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Bern - die Hauptstadt mit Charme

Bern - Kornhaus und Kornhauskeller

Kornnhaus, Grosses Kornhaus

1711-1715 nach Plänen der Brüder Abraham und Hans Jakob Dünz erbaut. 1870 wird im 1. Stock die Kantonale Muster- und Modellsammlung eingerichtet, die 1889 auch den 2. Stock erhält und heute Gewerbemuseum heisst. 1873 gehen Gebäude und Keller vom Staat an die Stadt über. Der Umbau nach Plänen von Ad. Tièche reduziert 1894/95 die Erdgeschosshalle auf eine Durchfahrt und entstellt mit den grossen Fenstern die Fassade. Die Kellerrenovation folgt 1898 nach einem Projekt von Friedrich Schneider. Die Wandmalereien stammen von Rudolf Münger. Mit der Restauration von 1975/76 wird die alte Fassade wieder hergestellt.

Standort: Kornhausplatz 18 / Zeughausgasse 2

Historisch-topographisches Lexikon der Stadt Bern



  • Entstehungsgeschichte des Gebäudes
  • Kornhauskeller (Schweiz Tourismus)
  • Kornhauskeller (tolle Beschreibung)
  • Etwas vom alten und etwas vom neuen Kornhauskeller
  • Kornhauskeller (Annelies Hüssy)
  • Bern wusste sein Kornhaus wohl zu bewahren
  • Kornhaus Forum
  • Karte



    Entstehungsgeschichte des Gebäudes

    Die Getreideverwaltung hatte im Alten Bern eine überaus wichtige Stellung. Darin liegt die Erklärung für die grossen baulichen Anstrengungen, die für die Einlagerung des Korns unternommen wurden. Das Grosse Kornhaus (Zeughausgasse 2) wurde 1711 bis 1718 errichtet. Als Architekt wird Hans Jakob Dünz bezeichnet. Er konnte sich für die künstlerische Ausgestaltung auf Johann Rudolf Huber stützen, der die von den Gebrüdern Langhans ausgeführten Giebelreliefs entwarf. Der Unterbau des Kornhauses ist als monumentaler, dreischiffiger Weinkeller ausgeführt. Die allseits offene Halle im Erdgeschoss nahm den Kornmarkt auf. Die drei identischen Obergeschosse enthielten die Kornschütten. Die Fassadenöffnungen waren nicht als Fenster, sondern vielmehr als Belüftung konzipiert: schmale hohe Schlitze, die mit Sacktuch verdunkelt waren und bei Unwettern mit inneren Fensterläden verschlossen werden konnten.

    Nach dem Untergang des Alten Bern blieb das Kornhaus zunächst baulich unverändert, obwohl seine ursprüngliche Nutzung aufgehoben wurde. Die Einwohnergemeinde liess es 1895 durch den Architekten Adolf Tièche zum Gewerbemuseum umbauen. Es wurden der alte, von Pfosten getragene Holzboden im zweiten Obergeschoss entfernt, eine neue eiserne Tragkonstruktion eingebaut, und im Mittelteil entstand ein zweigeschossiger Ausstellungssaal mit Galeriegeschoss. Die knappen Fassadenöffnungen wurden wesentlich ausgeweitet und zu breiten Zwillings- und Drillingsfenstern umgebaut. Die Erdgeschoss-Halle wurde mit Ladenlokalen, einem Postamt und dem neuen Zugang zum Keller an der Südost-Ecke verbaut. Der als 'kahl' empfundene Keller wurde 1896 bis 1898 von Architekt Friedrich Schneider zum grossen bernischen Festlokal ausgestaltet. Nach einem Wettbewerb erging an den Maler Rudolf Münger der Auftrag, den Keller, die 'Grande Cave', auf der Grundlage eines umfassenden literarisch-poetischen Programms auszumalen.

    Aus Anlass des europäischen Jahres für Heimatschutz und Denkmalpflege wurde das Äussere des Gebäudes 1975 bis 1980 von den Architekten Hans Haltmeyer und Ulrich Stucky umfassend restauriert. Dabei wurden die Fassaden in den Zustand der Bauzeit zurückversetzt. Die beiden Giebelreliefs waren so stark verwittert, dass sie kopiert werden mussten. Schliesslich wurde 1997/98 auch das Innere des Kornhauses restauriert und neuen Nutzungen zugeführt.

