Sammlung Preußischer Eisenkunstguss

Zur Geschichte der Sammlung

Seit der Gründung des Märkischen Museums 1874 wurden gusseiserne Erzeugnisse auf verschiedene Arten und über alle Jahrzehnte hinweg erworben. In den von Walter Stengel verfassten Neuerwerbungsberichten sind unter anderem folgende Hinweise zu finden: "Bezeichnete Gegenstände sind verhältnismäßig selten. Herr Hofrat Ising schenkte ein Ascheschälchen aus dem Verlag A. Meves ... Angekauft wurden zwei signierte Arbeiten des academ. Künstlers S. P. Devaranne: ein Uhrenständer... und ein Likörflaschenbehälter" (1926 - 27) oder "Wir haben uns darauf beschränkt, aus dem starken Angebot des Marktes sieben Arbeiten von Devaranne und Geiss zu wählen" (1930)
Kriegsverluste hat leider auch diese Sammlung zu verzeichnen, so zum Beispiel ein Collier aus durchbrochenen Weinblättern. Die stete Sammlungstätigkeit des Märkischen Museums und des Berlin-Museums ließ die Sammlung nach der Zusammenlegung beider Bestände durch die Stiftungsgründung 1995 bis zum heutigen Tag auf insgesamt ca. 800 Stücke anwachsen. Dazu zählen Möbel, Säulen, Taufbecken, Skulpturen, Reliefs, Gefäße, Schreibzeuge und andere Gerätschaften sowie eine beachtliche Schmuckkollektion.

Zur Geschichte des Berliner Eisens

Abgesehen von Gebrauchsgeschirren, Geschützen, Rohren oder Munitionen und den reliefierten Ofenplatten kam der Kunstguss aus Eisen gegen Ende des 18. Jahrhunderts auf und erlangte seine Blüte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Mit der Eröffnung der Gleiwitzer Hütte in Schlesien 1796 war die erste preußische Gießerei ins Leben gerufen worden. 1804 folgte die Gründung der Berliner Gießerei vor dem Neuen Tor in der Invalidenstraße, der auch die künstlerische Leitung über alle drei Königlich Preußischen Gießereien oblag, denn seit 1815 zählte auch die Sayner Hütte dazu. Entwürfe von namhaften Künstlern wie Karl Friedrich Schinkel, Christian Daniel Rauch, Johann Gottfried Schadow, Wilhelm August Stilarsky, August Kiss oder Leonhard Posch wurden in der Berliner Gießerei umgesetzt und durch Austausch der Modelle zum Teil in allen preußischen Hütten hergestellt.
Ebenso prägten historische Ereignisse dieses kunsthandwerkliche Sujet und ließen es sogar zu einer vielfältigen Modeerscheinung werden. Gusseiserne Ausstattungen für Innenräume, zahlreiche Denkmäler, Brücken, Laternen und andere architektonische Details im Stadtbild oder die filigranen Accessoires zur klassizistischen und später biedermeierlichen Damenkleidung sind die einzigartigen eisernen kunsthandwerklichen Beweise dafür. Durch das von der preußischen Prinzessin Marianne initierte Motto "Gold gab ich für Eisen" erfreute sich der Eisenschmuck zunächst aus patriotischer Gesinnung und schließlich durch seine faszinierende Wirkung großer Beliebtheit und erhielt, meist als "fer de Berlin" bezeichnet, seinen weltweiten Ruf.
Einschneidende Verluste hatte der Betrieb durch die revolutionären Geschehnisse 1848 erlitten, Brände beschädigten nicht nur einige Gebäude, vor allem wurden Geschäftsunterlagen und zahlreiche Modelle vernichtet. Die immer größer werdende Konkurrenz durch andere Gießereien, besonders durch die technisch einfacher herzustellenden Bronzegüsse, führten allmählich zum Niedergang der Berliner Eisengießerei und zur endgültigen Schließung im Jahre 1874.
In den Jahren 1805 bis 1848 wurden in der Berliner Gießerei sogenannte Neujahrsplaketten angefertigt, die als Gruß zum Jahreswechsel an den König, Behörden und Geschäftsfreunde in kleinen Lederetuis verschickt wurden. Auf den ersten Plaketten sind Ansichten der Hütte oder ausgewählte Erzeugnisse aus der Jahresproduktion zu sehen und später Bauwerke, an denen die Gießerei mit Architekturelementen beteiligt war. Diese miniaturhaften Reliefs sind von ausgesprochen hoher Qualität. Sie dokumentieren nicht nur die Produktpalette, sondern auch die Entwicklung und Bedeutung des königlich geförderten Unternehmens. In der Sammlung des Stadtmuseums Berlin befinden sich eine komplette Kollektion dieser Plaketten sowie Sonderanfertigungen mit Rahmen, Zinkgüsse, Bleimodelle und einige wenige Vorzeichnungen.
Zu besonders herausragenden Erzeugnissen der Berliner Gießerei gehören auch Prunkvasen, die nach antiken Vorbildern gefertigt wurden. So zum Beispiel die verkleinerte Warwickvase oder die große Amphore mit dem Bacchanalienfries. Gartenmöbel, bestehend aus einer Bank, Armlehnstühlen und einem runden Tisch, sind nach Entwürfen von Karl Friedrich Schinkel entstanden und werden sogar heute noch in der Kunstgießerei Lauchhammer nachgegossen. Als Vorlage dafür dienten unsere originalen Möbel aus der Zeit um 1825.
Weitere Sammlungen im Stadtmuseum Berlin mit Objekten aus Eisenguss:

