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Band VIII (1994)Spalten 996-1011 Autor: Peter Kränzle

RUNGE, Philipp Otto, * 23.7. 1777 in Wolgast (Vorpommern), † 2.12. 1810 in Hamburg. Bedeutender und vielseitiger Künstler der Frühromantik, Zeitgenosse von Caspar David Friedrich. R. schlug in der Landschaftsmalerei neue Wege ein, fertigte daneben vor allem Porträts und begründete eine neue Farbenlehre. - Philipp Otto wurde als neuntes Kind von zehn 1777 geboren und stammte aus einer wohlhabenden protestantischen Familie. Seine Eltern, der Schiffsreeder und Kaufmann Daniel Nicolaus Runge (1737-1825) und Magdalena Dorothea Runge, geb. Müller (1737-1818) veranlaßten, daß der kränkelnde Knabe ab 1789 die örtliche Stadtschule besuchte, wo er in dem dortigen Rektor, Theologen und Dichter Gotthard Ludwig Kosegarten (1758-1818) einen geistigen Förderer erhielt, der ihm Einblick in die Literatur des Sturm und Drangs und der Klassik verschaffte und ihn erstmals mit neuplatonischer und naturmystischer Philosophie bekannt machte. Kosegarten gelang es vor seiner Abreise 1892 nach Rügen, den Vater vom künstlerischen Talent des jungen Philipp zu überzeugen. Im gleichen Jahr erkrankte R. schwer und entging nur knapp dem Tod. Bereits in seiner frühen Jugend wurde R.s künstlerische Begabung in der Anfertigung von Scherenschnitten offensichtlich. - Am 3.6.1795 reiste P.O. mit seinem ältesten Bruder Daniel (1767-1856) nach Hamburg, wo er in dem 1793 gegründeten Geschäft des Bruders, `Hülsenbeck, Runge & Co.,' eine Kaufmannslehre begann. - Daniel, der im Leben des Bruders immer eine wichtige Rolle spielte, ebnete ihm die Wege zur Kunst indem er ihn zunächst in seinen literarisch gebildeten Hamburger Freundeskreis einführte. Dazu gehörten der Dichter Matthias Claudius (1740-1815), der Buchhändler Friedrich Perthes (1772-1843) und der Geschäftsteilhaber und Kunstsammler Johann Michael Speckter. R. befaßte sich mit philosophischen und literarischen Gedanken, lernte Klopstock kennen, studiert die antiken Autoren (Homer, Vergil, Horaz) - erste Zeichnungen nach antiker Mythologie entstanden - und las Klassiker wie Winckelmann, Goethe, Schiller, Kant und Tieck. - Im Sommer 1797 nahm R. Zeichenunterricht bei dem von ihm geschätzten Lehrer Joachim Herterich (1772-1852), der allerdings wenig später nach Dresden ging. Gleichzeitig mit dem Plan Daniel R.s, Philipp Otto in seinem neugegründeten Kunsthandel einzusetzen, festigte sich der Entschluß R.s, Maler zu werden. Er befaßte sich intensiv mit den Werken des Dichters Ludwig Tieck (1773-1853), besonders mit dem Künstlerroman `Franz Sternbalds Wanderungen', und widmete sich verstärkt - befreit von den Buchhalterpflichten - seiner künstlerischen Ausbildung. Ab September 1798 nahm R. Zeichenunterricht bei Gerdt Hardorff d.Ä., Schüler Tischbeins, ließ sich von Dietrich Eckardt in der Ölmalerei unterweisen, unternahm mathematische und anatomischen Studien und besuchte Ausstellungen, Museen und Privatsammlungen. Die Lektüre von Klopstocks Dichtungen, von Herders Briefen über die Humanität,von Goethes Verser und Schillers Horen erweckten R.s literarisches Interesse ebenso wie Zeitschriften, vor allem die von Goethe herausgegebenen `Propyläen' und das `Athenaeum' (A.W. Schlegel). - Am 18. Okt. 1799 reiste R. von Hamburg über Kiel nach Kopenhagen um dort das Studium an der Kunstakademie aufzunehmen. Ein in Kreide gezeichnetes Selbstbildnis eröffnete ihm ab Mitte November den Zutritt zu dem Atelier des Thorvaldsen-Lehrers, Nikolai Abildgaard (1743-1809), der ihn insbesondere in Komposition, Akt und Antikenkopie unterwies; nebenher erhielt er Unterricht bei Gerhard Ludwig Lahde (1765-1833) im Freihandzeichnen und wenig später half ihm Jens Juel, der Direktor der Akademie, Einblick in die Ölmalerei und ihre Probleme von Licht und Farbe zu erlangen. Eine rege Zeit, angefüllt mit Zeichnen nach antiken Gipsabgüssen und Aktmodellen, theoretischen Studien der Anatomie, Geometrie und Perspektive sowie Gemäldestudien, brachte R. gleichzeitig im Jahr 1800 die Bekanntschaft mit Friederike Brun ein. Deren Kunstsammlung und deren großer Freundeskreis (Reinhart, Hackert, Tischbein, Kauffmann, Herder, Wieland, Schiller u.a.) wirkten sich förderlich auf R. aus. - Angeregt von Friderike Brun, begann R. mit der Arbeit am `Triumph des Amor', um sich damit an der jährlichen Preisaufgabe in den `Propyläen' Goethes zu beteiligen. - R. fing in seiner Kopenhagener Zeit an, sich mit Daniel Flaxmans Zeichnungen zu Ilias, Odyssee und Aeschylus zu beschäftigen und eignete sich dessen flächenbezogen-linearen Zeichenstil in seinen Werken an; gleichzeitig entwickelte sich sein Interesse für Geometrie und Architekturzeichnungen, für Konstruktion und Maße. Zusammen mit seinem Studienfreund Böhndel, einem Wiedewelt-Schüler und Kollegen C.D. Friedrichs während dessen Kopenhagener Zeit, mit Gottfried Eiffe, dem Architekten Krohn und dem Theatermaler Dietrich, gründete R. im Oktober 1800 eine `Privatakademie' nach dem Vorbild der Pariser Akademie, die allerdings nur bis zu seiner Abreise im April 1801 Bestand hatte. - Über Hamburg reiste R. nach Wolgast, wo er zahlreiche Kreidezeichnungen anfertigte. In Greifswald lernte R. Caspar David Friedrich (1774-1840) persönlich kennen. Es trieb R. weiter nach Dresden, wo er in Begleitung Eiffes am 10.6. 