    Denkmalpflege in der Stadt Bern 1997-2000
    Herausgegeben von Bernhard Furrer

    Historischer Verein des Kantons Bern



    Kornhauskeller

    Das Berner Kornhaus wurde von 1711 bis 1718 erbaut und gilt stilistisch als monumentales Hauptwerk des einheimischen Hochbarocks. Das Kornhaus ist ein markanter neunachsiger, in drei Geschosse gegliederter Sandsteinbau, der mit einem Walmdach gedeckt ist. Er diente ursprünglich als staatliches Kornlager. Unter dem Erdgeschoß, einer gewölbten einst offenen Pfeilerhalle, erstreckt sich der ebenfalls gewölbte ehemalige Weinkeller. Dieser wurde 1893 von Friedrich Schlegel zu einem Festlokal mit Holzgalerien und imposanter Treppe umgebaut. 1895 wurde in den Obergeschossen des Kornhauses ein Gewerbemuseum eingerichtet.

    Das Kellergewölbe wurde zwei Jahre später von dem Stadtrat, Kunstmaler und Heraldiker Rudolf Münger (1862-1929) in den Formen des Späthistorismus und Frühjugendstils ausgemalt. Die Malereien zeigen Wappen der bernischen Ämter, Sinnsprüche des Otto von Greyerz, Blumen, Tiere, Frauentrachten und Männer (zeitgenössische Berner Persönlichkeiten) in Kostümen der Renaissance sowie Figuren der Mythologie. 1998 wurde die Firma Bindella neuer Pächter; sie richtete nach aufwendigen Restaurationsarbeiten im Kornhauskeller ein gehobenes Restaurant Italienischer Art ein. Im Zuge dieser Arbeiten wurde die Treppe abgeändert, die Wandbilder wurden gereinigt und aufgefrischt. Im Erdgeschoß wurde das minimalistisch gehaltene neue Kornhauskaffee eingerichtet.

    Der gläserne Windfang beim Kellerabgang des Kornhauskellers, der neue Treppenlauf und der Lift sind klare und qualitätsvolle Elemente unserer Zeit, wenn auch die ehemals imposante Kornhaus-Kellertreppe von 1893 dadurch beeinträchtigt wurde. Auch die Betriebsabläufe sind im Rahmen der baulichen Gegebenheiten und unter Berücksichtigung der historischen Substanz sinnvoll gelöst. Durch die Konservierung, die Erneuerung und die Neuausstattung des historischen Kornhauskellers ist es gelungen, das traditionsreiche Gasthaus neu zu beleben. Das internationale Angebot im historisch ausgemalten Kellergewölbe des bedeutendsten hochbarocken Staatsbaus des alten Bern bietet einen reizvollen Kontrast zwischen Barock, Historismus und unserer Zeit. Gerade die geforderte Rücksichtnahme auf die in fast 300 Jahren angereicherte historische Substanz begründet den besonderen Erlebniswert des Kornhauskellers.

    Schweiz Tourismus



    Der Kornhauskeller in Bern

    Autor leider (noch) nicht bekannt. Eine tolle Beschreibung vom Chübu

    Man steigt natürlich von oben in diesen Keller hinab und hat im ersten Augenblick den Eindruck, auf einen trockengelegten Teich zu blicken, in welchem Tische aufgestellt worden sind: etwa dem Saal auf dem Grunde eines Sees, den Rembaud beschreibt. Aber das trifft gar nicht zu. Es handelt sich um eine unterirdische Basilika, die doppelt so gross ist wie diejenige von Porta Maggiore. Tatsächlich! Sie besteht aus drei durch viereckige, schwere Pfeiler von einander getrennten Schiffen mit hohen, gräteförmigen Gewölben.

    Ein riesengrosses Fass thront in der Apsis (es ist leer, könnte jedoch 36'000 Liter fassen). Diese Basilika ist also sehr weltlich : Tempel der Gläser und Gabeln, eine dem Essen geweihte Stätte.

    Sie erinnert an die riesenhaften Brauhäuser von München, diesen wahren Zechfabriken, wo das Bier in ungeheuren, Stiefel darstellenden Krügen hinuntergestürzt wird. Der Vergleich ist übrigens nicht so abwegig. In der Geographie des germanischen Biers bildet der Kornhauskeller eine Art Vorposten, etwas wie die südlichste Bastion des Hopfenkultes. Aber das Wort Basilika erklärt nicht alles, auch das Bier nicht, obwohl nicht selten tausend Liter im Tag ausgeschenkt werden. Was ist das überhaupt für ein Gebäude, fragen wir uns als erstes. Wenn die liberty-Malereinen weggedacht werden, ist das Alter dieses Saals kaum mehr zu bestimmen. Ist dieses Gewölbe römisch? Oder romanisch? Nicht doch: Barock! Aber ein sehr gemilderter und auf das Zweckmässige ausgerichteter barocker Stil. Der Kornhauskeller stammt in der Tat aus dem Jahre 1716.

