Biografien / Dissidenten

Produkte
Biografietext
Dissidenten: Live In Europe

Live In Europe

CD / 20.11.98

Hörprobe vorhanden
Dissidenten: Life At The Pyramids

Life At The Pyramids

CD / 06.06.86

Hörprobe vorhanden
Dissidenten: Germanistan

Germanistan

CD / 26.11.82

Hörprobe vorhanden
Dissidenten: Sahara Elektrik

Sahara Elektrik

CD / 23.03.84

Hörprobe vorhanden
Dissidenten: Remix.Ed-2001: A Worldbeat Odyssey

Remix. Ed- 2001: A Worldbeat Odyssey

CD / 20.08.01

Hörprobe vorhanden
Dissidenten: The Jungle Book

The Jungle Book

CD / 26.02.93

Hörprobe vorhanden
Dissidenten: Remix.Ed 2.-A New World Odyssey

Remix. Ed 2. - A New World Odyssey

CD / 31.03.03

Hörprobe vorhanden
"Das neue Rock-Lexikon" und "Pop-Lexikon"
© 1998 und © 2002 Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg (aktualisiert und bearbeitet)
Das Rowohlt Pop-Lexikon als Printversion bestellen (amazon.de).
Das Rowohlt Pop-Lexikon als CD-Rom oder DVD bestellen (hqmedia.de).

Dissidenten betrieben die Flucht aus dem globalen Dorf der amerikanisch dominierten Hitparadenmusik mit einer Melange aus "elektronischer Berliner Angst und simplifizierter arabischer Musik" ("Musik und Sound"). Friedemann "Friedo" Josch (fl), Uwe "Uve" Müllrich (bg), Michael Wehmeyer (dr) hatten bis 1980 bei der Münchner Ethno-Rockband Embryo "Experimente zwischen Orient und Okzident" ("Tip") unternommen, bevor sie sich als Embryo's Dissidenten selbständig machten. In Berlin wurden sie mit Wehmeyer-Ersatz Marlon Klein zu Dissidenten und brachten ihre musikalischen Impressionen von Simbabwe bis Afghanistan, von Iran bis Algerien in eine tanzbare Melange aus amerikanischem Funk, Eurobeat und nordafrikanischen Gesängen ein. Während David Byrne, Brian Eno in ihrem trendsetzenden Album My Life In The Bush Of Ghosts (1981) die Klänge aus islamischen Regionen als mysteriöse, amüsante Soundzutat in ihr westliches Elektronik-Gebräu einrührten und dadurch diffamierten, versuchten die Dissidenten, mit marokkanischen oder algerischen Musikern wie El Houssaine Kili (mandolincello, voc), Hamid Baroudi (voc), Cherif Lamrani von der Maghreb-Rockband Lem Chaheb "multiethnische Verständigungsmusik, durchsetzt mit europäischen Archetypen" ("Neue Zürcher Zeitung") zu kreieren.

"Wir fahren durch Europa und wollen eine Hand aus dem Norden reichen und dabei ein Zeichen gegen die Überamerikanisierung setzen", erklärten sie ihre kulturpolitische Mission. Single-Stücke wie Mata Hari, Telephone Arab waren in Algerien, Frankreich, Kanada, Spanien Hits; ihre LPs Sahara Elektrik (1984), Life At The Pyramids (1986) und vielbesuchte Konzerte machten sie im Mittelmeerraum zu einer Attraktion. In italienischen und spanischen Diskotheken explodierte der Titel Fata Morgana zum Mega-Dance-Hit. Innerhalb von drei Wochen hörten 250000 Spanier die Gruppe live. Ihr Stück Sahara Elektrik erreichte die Spitze der kanadischen Independent Charts. Allerdings waren die Berliner Dissidenten nicht ganz frei von kolonialistischen Anwandlungen, wenn sie ihre arabischen Mitspieler, die den Hauptbeitrag zum Ensemble-Sound leisteten, als "Zusatzmusiker" herabstuften oder schnöde erklärten: "Es ist gefährlich, sich so lange mit diesem Arab-Zeug zu beschäftigen, da kommen wir sonst nicht mehr von runter" (Müllrich). Als nächste Projektstation wollten sie mit Keyboardspieler Roland Spremberg die nordamerikanischen Indianer-Reservate auf ihrem Musikglobus abstecken und Musiktraditionen von Lappland bis Montenegro als "europäische Stammesklänge" im Tanzbeat vereinigen, kehrten aber zum Fall der Mauer 1989 nach zehnjähriger Abwesenheit lieber nach Berlin zurück. Während sich die Deutschen im November 1989 politisch wiedervereinigten, nahmen die Weltmusiker in den Babelsberger DEFA-Studios in westöstlicher Koproduktion ein Video zum Album Out Of This World (1990) auf. An dieser in Rabat, Tanger, Madrid und Hamburg produzierten LP wirkten auch die Streicher des Königliches Nationalorchester von Marokko mit. Die "einmalige Mischung aus Groove und Weltmusik" (Wolf Kampmann in "Notes") war ihrer Zeit voraus. Das Album The Jungle Book (1992), an dem das renommierte indische Trommelensemble Karnataka College of Percussion und die indische Sängerin Ramamani beteiligte waren und John Coltranes A Love Supreme interpretierten, wurde u.a. mit seinem Titelstück Grundlage für das Remix-Album Mixed Up Jungle (1996). Neben DJ Mart, Schwarz, B-Zet, Rhythm Ace und anderen hatte auch Sven Väth sich des Dissidenten-Werkes angenommen und aus The Jungle Book Part II ein über neun Minuten langes Trance-Stück gefertigt. Mittlerweile unter dem Dach des Independent-Vertriebs Indigo, wurden die Platten der Dissidenten nach und nach auf CD wiederveröffentlicht. Neues gehörte auch dazu: Musik, die "die wahren Paten des Ethno-Beat" ("New York Times") auf ihren ausgedehnten Weltreisen Anfang der neunziger Jahre gesammelt hatten, verwerteten sie für Instinctive Traveller (1997) und versammelten im Studio Ojibwe-Sänger aus Toronto, Kanada, Mohamed Zain Adnani (voc), den Jazz-Musiker Manfred Schoof (tp), den tamilischen Sänger Manickam Yogewaren, Ramamani, dazu zahllose Instrumentalisten - mitunter ein tönender Kramladen, der einmal mehr an musikalischen Kolonialismus denken ließ.

Historische Diskografie:
LPs auf Exil:
Sahara Elektrik (1984)

auf EfA:
Life At The Pyramids (1986)

auf Sire:
Out Of This World (1990)

auf Line:
Live In New York (1991)

auf Exil/Indigo:
The Jungle Book (1992)
, Germanistan (1992)
Mixed Up Jungle (1996)
Instinctive Traveller (1997)
Erhältliche Produkte (7)
Titel Format  
Live In Europe CD
Life At The Pyramids CD
Germanistan CD
Sahara Elektrik CD
Remix.Ed-2001: A Worldbeat Odyssey CD
The Jungle Book CD
Remix.Ed 2.-A New World Odyssey CD
© Copyright and produced by PhonoNet GmbH, all rights reserved.