Münz- und Medaillensammlung
Poststr. 13/14, 10178 Berlin
Tel. +49 (0) 30 - 24002 143

Skulpturensammlung
Poststr. 16, 10178 Berlin
Tel. +49 (0) 30 - 24002 142 und 24002 126

Ausstellungen im Stadtmuseum Berlin in denen Eisenkunstguss gezeigt wird:
"Vom Lustschloss zum Museumsschloss"
Eisenschmuck, Porträtplaketten, Gartenmöbel von K. F. Schinkel, große Bacchanalienvase und Ausstattungsstücke aus der Zeit von 1815 bis 1830
Museum Schloss Friedrichsfelde
Am Tierpark 125, 10319 Berlin
Tel. +49 (0) 30 - 66 63 50 35

"Schaut auf diese Stadt" - Berlins Weg zur Wissenschaftsmetropole, 1. OG: Plaketten und Schreibzeuge
Märkisches Museum
Am Köllnischen Park 5, 10179 Berlin
Tel. +49 (0) 30 - 30866-215

"Scriptorium": Schreibzeuge
Museum Kindheit und Jugend
Wallstr. 32, 10179 Berlin
Tel. +49 (0) 30 - 2750383

Sonderausstellungen im Stadtmuseum Berlin in denen Eisenkunstguss gezeigt wird:
"Säbelrasseln im Knoblauchhaus" bis Dezember 2003: Eisenschmuck, Plaketten, Skulpturen, Schreibzeuge, Schachspiel
Museum Knoblauchhaus
Poststr. 23, 10178 Berlin
Tel. +49 (0) 30 - 24002 - 0

"kultur gut erhalten" vom 21. März bis 1. Juni 2003: Gartenbank von K. F. Schinkel, Säule mit Skulptur, Reliefschale
Museum Nikolaikirche
Nikolaikirchplatz, 10178 Berlin
Tel. +49 (0) 30 - 24724529

Vorschau 2004: Gold gab ich für Eisen - eine europaweite Legende über Material, Macht und Mode Eine kulturgeschichtliche Sonderausstellung anlässlich des 200jährigen Jubiläums zur Gründung der Königlichen Eisengießerei in Berlin
Im Jahre 2004 jährt sich sich die Gründung der "Königlichen Eisengießerei Berlin", einst auf dem Gelände vor dem Neuen Tor an der Invalidenstraße gelegen, zum 200. Mal. Dies ist für uns Anlaß, dem Berliner Eisen, auch unter dem Begriff "fer de Berlin" weltberühmt geworden, eine umfängliche Ausstellung zu widmen. Der Preußische Eisenkunstguss, ein einzigartiges kunsthandwerkliches Sujet aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, ist mit Namen großer Berliner Künstler, wie Karl Friedrich Schinkel, Christian Daniel Rauch oder Carl Friedrich Tieck verbunden und aufs engste mit Kunst, Kultur und Politik jener Zeit verknüpft.
Gold oder Geld für Eisen! - Jede Spende kann uns helfen, dieses Projekt zu realisieren und würde dazu beitragen, ein bedeutendes Kapitel aus der preußischen Geschichte für Berlinerinnen, Berliner sowie Gästen der Hauptstadt auf neue Weise im Museum wieder erlebbar zu machen und ansprechend zu würdigen.

Kontoinhaber: Stiftung Stadtmuseum Berlin
Bankinstitut: Berliner Volksbank
Konto-Nr.: 8841032005
Bankleitzahl: 10090000
Stichwort: 28290/Geld für Eisen