    Er wurde durch den bernischen Staat gebaut als Vorratskeller für die Weine des Waadtlandes und des Bielersees, welche im Untergeschoss eines Kornspeichers eingekellert wurden. Dieser ist nur halb so gross und besteht ebenfalls heute noch. Hier wurden dank dem Weitblick der Regierung die Früchte der Erde aufgestapelt. Manchmal holte man das Getreide mit grossen Kosten von weit her, sogar von Sizilien.

    Der Staat verkaufte dann diese Produkte im Winter, wenn sie selten geworden waren, zu geringem Preis auf dem Markte. Diese mit Korn vollgestopften Speicher und die gefüllten Keller versinnbildlichen eindrücklich den Appetit der Berner zu einer Zeit, wo die Stadt als Kopf eines eigentlichen Miniaturkaiserreichs hervorragende politische Einrichtungen besass, welche - wie diejenigen von Venedig - als beispielhaft galten. Dann kam die Revolution, die französische Besetzung. Die siegreiche Armee zerstörte alle Tonnen und war dem darin enthaltenen Weine so zugetan, dass sie dabei sechs Soldaten verlor, die in dem Weinstrom ertranken.

    1896 beschloss die Stadt, ihn als zentral gelegene Festhalle zu benützen und baute ihn so um, wie er heute noch zu sehen ist. Die vierundfünfzig Fässer verschwanden - ausser einem ; die Seitenwände wurden auf halber Höhe durch eine Galerie geteilt, die Wände mit Mundartversen verziert (in gotischer Schrift, deren ungewohnte Verschnörkelungen die gesättigten Gäste zu entziffern versuchen können) und die Pfeiler schmückte man mit üppigen Bäuerinnen, die mit all den Herrlichkeiten beladen sind, welche auf den Tisch kommen. Die Tische sind zahlreich genug, um tausend Personen Platz zu bieten, welche dann von fünfzehn sich überbietenden Köchen nach Möglichkeit zufriedengestellt werden.

    Denn hier isst man nicht nur viel, sondern auch gut. Küche, Weine (die Keller des Lokals können mehr als 40'000 Flaschen fassen) und Bier sind von hervorragender Qualität. Sobald die Öffentlichkeit Zutritt hatte zum Kornhauskeller, welcher der grösste Keller des Landes ist, wurde er zu einer der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Berns, zu einer Art schweizerischem Auerbachskeller. Bald wurde er über die Schweizergrenzen hinaus bekannt. Heute führt man sogar Schulklassen zur Besichtigung hin! Das zeigt so richtig, dass er viel bedeutender ist als irgendeine gewöhnliche Gaststätte.

    Zusammen mit dem Zytgloggen-Turm und dem Bärengraben gibt er der Bundesstaat ihr Gepräge. Er ist eigentlich mehr als ein Ort, wo man speist: er ist ein lebender Bestandteil der Stadt. Er sprengt den Rahmen des privaten Unternehmens, um schon fast zu einer Institution zu werden.

    Verein Schweizerische Porzellanmalkunst



    Etwas vom alten und etwas vom neuen Kornhauskeller

    Wohl füllte sich der Kornhauskeller noch an jedem Altjahrsabend, wo nach altem Brauch die Bürgerschaft sich auf ein Stündchen Stelldichein gab. Auch erlebte der alte Keller noch ein paar glorreiche Nächte, so beim Centralfest des Schweizerischen Alpenklubs anno 1883 und später bei der Jahresversammlung der Gesellschaft ehemaliger Polytechniker. Allein seine guten Tage waren doch vorbei; die Ansprüche der Neuzeit machten sich immer mehr geltend, seitdem die Stadt eine Reihe bequem eingerichteter Wein- und Bierhäuser aufwies, in denen man sich - weniger romantisch zwar, aber eben neumodisch bequem und hygienisch vergnügen konnte.

    Die Gemeinde Bern, die seit 1873 Besitzerin des Kornhauses und damit auch des Kellers geworden war, machte kein gutes Geschäft damit; sie musste froh sein, wenn sie gegen einen bescheidenen Mietzins überhaupt einen Pächter für den Keller fand. Die Baudirektion wurde deshalb im Jahre 1890 beauftragt, die Frage der Renovation des Kellers zu prüfen und ein Projekt ausarbeiten zu lassen. Das Projekt des Herrn Architekten Friedrich Schneider, das im Jahre 1893 vorgelegt werden konnte, fand Zustimmung. Vor allem schaffte es Raum für ein grösseres Publikum. Während der alte Keller nur 250 bis 300 Personen fasste, sollte der neue bis auf 900 Personen fassen; dies konnte ermöglicht werden durch den Bau einer Galerie, die in mittlerer Höhe um das Mittelschiff herumführte und durch vorspringende Terrassen noch erweitert wurde.

