff.; - Erhard Pachaly, A. v. H. als Politiker u. Wiss.organisator des dt. Imperialismus in der Zeit v. 1914 bis 1920 (Diss. Berlin), 1964; - Ders., Die gesch.theoret. Anschauungen A. v. H.s, in: Ost u. West in der Gesch. des Denkens u. der kulturellen Beziehungen. Festschr. f. Eduard Winter z. 70. Geb. Hrsg. v. Wolfgang Steinitz u. a., 1966, 724 ff.; - Walter H. Capps, H. and ecumenical discussion, in: Journal of ecumenical studies, catholic - protestant - orthodox 3, Pittsburgh/Pennsylvania 1966, 486 ff.; - Trutz Rendtorff, A. v. H., in: Tendenzen der Theol. im 20. Jh. Hrsg. v. Hans Jürgen Schultz, 1966, 44 ff.; - Dietrich Braun, Der Ort der Theol. Entwurf f. einen Zugang z. Verständnis des Briefwechsels zw. A. v. H. u. Karl Barth aus dem J. 1923, in: Parrhesia. Karl Barth z. 80. Geb., Zürich 1966, 11 ff.; - Karl Holl u. A. v. H.: Briefwechsel. Hrsg. v. Heinrich Karpp, 1966; - Garland Wayne Glick, A. H. as historian and theologian (Diss. Univ. of Chicago, 1958), New York 1967 u. d. T.: The reality of Christianity. A study of A. v. H. as historian and theologian (Rez. v. B. A. Gerrish, in: ChH 38, 1969, 274 f.); - Raimund Hoenen, Die bleibende Bedeutung des Dogmas f. bewußten christl. Glauben. Dargest. anhand der Problematik u. Diskussion v. H.s DG (Diss. Jena) 1967; - Wilhelm Pauck, H. and Troeltsch. Two historical theologians, New York 1968 (Rez. v. Erdmann Schott, in: ThLZ 94, 1969, 779 f.; v. A. van Harvey, in: ChH 38, 1969, 275 f.); - Dt.balt. Biogr. Lex. I710-1960, hrsg. v. Wilhelm Lenz, 1970, 296 f.; - Friedrich Wilhelm Kantzenbach, A. H. u. Theodor Zahn, Gesch. u. Bedeutung einer Gelehrten-Freundschaft, in: ZKG 83, 1972, 226 ff.; - Karl Hammer, A. v. H. u. der Erste Weltkrieg, in: ZEE 16, 1972, 85 ff.; - Carl-Jürgen Kaltenborn, A. v. H. als Lehrer Dietrich Bonhoeffers (Diss. Berlin, 1969), 1973 (Rez. v. Walther Fürst, in: Wiss. u. Praxis in Kirche u. Ges. 63, 1974, 267 f.; v. Johannes Dantine, in: LR 24, 1974, 427); - Alfred Loisy, L'évangile et l'église, Frankfurt/Main 1973 (unv. Nachdr. der Ausg. v. 1908); - Biogr. Wb. z. dt. Gesch. I2, 1973, 1027 f.; - Peter Henke, Erwählung u. Entwicklung. Zur Auseinandersetzung zw. A. v. H. u. Karl Barth, in: NZSTh 18, 1976, 194 ff.; - KLL VII, 1076 f. (Das Wesen des Christentums); - NDB VII, 688 ff.; - ERL II, 29 f.; - RGG III, 77 ff.; - Catholicisme V, 516 ff.; - EC VI, 1365 f.; - LThK V, 16 f.; - NCE VI, 929 f.; - ODCC2 620.

Friedrich Wilhelm Bautz

Textanmerkungen:

Die "Münchner Neuesten Nachrichten" schrieben am 21. Juli 1907 über die Theologen des Vatikans: "Die Herren, die in ihrem Fach zweifelsohne ganz Hervorragendes leisten und den heiligen Thomas von Aquino stärker und eingehender durchgearbeitet haben als vielleicht früher die Spezialisten des römischen Rechtes ihr 'corpus iuris', übersehen gänzlich, daß in dem Lande eines Harnack der größte auf Thomas aufgewendete Scharfsinn eine gelehrte Spielerei, eine Verschwendung von Arbeit und Intelligenz bleibt."

Werkeergänzung:

Marcion. Trad. par B. Lauret et suivi de contributions de B. Lauret, G. Monnot et É. Poulat. Paris 2003; Adolf Harnack: Marcion. Der moderne Gläubige des 2. Jahrhunderts, der erste Reformator. Die Dorpater Preisschrift (1870). Kritische Edition des handschriftlichen Exemplars, Hrsg. v. Steck, Friedemann, Untersuchungen zur Geschichte der altchristlichen Literatur Band 149, Berlin, New York 2003.

Literaturergänzung:

Neue Ausgabe von "Das Wesen des Christentums": Hrsg. von Claus-Dieter Osthövener. Tübingen 2005; - Binsar Nainggolan, The social involvement of Adolf von Harnack. Regensburg 2005 (=Theorie und Forschung; 827 : Theologie; 46); - Ernst Dassmann, El Lehrbuch der Dogmengeschichte y Das Wesen des Christentums de A.v.H., in: Anuario de historia de la iglesia 13.2004, S. 179-198; - Bernd Jaspert, Mönchtum u. Protestantismus. Probleme u. Wege d. Forschung seit 1877. Bd. 1: Von Hermann Weingarten bis Heinrich Boehmer. St. Ottilien 2005 (=RBS.S; 11), S. 123-182; - Christian Nottmeier, A.v.H. u.d. dt. Politik 1890-1930. E. biogr. Studie zum Verh. von Protestantismus, Wiss. u. Politik. Tübingen 2004; - Friedhilde Krause, D. Erste Direktor d. Königl. Bibliothek, Paul Schwenke, neben Generaldirektor A.v.H., in: Paul Schwenke, Bibliothekar u. Buchwissenschaftler. Wiesbaden 2005 (=Bibliothek und Wissenschaft; 38), S. 69-83; - Sung-Wook Kim, Adolf von Harnack: Das Wesen d. Christentums. Frankfurt a.M. 2003; - Björn Biester, E. Gelehrtenbibliothek im 20. Jh.: A.v.H., in: Aus dem Antiquariat 2006, S. 102-110; - Marcion. Der moderne Gläubige des 2. Jahrhunderts, der erste Reformator. Die Dorpater Preisschrift (1870). Kritische Edition des handschriftlichen Exemplars. Hrsg. v. Steck, Friedemann, Berlin/New York 2003.

Letzte Änderung: 24.04.2006