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Im ersten Quartal 2007 wurde die Linkstruktur zu den Familienbeiträgen im Kronland Böhmen berichtigt und massiv ergänzt.

 
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Friday, 18 May 2007
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Kurz zum Thurn
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Der Kurz'sche Ansitz in Niederdorf in seinen Glanzzeiten
Bevor aber der Kruz'sche Ansitz verkauft wurde, erlebte er unter dessen letzten Besitzern noch viele Glanztage. Einmal anläßlich der Reise zur Hochzeit nach Wien der Isabella von Parma-Bourbon im Jahre 1760. Die Braut Kaiser Josef II. reiste von Parma mit zahlreicher Suite über Bozen-Brixen durch das Pustertal und Lienz nach Wien. Der kaiserliche Brautwerber Fürst Lichtenstein hatte die Strecke vorher bereist und alle Anordungen getroffen, damit die Sicherheit und die Bequemlichkeit der Reise und der Aufenthaltsorte für die hohe Braut gewährleistet waren. Überall mußten "Handwerksleut" als Maurer, Zimmerleut, Glaser, Schlosser, Spülerinnen ... u.a. eingestellt werden.
Am 22. September 1760 erwartete man in Niederdorf den hohen Besuch.(§8)
Schließlich geleitete Fürst Lichtenstein die Prinzessin Isabella mit großem Gefloge von Casalmaggione Parma nach Wien.
Franz Jakob Schueller von Schuelleren, Herrschaftsverwalter in Lienz, war aufgefordert worden über diese Reise einen ausführlichen Bericht an das Gubernum in Innsbruck zu schicken. In diesem Bericht gibt er Rechenschaft über seine vorbereitende Tätigkeiten. So führt er zum Beispiel an "... daß auf den 11. August 1760 vom Kreisamt im Pustertale eine Konferenz in Innichen ausgeschrieben wurde. Zu dieser wurden sämtliche Kreisobrigkeiten, der Landrichter und der Herrschaftsverwalter einberufen. Dabei kam der Wechsel von Reit- und Zugpferden zur Debatte, wobei Lienz, bei Mangel an Pferden in den oberen Stationen, 241 Pferde nach Sillian und 30 Pferde nach Mittewald zur dortigen Poststation zu stellen hatte, sich aber alle Gerichte im Bedarfsfalle aushelfen mußten. Als man jedoch verlangte, daß die einzelnen Gerichte auch die Verpflegung der Pferde zu übernehmen hätten, widersetzte sich dem der Pfleger von Toblach. Man debattierte über diesen Fall nach pro und contra, als der k.k. Hofpost-Offizier und der Fourier in Innichen ankamen und die Versicherung gaben, daß der kaiserliche Hof jedem Stationspferd 12 Pfund Heu und 6 Pfund Hafer nebst dem üblichen Postgeld und Trinkgeld von Post zu Post verabreichen lassen werde, wie dies auch wirklich geschah. Damit waren die Differenzen behoben und die Conferenz beendigt."
Schullers, (sic!, Schullern-Schrattenhofens) Bericht gibt weiters klaren Einblick in die damals übliche Hofettikette, über das Verhalten der Landbevölkerung bei besonderen Feierlichkeiten, über die die Dienstverhältnisse innerhalb des königl. Hofstaates und schließlich über den enormen Aufwand an Kosten, Personal und Zubehör für eine solche Reise. Bereits Monate vorher wurden die Räumlichkeiten der Haltestationen visitiert, die Türen beschriftet und alle Sicherheitsmaßnamen getroffen. Bezüglich Instandsetzung der Straßen wurden laut Befehl der Hofkammer täglich etliche hundert Arbeiter samt Fuhrwerk angestellt. Die Stadt Lienz ließ auf eigene Kosten die gepflasterten Wege mit feinem Sand beschütten und das Meranertor erhöhen und verputzen. Mit größter Sorgfalt wurden auch für das leibliche Wohl Vorkehrungen und Bedarfsanforderungen ins Auge gefaßt.
Die "Niderdorff'sche Nachparschaftsraitung der Jahre 1760-1763" gibt uns einen Einblick, wie sich dieser hohe Besuch in Niederdorf abgespielt hat. Die Kosten für die Verpflegung, für das Wach- und Dienstpersonal sowie für die gesamten Vorbereitungsarbeiten mußte zu einem Drittel die Nachbarschaft Niederdorf aufbringen.
Aus diesem Dokument entnehmen wir "die Liste der für den September 1760 in Niederdorf erforderlichen Vorräte:" (neben vielen anderen werden aufgezählt)