    Nur die künstlerischen Arbeit war noch zu vergeben ... Auch jetzt sagte Wilhelm Spiess, was ihm auf dem Herzen lag, und er traf den Nagel auf den Kopf mit seinem Aufruf:

    In Leipzig, Wien und Bremen,
    In München und Berlin,
    Da giebt es feine Keller;
    da müsst ihr einmal hin.
    Der Berner Kornhauskeller
    Ist riesig, doch zu kahl.
    Wenn den die Zürcher hätten!....
    Ja, ja! 's ist ein Skandal! (...)
    Braucht's fremde Fresko-Pläne?
    Ihr Künstler Berns' wacht auf!
    Wir steuern nicht für Fremde!
    Mit Bärentatzen drauf!
    Das Werk, das Rahm begonnen
    Mit Schilderschmuck und Reim,
    Vollendet's frisch und schaffet
    Ein Berner Künstlerheim!

    (...) Seit dem 1. Oktober 1898 ist der renovierte Kornhauskeller eröffnet. Vom ersten Tage an strömte das Volk in Haufen herbei, wie es der alte Keller nie erlebt hatte. Männiglich schien sich hier bald heimisch zu fühlen; Herrenleute und Handwerker, Bauern und Studenten, vergnügte Pärchen und würdige Bürgerfamilien, sie vertrugen sich alle ganz gut nebeneinander, und man kann wohl sagen, dass der Kornhauskeller von seinem volkstümlichen Charakter nichts eingebüsst hat.

    Als eine vorzügliche Neuerung bewährt sich vor allem die Galerie, welche rings um das Mittelschiff herumführt und mit ihren durch Holzwände getrennten Abteilungen oder Kojen dem Bedürfnis des Berners nach gemütlicher Abgeschlossenheit ausgezeichnet entspricht. Die Zeiten sind vorüber, wo der bernische Ladenbesitzer unter den Laubenbögen mit seiner Familie den Kaffee oder mit guten Nachbarn den Abendschoppen trank und die Pfeife schmauchte, zugleich aber auch dem Leben auf der Strasse seine Aufmerksamkeit schenken konnte. Kleinere Familienscenen ohne Konsumation spielen sich zwar an warmen Sommernachmittagen und -Abenden noch heute unter den Laubenbögen ab; Bürgerfrauen mit spielenden Kindern, fleissige Näherinnen, plaudernde Nachbarinnen oder Ehepaare, Rosshaar rupfende und Betten sonnende Grossmütter bilden noch heute eine lebende Erinnerung an idyllischere Zeiten. Aber im ganzen hat sich doch auch bei uns das Leben mehr in die Häuser zurückgezogen. Zumal da, wo der gemütliche, niedrige Rundbogen dem geradlinigen Pfeilerbau hat weichen müssen, ist es aus mit der Idylle. Unter dem protzigen »Bazar«-Koloss an der Spitalgasse vergeht einem die Lust zu gemütlichem Abendsitz.

    Nun, im Kornhauskeller, unter den Gewölben der Galerie, ist etwas von dem alten Laubenleben der Berner wieder auferstanden. Freunde, Bekannte oder Verwandte finden sich da in familiärer Gemütlichkeit zusammen, geben sich, ungeniert durch die Nachbarn, dem vertraulichsten Verkehre hin und haben obendrein den freien Ausblick auf die Galerie und die Tiefe des Kellers. Man sieht, was etwa geht, und bleibt doch selber so ziemlich im Versteck. Das hat man gern. Andere Völker gehen in öffentliche Lokale, um sich sehen zu lassen, um sich in den Blicken der anderen Gäste zu spiegeln und ein kleine Komödie aufzuführen. - Aber das sind eben andere Völker.

    Quelle:
    Eine Stadt vor 100 Jahren
    Bern - Bilder und Berichte
    Peter Leuenberger *) und Emil Erne
    Sonderausgabe für Buchhandlung Stauffacher Bern

    *) Peter Leuenberger, Historiker ist nicht identisch mit dem Inhaber dieser Homepage mit gleichem Namen.




    Der Kornhauskeller in Bern

    Plötzlich bedrohtes Kunstwerk Rudolf Müngers: Vom obrigkeitlichen Korn- und Weinmagazin zum «Chübu» als Touristenattraktion am Ende des 20. Jahrhunderts

    Brot und Wein, die wichtigsten Nahrungsmittel, kamen längst nicht zu allen Zeiten im Überfluss auf den Tisch. Hungersnot und Teuerung suchten unsere Vorfahren in immer wiederkehrenden Wellen heim. Die Obrigkeit erachtete es daher als ihre vornehmste Aufgabe, diese Härten des Alltags zu mildern.