1801 ankam. Statt die dortige Akademie zu besuchen, betrieb er selbstständig Studien in Gemäldegalerie und Antikensammlung (Gipsabgüsse), zeichnete griechische und römische Figuren (z.B. Venus v. Medici) und lernte die Meisterwerke der italienischen Renaissance (v.a. Raffael) und der holländischen Malerei des 17. Jhs. (besonders Rembrandt) kennen und studiert die Kupferstichsammlungen. In Dresden traf sich R. erneut mit F. Brun, durch die er Ferdinand Hartmann, einen Stuttgarter Klassizisten (seit 1801 in Dresden, vorher in Rom) kennenlernte, der sein enger Freund und großes Vorbild (`Führer') wurde. Darüber hinaus machte R. Bekanntschaft mit dem späterer Akademiedirektor, Historien- und Bildnismaler, Carl Friedrich Demiami, dem Maler Johann Joachim Faber aus Hamburg, dem Galerieinspektor Riedel und dem Inspektor der Antikensammlung, W.G. Becker. R. erhielt fortan Unterricht bei dem renommierten Antatomieprofessor G.H. Schubert und bei Anton Graff, Porträtist und Akademieprofessor, mit dem er auch persönlich eng verbunden war, ebenso wie mit Henrik Steffens und Friedrich August von Klinkowström. Die Freundschaft mit dem Komponisten Ludwig Berger, ab dem August 1801, verhalf ihm zum Verständnis des Zusammenhanges aller Künste (`Vorstellung von dem gleichen Fundament aller Künste'). - Eine neue Phase in seinem Leben wurde 1801 durch das Kennenlernen der 15jährigen Pauline Bassenge, aus großbürgerlicher Hugenottenfamilie stammend, eingeleitet. Im November des gleichen Jahres folgte eine weitere wichtige Begegnung: R. traf mit dem Dichter R. Ludwig Tieck, einem der vielseitigsten und geistvollsten Vertreter der romantischen Bewegung in Deutschland, zusammen; es folgte eine Zeit intensiven Gedankenaustausches und gegenseitiger Anregungen. R. befaßte sich ferner intensiv mit der Mystik Jakob Böhmes und mit Novalis (`Hymnen an die Nacht'), mit Fichtes Philosophie und Schlegels Gedanken. - 1801 schickte R. mit einem Begleitschreiben an Goethe sein Bild `»Achill und Skamandros«' (21. Ilias-Gesang) zur Teilnahme an der Preisaufgabe an die Redaktion der Propyläen unter Goethes Vorsitz. Anfang des folgenden Jahres erhielt R. ein barsches Ablehnungsschreiben, das Einfluß auf seine weitere Entwicklung hatte: R. wandte sich vehement gegen Klassizismus und Historismus als Kunstrichtungen, die sich dogmatisch auf Vergangenes beziehen. - Das Jahr 1802 bedeutete für R. eine schwierige Zeit, insbesondere da ihm vom Vater Bassenge die Heirat mit Pauline verwehrt wurde. Dafür vertiefte sich seine Freundschaft mit Klinkowström und es entstanden wichtige Werke, wie das Selbstbildnis mit braunem Kragen und der Triumph des Amor. Im April des folgenden Jahres erlaubte man ihm schließlich die Verlobung mit Pauline, R. schuf in ungewöhnlich skizzenhaft-beschwingter Manier ein erstes Bildnis von ihr, er studiert die `Architektonik der Pflanzen' (Dr. v. Martius), beschäftigte sich mit gotischer Baukunst und schuf innerhalb kurzer Zeit vier Zeichnungen mit dem Titel `Die Zeiten'. Auf dem Weg nach Hamburg, wo er Hochzeitsvorbereitungen traf, kam R. in Weimar mit Goethe zusammen. Die langersehnte Hochzeit fand am 3.4. 1804 in Dresden statt; über Berlin und Wolgast reisen die Frischvermählten nach Hamburg, wo sich der künstlerische Werdegang R.s fortsetzte. Kurz nach der Heirat entstand das `Bildnis Pauline im grünen Kleid' und R. nahm Malstunden bei dem Porträtmaler Hofrat Johann Friedrich Eick. - Die Geburt des Sohnes Sigismund (später ein beachtlicher, wenig gewürdigter Bildhauer) im April 1805 leitete eine sehr produktive Phase im Leben R.s ein, zahlreiche große Bilder entstanden (u.a. die Hülsenbeckschen Kinder). Als ein Jahr später Daniel R.s Geschäft zusammenbrach, kehrte R. mit Familie nach Wolgast zurück, wo er das Bildnis der Eltern malte. Er kümmerte sich um die sorgenkranke Mutter und unternahm einen Ausflug nach Rügen, eine Landschaft für die er eine Vorliebe entwickelte. Im gleichen Jahr traf er auch erstmals mit F. Overbeck zusammen und intensivierte den Briefkontakt mit Goethe, indem er ihm die `Tageszeiten'-Radierungen (Kupferstichvorlagen) zusandte und erste Gedanken über die Farbentheorie austauschte. - Der Napoleonische Krieg und die Einnahme von Pommern sowie die Besetzung Hamburgs, 1806, ermöglichten es R. erst im April 1807 nach Hamburg zurückzukehren, wo kurz darauf im neubezogenen Haus der Hülsenbecks die Tochter Maria Dorothea geboren wurde. Eine im Dezember 1807 unternommene Erholungsreise nach Lübeck, wo R. Karl Friedrich von Rumohr besuchte, der ihn in München bei Schelling bekannt machte, führte ihn auch mit dem befreundeten Kunstprofessor Steffens aus Halle zusammen, der großes Interesse an den Farbstudien R.s bekundete. In der Folgezeit (1808) trieb R. diese verstärkt voran, die `Farben-Kugel' nahm Gestalt an. Der Erfolg der in Kupfer gestochenen Tageszeiten-Zeichnungen - im gleichen Jahr entstand der kleine Morgen in farbiger Ausführung - brachten R. den Auftrag ein, an der `Zeitung für Einsiedler' (v. Arnim/ Brentano Hrsg.) mitzuarbeiten. R. verfaßte den `Machandelboom', der im Juli 1808 erschien. Als im Jahr darauf sein Sohn Gustav Ludwig Bernhard geboren wurde (10.4.), war R. in erster Linie mit seiner Farben-Kugel-Abhandlung, die 1810 im Perthes-Verlag publiziert wurde, und mit den `Zeiten' (Der Große Morgen) beschäftigt. Er marschierte nach Eutin zu Wilhelm Tischbein, vertiefte den Kontakt zu Brentano und wurde in der Zeit der französischen Continentalsperre gegen England Mitglied der Patriotischen Gesellschaft in Hamburg. In den wenigen Monaten, die R. im Jahre 1810 noch verblieben, malte er außer