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TABELLE mit LEBENSMITTEL nachträglich einzufügen
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Von allen Sorten und Sauer Kraut weiß und gelbe Rueben, Zwifl, Knoblauch, Petersill, Brunn-Kreß, Kerbl Kraut, Spennath, Zellery, Basilicum, Lorbeerblätter, sauer Rampfer und mehr dergleichen.
Item Salz, Holz, Kohlen und Eyß, 60 St. 5löhrige weiße Wax-Kerzen ... u.a.m.
Das Dokument beinhaltet weiters eine lange Liste von Lebensmitteln und Süßwaren für die Zuckerbäckerei und ist unterschieben vom Pfleger und Landrichter der Herrschaft von Welsberg zu Toblach "Johann Jakob Strobl von Stein und Wisenegg und von Johann Kurz von Thurn, Obereinnehmer zu Niederdorff".

Isabella reiste in Niederdorf mit einem Gefolge von etwa 180 Personen ein. Dazu waren 325 Zug- und 16 Reitpferde erforderlich. "Daß die kaiserliche Braut tatsächlich im heutigen Wassermannschen Haus ihr Nachtlager hielt, beweisen die noch vorhandenen Tür-Aufschriften: "Anti-Chambre vor Ihre Königl. Hoheit", "Schlafzimmer vor Ihre Königliche Hoheit", "Rittirada" (Zimmer) Ihro Königl. Hoheit", "2. Cammerdienerin", "Madam mersi samt Tochter", "Cammer-Weib", "Cammerjungfer", "Excell. Obrist Hofmeisterin", "Zugger-Pacherei".
Das übrige so zahlreiche Gefolge mußte in anderen Quartieren der Ortschaft untergebracht werden. Die Speisen für die hohe Braut und ihre nächste Umgebung wurden wohl in der "Mundkuchl" im ersten Stock des Hauses zubereitet, für das übrige große Gefolge wurde in der "Hofkuchl" gekocht, die eigens zu diesem Zwecke südlich des Hauses in der Nähe des heutigen Brunnens unter freiem Himmel erbaut worden war.

Im Reisebericht des Hoffouriers von Jimmer vom September 1760 steht, daß in Bressanone am 21. September 1760 abends "die Ordonanz zur weiteren Reysse auf den 22. Früh um 8 Uhr gegeben wurde, um welche Stunde dann die Reys in Begleitung vieler Cavalliers, ingleichen unter Lösung deren Canonen, und Zulauf des zahlreichen Landvolcks, (als welches nebst denen Schützen beedseiten die Spalliers machete bis an die Gränz von Pusterthall), nacher Niederdorff fortgesetzet, allowo Ihro Königl. Hochheit erst um halb 2 Uhr anglangeten und sogleich zu speisen begehrten, zu Tafel begab. Ihre Durchlaucht der Herr Fürst von Liechtenstein hingegen speiseten durchaus in dero Quartier: - Ihre Hochheit bliben stäts in dero Quartier (im Brunnerhause) die übrige Hofstatt jedoch belustigte sich mit einem Spaziergang, weillen die dasige Gegend ungmein angenehm ist:
Abends wurde bis 9 Uhr gespillet, wornach Ihre Hochheit, und darauf auch die Hofstatt speiseten, nach diesen aber begab sich alles zur Ruhe, ehebevor jedoch wurde die Ordonanz zur weiteren Reys auf den 23. Früh um 8 Uhr (dann die heilige Mess auf der ganzen Reys um halb 7 Uhr gehalten und gehört worden) gegeben; die Straßen waren mehrmalen von dem häuffig zugelassenen Landvolk angefüllet, in denen Marckflecken dargegen, wo Ihre Königl. Hochheit durchpassieret, seynd verschiedene Triumpf-Borten aufgerichtet gewesen, auf denen Gebürgen, und von denen Schlössern aber wurden allerhand Böller angefeuert. Ihre Königl. Hochheit khämen zu Lienz um 2 Uhr an, allwo schon die II. Stände aus Kärnten warteten, um Ihre Empfangscomplimente bey Ihro Hochheit abzustatten, welche allsogleich zur Audienz gelassen wurden."
" Wie in Lienz war auch schon in Villabassa eine Kompanie vom Andlauischen Infantrie-Regiment aus Innsbruck zum Dienst und zur Paradierung eingetroffen."

