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Katholische Kirche in Oberösterreich
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Die Verfolgung hat die Kirche geprägt

Unter großen Mühen wagen Christen einen Neubeginn in Litauen

Für seinen Glauben ging
Sigitas Tamkevicius ins Arbeitslager und in die Verbannung nach Sibirien.



Die Kirchenzeitung sprach mit dem Erzbischof von Kaunas über die Lage der Kirche in
Litauen.
Vor zehn Jahren setzte in Litauen mit der Einführung einer
eigenen Staatsbürgerschaft die Unabhängigkeitsbewegung ein. Wie hat sich die politische und kirchliche Situation seither
verändert?


Tamkevicius: Litauen ist aus den vergangenen zehn Jahren gestärkt hervorgegangen. Das wichtigste Ereignis war sicher der vollständige Abzug der sowjetischen Armee. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten nach der Unabhängigkeit von der Sowjetunion waren zunächst enorm, heute stehen wir aber wirtschaftlich auf besseren Beinen als noch vor fünf Jahren.


Freiheit prägt
die Lage der Kirche


Kirchlich hat sich die Lage seit der Unabhängigkeit wesentlich verändert. Die Kirche kann ihrem Auftrag zur Evangelisierung nun frei nachkommen. Unser wohl größtes Problem ist der Priestermangel. Aber auch finanziell ist die Lage der Kirche problematisch. Wir haben nicht genug Geld für den kirchlichen Wiederaufbau.
Neue Möglichkeiten haben sich seit der Unabhängigkeit durch den Religionsunterricht an den Schulen ergeben. In Litauen können Schüler zwischen dem Religionsunterricht und einem Ethikunterricht wählen. Das hat sich bewährt, weil den Eltern die Möglichkeit einer Alternative geboten wird. Diese ist für uns die bestmögliche Variante. Dass sie nicht perfekt ist, beweist die Tatsache, dass Schüler häufig vom Ethik- zum Religionsunterricht wandern und umgekehrt.
Gründe dafür sind nicht nur die Qualität des Unterrichts, sondern auch die Tatsache, dass sich Schüler nicht selten den leichteren Unterricht suchen. Zu schaffen macht uns allerdings die Überschwemmung mit religiösen Sekten.

Dank für die Hilfe
der Kirchenzeitung


Zweimal, 1987 und 1990, haben Leserinnen und Leser der österreichischen Kirchenzeitungen 250.000 Neue Testamente und Religionsbücher für Litauen
gespendet. Welche Impulse
für die Kirche gingen von dieser Aktion aus?



Tamkevicius: Wir sind der Kirche in Österreich für diese Aktion sehr dankbar. Als diese Aktionen liefen, hatten wir nur sehr wenig religiöse Literatur. Deshalb war dieses Geschenk für uns sehr hilfreich und notwendig. Inzwischen haben wir Religionsbücher bereits selbst herausgebracht. Und wir hoffen, dass wir in wenigen Wochen eine vollständige Übersetzung der Bibel veröffentlichen können.
Die erste katholische Übersetzung der Bibel ins Litauische besorgte einer Ihrer Vorgänger, Erzbischof Skvireckas, der von 1944 bis 1959 im Exil in Tirol lebte.

Tamkevicius: Das war eine großartige Leistung, und Svireckas wurde damit in Litauen sehr bekannt. Vor allem, weil er sie mit einem umfangreichen Kommentar versehen hat. Sie war in fast allen katholischen Familien zu Hause. Auch ich habe schon als kleiner Bub darin gelesen.

Wegen Ihres entschlossenen Einsatzes für die Kirche wurden Sie von den kommunistischen Machthabern verfolgt. In welcher Weise haben Verfolgung und sibirisches Arbeitslager Ihren Glauben geprägt?


Tamkevicius: Die Jahre der Verfolgung haben für mich nicht nur eine dunkle, sondern auch eine helle Seite. Es war sicher ein Lebensabschnitt, der zu den wichtigsten in meinem Leben gehört. Ich lernte dort ein großes Vertrauen in Gottes Vorsehung. Es war eine Zeit, in der man für den eigenen Glauben wie auch für die Rechte der Kirche zu einem echten Kampf bereit sein musste. Ich hatte viele Möglichkeiten, mit anderen Menschen den Glauben zu teilen oder über Gott zu sprechen. Ich habe dort auch getauft, Beichten gehört oder Menschen in den christlichen Glauben eingeführt.

Menschliche Bosheit hautnah erlebt


Zu den dunklen Seiten gehört sicher, dass die Zeit im sibirischen Arbeitslager ein sehr schweres Kreuz war. Wahrscheinlich gibt es keinen Ort, an dem menschliche Bosheit so hautnah erfahren werden kann wie im Gulag. Viele sind dort wegen der unmenschlichen Lebensbedingungen gestorben.
Zu den hellen Seiten jener Verfolgung gehört für mich, dass das Kreuz der Verfolgung vielen Menschen einen tiefen Glauben geschenkt hat. Während meiner Verbannung half mir besonders die Solidarität aus Österreich. Ich habe ständig Briefe bekommen, die mir Mut gemacht haben. Dafür möchte ich danken.

Wie sah das Leben in den
Arbeitslagern aus?


Tamkevicius: Der Tag war streng reglementiert. Das Schwierigste aber war der völlige Verlust der Freiheit und die beinahe vollkommene Isolation von der Außenwelt. Pro Monat durften wir nur zwei Briefe schreiben. Wir konnten aber nie schreiben, was wir schreiben wollten. Umgekehrt bekamen wir nur sehr selten Post. Wie schwer das Lagerleben war, hing wesentlich von den Wärtern ab. Waren sie menschlich, waren die Haftbedingungen leichter zu ertragen.

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