dem Selbstbildnis im braunen Rock und den Bildnissen Paulines und Daniels bezeichnenderweise das Bildnis Sophia Sievekings auf dem Sterbelager. Im März brach bei R. die Tuberkulose aus, die nach kurzzeitiger Besserung über den Sommer den 33jährigen am 2. Dezember aus dem Leben riß - einen Tag bevor seine Frau einen weiteren Sohn, Philipp Otto, gebar. R. wurde in der Perthes-Familiengruft auf dem St. Petri Friedhof vor dem Dammtor beigesetzt, 1935 nach Ohlsdorf (Althamburgischer Gedächtnisfriedhof) überführt. - Wenngleich R. in dem Bewußtsein starb, im Leben nichts vollbracht zu haben, so hatte er den Tod als Erlösung und als Übergang zur Ewigkeit gesehen. R. war gläubiger Protestant und geprägt von starkem Zunkunftsglauben und Sendungsbewußtsein. Seine Arbeit - wahrhaftige Kunst als Schöpfung eines wahrhaftigen Menschen - empfand der Künstler gleichzeitig als göttlichen Auftrag, den erlösungsbedürftigen Menschen zu Ganzheit und Wahrhaftigkeit zu führen. Seiner Ansicht nach mußte sich in einer Zeit des Umbruchs (Napoleonische Kriege), in der immer mehr Menschen von Gott abfielen, die Kunst neu auf Gott besinnen und den Menschen bekehren. Gleichzeitig bedeutete für ihn, den republikanisch-gesonnenen Preußenfeind, der Krieg eine nötige und gottgegebene Katastrophe um eine innere Reinigung und Erneuerung der Menschen herbeizuführen. - Seine tiefe Religiosität äußerte sich auch in seinem Werk, wenngleich christliche Themen selten zur Darstellung kamen. Eine große Rolle spielte in seinen Bildern das Licht und die Farbe als Manifestationen des Göttlichen und der Schöpfung. Seine Porträts leuchten von innen heraus, die Figuren strahlen durch Gott. Seine Pflanzen verkörpern göttliche Kräfte in der Natur. Besonders deutlich wird sein christlicher Glaube und sein `revolutionärer Geist' in der Landschaftsmalerei, in seinen Symbollandschaften. R.s Hauptanliegen war die Erneuerung der Kunst in der Landschaft. Diese Forderung steht in engem Zusammenhang mit seiner Ablehnung des Klassizismus und der Historienmalerei und fand Rückhalt in der gleichzeitigen Dichtung: bei Wackenroder (1773-98), Tieck (1773-1853), Novalis (1772-1801) und Ossian. R. strebte das Abbild der realen, durch den Menschen beseelten Landschaft an, die Natur in ihrer ursprünglichen gottgegebenen Unantastbarkeit, voller allegorischer Elemente. - Die strikte Wendung R.s gegen Klassizismus und Antikennachahmung und gegen Historismus und Historienmalerei, die im Zusammenhang mit der Ablehnung seines Wettbewerbsstückes `Achill und Skamandros' 1802 stand, war Auslöser für die Neuorientierung des Künstlers gewesen. Sehen und Empfinden statt Erklären und Klassifizieren, die Schöpfung neuer Formen und Symbole, der Arabeskenstil als Gestaltungsprinzip, ein romantischer Idealismus und der Glaube an die Einheit der Künste - Schlagworte, die fortan das Werk R.s prägten. Wenngleich seine Idee, eine arbeitsteilige Werkstatt zur Anfertigung dekorativer Wandbilder und Raumdekorationen zu gründen scheiterte, so zeichnete R. auf jeden Fall seine Vielseitigkeit und Praxisbezogenheit, aber auch seine Publikumsnähe aus, sei es aus finanziellen Gründen oder aber aus Sendungsbewußtsein. Dem im dekorativen Bereich, im Kunstgewerbe und im Buchdruck aktiven R. war sehr daran gelegen, seine `neue' Kunst einem möglichst großen Kreis bekannt zu machen. - Probleme hatte R. häufig mit der Realisierung seiner sehr komplexen Entwürfen (z.B. die Zeiten oder die überdimensional geplanten Wandbilder), die ihn oft an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit brachten. Eher nachteilig wirkte sich aber auch sein Umkreis, die Hamburger Szene, aus. Oft gab es Verständnisschwierigkeiten mit Auftraggebern und Käufern, zudem fehlte dem Künstler in der Stadt am Meer die nötige anregende Konkurrenzatmosphäre; in der Provinz, im künstlerischen Niemandsland Hamburg, empfand er sein Leben als das eines Eremiten, für den die Kunst den einzigen Ersatz darstellte. - Das Œuvre R.s teilt sich in Zeichnungen (bevorzugt Kreide oder Feder/Pinsel) und Gemälde, in Graphiken und Scherenschnitte. Kennzeichnend sind sein eher ornamentaler (Arabesken-)Stil, seine klar geordneten Formen und scharfen Umrisse in den Zeichnungen (Einfluß Flaxmans), die Bedeutung des Lichtes und der Farbe und der innewohnende hohe Symbolgehalt. Die Themen und Motive sind vielseitig, Zentralfigur in seinen Bildern ist das Kind, es folgt die Frau oder Mutter und die Vegetation; Hauptthemen sind der Mensch in der gottgegebenen Natur, die Liebe und Freundschaft unter den Menschen und das Werden und Vergehen alles Lebendigen. Außer der bereits erwähnten Kategorie der Landschaftsbilder (Die Lehrstunde der Nachtigall, Die Mutter an der Quelle, Quelle und Dichter u.a.) stehen die Bildnisse im Zentrum des Rungeschen Œuvres. Familienbildnisse (an erster Stelle Pauline, die Eltern, der Bruder Daniel) entstanden neben solchen von engen Vertrauten (z.B. dem Freund Klinkowström) und Kinderbildnissen (die kleine Perthes, der Sohn Otto Sigismund, die Hülsenbeckschen Kinder u.a.), zahlreich sind außerdem die Selbstbildnisse als Spiegelbilder seiner sich verändernden, zunehmend selbstbewußten Einstellung. Unter den dekorativen Arbeiten (Triumph des Amors, Arions Meerfahrt, Freuden der Jagd) muß vor allem das Schlüsselwerk R.s, `Die Zeiten', hervorgehoben werden. Zwei biblische Themen wurden - auf Auftrag - ausgeführt (Ruhe auf der Flucht, Petrus auf dem Meer), ebenso sind nur wenige mythologische