    Vorsorge

    Überall im bernischen Staatsgebiet wurden daher seit dem 17. Jahrhundert Kornhäuser erbaut, welche der Amtmann zu bewirtschaften hatte. Landesväterliche Vorsorge bestimmte eine kluge Politik, deren sozialpolitisch bedeutsamer Zweck ein dreifacher war: Vorsorge in Kriegszeiten und Hungersnöten, Regulierung der Brotpreise und Verwaltung der wachsenden Staatseinkünfte aus Korn- und Weinzehnten. Diese nun bildeten die Grundlage der Beamtenlöhne, welche ein Gutteil in Naturalien - Wein, Getreide, Holz - ausgerichtet wurden.

    Der Aufbau einer eigenen bernischen Kornverwaltung reicht ins 15. Jahrhundert zurück. Im späten Mittelalter wurden die Kornvorräte der Hauptstadt in der dazu umgebauten grossen Rathaushalle eingelagert. Aber bereits im 17. Jahrhundert genügte der vorhandene Raum nicht mehr. Noch einmal hundert Jahre später betrugen die staatlichen Einkünfte an Wein und Getreide 66 646 Mütt Getreide (das Mütt zu 168,13 Litern) und 722 307 Mass Wein in guten Jahren (das Mass zu 1,68 Litern).

    Bau des Kornmagazins

    Erste Projekte für den Bau eines grossen Kornmagazins in der Hauptstadt gehen auf das Jahr 1639 zurück. Doch wollte die Planung damals nicht so recht in Gang kommen, erst gute siebzig Jahre später, 1709, wird die Projektierung erneut aufgenommen, mit Erfolg diesmal. Basierend auf Plänen der beiden Werkmeister Abraham und Jacob Düntz wird das repräsentative Kornhaus in den Jahren 1711 bis 1718 durch die Werkmeister Hans Jakob Düntz und Samuel Baumgartner über dem zugeschütteten ehemaligen unteren Graben hinter der Predigerkirche errichtet. Der massige Bau, vornehmlich aus Ostermundiger Sandstein errichtet, zählt zu den Hauptwerken des bernischen Hochbarock. Die 1738 errichtete Reitschule vollendete das Ensemble des Kornhausplatzes als einer baumbestandenen, zum Promenieren einladenden Grünanlage.

    Das dreigeschossige Magazin mit seinen grossen Kornböden barg die Getreidevorräte, die schmalen hohen Fensteröffnungen, nur mit Leinwand verhangen, garantierten eine gute Belüftung und die offene, weitausladende Erdgeschosshalle diente dem Markt. Im hohen, gewölbten Keller aber lagerten die reichen Vorräte an Zehnt- und Do-mänenwein von den Gestaden des Genfersees, den Rebhängen bei Spiez und aus den Weingegenden des Aargaus: «Venedig liegt auf Wasser, Bern aber auf Wein» - so wollte es ein geflügeltes Wort.

    Das solide Gebäude kostete bei seiner Fertigstellung 56 355 Kronen oder 204 186 Franken alter Währung, das Bauholz nicht gerechnet. Ein Vergleich: Die Taglöhner erhielten für das Ausheben des Fundaments insgesamt 49 Kronen, 9 Batzen und 2 Kreuzer.

    Im 19. Jahrhundert

    Mit dem Sturz der alten Ordnung, dem Verlust der ertragreichen Landvogteien im Aargau (Getreide) und in der Waadt (Wein), dem Verschwinden der Naturallöhne und der weitgehenden Privatisierung der Landesversorgung fiel die Bedeutung der Kornhäuser dahin. Allein der Kornmarkt verblieb im 19. Jahrhundert am angestammten Ort in der Kornhaushalle - sie wurde gar am 17. und 18. Oktober 1846 Schauplatz des Teuerungs- oder Erdäpfelkrawalls.

    Die drei grossen Kornböden jedoch dienten fortan anderen Zwecken: Das Kornhaus wurde Unterkunft für Flüchtlinge, diente als Armeesanitätsmagazin oder wurde an Private als Lagerplatz vermietet. 1873 schliesslich wechselte das Gebäude seinen Besitzer und ging vom Kanton an die Stadt Bern über. Schon drei Jahre zuvor war im Haus die kantonale Muster- und Modellsammlung eingerichtet worden. Das Gebäude baute man in den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts zweckentsprechend um, veränderte aber dabei die Fassade auf einschneidende Weise. Für rund ein Jahrhundert beherbergte das Kornhaus nun das 1891 umbenannte Kantonale Gewerbemuseum. Eine tiefgreifende Aussensanierung in den siebziger Jahren stellte schliesslich den Zustand der Fassade von 1718 wieder her.

