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Art des Bundeslandes Tirol





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Apollo (Parnassius apollo)

Der Apollo ist eine weitum bekannte Gebirgsschmetterlingsart, die somit gerade für ein Gebirgsland wie Tirol als besonders typisch gelten kann. Überdies handelt es sich um eine der ersten geschützten Arten von Wirbellosen Tieren in Europa, die auch in vielen Regionen stark gefährdet ist.

Der Schmetterling ist durch seine Größe und auffallend weiß-schwarzen Flügeln mit rot gekernten Augen am Hinterflügel eine auffallende und majestätisch über Felsabhänge schwebende Erscheinung.

Verbreitung
In den Gebirgsregionen Europas von Südskandinavien bis in den Mittelmeerraum sowie bis zum Ural, dem Kaukasus und in Zentralasien relativ weit verbreitet, jedoch vielfach nur lokal auftretender Schmetterling. In Österreich aus allen Bundesländern nachgewiesen, aktuell jedoch im Burgenland und in Wien verschwunden.

Lebensraum
Der Apollo ist eine Charakterart von felsigen oder felsdurchsetzten Hängen, bevorzugt in sonniger südexponierter Lage. Auch Sekundärstandorte wie Straßenböschungen, Flussdämme oder Steinbrüche werden gerne besiedelt. Die Höhenverbreitung erstreckt sich in Österreich von ca. 200 m bis gegen 2000 m.

Beschreibung
Der charakteristische Schmetterling ist mit einer Flügelspannweite von 68 bis 86 mm relativ groß. Seine Flügel sind überwiegend weiß gefärbt, die Vorderflügel am Außenrand glasig und kaum beschuppt. Mehrere große und kleinere schwarze Flecken auf allen Flügeln sowie zwei deutliche augenförmige rote Flecken am Hinterflügel, meistens weiß gekernt.

Das Ei ist weiß gefärbt und rundlich, mit stark körniger Oberfläche.

Die kurz behaarte und samtartig wirkende Raupe ist schwarz gefärbt mit 3 dunkelroten bis gelblichen Seitenflecken je Segment. Sie besitzt eine rötliche Nackengabel.

Die frei in einem zarten Gespinst liegende Mumienpuppe ist bläulich bereift.

Ähnliche Arten
Der Apollofalter ist relativ leicht mit dem Alpenapollo (Parnassius phoebus) zu verwechseln. Er besitzt aber einerseits am Vorderflügelrand nur ausnahmsweise einen roten Flecken und als wichtigstes Merkmal einen kaum geringelten Fühlerschaft. Beim Alpenapollo ist der rote Fleck am Vorderflügel gut ausgeprägt und die Fühler sind deutlich schwarz-hellgrau geringelt. Ein wichtiges Kriterium für die Unterscheidung ist auch die Lebensweise, da der Apollo an trocken-warme Lebensräume gebunden ist, der Alpenapollo hingegen an Bergbäche und Quellfluren in der Gebirgsregion. In sehr seltenen Fällen wurden aber schon mutmaßliche Hybriden zwischen beiden Arten beobachtet.

Lebensweise
Die Eiablage erfolgt einzeln an die Blätter der Futterpflanze, das ist in Mitteleuropa vor allem der Weiße Mauerpfeffer (Sedum album), selten an anderen Sedum- oder auch Hauswurzarten (Sempervivum). Die Jungraupen überwintern voll entwickelt im Ei. Nach dem Schlupf im ersten Frühjahr fressen sie, je nach lokalklimatischen Bedingungen, von April bis Juli die Blätter. Schließlich erfolgt im Frühsommer die Verpuppung in einem leichten Gespinst am Boden. Die Falter fliegen tagsüber im Sonnenschein, je nach Exposition und Höhenlage zwischen Ende Mai und Ende August. Sie saugen gerne an blauvioletten Blüten wie Flockenblumen, Skabiosen oder Disteln. Im Vergleich zum Raupenhabitat unterschiedlich sind daher auch die zeitweiligen Falterhabitate nämlich blütenreiche Saumstrukturen.

Wissenswertes und Hinweise
Der Apollo tritt in einer Vielzahl von mehr als 270 beschriebenen Unterarten auf, deren taxonomischer Status jedoch in den meisten Fällen sehr umstritten ist. Viele dieser Formen wurden wohl eher aus monetären Gründen zur Wertsteigerung der Sammlungen oder auch aus Eitelkeiten mancher "Wissenschaftler" beschrieben. In Österreich werden grundsätzlich zwei Unterarten unterschieden, die Flachlandrasse Parnassius apollo cetius und die Gebirgsrasse Parnassius apollo brittingeri, ergänzt durch zahlreiche Lokalformen, die jedoch kaum namensberechtigt sind.

