Wirtschaft

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ECE-Debatte: GRÜNE für kleinteiligen Innenstadthandel
ECE-Center

05.06.2003  Wir GRÜNEN haben bereits zu Beginn der Diskussion über ein Einkaufszentrum im Schlosspark unsere Skepsis hinsichtlich der Verträglichkeit des Projekts mit dem bestehenden Einzelhandel und mit dem städtebaulichen Umfeld deutlich geäußert. Die inzwischen erstellten Gutachten und dazu vorgetragenen Argumente haben unsere Sorgen nicht ausgeräumt, sondern eher bestätigt.

Nach dem bisher vorgelegten städtebaulichen Konzept würde es zwar gestalterische Verbesserungen am Bohlweg geben. Die Möglichkeiten, die ein solches Projekt beinhalten könnte, werden jedoch bei weitem nicht ausgeschöpft. Das entstehende Parkhaus wird den Autoverkehr sogar noch weiter anwachsen lassen, so dass die Trennwirkung der Straße nicht etwa vermindert, sondern womöglich noch verstärkt würde. Daran ändert leider auch die beabsichtigte Wegnahme einer Fahrspur auf der Ostseite des Bohlwegs nichts. Das ECE-Center wäre damit räumlich nicht in die Braunschweiger Innenstadt integriert, sondern ähnlich isoliert wie heute der Schlosspark.

ECE erwartet, etwa ein Drittel der Umsätze aus dem unmittelbaren Innenstadtbereich in sein neues Kaufhaus umzuleiten. Damit wird die Wirtschaftlichkeit einiger Läden, insbesondere im Bereich der westlichen Innenstadt, gefährdet. Wir befürchten, dass dann nicht einfach die Ladenmieten in diesen Bereichen abgesenkt werden, sondern dass zusätzliche Leerstände entstehen. Solche Leerstände mindern die Attraktivität dieser Einkaufsbereiche, die damit in der Konkurrenz zum neuen Center noch weniger bestehen können. Dadurch würden auch dringend notwendige Investitionen z.B. in die Folgenutzung des Gebäudes der Oberpostdirektion oder in die Aufwertung des Bereichs der Schlosspassage unwahrscheinlich.

ECE wirbt für sein Projekt damit, dass es in Braunschweig das Schloss wieder aufbauen würde. Tatsächlich will die Gesellschaft jedoch ein Riesenkaufhaus bauen, das an einer Stelle eine Rekonstruktion der Fassade des Braunschweiger Schlosses enthält. Das alte Schloss war ein freistehendes Einzelbauwerk in einem Grünbereich, hatte lediglich etwa ein Drittel der Fläche des geplanten Einkaufszentrums und hat schon von daher völlig anders gewirkt als das jetzt vorgeschlagene Projekt. Die hier geplante "Disneyland-artige" Scheinwelt, bei der Herrschaftssymbole aus der Architekturgeschichte umfunktioniert werden zur Werbefläche für ein Kaufhaus, entspricht nicht unserem Verständnis von einem angemessenen Umgang mit historischen Epochen und Gebäuden.

Wir haben die Argumente der Befürworter und der Gegner sorgfältig gegeneinander abgewogen. Wir wissen, dass eine Entscheidung über dieses Vorhaben weitreichende Auswirkungen in die Zukunft hat und dass niemand mit letzter Sicherheit vorhersagen kann, welche Entscheidung besser ist. Wir wollen jedoch die immer noch überwiegend kleinteilige Ladenstruktur der Braunschweiger Innenstadt im öffentlichen Raum erhalten und weiterentwickeln. Diese Ladenstruktur muss dabei verbunden sein mit einer Wohn- und Freizeitnutzung des Zentrums, damit die City lebendig bleibt. Das geplante ECE-Center würde eine solche Mischstruktur nicht fördern, sondern erschweren. Deshalb lehnen wir dieses Vorhaben ab, erwarten zugleich aber von den Braunschweiger Einzelhändlern deutliche Aktivitäten, mit denen die Attraktivität der Innenstadt gesichert wird.


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