Umsetzungen überliefert: der frühe `Achill' und zwei Serien von Buchillustrationen (Ossian-Zeichnungen und Heymondskinder). Abgesehen von diesen Beispielen der Gebrauchsgraphik fertigte R. Vorlagen für Spielkarten und sogar Stickmustervorlagen. Er verfaßte zwei Märchen und eine beachtenswerte Farbenlehre, die etwas gründlichere Betrachtung lohnt. - R.s Farbstudien ab 1802 gipfelten 1810, in seinem Todesjahr, in einem Werk mit dem Titel `Farben-Kugel oder Construktion des Verhältnisses aller Mischungen der Farben zueinander, und ihrer vollständigen Affinität; mit angehängtem Versuch einer Abteilung der Harmonie in den Zusammenstellungen der Farben'. Mit der Farbenkugel war es R. als erstem Künstler gelungen, einen Farbenkörper zu schaffen, als insgesamt dritter in der Geschichte der Farbenlehre hatte er überhaupt den Versuch der räumlichen Farbenordnung unternommen. Ausgangspunkt für die intensiven Farbstudien waren maltechnische Schwierigkeiten bei der zweiten Fassung der Lehrstunde der Nachtigall, 1804, gewesen; einflußreich waren die Schriften Jakob Böhmes. R. ging dabei nicht methodisch-wissenschaftlich, sondern von den komplexen Zusammenhängen der Dinge aus; seine Farbentheorie wurzelt im Religiös-Mystischen. Besonderes Beachtung schenkte er der Symbolkraft der Farbe - neben dem Eigenwert und dem Darstellungswert eine der drei Sinnebenen -, die Farbe als Erscheinungsweise des Licht sollte erforscht und religiös gedeutet werden. Das Licht als das Gute, die Finsternis als das Böse mußten nach R.s Vorstellung in Farben umgesetzt werden um sie dem Menschen verständlich zu machen. Die drei Grundfarben Blau, Rot und Gelb als Verkörperung der Dreieinigkeit (Morgen/Abend: Rot = Sohn, Tag: Blau = Vater, Nacht: Gelb = Heiliger Geist) verliehen nach R. dem Künstler die Möglichkeit, bei richtiger Anwendung Gottes Offenbarung im Kunstwerk sichtbar zu machen. - Der Farbenkugel voraus gingen Gedanken über `Die Elemente der Farben', eine erste tabellarische Ordnung der Farben in einer Übersichtstabelle zur Systematisierung der Mischungsmöglichkeiten der drei Grundfarben. 1806 folgte der Entwurf eines Farbkreises ohne Weiß und Schwarz und 1807 die Farbenkugel als dreidimensionale Umsetzung der Erkenntnisse unter Einbeziehung von Weiß und Schwarz. Ziel war, anhand des Farbenkörpers außer den Möglichkeiten der Farbmischung die Gesetze der Harmonie darzustellen. Weiterführende Gedanken zur Bedeutung der Farbe legte R. in der Schrift `Von der Doppelheit der Farbe' nieder, wo er eine Farbenordnung nach der Farb- bzw. Lichthelligkeit vornahm und zwischen durchsichtigen und undurchsichtigen Farben unterschied. Eine Übertragung in den metaphysischen Bereich läßt das Licht als höchste Kraft und Klarheit erscheinen, verkörpert in der Farbe Weiß, die Dunkelheit (Finsternis) entspräche der Farbe Schwarz. Wenngleich R.s Farbenlehre in der Praxis kaum anwendbar war - was er wohl auch nicht beabsichtigte - übte sie Einfluß aus, insbesondere auf Goethe, mit dem R. diesbezüglich in engem Briefkontakt stand und der Gedanken R.s in seiner Farbenlehre miteinbezog. - In geistigem Austausch stand R. auch mit Literaten wie Tieck, Schlegel und Brentano, die Beziehung zu Caspar David Friedrich ist wenig erforscht, eine gegenseitige Beeinflussung ist dennoch wahrscheinlich. Ebenfalls dürften Schinkel und der Jugendstil und auch die Impressionisten im 19. Jh. auf die künstlerischen und schriftlichen Hinterlassenschaften R.s zurückgegriffen haben. Er spielte bei den Expressionisten, besonders beim Blauen Reiter, wieder eine Rolle, seine Kunsttheorie beeinflußte Paul Klee und wohl auch Künstler wie Schlemmer und Kandinsky. Die Neue Sachlichkeit, Otto Dix und Max Ernst nehmen Anregungen und Ideen von Runge auf und dennoch: im Unterschied zu Friedrich ist die Vorbild- und Lehrfunktion R.s gering - `er war der Primitive auf dem Weg, den er entdeckt hat' (Cezanne). Diese Tatsache spiegelt auch die Forschung wider: bis zum letzten Viertel des 19. Jahrhunderts war R. weitgehend in Vergessenheit geraten, um dann - verstärkt im 20. Jh. - ins Rampenlicht der Forschung zu rücken.

Werke: Auswahl: Unsere Kenntnis über das Werk Runges ist - wie sein Leben - durch die hinterlassenen Schriften relativ groß. Ein ausführlicher Werkkatalog findet sich bei J. Traeger, Philipp Otto Runge und sein Werk (1975) 239 ff. Dort können auch die zahlreichen Vorstudien, Skizzen und Zeichnungen Runges zu einzelnen Werken nachgeschlagen werden, die hier nur teilweise aufgeführt sind. - Bis 1798 entstanden vor allem Scherenschnitte (Tiere, Figuren, Bildnisse gefolgt von Blumen und Gewächsen, Fabelthemen), Holzschnitzarbeiten und Zeichnungen kleiner Bildnisse und Blumen- v.a. botanische Themen (Pflanzen, Blumen) und Ornamente. Die meisten Blätter sind nicht datiert, z.B.: Blattstaude und Feuerlilie (Hamburg, Kunsthalle); Hyazinthe (Greifswald, Museum der Stadt); Schlangenkraut (Greifswald, Museum der Stadt); Glockenblumen (Hamburg, Kunsthalle); Lilien (Weimar, St. Kunstsammlungen); - 1799: Selbstbildnis (schwarze/weiße Kreide, vermutlich vernichtet). Für die Aufnahme in Abildgaards Klasse an der Kopenhagener Akademie entstanden; - 1800/01: »`Triumph des Amor'« (Öl, Hamburg, Kunsthalle). Dekorative Umsetzung eines literarischen Themas (Triumph der Liebe unter den Menschen) in konventioneller theoretischer Konzeption, zunächst als überdimensionales Wandbild geplant, dann als Supraportenrelief ausgeführt; ab 1800 mehrere Zeichnungen und