Acht Jahre nach der Einquartierung Isabellas erlebte der Kurz-Prunnersche Ansitz seinen zweiten Höhepunkt. Diesmal war es die Königin von Neapel und Sizilien, Maria Karolina, die Tochter Kaiser Franz I. und der Maria Theresia.

Auch Karolina reiste mit einem prächtigen und stattlichen Hofstaat in 57 - meist sechsspännigen-Reisewägen. Die Reise führte von Wien über Niederösterreich durch die Steiermark und Kärnten nach Tirol. Der Reisezug traf am 13. April in Lienz ein. Die Vorstation war Spittal an der Drau gewesen, wo selbst die Königin im Palast der Fürsten Porzia das Nachtlager gehalten hatte. In Lienz nahm sie im Schlosse Lieburg Absteigequartier.
Über die Weiterreise und über den Aufenthalt in Niederdorf berichtete der Oberstleutnant der Garde der Königin, Baron Ignatz von Kautz:
"Den 14.ten geruhten Ihro Majestät um 8 die Hl. Mess in der Haus Capelln zu hörn, die Gardes machten wie gewöhnlich ihre Begleitung zu Fuß und die Bedienung zu Pferd hinter dem Leibwagen, der Aufbruch geschah Früh um 8 Uhr nach der 8.ten Nacht-Station. Niederdorff, allwo mehr Erwähnte Ihro Majestät um 1/2 2 Uhr Glücklich eingetroffen, und in dem Brunnerischen Haus das Hauptquartier nahmen, die Gardes machten Ihre Begleitung, und stellten Ihre ordinari Posten aus. Ihre Maj. speisten incognito. Nachmittags traten Ihro Maj. zum Fenster, und warffen Gelt hinaus, nach einer Weile wurde Ihro Maj. der Königin eine Landes-Üblige Bauern-Hochzeit unter den Fenster vorgestellet, über welches Ihro Mah. ein vollkommenes Vergnügen bezeugten, auch sogar die Camer-Herrn dahin engagieret mit der Bauren Brauth zu tanzen, mit dieser Unterhaltung hat sich dieser Tag geendigt.

Den 15ten höreten Ihro Maj. um 1/2 8 Uhr in der Haus Capelln (im Brunnerhause) die Hl. Mess, die Gardes erfülleten ihre gewöhnliche Schuldigkeit, und um 8 Uhr setzte man die weitere Reyse nach der 9ten Nacht-Station Brixen fort."
Auch den Aufenthalt Königin Karolinas in Niederdorf bezeugen die Ausgaben der Gemeinde Niederdorf in den Jahren 1769 bis 1772.
In der "Cassier-Amts-Raittung der "Nachbarschaft Niederdorf steht die Extra-Ausgabe": "Also Ihro Königl. Hochheit die Neapolitanische Braut in der Vorbey Rais zu Niederdorf Nacht Station gehalten. Wurd zur Verhütung des Feur Gefahr Wachten aufgestölt, und mit dem 3ten Theil unkosten die Nachbahrschaft Belegt, ut Conto 2 fl. 28 kr."
Aus den Hofreise-Rechnungen des Jahres 1769 bezüglich der Reise Ihrer Majestät ist bezüglich Niederdorf zu entnehmen "den 14. April zu Niederdorf dem Kreyß Hauptmann von Grebner laut Conto bezahlt 822 Fl. 18 kr. Damit wurden Zimmerleute, Maurer, Rauchfangkehrer und weithere Handwerker und andere Spesen an die Bevölkerung bezahlt."