    Kellerwirtschaften

    Zu den eigentlichen Attraktionen gehörte und gehört bis heute der Kornhauskeller. Obgleich er, wenn man es genau nehmen will, gar keine alte Kellerwirtschaft ist, die in Bern eine so reiche Tradition gekannt haben, so zählt er dennoch neben seinem «echten» Pendant, dem Klötzlikeller, zu den Besonderheiten der Stadt Bern.

    Im Ancien régime durften allein die regimentsfähigen Burger ihren Wein, sofern auf bernischem Staatsgebiet gewachsen, frei und nach Belieben ausschenken und verkaufen. Der Ausschank erfolgte beim Fass oder eben bei der Pinte im Keller des eigenen Hauses. Speisen jedoch sollten - zumindest auf dem Land - bei Verbot und Busse nicht gereicht werden, unterstanden doch diese Weinkeller nicht dem Tavernenrecht.

    In der Stadt dagegen ging es weniger strikt zu, mithin durfte man kaltes Essen, an Markttagen sogar warme Speisen auftragen. Ein Tannzweig, am Kellereingang befestigt, kennzeichnete die Wirtschaft und lockte die Besucher an. Im 18. Jahrhundert gab es in Bern rund 200 solcher Kellerwirtschaften. Erhalten geblieben sind einzig der Klötzlikeller und sein jüngerer Bruder, der erst im 19. Jahrhundert als «Magazin und Ausschankkeller» verpachtete Kornhauskeller; der erste Pächter war Karl Ludwig Rudolf von Wattenwyl von Malessert (1779 bis 1855), Weinhändler, Grossrat, Polizeidirektor und nach 1831 Präsident des Obergerichts.

    An langen einfachen Holztischen wurde im hochgewölbten Keller, dessen einziger Schmuck in unprofilierten, von kräftigen Gurtbogen gehaltenen Kreuzgratgewölben bestand, Wein ausgeschenkt. In Reih und Glied ruhten entlang den Wänden ordentlich aufgestellt die Weinfässer aller Art und Grösse. Den Raum aber beherrschte und be-herrscht auch heute noch der so geheissene «Grosse Rogen», das riesige Lagerfass an der nördlichen Stirnwand.

    Es fasst 226 Saum zu 100 Mass oder 22 600 Mass, das entspricht 37 968 Liter. Holzbänke, Buffet, Gaslampen, es herrschte wohl eine von beschaulicher Berner Gemütlichkeit getragene Ambiance im düsteren Keller. Stimmung kam auf im Kornhauskeller bei den traditionellen Silvesterfeiern oder etwa beim Weihnachtskommers der Studentenverbindung Helvetia.

    Die Ausmalung 1898

    Die Umbauten des Kornhauses nach 1890 sollten auch den Keller nicht unangestastet lassen. In ihrem Bericht an den Gemeinderat hält die städtische Baudirektion am 18. Dezember 1893 fest, die Ertragsfähigkeit des Kellers als Wirtschaft habe im letzten Jahrzehnt «um ein Bedeutendes abgenommen, weil er in seinem äusseren und inneren Gepräge dem Lauf der Zeit nicht Schritt zu halten» vermocht habe. Der planende Architekt Friedrich Schneider schlug daher 1896 vor, einfache Dekorationen der Gewölbe und Gurtbogen in der Al-fresco-Technik für den devisierten Preis von 2700 Franken anzubringen. Zur praktischen Ausführung meinte Schneider: «Bern hat eine grosse Zahl von Vereinen, die der Geselligkeit, dem Sport u. s. f. huldigen. Durch ein Zirkular könnte man diese Vereine einladen, ihre Embleme anbringen zu lassen. Die entstehenden jedenfalls nicht hohen Kosten müssten dieselben tragen . . .» Auf Anregung des Kunstmalers und Heraldikers Rudolf Münger - er sass 1897 und 1898 für zwei Jahre als Vertreter der konservativen Partei auch im Berner Stadtrat - eröffnete dann aber die städtische Baudirektion am 6. Februar 1897 einen «Wettbewerb für die Erlangung von Entwürfen für die dekorative Behandlung von Gewölbe-, Pfeiler und Wandflächen» im Kornhauskeller.

    Den Konkurrenten waren die Auffassung der Themen und die Wahl der Stoffe freigestellt. Jedoch, «ein Haupt-gewicht wird darauf gelegt, dass der ruhige Eindruck des grossen dreischiffigen Raumes beibehalten und dennoch eine malerische, die Perspektive eher erweiternde Wirkung erzielt wird». Farbige Skizzen waren einzureichen. Rudolf Münger selber obsiegte mit seinen speziellen und durchdachten Entwürfen. Für ihn sollte dieser bedeutende Auftrag den künstlerischen Durchbruch bedeuten und ihn weit über die engeren Grenzen seiner Heimatstadt hinaus bekanntmachen.