Skizzen vorhanden; - 1800/01: »Die Heimkehr der Söhne« in drei zeichnerischen Fassungen (lavierte Federzeichnung, Berlin, Privatbesitz; Pinsel/Blei, Stuttgart, Staatsgalerie; Feder/Pinsel, Hamburg, Kunsthalle) Als monumentales Wandbild geplantes, doch nie farbig ausgeführtes Denkmal auf die familiäre Gemeinschaft und Liebe; - 1801: »Achill und Skamandros« (Pinsel über Blei, Hamburg, Kunsthalle) als Preisaufgabe der Weimarer Kunstfreunde (Goethes Propyläen) eingesandt, nachdem R. mehrere Detail- und Vorstudien angefertigt hatte. R. lernte aus der Ablehnung und Kritik, die dem Werk entgegengebracht wurde und konstatierte die Unmöglichkeit einer Wiederbelebung der Antike. Er wandte sich von Klassizismus und Historismus ab und erkannte, daß nicht Fertigkeiten, Technik oder Bildthema entscheidend sind, sondern die systematische Konzeption; - 1802: »Selbstbildnis am Zeichentisch« (schwarze/weiße Kreide, Hamburg, Kunsthalle) Zusammenfassung der Bildnistraditionen vom Barock bis dato in einem Bild; - 1802: »Selbstbildnis mit braunem Kragen« (Öl, Hamburg, Kunsthalle); - 1802: erste Fassung von »Die Lehrstunde der Nachtigall« (Öl, Hamburg, Kunsthalle), mehrere Federzeichnungen (alle Kunsthalle Hamburg) als Vorläufer, 2. Fassung 1804/5 (Öl, Hamburg, Kunsthalle) - stellt den ersten Versuch R.s dar, in Öl zu malen und versinnbildlicht die Bedeutung der Liebe für den Menschen und für R. selbst. Reich ornamentierter vegetabiler Rahmen; - ab Dez. 1802: Hauptwerk »`Die Zeiten'«, Zeichnungen (1802/03): Der Morgen (Feder über Blei, Hamburg, Kunsthalle), Der Tag (Feder, Hamburg, Kunsthalle), Der Abend (Feder, Winterthur, Stiftung Reinhart und Feder über Blei, Hamburg, Kunsthalle), Die Nacht (Feder über Blei, Hamburg, Kunsthalle), außerdem Konstruktionszeichnungen von 1803, alle Feder (Hamburg); weiterhin Kupferstichvorlagen, alle Feder (Hamburg), ebenfalls aus dem Jahre 1803 (erschienen 1805/6); 1808: `Der Kleine Morgen' (Öl, Hamburg, Kunsthalle), mehrere Detail- und Beleuchtungsstudien sowie Konstruktionsskizzen - Vorstufen zu: Der Große Morgen (Öl, Hamburg, Kunsthalle). - R. befaßte sich bis zu seinem Lebensende mit diesem Thema, das besonders gut seine religiöse Einstellung verdeutlicht. Der Wechsel der Jahreszeiten wurde als Teil der göttlichen Schöpfung empfunden, alle Erscheinungen belebter und unbelebter Natur als mit dem Kosmos in Zusammenhang stehend und von Gott umfaßt dargestellt. - Als R. im Dezember 1802 das Thema `Zeiten' zu zeichnen begann, plante er ein monumentales Wandbild und bot Kunden Auszüge aus den wandgroßen Bildern an. Er beabsichtigte zugleich die Gründung eines Werkstattbetriebes, der in Arbeitsteilung Zimmerverzierungen anfertigen sollte. Dieses Vorhaben wurde nie realisiert. Die vier 1803 ausgeführten Konstruktionszeichnungen, denen zahlreiche Einzelstudien zugrundeliegen, dienten dann aber in verkleinerter Form (Federzeichnungen) als Vorlage für Kupferstiche, die im Perthes-Verlag angefertigt wurden. Im Mai 1805 kam eine erste Auflage von je 100 Stück in Umlauf, aufgrund der Nachfrage wenig später weitere 250. 1808 begann R. mit der Übertragung der Zeichnungen in Öl, nicht ohne sich gleichzeitig intensiv mit dem Sinngehalt der Farben zu beschäftigen und für jede der vier Darstellungen ein eigenes Farbkonzept zu entwickeln (Entstehung seiner Farbenlehre). Bis zu seinem Lebensende gelang es ihm allerdings nur ein Thema, nämlich den Morgen, in Gemäldeform umzusetzen. Alle vier Zeiten-Bilder sind gleich aufgebaut: es handelt sich um ein Hauptbild mit einer allgemeinen Hieroglyphe, z.B. einer Lilie, einer Madonnenfigur oder Sonnenblume im Zentrum und um einen Rahmen, der das Mittelbild symbolhaft christlich deutet. Obwohl Bezüge und Allegorien quer durch die Kunstgeschichte verwendet wurden, ist das Ergebnis dennoch ein Novum und steckt voller Symbolik: `Der Morgen ist die gränzenlose Erleuchtung des Universums. Der Tag ist die gränzenlose Gestaltung der Creatur, die das Universum erfüllt. Der Abend ist die gränzenlose Vernichtung der Existenz in den Ursprung des Universums. Die Nacht ist die gränzenlose Tiefe der Erkenntniß von der unvertilgten Existenz in Gott. Diese sind die vier Dimensionen des geschaffenen Geistes.' (Hinterlassene Schriften I, S. 82); - 1804: »Bildnis Pauline im grünen Kleid« (Öl, Hamburg, Kunsthalle), idealisierende Haltung und monumentale Züge (vgl. Mona Lisa), nach innen gekehrter Blick, jugendliche Darstellung, doch strenge Kühle und Betonung des Zeichnerischen; - 1804: »Die Mutter an der Quelle« (Öl, verbrannt) basierend auf einer Konzeption von 1802. Voller allegorischer Hinweise: Mutter und Quelle stehen für den elementaren Ursprung weiteren Lebens, nämlich Kind und Wasser; - 1804/5: Buchillustration »Die Heymonskinder«, zwei Zeichnungen ausgeführt: Karl d. Gr. und Heymon sowie Erzbischof Turpin und Frau Aja (beides Feder, Hamburg, Kunsthalle); - 1805: »Selbstbildnis im blauen Rock« (Öl auf Holz, Hamburg, Kunsthalle); - 1805: »Bildnis Pauline im weißen Kleid« (Öl, Bautzen, Stadtmuseum), angelehnt an spätbarocke Porträts und wiederverwendet in `Wir Drei'; - 1805: »Wir Drei« (Öl, 1931 zerstört), wohl bekanntestes Bild der Romantik: eindrucksvoller Einklang dreier Menschen mit Pauline als verbindendem Element; mehrere Vorzeichnungen und Skizzen; - 1805: »Die kleine Perthes« (Öl, Weimar Staatl. Kunstsammlungen). Zur Darstellung kommt ein vierjähriges Mädchen, das bei ungewöhnlicher Lichtführung (Sonne) am Fenster der Wohnung mit