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Tier- und Pflanzenlexikon

IndexDas Europäische Ziesel

Europäisches Ziesel Quelle: Hartmut Schäfer

Wissenschaftlicher Name: Spermophilus citellus

Aussehen: ca. 23 cm groß, Schwanz 5 bis 7 cm lang, dicht behaart

Lebensraum: offene, trockene, steppenähnliche Landschaften

Verbreitung: südöstliches Europa, von Tschechien und Österreich über Ungarn und Rumänien bis nach Bulgarien

Nahrung: Samen, Wurzelwerk, Zwiebel, Knollen, Gräser, Kräuter, dazu Insekten und andere wirbellose Tiere

Fortpflanzung: Paarung 1x pro Jahr nach dem Winterschlaf, 3-7 Junge, bei der Geburt nackt und blind, die 6 Wochen gesäugt werden

Das Europäische Ziesel ist wohl das bekannteste und beliebteste Tier auf der Perchtoldsdorfer Heide. Nördlich des großen Wasserbehälters sind die meisten Ziesel zu finden, in den letzten Jahren weichen sie jedoch immer mehr auf andere Bereiche der Heide aus.

Das Ziesel ist ein Nagetier und gehört zur Familie der Hörnchen (Sciuridae). Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich über das südöstliche Europa, von Tschechien und Österreich über Ungarn und Rumänien bis nach Bulgarien. Auch in Teilen von Polen, der Ukraine, in Griechenland, in der Türkei und im ehemaligen Jugoslawien ist es zu finden. Alle Vorkommen sind jedoch inselartig und nur auf verstreute Gebiete beschränkt. In den letzten Jahrzehnten ist das Verbreitungsareal deutlich geschrumpft.

In Österreich erreicht das Ziesel seine westliche Verbreitungsgrenze. Es war früher in Niederösterreich und im Burgenland von Retz über Wien bis in den Seewinkel fast überall, örtlich sogar häufig anzutreffen. Im Tullner Feld wurden früher sogar Prämien für die Jagd nach Zieseln bezahlt. Heute sind auf Grund von intensiver Landwirtschaft, Zersiedelung und das Verschwinden von Trockenrasen nur mehr kleine, voneinander isolierte Bestände erhalten geblieben, die alle vom Aussterben bedroht sind. Daher steht das Ziesel auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten.
Nach europäischem Naturschutzrecht gehört das Ziesel zu den streng zu schützenden Tierarten von gemeinschaftlichem Interesse, für dessen Erhalt besondere Schutzgebiete ausgewiesen werden müssen.

Das Ziesel erreicht eine Größe von über 20 cm und ist damit etwas kleiner als ein Eichhörnchen. Es hat ein gelbgraues, relativ grobes, kurzes Fell, kurze Beine, kurze breite Ohren, große Augen und einen 5 bis 7 cm langen, dicht behaarten Schwanz.

Das Ziesel ist ein typischer Steppenbewohner des Tieflandes, der im Mittelalter aus Asien eingewandert ist. Durch Rodungen der Wälder entstanden in Europa in dieser Zeit attraktive Lebensräume für Lebewesen offener, trockener, steppenähnlicher Landschaften.
Der Boden muss für das Ziesel jedoch tiefgründig und gut entwässert sein, denn Ziesel leben in selbst gegrabenen Erdbauen. Beim Graben lockern sie die Erde hauptsächlich mit den Vorderbeinen, helfen dabei mit den Zähnen, scharren die Erde unter den Bauch und von dort mit den Hinterbeinen nach hinten und aus dem Bau heraus. Ziesel graben fast ständig. Deshalb findet man während der gesamten Wachzeit vor den Zugängen frische Erde.

Es werden immer zwei Arten von Bauen angelegt: Der Nest- oder Dauerbau liegt bis zu einem Meter tief, besteht aus mehreren Röhren und einem Nestraum und hat bis zu 5 Eingänge. In diesem verbringen die Ziesel die Nacht und den Winter und ziehen ihre Jungen auf. Als Abort dient eine zweite Kammer oder ein blind endender Gang. Weiters werden Schutzbaue angelegt, die meist nur aus einfachen Röhren bestehen. In diese flüchten die Ziesel bei drohender Gefahr. Obwohl Ziesel in Kolonien leben, besitzt jedes Tier seinen eigenen Bau.