Das Kurz-Prunnersche Anwesen hatte um 1801 noch einmal die Ehre, die Erzherzogin Maria Elisabeth mit ihrem Gefolge auf der Flucht vor den Franzosen zu beherbergen. Erzherzogin Maria Elisabeth lebte in Niederdorf in der Überlieferung noch lange fort. Diese kaiserliche Prinzessin, im Volksmunde wegen ihrer Herzensgüte die „gute Lisl" und wegen ihres Aussehens auch die „kropfate Lisl" genannt, war von 1871 bis 1805 Abtissin des Insbrucker adeligen Damenstiftes gewesen und hatte ihre Residenz in der Hofburg; sie war eine Schwester der Königin Maria Antoinette von Frankreich, somit auch Josef II.
Des öfteren weilte sie während dieser Zeit auch im Pustertale, Graf Spaur war ihr Obersthofmeister. Als Vertreterin ihres kaiserlichen Bruders Leopold II. nahm sie an den tirolischen Regimentsgeschäften teil, wie etwa bei der Eröffung des Landtages 1790 in Innsbruck. Maria Elisabeth empfing häufig hohen Besuch von Regenten und Fürstlichkeiten, auch von sonstigen berühmten Persönlichkeiten, Dichter und Künstlern. Selbst Johann Wolfgang von Goethe hat sie bei der Rückhehr von seiner zweiten Italienreise am 8. Juni 1790 in Innsbruck empfangen.
Im Herbst des Jahres 1800 traf sie in Bruneck ein, wo sie bis zum Frühjahr 1801 weilte. Dann zog sie mit ihrem Hofstaat nach Niederdorf, wo sie bis zum Herbst 1801 im Kurz-Prunnerhaus ihren Sommeraufenthalt nahm. Ende September zog sie wieder nach Innsbruck.
Schließlich beehrte noch Kaiser Josef II. den Kurz'schen Ansitz. Er diente ihm in den Jahren 1769 und 1783 als Reisequartier.
Kaiserin Maria Theresia hatte zu ihrem Sohn und Mitregenten Josef II. ein eher gespanntes Verhältnis, und wohl aus diesem Gegensatz zwischen Mutter und Sohn entwickelte sich eine ausgesprochene Reisefreudigkeit. Maria Theresia bedauerte einmal, "daß er vor ihrer erdrückenden Persönlichkeit floh, viel auf Reisen ging, obwohl diese damals sehr beschwerlich waren; und auf den Kaiser kann ich nicht rechnen, weil er gern überall ist, nur nicht zu Hause."

Diese Reisen des Kaisers wickelten sich nach einem feststehenden Zeremoniell und Schema ab, und er ließ die Reisen genauestens vorbereiten. Die in Betracht kommenden Zentralstellen mußten ihm zu seiner Information über alle Lebensbereiche der zu bereisenden Provinzen Berichte ausarbeiten.
Seine Volkstümlichkeit beruhte nicht zuletzt darauf, daß er sich seinen Untertanen häufig präsentierte. Führten ihn seine Reisen über die Grenzen des Reiches hinaus, so benutzte er, um ungestört seine Eindrücke sammeln zu können, den Decknamen eines Grafen von Falkenstein.
So reiste Kaiser Josef II. in den Jahren 1769 und 1783 durch das Pustertal und stieg in Niederdorf ab. Dabei suchte er auch das Quartier im Kurz-Prunnerhaus in Niederdorf auf, in dem seine einstmalige Braut Isabella, der er lange Zeit nachtrauerte, Aufenthalt machte. Über den Besuch im Jahre 1783 berichtet Hellenstainer: (§12) "Eines Tages kam ein schmucker Kavalier, seinem Gefolge vorauseilend, durchs Dorf. Der junge Herr trat in das Posthaus ein; der Bratenduft wies ihm den Weg zur Küche, er verlangte eine Suppe, welche ihm die dralle Küchenfee aus der für ihre Herrschaft, die Postmeistersleute, hergerichteten Schüssel herausschöpft, dazu bekommt er den in ihrem Mieder steckenden Holzlöffel, säuberlich an ihrer weißen Schürze abgewischt. Da keucht der Postmeister heran: Frau, Frau, an Silberlöffl, es ist der Kaiser!" (§14)