Ausblick nach draußen steht; - 1805: »Die Hülsenbeckschen Kinder« (Öl, Hamburg, Kunsthalle), Gruppenbildnis: Kinder voller strotzender Vitalität und geschwisterlicher Fürsorge in ihrer eigener Welt als Symbole für den Zeitenrhythmus dargestellt: Kleinkind (Morgenröte) - Knabe/ Sonnenblume (Wachstum), Mädchen/blauer Mittagshimmel (Zenit), Elternhaus/Dämmerung (Lebensabend); - 1805: »Bildnis Otto Sigismund im Klappstuhl« (Öl, Hamburg, Kunsthalle) für die Schwiegereltern als Weihnachtsgeschenk gemalt, Kinderdarstellung von großer Natürlichkeit und Unbekümmertheit (Einfluß der Aufklärung und des Romanes `Emile' von Rousseau, 1762); - 1805: »Ruhe auf der Flucht« (Öl, Hamburg Kunsthalle / Federzeichnungen ebendort). Pendantbild zu Quelle und Dichter und eines der beiden Bilder mit christlichen Themen, die R. auf mündlichen Auftrag für ein Altarbild für die Greifswalder Marienkirche, begann. Das Bild blieb unvollendet, da R. statt dessen den `Kleinen Morgen' malte. Dargestellt ist die von göttlicher Verheißung lichtdurchflutete Idylle der Heiligen Familie, das Christuskind als Symbol des Neuanfangs in einer nur attributiv empfundenen Landschaft; - 1805: »Quelle und Dichter« (Feder/Pinsel/Bleistift, Hamburg, Kunsthalle); - 1805: »Illustrationen zu Ossian«, drei Federzeichnungen - Fingal, Oscar, Ossian (alle Feder, Hamburg, Kunsthalle) - im Auftrag Perthes, als Illustration zu einer Ossian-Übersetzung von Stolbergs angefertigt, doch von diesem abgelehnt; - 1805/6: Verfassen zweier plattdeutscher Märchen »Vom Fischer un syner Fru« und »Von dem Machandelboom«, letzteres wurde in der Zeitung für Einsiedler 1808 veröffentlicht; beide Märchen sind in den 1812 publizierten Grimmschen `Kinder- und Hausmärchen' und in `Volkssagen, Märchen und Legenden' (J.G. Büsching) enthalten; - 1806: »Selbstbildnis für Goethe« (Kreide, Weimar, Nat. Forschungs-u. Gedenkstätten der Klassischen Deutschen Literatur) Fortentwicklung des Selbstbildnisses mit braunem Kragen: größeres Selbstbewußtsein, realistische Härte, Ablehnung des klassizistischen Kunstideals spürbar; - 1806: »Die Eltern des Künstlers« (Öl, Hamburg, Kunsthalle); Ausdruck des engen Verhältnisses zwischen R. und seinen Eltern, die in stark realistischer Weise dargestellt sind und einen Teil (Lebensabend) des hohen Symbolgehaltes des Bildes (Hoffnung/Morgen/Enkelkinder) verkörpern; - 1806: »`Petrus auf dem Meer'« (Öl, Hamburg, Kunsthalle), im Auftrag Kosegartens für die Uferkapelle von Vitte bei Arcona auf Rügen angefertigtes Bild mit selbstgewähltem christlichen Thema (Matthäus 14, 22-32), allerdings unvollendet, da der Kapellenbau verschoben wurde. Eindrucksvolle physiognomische Studien der Apostelköpfe, große Dramatik in Figurendarstellung und Lichtführung (`Mondscheinstück'); - 1806/07: »Bildnis der Wilhelmine Helwig« (Öl, Kiel, Stiftung Pommern). Dargestellt ist der Wandel der Nichte R.s vom Mädchen zur Frau; - 1807: »Pauline mit dem 2jährigen Sohn Otto Sigismund« (Öl, Berlin, Nationalgallerie); - 1808: »Bildnis Friedrich August von Klinkowströms« (Öl, Wien, Kunsthist. Mus.); - 1808: »Mondaufgang« (Öl, Winterthur, Stiftg. Reinhardt); - 1808: »Die Freuden der Jagd« (Feder/Aquarell, Hamburg, Kunsthalle) Vorskizze: Arabesken zu den `Freuden des Weins', motivisch auf Tiecks Sternbald zurückzuführen; 1809: »Bildnis der Schwiegermutter Marie Frédérique Bassenge« (Öl, Hamburg, Kunsthalle); - 1809: »Bildnis Johann Philipp Petersen« (Öl, Schweden, Privatbes.) - 1809: »Arions Meerfahrt« (Feder/Aquarell, Hamburg, Kunsthalle), konventionell-klassizistischer Entwurf für einen Theatervorhang `Macht des Gesangs über die Natur'; - 1808/9: 1. Fassung von »Spielkarten« (aquarellierte Federzeichnungen nach denen Holzschnitte angefertigt wurden - diese in Hamburg, Kunsthalle), 2. Spielkarten-Serie 1809/10 (aquarellierte Federzeichnungen, Holzschnitte von Gubitz in der Hamburger Kunsthalle; - 1809: »Der Fall des Vaterlandes« (Feder, Hamburg, Kunsthalle) und »Not des Vaterlandes« (Feder, Hamburg, Kunsthalle) als Entwürfe für einen Umschlag für die Zeitschrift `Vaterländisches Museum' (Perthes); 1. als zu drastisch abgelehnt, 1. angenommen mit Rückseite als Pendant zur Vorderseite; 1809: »Die komische und die tragische Lyra« (Feder, Berlin, Nationalgalerie) Umschlagentwurf für einen Theaterkalender, in Kupfer gestochen und später zweitverwendet; - 1810: »Selbstbildnis im braunen Rock« (Öl auf Holz, Hamburg, Kunsthalle); - 1810: »Bildnis Pauline« (Öl, Hamburg, Kunsthalle); - 1810: »Bildnis des Bruders Johann Daniel« (Öl, Hamburg, Kunsthalle), als sinnend in die Ferne blickender, über einem Buch sitzender junger Mann; - 1810: »Sophia Sieveking auf dem Sterbelager« (schwarze/weiße Kreide, Hamburg, Kunsthalle); eines der letzten erhaltenen Bilder R.s, das möglicherweise die Vorstudie für ein verschollenes Ölbild darstellte; - 1810: »Das Nachtigallengebüsch« (Aquarell/ Tusche, Hamburg, Kunsthalle), Entwurf für breiten Wandfries; - 1810: »Natur und Geist« (Feder/Blei, Hamburg Kunsthalle) letzte Arbeit Runges: Illustration (Allegorien von Natur und Kunst) für das `Taschenbuch zum geselligen Vergnügen' (W.G. Becker).

Bibliographie: Eine ausführliche Bibliographie findet sich bei Jörg Traeger, Philipp Otto Runge und sein Werk (1975) 512 ff. Hier wurden in erster Linie Monographien aufgenommen, zahlreiche Aufsätze über Runge und seine Zeit finden sich im Jahrbuch der Gesellschaft Hamburgischer Kunstfreunde und in den Jahresberichten der Kunsthalle zu Hamburg.