Das Weibchen besitzt nach der Begattung am Hinterleib eine sklerotisierte Begattungstasche (Sphragis), die vermutlich die Kopulation durch weitere Männchen verhindern soll.


Apoollofalter  Danesc

Der Apollofalter fliegt gerne im Gebirge



Gefährdung und Schutz
Der Apollofalter ist aus vielen Gebieten Mitteleuropas verschwunden, in Österreich wird die Art nach der neuesten Roten Liste (HÖTTINGER & PENNERSTORFER, 2005) in der Kategorie "Gefährdung droht" eingestuft, d.h. es ist mittel- bis langfristig das Aussterben der Art in ganzen Regionen zu befürchten.

Die Gefährdung des Apollofalters gestaltet sich regional sehr unterschiedlich und schwankt zwischen ausgestorben im Burgenland und in Wien bis zu "Gefährdung droht" in Vorarlberg. Tieflandpopulationen im Osten Österreichs sowie im äußersten Westen sind bereits erloschen oder zumindest stark gefährdet (HÖTTINGER & PENNERSTORFER, 1999; HUEMER, 2001). Als Ursachen sind vor allem die Verbuschung oder Aufforstung von Felssteppen sowie von Sekundärstandorten wie Ufer- und Straßenböschungen zu nennen. Auch der Einsatz von Spritzmitteln im Weinbau wirkt sich negativ auf die Art aus. Weitere Ursachen wie Luftverschmutzung durch Verkehr oder die Entfernung von Saugpflanzen wirken sich ebenfalls negativ aus. Teilweise dürfte auch der hohe Besammlungsdruck zum Rückgang einzelner Populationen beigetragen haben. Vielfach sind die Faktoren für das Verschwinden jedoch unzureichend bekannt. Generell betrifft die Gefährdung vor allem die Regionen des Flachlands. Deutlich günstiger ist die Situation in den höher gelegenen Gebirgen, wo der Apollo teilweise noch in individuenreichen Populationen fliegt.

Die Art ist in den Naturschutzverordnungen der einzelnen Bundesländer mit aktuellen Vorkommen aufgelistet. Überdies kommt ihr ein internationaler Schutzstatus zu, da es sich um eine der wenigen Schmetterlingsarten des Anhangs IV der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie handelt, die überdies auch im Anhang II der Berner Konvention und in CITES berücksichtigt wird. Diese gesetzlichen Maßnahmen haben aber, außer einer Unterbindung des sowieso stark zurückgegangenen Sammelns sowie des Handels kaum praktischen Nutzen und tragen daher auch nicht zum effektiven Schutz der Art bei.

Als Schutzmaßnahmen kommen in bekannten Fluggebieten vor allem die Vermeidung von Aufforstungen, die mit Experten abzustimmende Pflege von Blühhorizonten, die Entfernung von aufkommenden Gehölzen in den Raupenhabitaten und soweit nötig die strikte Überwachung von Sammelverboten in Frage. In verschiedenen Regionen Europas wurden auch Wiederansiedlungsprojekte gestartet, so auch in der Wachau (HÖTTINGER & PENNERSTORFER, 2005) oder im oberen Pinzgau.

I
n Tirol ist der Apollo in manchen Regionen wie im Raum Innsbruck oder dem Eingang ins Wipptal zwar verschwunden, auf Grund der günstigen Habitatsituation ab der montanen Stufe tritt die Art aber noch in relativ weiter Verbreitung auf, ist regional wie im Karwendel jedoch immer schon eine Seltenheit gewesen. Unter anderem wurde 2005 auch eine Population im Samertal (Karwendel) entdeckt, und Innsbruck ist somit die einzige Landeshauptstadt Österreich mit akutellem Vorkommen.


Literaturhinweise
HÖTTINGER, H. & PENNERSTORFER, J. (1999): Rote Listen ausgewählter Tiergruppen Niederösterreichs - Tagfalter (Lepidoptera: Rhopalocera & Hesperiidae). 1. Fassung 1999. Amt der Niederösterreichischen Landesregierung, Abteilung Naturschutz, St. Pölten.

HÖTTINGER, H. & PENNERSTORFER, J. (2005): Rote Liste der Tagschmetterlinge Österreich (Lepidoptera: Papilionoidea & Hesperioidea). In: Zulka, K.-P. (Red.): Rote Listen gefährdeter Tiere Österreichs. Grüne Reihe des Lebensministeriums, Band 14/1, p. 313-354, Böhlau Verlag, Wien.

HUEMER, P. (2001): Rote Liste gefährdeter Schmetterlinge Vorarlbergs. Vorarlberger Naturschau Dornbirn, 112 pp. + CD-ROM.


Text: Peter Huemer




Apollo: Bedroht
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