Auch die "Alte Post" wurde 1823 nochmals zur Einkehrstation hoher Gäste: Kaiser Franz I. und seine Gemahlin Karoline.
Auch Kaiser Franz I. war sehr reisefreudig. Die Reisen, die er vom 7. Mai bis 27. Juli 1832 mit seiner Gemahlin Karoline unternahm, führten ihn durch mehrere habsburgische Erbländer und dienten der Inspektion und Visitation der öffentlichen Verwaltung und ihrer Institutionen.
Dem Kaiser wurde vor Antritt der Reise eine Liste der Sehenswürdigkeiten der Orte, die er auf seiner Reise berühren würde, übermittelt; sein Interesse konzentrierte sich auf die Straßenverhältnisse, den Zustand der Gestüte, den Flußregulierungen, auch der Tracht der Bevölkerung schenkte er seine Aufmerksamkeit. Bei den lokalen Amtsvorstehern erkundigte er sich eingehend, wie zufrieden sie mit den ihnen unterstellten Beamten wären.
Größere Reisen waren in der Postkutschenzeit alles andere als ein Vergnügen. Bei aller Bequemlichkeit, die der kaiserliche Reisewagen gewiß bot, war das stundenlange Fahren auf holprigen Straßen ermüdend und strapaziös. Dabei erlebte der Straßenbau gerade während der Regierungszeit Franz I. einen enormen Aufschwung. Eine wahre Meisterleistung war der Bau der Stilfserjochstraße, der höchten Gebrigsstraße Europas, die Tirols mit der Lombardei verband. Ebenso wurden Straßen von Vincenza über Rovereto nach Tirol und jene von Venedig über Cortina d'Ampezzo-Toblach mit Anschluß an die Pustertaler Hauptstraße ausgebaut sowie jene von Triest über Udine nach Toblach hergestellt. Auf diesen Straßen, die nur zum geringsten Teil Pflasterung aufwiesen, meist nur Staub- und Knittelwege waren, die mit Ästen, Ruten und Erde befestigt waren, rollte der kaiserliche Konvoi dahin. An der Hofreise 1832 nahmen 51 Personen in 18 Wagen mit 60 Pferden teil. Die Reisen liefen nach einem bestimmten gleichbleibenden Zeremoniell ab. In den Orten, die der Reisekonvoi durchfuhr, bildeten die lokalen Honoratioren und die Schuljugend Spalier, die wichtigsten Gebäude waren mit Girlanden und Blumenschmuck geziert. In den Umspannstationen, wo der Pferdewechsel vorgenommen wurde, war jeweils ein kurzer Aufenthalt eingeplant, der vom Kaiser dazu benutz wurde, mit den Honoratioren und der Beamtenschaft Gespräche zu führen.
In einer Zeit, die noch kein Radio und kein Fernsehen kannte, besorgte die Hofberichterstattung die lokale Presse, für die ein Kaiserbesuch die Sensation des Jahres war, denn um das Kaiserpaar wurde ein umfassender Personenkult betrieben.
Von Triest über Belluno und Ampezzo kommend, wurde der kaiserliche Konvoi in Niederdorf am 22. Juni 1832 erwartet. "In Ampezzo (§15) wird umgespannt für den letzten schwierigen Abschnitt durch die Dolomiten. Wir kamen nach Niederdorf, wo Wir im Posthaus abstiegen. Es waren die Schützen des Gerichtes Rasen da mit krebsroten Jackeln gekleidet, mit gelben Hüten mit grünem Futter, schwarzen Hosen, weißen Strümpfen und Schuhen, roten Westen mit grünen Hosenträgern, ledernen Bauchgurten zum Teil mit Silber beschlagen und die von Toblach dunkelgrün gekleidet mit Fahnen und Musik aus gerückt; mit roten Westen, schwarzen runden Hüten mit Federn, schwarzen Hosen, weißen Strümpfen und Schuhen, die Schuljugend war auch da mit ihren Fahnen.
Wir kamen hierher nachdem wir zehn Stunden gut gefahren mit Postpferden. Das Posthaus ist sauber und ganz gut eingerichtet. Zur Mittagstafel waren zugelassen: Erzherzog Rainer mit Gemahlin zu dazugehörigen Suiten, dann Kreishauptmann Krenn vom Pustertal, Major Martoni vom Ingenieurskorps. Der Nachmittag war den Audienzen reserviert. Es kam das Stift von Innichen mit seinem Probst und die Geistlichkeit der Gegend; das Stift besteht aus dem Probsten, zugleich Dechant der Gegend und vier Kapitularen, in loco deren Ich benenne; die übrigen so wie die Domizellaren, die werden vom Kapitel gewählt und sind auf den Pfarreien. Ein Franziskaner Kloster ist auch in Innichen. Die Vorstände der Gegend von Niederdorf und die Gerichtsvorstände der Gegend von Lienz kamen auch zu Mir. Am 23. Juni geht die Reise weiter nach Bruneck."