Lit.: Schriftliche Hinterlassenschaften R.s: P.O. Runge, Hinterlassene Schriften, Nachdr. von 1840/41, 1-2 (1965) mit Hinzufügung der `Nachrichten von dem Lebens- und Bildungsgange des Mahlers Philipp Otto Runge' im 1. Band. Außerdem gibt es zahlreiche weitere Sammlungen der Schriften und Briefe R.s; - P.O. Runge, Das Märchen von dem Fischer un syner Fru, mit 10 Holzschnitten von Ernst Würtenberger (1921) - mehrere unterschiedlich illustrierte Ausgaben; - P.O. Runge, Von dem Machandelboom, mit 7 Radierungen von E. Richter (1922) - mehrere weitere Ausgaben; - P.O. Runge, Die Farben-Kugel (1810/Neudruck 1977). - Literaturauswahl: A.A.F. Milarch, Ueber Ph. O. Runge's Vier Zeiten (1821) Wiederabdruck in HS II, 530-37; - F. Schultz, Philipp Otto Runge, ein Maler der Romantik, in: Westermanns illustrierte deutsche Monatshefte, JG. 46, Bd. 91, 1902, 541-556; - E. Sulger-Gebing (Hrsg.), Philipp Otto Runge, Gedanken und Gedichte (1907); - A. Aubert, Runge und die Romantik (1909); - S. Krebs, Philipp Otto Runges Entwicklung unter dem Einflusse Ludwig Tieck (1909); - W. Roch, Philipp Otto Runges Kunstanschauung. Dargestellt nach seinen `Hinterlassenen Schriften' und ihr Verhältnis zur Frühromantik (1909); G. Neumann, Drei merkwürdige künstlerische Anregungen bei Runge, Manet, Goya (1916); - G. Pauli, Philipp Otto Runges Zeichnungen und Scherenschnitte in der Kunsthalle zu Hamburg (1916); - ders., Die Hülsenbeckschen Kinder (Kunsthalle Hamburg, Kleine Führer 11) (1920); - G. Gläß (Hrsg.), Philipp Otto Runge, aus Briefen und Schriften (1922); - A. Kippenberg (Hrsg.), Philipp Otto Runges Entwürfe zu Spielkarten (1922); - V. Dirksen, Philipp Otto Runge. Das Elternbild und Wir Drei (Kunsthalle Hamburg, Kleine Führer, 30) (1923); - P.F. Schmidt, Philipp Otto Runge. Sein Leben und sein Werk (1923); - O. Müller (Hrsg.), Philipp Otto Runge, Betrachtungen über Kunst und Leben. Eine Auswahl aus seinen Schriften (Kleine Schriften zur Kunst, 3) (1924); - H. Schmidt, Die Farbenlehre Philipp Otto Runges und seine Bildgestallt (Diss. Kiel 1924); - L. Benninghoff (Hrsg.), Philipp Otto Runge, III (1926); - K. Schauer, Malerei der Goethezeit (1927); - J.B.C. Grundy, Tieck and Runge. A study in the relationship of literature and art in the Romantic period with especial reference to `Franz Sternbald' (Studien zur deutschen Kunstgeschichte H. 270) (1930); - H. Schrade, Die romantische Idee von der Landschaft als höchstem Gegenstande christlicher Kunst, Neue Heidelberger Jahrbücher N.F. 1931, 1-94; - O. Böttcher, Philipp Otto Runge. Ein Beitrag zur Kunstgeschichte der Romantik und des Klassizismus (1933); - R. Diehl, Philipp Otto Runge und Clemens Brentano. Ein Beitrag zur Buchillustration der Romantik, Imprimatur 6, 1935, 53-74; - O. Böttcher, Philipp Otto Runge. Sein Leben, Wirken und Schaffen (1937); - T. Bohner, Philipp Otto Runge. Ein Malerleben der Romantik (1937); - E. Gotsmann (Hrsg.), Philipp Otto Runge, Briefe und Gedichte (1937); - C. Hintze, Kopenhagen und die deutsche Malerei um 1800 (1937); - E. Forsthoff (Hrsg.), Philipp Otto Runge. Schriften, Fragmente, Briefe. Unter Zugrundelegung der von Daniel Runge hrsg. Hinterlassenen Schriften besorgt von Ernst Forsthoff (1938); - H.E. Gerlach, Philipp Otto Runge. Ein Versuch, zugleich ein Bekenntnis (1938); - F. Meichner, Wir Drei. Eine Philipp Otto Runge-Novelle (1938); - K.F. Degner (Hrsg.) Philipp Otto Runge. Briefe in der Urfassung (1940); - H.E. Gerlach (Hrsg.), Philipp Otto Runge, Briefe (1940); - C.A. Isermeyer, Philipp Otto Runge (1940); - H.Freiherr von Maltzahn (Hrsg.), Philipp Otto Runges Briefwechsel mit Johann Wolfgang von Goethe (Schriften der Goethe-Gesellschaft, 51) (1940); - K. Privat (Hrsg.), Philipp Otto Runge. Sein Leben in Selbstzeugnissen, Briefen und Berichten (1942); - O. v. Simson, Philipp Otto Runge and the Myth of Landscape, The Art Bulletin 24, 1942, 335-50; - W. Feldmann (Hrsg.), Philipp Otto Runge und die Seinen. Mit ungedruckten Briefen (1944); - H. v. Einem, Das Bildnis der Eltern von Philipp Otto Runge (1948/57); - ders., Die Symbollandschaft der deutschen Romantik, in: Katalog Klassizismus und Romantik, Slg. Georg Schäfer, Schweinfurt (1961); - B. von Ragué, Das Verhältnis von Kunst und Christentum bei Philipp Otto Runge (Diss. Bonn 1950); - S. Waetzoldt, Philipp Otto Runges `Vier Zeiten' (Diss. Hamburg 1951); - ders., Philipp Otto Runges `Vier Zeiten' und ihre Konstruktionszeichnungen, in: Anzeiger des Germanischen National-Museums 1954-1959 (1960); - K. Lankheit, Das Freundschaftsbild der Romantik (Heidelberger Kunstgeschichtliche Abhandlungen, N.F. Bd. 1) (1952); - ders., Revolution und Restauration (1965); - W. Schöne, Über das Licht in der Malerei (1954); - E. Kähler, Die religiösen Motive Philipp Otto Runges, Wissenschaftliche Zeitschrift der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, Gesellschafts- und sprachwissenschaftliche Reihe 6, 1956/57, 145-56; - J. Hebing, Philipp Otto Runge, die Farbenkugel und andere Schriften zur Farbenlehre (1959); - W. Stubbe, Philipp Otto Runge und seine Angehörigen, in: Jahrbuch der Hamburger Kunstsammlungen 5, 1960, 53-68; - ders., Ausstellungskatalog: Philipp Otto Runge, 23.7.1777 Wolgast - 2.12.1810 Hamburg. Zeichnungen und Scherenschnitte. Gedächtnisausst. in der Hamburger Kunsthalle aus Anlaß der 150. Wiederkehr seines Todestages (1960); - ders. Sinnpflanze und Paradiesgarten. Philipp Otto Runges `Vignetten' zu Ludwig Tiecks Sammlung `Minnelieder aus dem Schwäbischen Zeitalter', 1803, in: Intuition und Kunstwissenschaft. Festschrift für Hanns Swarzenski (1973) 523-40; - ders., Philipp Otto Runge. Bild und Symbol (1977); - G. Berefelt, Beobachtungen zum Verhältnis Philipp Otto Runges zu Johann Gottfried Herder, in: Zeitschrift für Ostforschg. 