    Die Arbeit im Keller - sie war in den Monaten Mai bis Oktober 1898 durchzuführen - erwies sich allerdings als schwierig. Die Fresco-Technik, Münger nicht besonders vertraut, forderte ihn heraus. Für Gipser und Maler galt es, Hand in Hand zu arbeiten, musste doch die Farbe auf den noch nicht vollständig angetrockneten Verputz aufgetragen werden, sich mit diesem verbinden und so ihre ganz spezielle Wirkung dadurch erhalten, dass sie vom «Kalkschweiss geradezu überglast» wurde.

    Müngers Programm

    Eine zweite Schwierigkeit ergab sich aus dem Umstand, dass die für eine Dekoration vorgesehenen Flächen mehr nach Gefühl denn nach exakter Berechnung festgelegt worden waren, da konnte es schon mal vorkommen, dass vorbereitete Kartons den falschen Massstab zeigten und daher auf die Schnelle umgezeichnet werden mussten. Doch all die Hindernisse vermochten den Künstler nicht von seinem grossen Werk abzubringen. Mit Hingabe und Fleiss wurde entworfen, umgezeichnet, neu erdacht, korrigiert und schliesslich appliziert. Zwei Schüler Müngers, Ella Vetter und Karl Lüthi, leisteten ihm dabei wertvolle Dienste.

    Mit Bedacht hatte Rudolf Münger sein künstlerisches Programm gestaltet. Ein Zyklus heraldischer und volkskundlicher Motive, inspiriert von den Präraffaeliten und dem beginnenden Jugendstil, leitet durch den Raum.

    Pflanzen-, Tier- und heraldische Elemente an Gurtbogen und in den Gewölbeflächen stimmen den Betrachter ein. Auf den Widerlagern der Gewölbe finden sodann die damals noch dreissig Ämterwappen des Kantons Bern, unterlegt von zweizeiligen Sinnsprüchen, ihren dekorativen Platz.

    Darüber, in den Gewölbezwickeln, sitzen 31 Figuren in der deutschen Männertracht des 16. Jahrhunderts als buntes Orchester versammelt. Es ist der Freundeskreis von Rudolf Münger, der sich hier ein Stelldichein gibt. Unter den sorgfältig Porträtierten finden sich etwa Ferdinand Hodler oder auch Bundesrat Eduard Müller, Münger selbst hat sich als Dudelsackbläser auf die Mauer gebannt. Das schweizerische Volksliedergut kommt auf fliegenden Bändern in den Gewölben des Mittelschiffs und der Galerien links und rechts zur Darstellung. Wahrhaft ein Liederbuch der «verschollenen und verhallenden Volkslieder»!

    Dann die mythologischen Gestalten: 14 antropomorphe Darstellungen der Naturerscheinungen in teils ausgereifter Jugendstilmalerei zieren als Medaillons die Gewölbe. Da erscheinen uns der Reif-Riese und der Föhn, der wilde Jäger und ganz besonders schön die Sternennacht, die Sonne, der Mann im Mond, der Drache, ein Kornengel, die Nixe und der Stromnix, das Quellweib-lein und das Waldschrättlein, das Härdmannli und ein feuriger Hund.

    Den Höhepunkt jedoch bilden die Pfeilerfiguren mit den zwölf Berner Mädchen - wir sehen eine Oberhaslerin neben der Interlaknerin und dem Mädchen aus dem Simmental, zwei Bernerinnen aus dem Mittelland (aus Köniz und Bern) und eine Emmentalerin, weiter eine Jurassierin, eine Seeländerin und eine Oberaargauerin, schliesslich die Guggisbergerin neben der Grindelwaldnerin und dem Mädchen aus Meiringen.

    Münger, der grosse Reformator des schweizerischen Trachtenwesens, hat hier eine unschätzbare kulturhistorische Quelle hinterlassen. In sorgfältiger Kleinarbeit hat er den Eigenarten all dieser Volkstrachten nachgeforscht, hat sich nicht von modischem Zubehör irremachen lassen und die schönen Trachten in ihrer Ursprünglichkeit abgebildet. Ein gemaltes volkskundliches Geschichtsbuch ist dabei entstanden! Eine Attraktion für Besucher aus nah und fern.