Ziesel sind reine Tagtiere. Am Abend ziehen sie sich schon lange vor Sonnenuntergang in ihren Bau zurück. In heißen Perioden verbringen sie auch die Mittagszeit unter der Erde. Auch bei Kälte und Regen verlassen sie ihren Bau nicht. Am Morgen kommen die Ziesel an die Oberfläche. Zuerst verharren sie ruhig und beobachten ihre Umgebung. Erst dann beginnen sie zu fressen. Durch Männchen-Machen überwachen sie immer wieder ihre Umgebung. Bei Gefahr warnen sie durch schrilles Pfeifen und laufen vor ein Loch. Sie warten jedoch mit dem Verschwinden solange, bis der Feind sich genähert hat.

Die Nahrung der Ziesel besteht vor allem aus Samen. Sein Name Spermophilus bedeutet Samenfreund. Daneben werden auch Wurzelwerk, Zwiebel, Knollen, Gräser, Kräuter, aber auch Insekten und andere wirbellose Tiere gefressen. Ziesel fressen über der Erde und legen keine Vorräte in ihrem Bau an, weshalb man kein Futter in ihre Löcher werfen darf!

Vor dem Winterschlaf frisst sich das Ziesel große Fettreserven an. Die Dicke der Fettschicht kann bis zu 5 mm betragen. Im Jahresverlauf schwankt aus diesem Grund das Körpergewicht sehr stark zwischen 190 bis 430 g. In der zweiten Augusthälfte ziehen sich die älteren Männchen bereits in den Bau zurück. Die Weibchen folgen im September. Den Winterschlaf verbringen Ziesel in Kältestarre. Dabei sinkt die Körpertemperatur von 37 bis 38°C auf 6 bis 7°C ab! Die Blutmenge, die vom Herz transportiert wird, reduziert sich auf ein Siebzigstel! Sinkt die Außentemperatur so stark, dass die Körpertemperatur 5°C erreicht, so beginnt ein Kältezittern. Dadurch wird aus dem gespeicherten Fett Wärme produziert. Das Ziesel verbringt ein halbes Jahr im Winterschlaf. Im März erwachen zuerst die älteren Männchen, dann die älteren Weibchen. Ab Ende April sind alle Tiere aktiv.
Nach dem Winterschlaf erfolgt die Paarung. Die Jungen werden in der Nestkammer geboren und sind bei der Geburt nackt und blind. Sie wiegen nur etwa 6 g. Nur das Weibchen kümmert sich um die Jungenaufzucht.

Leider hat der Bestand der Ziesel in Österreich in den letzten Jahren stark abgenommen. Auch auf der Perchtoldsdorfer Heide nimmt die Zahl der Tiere stetig ab. Hierfür gibt es verschiedene Gründe. Die Zahl der menschlichen Besucher war immer schon hoch und stellt kaum eine Bedrohung dar. In den letzten Jahren hat jedoch die Zahl der Hunde auf der Heide stark zugenommen. Frei umherstreifende Hunde stellen zwar keine unmittelbare Gefahr für Ziesel dar, müssen aber von den Zieseln als mögliche Gefahr ständig beobachtet werden. Die direkte Folge ist weniger verfügbare Zeit für Nahrungsaufnahme und Jungenaufzucht. Auf längere Sicht schädigt dieser Dauerstress das Immunsystem und hemmt die Fortpflanzungsfähigkeit.

Weiters zieht liegen gebliebenes Futter durch zu häufige und zu reichliche Fütterung der Ziesel seit einigen Jahren eine Gruppe von bis zu 30 Nebelkrähen an. Diese fressen in erster Linie das leicht erreichbare Futter, können aber manchmal auch junge, unerfahrene Ziesel erbeuten. Als wesentlicher negativer Effekt wirkt aber - wie bei den Hunden - der Stress durch die Anwesenheit der Krähen.

Auch die Fütterung der Ziesel mit fetten Nüssen oder sogar Schokolade ist für die Ziesel sehr schädlich, da ihr Verdauungssystem an harte, wasserarme und nährstoffarme Nahrung (Gräser, Kräuter, Grassamen) angepasst ist. Bei zu wasserreicher, süßer oder fetter Nahrung wird das Verdauungssystem geschädigt. Wenn Sie zur Beobachtung Ziesel füttern wollen, tun sie dies bitte nur mit Sonnenblumenkernen, oder kleinen Apfel- und Karottenstückchen. Was die Tiere nicht fressen, keinesfalls liegen lassen, sondern bitte wieder mitnehmen!

Um die Ziesel auch in Zukunft auf unserer Heide erhalten zu können, bitten wir Sie folgende Dinge zu beachten:

  • Hunde an die Leine, nicht durch Flächen mit Zieseln gehen
  • Mountainbiken nur auf der dafür freigegebenen Straße
  • Ziesel nicht füttern
  • Kein Futter liegen lassen oder in die Ziesellöcher werfen