9, 1960, 14 ff.; - ders., Philipp Otto Runge zwischen Aufbruch und Opposition 1777-1802 (Acta Universitatis Stockholmiensis, Stockholm Studies in History of Art 7) (1961); - ders., Verzierungen mit Einsicht und Sinn - Notizen um Philipp Otto Runge, Kunsthistorisk Tidskrift 41, 1972, 81-94; - J. Langner, Philipp Otto Runge in der Hamburger Kunsthalle (Bilderhefte der Hamburger Kunsthalle, 4 ) (1963); - K. Grützmacher, Novalis und Philipp Otto Runge. Drei Zentralmotive und ihre Bedeutungssphäre: Die Blume, das Kind, das Licht (1964); - Ausstellungskatalog: Deutsche Romantik. Gemälde, Zeichnungen, Staatl. Museen zu Berlin, Nationalgalerie (1965); - M. Vasella-Lüber, Philipp Otto Runges Briefe (1967); - H. Schrade, Deutsche Maler der Romantik (1967); - Katalog der Meister des 19. Jahrhunderts in der Hamburger Kunsthalle, bearb. von E.M. Krafft und C.-W. Schümann (1969); - J. Traeger, Über den Aspekt der Geschichte in Philipp Otto Runges Kunsttheorie, Beiträge zur Theorie der Künste im 19. Jahrhundert, in: Studien zur Philosophie und Literatur des neunzehnten Jahrhunderts, 12,1, 1971, 193-204; - ders., Philipp Otto Runge und sein Werk. Monographie und kritischer Katalog (1975); - ders., Zwei wiederentdeckte Hauptwerke von Philipp Otto Runge, Zeitschrift für Kunstgeschichte 38, 1975, 171-186; - ders., Philipp Otto Runge oder Die Geburt einer neuen Kunst (1977); - ders., Philipp Otto Runge. Die Hülsenbeckschen Kinder (1987); - H. Sieveking, Amor auf einem Wagen von Schmetterlingen gezogen. Philipp Otto Runges wiederaufgefundene Zeichnung für G.J. Schmidt, in: Jahrbuch der Hamburger Kunstsammlungen 17, 1972, 113-121; - G.S. Kallienke, Das Verhältnis von Goethe und Runge im Zusammenhang mit Goethes Auseinandersetzung mit der Frühromantik (1973); - H. Matile, Die Farbenlehre Philipp Otto Runges. Ein Beitrag zur Geschichte der Künstlerfarbenlehre (Berner Schriften zur Kunst, 13) (1973) mit Rez. H.W. Kruft in: Neue Zürcher Zeitung Nr. 532, 15.11.1973, 27; ders., Die Farbenlehre Philipp Otto Runges (1979) - K. Feilchenfeldt (Hrsg.), Clemens Brentano/ Philipp Otto Runge, Briefwechsel (1974); - C. Franke, Philipp Otto Runge und die Kunstansichten Wachenroders und Tiecks (Marburger Beiträge zur Gemanistik, 49) (1974); - F. Muthmann, Mutter und Quelle (1975); - J.C. Jensen, Philipp Otto Runge. Leben und Werk (1977); - H. Gärtner, Philipp Otto Runge (1977); - dies. (Hrsg.), Die Begier nach der Möglichkeit neuer Bilder (1978); - W. Hofmann (Hrsg.) Runge in seiner Zeit. Ausstellung Hamburger Kunsthalle 21.10.1977-8.1.1978 (1977); - ders. (Hrsg.), Philipp Otto Runge. Scherenschnitte (1977); S. Wega Mathieu (Hrsg.), Philipp Otto Runge. Leben und Werk in Daten und Bildern (1977); - W. Brodersen u.a., Philipp Otto Runge. Historisch-kritische Analysen zu seinem Werk (1978); - H. Hohl (Hrsg.), Runge, Fragen und Antworten. Ein Symposion der Hamburger Kunsthalle (1979); - K. Möseneder, Philipp Otto Runge und Jakob Böhme (1981); - K. Röhring, ...siehe, es war sehr gut (1979); - T. Leinkauf, Kunst und Reflexion (1987); - in Arbeit: T. Mitchell, P.O. Runge und C.D. Friedrich: A comparison of theory and art (Diss. Indiana Univ. Bloomington); - K. Regier, The paintings of Philipp Otto Runge (Diss. Univ. of Washington); - B. Schaub-Meiner, Philipp Otto Runges Arabesken. Ihre Tradition, ihre Verwandlung und ihr Einfluß (Diss. Basel). - Allgemeine Werke: K. Scheffler, Deutsche Maler und Zeichner im 19. Jh (1920); - P. Kluckhohn, Die deutsche Romantik (1924); - G. Pauli, Die Kunst des Klassizismus und der Romantik (PropKG, 14) (1925); - R. Benz, Die deutsche Romantik. Geschichte einer geistigen Bewegung (1937); - K. Kaiser, Deutsche Malerei um 1800 (1959); - H. Börsch-Supan, Deutsche Romantiker. Deutsche Maler zwischen 1800 und 1850 (1972); - R. Rosenblum, Modern Painting and the Northern Romantic Tradition. Friedrich to Rothko (1975); - Ausstellungskatalog: La peinture allemande à l'époque du Romantisme (1976/77); - P. Betthausen (Hrsg.), Briefe und Schriften (19822).

Peter Kränzle

Literaturergänzung:

Thomas Lange, Diagramm, Illustration, Imagination. Zut Entwicklung neuer Erkenntnisformen über d. Annäherung von exakter Wiss. u. bildender Kunst am Beisp. von P.O.R.s Konstruktion d. "Farbenkugel" (1810), in: Erinnerung, Gedächtnis, Wissen. Studien zur kulturwiss. Gedächtnisforschung. Hrsg. von Günter Oesterle. Göttingen 2005, S. 491-513.

Letzte Änderung: 15.02.2006