    Doch was bringt die Zukunft? Der ausgemalte Kornhauskeller sollte diesen Sommer zu seinem hundertsten Geburtstag restauriert werden, was nun in Frage gestellt ist. Das Inventar des «Chübu», wie ihn die Berner nennen, ist verkauft. Hoffentlich wartet man nicht vergeblich auf ein Wiedererstehen des traditionsreichen Kellerlokals im Glanz der erneuerten Fresken von Rudolf Münger.

    www.ebund.ch Der kleine Bund
    Annelies Hüssy 04.07.1998


    Siehe auch: Rudolf Münger



    Bern wusste sein Kornhaus wohl zu bewahren

    Während die Zürcher ihr altes Kornhaus gnadenlos niederrissen - es befand sich neben der Fraumünsterpost und fiel 1898 der Spitzhacke zum Opfer -, trugen die Berner brav Sorge zu ihrem städtebaulichen Kleinod. Es ist aber auch ein wunderprächtiger Bau, das hochbarocke Kornhaus am Berner Kornhausplatz. Als es 1711-1715 unter Leitung von Münsterbaumeister Hans Jakob Dünz aus Quadern der stadtnahen Sandsteinbrüche errichtet wurde, gab es noch keine Kornhausbrücke. Diese Verbindung zu den Quartieren am Nordufer der Aare entstand erst 1898, fehlt also auf unserem oberen Bild von etwa 1870, ebenso das 1903 eröffnete Stadttheater.

    Das Kornhaus gilt als Denkmal altbernischer Staatsphilosophie, in der weise Voraussicht eine grosse Rolle spielte : In guten Zeiten wurden grosse Mengen Getreide eingelagert, damit das Volk in Perioden des Mangels dann etwas zu beissen hatte. Diese Strategie bewährte sich mehr als einmal; moderne Volkswirtschaftler würden sie als «Überwindung ökologischer Krisen durch ökonomische Massnahmen» bezeichnen.

    Bis in die Jahre nach 1900 fand in der Hallenunterführung des Kornhauses der Kornmarkt statt, während sich auf dem Platz davor die Knechte und Mägde um eine Stelle bewarben - Arbeitsmarkt noch im wahren Sinne des Wortes.

    Zierde des Kornhausplatzes ist der Kindlifresserbrunnen, ein Werk von Meister Hans Gieng aus dem Jahre 1545. Die schreckenerregende Gestalt verspeist gerade ein junges Menschlein, während weitere auf ihr Ende warten und muntere Bären die Brunnensäule umtanzen. Der Kindlifresser war eine ebenso beliebte wie gefürchtete Fasnachtsfigur und darf als Vorläufer unserer Gruselfilmgestalten gelten.

    Während heute die historischen Brunnen nur mehr Touristenattraktionen sind (das aktuelle Bild beweist es), hatten sie noch vor hundert Jahren durchaus praktische Aufgaben zu erfüllen. Die historische Foto zeigt junge Wasserträger mit ihrem Gerät: Als die Wohnhäuser noch kein fliessendes Wasser kannten, musste jeder Tropfen von den öffentlichen Brunnen herangeschleppt werden.

    BERN. Gestern und heute aus dem gleichen Blickwinkel
    Texte: Franz Auf der Maur
    Fotos: Robert Hofer und Nicolas Crispini
    SLATKINE VERLAG GENF 1989




    Nachtrag: Gerettet!

    Glücklicherweise hat der Gemeinderat der Stadt Bern aufgrund der Stellungnahme der Denkmalfachstellen von Bund und Kanton rasch wieder zum ursprünglichen Projekt für den Umbau des Kornhauskellers zurückgefunden. Eine Welle der Empörung und des Unverständnisses ging durch die Stadt, als die Zürcher Bindella als neue Pächterin des Konhauskellers tatsächlich vorschlug, die Deckenmalereien Müngers zu übermalen (konservatorisch immerhin) und die Galerien abzubrechen. Wer meint, mit hellen Tönen und Kaminfeuer Gäste in ein strupiertes historisches Lokal zu locken, ist auf falschem Weg und entlarvt seine Respekt- und Phantasielosigkeit. Die Burgergemeinde hat der Stadt die Restaurierung der hundertjährigen Fresken offeriert.



    Links

    Bern - Kornhaus
    Das Grosse Kornhaus am heutigen Kornhausplatz wurde von 1711-18 von Hans Jakob Dünz errichtet, die noch heute sichtbaren Giebelreliefs entwarf Johann Rudolf Huber. Der Unterbau war schon damals als monumentaler Keller ausgeführt worden, in dem in grossen Eichenfässern der Wein lagerte - eines davon steht heute in Erinnerung an diese Zeiten nun vergoldet(!) im Kornhauskeller. Im Erdgeschoss befand sich damals auf der allseits offenen Halle der Kornmarkt. Die drei identischen Obergeschosse enthielten die Kornschütten, deren Konstruktion aus stämmigen Eichenpfeilern bestand. Die Fassadenöffnungen waren nicht als Fenster, sondern als Belüftungsöffnungen konzipiert.
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    Bern Kornhaus

    Bern Kornhaus
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