Die Ankündigung dieser Reise oblag dem k.k. Kreisamt im Pusterthale und am Eisack. Dieses richtete ein Schreiben an das hochwürdige Collegiatsstift Innichen mit folgenden Inhalt: "Ich mache hiermit dem hochwürdigen Kollegiat Stifte zu wissen, daß S.h.h. Mayestät unser allergnädigster Kaiser und Ihre Mayestät die Kaiserin am 22ten d. M. in NIederdorf übernachten werden und sich dann am 23ten nach Brixen ..." (PAN:I.59).

Das von Kurz zum Thurn und Prunnerhaus in bürgerlichem Besitz
Am 24. März 1812 verkaufte Katharina von Kurz-Prunner verehelicht mit Josef von Lanser (Bozen), den Kurz'schen Ansitz an Josef Haid um 900 Gulden. Josef Haid (§16) verkauft ihn am 1. Mai 1816 laut Kaufbrief an Michael Anton Mayr. Spediteur in Innichen um 1.000 fl. weiter. Am 20. April 1819 übergab Michael Anton Mayr das Anwesen für 666 fl. 40 kr. Nun folgte am 26 Juli 1832 Michael Anton Mayr (jun.) Speditem in Niederdorf, von ihm erbte es dessen Sohn Josef Anton Mayr. Dieser ehelichte Emma Hellenstainer, eine Tochter der "Frau Emma". 1893 ging es dann schließlich auf den Wassermann'schen Besitz über. Dazu vermerkte Johann Wassermann: "Von Josef Mayr kaufte ich mit Gottes Hilfe das altehrwürdige Kurz-Prunner-Mayr-Haus am 6. November 1893 samt Einrichtung um 7.200 fl. Es ware eine begnadete jenseitige Frührung ..."

Was mit diesem einst für Niederdorf so bedeutenden Haus noch zu Lebzeiten der Töchter des Johann Wassermann geschah, kann der Leser im zuständigen Amt der Gemeinde in Erfahrung bringen.

Und wenn es die Gemeinde gegenwärtig in ein Fremdenverkersmuseum umfunktioniert, dann bleibt die Bausubstanz wohl zum Teil erhalten, aber der geschichtsträchtige Kurz'sche Ansitz wird dadurch zweifellos degradiert. Die Zukunft wird entscheiden, ob eine Investition solcher Art richtig war.
 
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