ÖAZ Aktuell (Ausgabe 1/2003)

Information 1/2003

INFORMATION

Versteckte Entzündungen gefährden das Herz: Unterschätztes Risiko

Pharmazeuten: Weiterqualifizieren fürs Gesundheitswesen – Gesundheitsbezogene Studiengänge

Schwarz-Erle: Baum des Jahres 2003

»Krallendorn«: Tiroler Studie zu Rheuma-Präparat

Genom-Forschung: Neues Grazer Labor

Medizin-Uni Wien nimmt Gestalt an

Trockenfrüchte: »Konsument«-Test

Mobile Kinderkranken-
pflege: Service Mensch/Volkshilfe

Körper, Geist und Seele im Einklang: Gesundheits-
bewusstsein

Mauserbgut fast entziffert: Wenige Unterschiede zum Menschen

Neues Behandlungskonzept für krebskranke Kinder: St. Anna Kinderspital

61. Ball der
Pharmacie 2003

Tiroler Studie zu Rheuma-Präparat

»Krallendorn«

»Krallendorn«, eine Heilpflanze aus Südamerika, verbessert laut einer Studie der Uniklinik Innsbruck bei Patienten mit chronischer Polyarthritis nachweislich die damit einhergehende Bewegungseinschränkung. Das Medikament, das vom Tiroler Pharmakonzern Immodal hergestellt wird, ist mittlerweile auch zugelassen, erklärte der Leiter der Studie, Erich Muhr, von der Abteilung Innere Medizin der Innsbrucker Uniklinik.
Die Studie wurde drei Jahre lang an 40 Patienten mit einem Durchschnittsalter von 50 Jahren durchgeführt. Die Personen hatten bereits etwa sieben Jahre an der »aktiven chronischen Polyarthritis« gelitten. Durch diese Erkrankung kommt es zu einer schmerzhaften Schwellung mehrerer Gelenke. 20 Patienten wurden im Zuge der klinischen Untersuchung 24 Wochen lang mit Placebos behandelt, die andere Hälfte mit dem Verum. Während sich bei diesen bereits eine Besserung der Beschwerden einstellte, verspürte die erste Gruppe keine positiven Effekte, wie Muhr erläuterte. Anschließend erhielten alle Patienten für die Dauer von sieben Monaten die südamerikanische Heilpflanze Krallendorn – Uncaria tomentosa. Die Zahl der geschwollenen Gelenke sowie die Morgensteifigkeit habe dadurch bei allen Betroffenen nachweislich abgenommen.
Im Gegensatz zu den verbreiteten Rheumatherapien gibt es bei der Einnahme von Krallendorn kaum Nebenwirkungen. Der Wirkstoff nimmt direkt auf die T-Lymphozyten Einfluss, die bei Rheumatismus die Knorpelzellen in den Gelenken angreifen. Diese überaktiven Abwehrzellen werden beruhigt, gleichzeitig wird die Bildung von harmlosen Abwehrzellen angeregt.
Das Medikament kann nun von den Ärzten, vorzugsweise von Rheumatologen, verschrieben werden. Die Patienten müssen drei Mal täglich eine Kapsel einnehmen. Einen Wermutstropfen gibt es allerdings noch: Die Gebietskrankenkasse refundiert vorerst nur einen kleinen Prozentsatz der Kosten, sagte Muhr. Die eigentliche Ursache der chronischen Polyarthritis sei bisher noch nicht bekannt. Wie Muhr erklärte, dürfte aber die genetische Anlage dafür verantwortlich sein.
An der Studie waren neben Muhr auch seine Kooperationspartner Frank Hartig, Günther Eibl und Univ.-Prof. Michael Schirmer beteiligt. Vor kurzem wurde Muhr bei der diesjährigen Generalversammlung der Österreichischen Gesellschaft der Österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie mit dem ÖGPhyt-Wissenschaftspreis 2002 ausgezeichnet (vgl. dazu Bericht demnächst in der ÖAZ).

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