Verlag Traugott Bautz
www.bautz.de/bbkl
Zur Hauptseite
Bestellmöglichkeiten
Abkürzungsverzeichnis
Bibliographische Angaben für das Zitieren
Suche in den Texten des BBKL
Infobriefe des aktuellen Jahres

NEU: Unser E-News Service
Wir informieren Sie vierzehntägig über Neuigkeiten und Änderungen per E-Mail.

Helfen Sie uns, das BBKL aktuell zu halten!



Band IV (1992) Spalten 460-462 Autor: Georgios Makris

KONSTANTIN, als Mönch KYRILL, Slawenlehrer, * 826/7 in Thessaloniki als Sohn des byzantin. Offiziers Leontios, † 14.2. 869 in Rom. - K. erhielt die beste theologische und humanistische Ausbildung; vielsprachich, beherrschte er auch das im Hinterland von Thessaloniki gesprochene Slawisch. Er war Gelehrter von großem Ruf und nahm wiederholt an byzantin. Gesandtschaften teil (zu den Arabern 854, zu den Chazaren 860/1), bevorzugte jedoch die theologischen Dispute und das asketische Leben. 863/4 wurde K. vom byzantin. Kaiser zusammen mit seinem älteren Bruder Methodios nach Mähren entsandt, um das größtenteils schon vom fränkisch-bairischen Raum aus zum Christentum bekehrte Volk in der neuen Religion zu unterweisen und eine Hierarchie aufzubauen; dies erfolgte auf Bitte des Fürsten des Croßmährischen Reiches Rastislav (846-870), dem es in erster Linie um das Abwenden der jurisdiktionellen Ansprüche der Salzburger Kirchenprovinz und dadurch um das Eindämmen des fränkisch-bairischen politischen Einflusses ging. K. erfand eine für das damals noch wenig differenzierte Slawisch geeignete Schrift, die glagolitische (nicht die nach ihm benannte kyrillische), schuf durch Überss. von für den Kirchengebrauch wichtigen Büchern (biblische, liturgische und kirchenrechtliche Texte) eine gemein-slaw. Schriftsprache und erhob diese zur Sprache der Liturgie. Gerade dies wurde den zwei Brüdern vom bairischen Klerus vordergründig zum Vorwurf gemacht. In Rom, wohin sie 867 gerufen wurden, billigte dennoch Papst Hadrian II. die slaw. Liturgie auch dank der Fürsprache des Anastasius Bibliothecarius. K. erkrankte in Rom, nahm darauf die Mönchsweihe und den Namen Kyrill an und starb dort. Sein nach Mähren zurückgekehrte Bruder und seine Schüler führten sein Werk fort. - K.s literarisches Werk ist wegen der schlechten Überl. nur mit historisch-philologischen Methoden und selbst mit diesen nicht präzis zu ermitteln. In den böhmischen Ländern riß sein Wirken fast völlig ab. Dennoch sind die dauerhaften Auswirkungen seiner Tätigkeit für die slaw. Länder Südost- und Osteuropas von kaum zu überschätzender weltgeschichtlicher Bedeutung.

Werke: Eine hebräische Grammatik; Niederschrift von Disputationen mit den Juden in Chazarien; eine Verteidigungsschrift der slaw. Liturgie; altslaw. Überss. der Evangelien und liturgischen Bücher; altslaw. Übers. eines byzantin. Nomokanons (kircherechtliches Buch); versch. Texte auf den Hl. Klemens von Rom; Ges.ausg. Franciscus Crivec - Franciscus TomšiÚ, Constantinus et Methodius Thessalonicenses. Fontes, Zagreb 1960 (Mit lat. Übers., ohne Komm.); Zu den einzelnen Werken Franz Crivec, Konstantin und Method, Lehrer der Slaven, Wiesbaden 1960, 197 ff.; Wichtige Bibliogrr. zur unübersichtlichen Literatur: C.A. Iljinskij, Opyt sistematiÚeskoj kirillo-mefod'evskoj bibliografii, Sofia 1934; M. Popruzenko - St. Romanski, Kirilometodievska bibliografija za 1934-1940, Sofia 1942; J. Jahn, Kyrillomethodianische Bibliographie 1939-1955, Den Haag 1958; I. Anastasiu (Hrsg.), Kur¡llö ka MeJodö t¢moV ù¢rtioV, 2 Bde, Thessaloniki 1966-1968; J.E. Moþaeva, Bibliografia po Kirillo-mefodevskoj problematike 1945-1974 g., Moskau 1980; I. DujÚev - A. Kirmagova - A. Paunova, Kirilometodievska bibliografija, Sofia 1983; G. Weiß, Byzanz. Kritischer Forschungs- und Literaturbericht 1968-1985 (HZ Sonder-H. 14), 140 ff.

Lit.: Vita Constantini Philosophi, edd. Grivec-TomšiÚ, a.a.O; - ed. B. Bartoîková. Magnae Moraviae Fontes Historici II. Textus biographici, liturgici, Brno 1967; dt. Übers. Joseph Schütz, Die Lehrer der Slawen Kyrill und Method, 1985 (mit Ang. aller früheren Edd. und Überss.); - Manfred Hellmann u.a. (Hrsgg.), Cyrillo-methodiana. Zur Frühgeschichte des Christentums bei den Slaven 863-1963, 1964; - Georg Ostrogorsky, The byzantine background of the Moravian Mission, in: Dumbarton Oaks Papers 1. 9, 1965, 1-18; - Francis Dvornik, Les légendes de Constantin et de Methode vues de Byzance, Hattiesburg 19692; - Ders., Byzantine Missions among the Slavs, 1970; - Alexis P. Vlasto, The Entry of the Slavs into Christendom, 1970; - Dmitri Obolensky, The Byzantine Commonwelth, 1971; - Kig, Bd. II/Lfg. E, 78-82; - A.a.O., Bd. I/Lfg. D1, 103 ff.; - Kirchengeschichte als Missionsgeschichte, Bd. II, München 1978, 284 ff.; - Günther Stökl, Kyrill und Method-Slawenlehrer oder Slawenapostel? Wirklichkeit und Legende, in: Kirche im Osten 23, 1980, 13-31; - Donka Petkanova-Toteva, Konstantin-Kiril, Sofia 1983; - Petur Dinekov-Bonju Angelov, Konstantin-Kiril filosof, Sofia 1983; - Jüngste Zusammenstellung von Literatur in: Cyrillo-Methodian studies 4, 1987, 487-515; - Laufende Bibliogr. in: Byzantinoslavica (Prag), 1929 ff.

Georgios Makris

Letzte Änderung: 27.03.2003