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Newsletter vom 23.07.2004

Liebe Leserin, lieber Leser,

was gibt es Schöneres in den Sommermonaten, als in einer lauen Nacht zu einer tollen Gartenparty eingeladen zu sein? Ein wenig getrübt wird die Freude allerdings, wenn man – oder besser gesagt „frau” – feststellen muss, dass ausgerechnet die Gastgeberin dasselbe Kleid trägt. Oder trägt sie doch eher das gleiche? Die Frage, ob das gleiche Kleid auch wirklich dasselbe ist, klären wir für Sie gleich zu Beginn.

Im zweiten Teil dieser Ausgabe wollen wir uns noch einmal eines Themas annehmen, das vielen Schreibenden häufig Kopfzerbrechen bereitet: die Besonderheiten des Doppelpunkts.

Flamenco, Paella, Sangría … Beim Klang dieser Wörter gerät so mancher Urlauber ins Schwärmen, denn schließlich ist Spanien eines unserer populärsten Urlaubsländer. Warum uns aber ausgerechnet das Spanische dazu dient, unser Befremden auszudrücken, haben wir dieses Mal für Sie nachgeschlagen.

Viel Spaß bei der Lektüre wünscht Ihnen

Ihre
Duden-Sprachberatung

 

Hätten Sie’s gewusst?


derselbe / der gleiche

Die Demonstrativpronomen derselbe, dieselbe, dasselbe bringen ebenso wie der/die/das gleiche eine Übereinstimmung oder Identität zum Ausdruck. Sie trug dasselbe/das gleiche Kleid wie die Gastgeberin.
Es gibt aber nicht nur eine Identität des einzelnen Wesens oder Dings (Er besucht dieselbe Schule wie ich), sondern auch eine Identität der Art oder Gattung (Sie hat die gleiche Augenfarbe wie ihr Bruder). Im Allgemeinen ergibt es sich aus dem Kontext, ob eine Identität der Gattung oder doch eine Identität des einzelnen Wesens oder Gegenstands gemeint ist, sodass eine strenge Unterscheidung zwischen derselbe und der gleiche nicht immer nötig ist. Bei unserem Beispielsatz Sie trug dasselbe/das gleiche Kleid wie die Gastgeberin versteht es sich von selbst, dass hier zwei Kleider im Spiel sind.
Es gibt aber durchaus Fälle, in denen Missverständnisse möglich sind. Ein Satz wie Die beiden Monteure der Firma fahren denselben Wagen sagt aus, dass beide Monteure den vorhandenen Firmenwagen abwechselnd benutzen. Will man aber zum Ausdruck bringen, dass beide einen Wagen desselben Fabrikats benutzen, sollte man in jedem Fall sagen: Die beiden Monteure der Firma fahren den gleichen Wagen.

 

Was Sie schon immer wissen wollten


Doppelpunkt


Der Doppelpunkt ist ein Übergangs- und Ankündigungszeichen, das die Aufmerksamkeit auf das lenken will, was sich anschließt. Seine Aufgabe ist es also, das Folgende optisch abzuheben.
Er steht grundsätzlich vor der direkten Rede, sofern sie vorher angekündigt wurde. Der Redakteur sagte: „Der Artikel erscheint erst übermorgen.”
Ein Doppelpunkt steht auch vor angekündigten Aufzählungen. Folgende Themen werden behandelt: Rechtschreibung, Grammatik, Stilistik. Die Grundlage des Kurses bilden: englische, deutsche und spanische Zeitungstexte. Großgeschrieben wird das erste Wort in derartigen Aufzählungen nur dann, wenn es sich um ein Substantiv handelt.
Ebenfalls ist ein Doppelpunkt zu setzen vor Ganzsätzen, Teilsätzen oder auch einzelnen Wörtern, die ausdrücklich angekündigt wurden. Das erste Wort wird in diesem Fall – wenn es nicht ohnehin ein Substantiv ist – nur dann großgeschrieben, wenn es einen ganzen Satz einleitet. Das Sprichwort lautet: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.
Doch so, wie die Schönheit bekanntlich im Auge des Betrachters liegt, liegt es auch im Ermessen des Schreibenden zu entscheiden, ob er einen Satz als unabhängigen Ganzsatz empfindet oder eher als abhängige Zusammenfassung oder Schlussfolgerung. Im letzteren Fall ist auch Kleinschreibung zulässig. Ob alte oder neue Rechtschreibung: beide (oder: Beide) haben ihre Tücken. Folgen dem Doppelpunkt Einzelwörter oder Wortgruppen, so ist Kleinschreibung richtig: Da war er wieder: sein unnachahmlicher Charme.

 

Für Sie nachgeschlagen


Spanisch vorkommen

Diese Redewendung besagt, dass jemandem etwas sehr merkwürdig erscheint, ihn seltsam anmutet, sodass er es kaum glauben kann. Sie stammt wahrscheinlich aus der Zeit, als der aus Spanien stammende Karl V. (1500-1558) deutscher Kaiser war. Viele bis dahin in Deutschland unbekannte und zum Teil auch als unerhört empfundene Sitten, Bräuche und Moden fanden Eingang und wurden mit Misstrauen betrachtet. Der mithilfe und mit den Mitteln der spanischen Inquisition gegen die Reformation geführte Kampf Karls V. spielte bei der Ablehnung alles Spanischen ebenfalls eine große Rolle. Die Spanier wurden als Handlanger der Inquisition betrachtet und galten, was im Dreißigjährigen Krieg besonders deutlich wurde, vielfach als ehrgeizig, feige und heuchlerisch. Ein literarischer Beleg aus jener Zeit findet sich bei Grimmelshausen (um 1622-1676) im Simplicissimus, dem bedeutendsten deutschen Roman des 17. Jahrhunderts. Im 15. Kapitel des 2. Buches äußert sich der zu den Kroaten verschleppte Simplicius über seinen neuen Herrn, den Kroatenobristen Cordes in folgender Weise: Bei diesem Herrn kam mir alles widerwärtig und fast spanisch vor …

Buchcover
Aus: Duden 12, Zitate und Aussprüche. Mannheim 2002.
 

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