16/03/2007

Dann eben hier: Meine ultimativ letzten Worte zu Second Life

Die plötzlich und unerwartet aufgetauchte Computermesse Cebit wird am nächsten Montag ein wenig Platz im Handelsblatt beanspruchen, weswegen meine kleine Kolumne eine Zwangspause einlegt. Da der Text bereits weitgehend fertig war, erscheint er jetzt eben hier.

Wer das Internet nicht kapiert, schreibt über Second Life oder eröffnet dort eine Filiale. Zeit, mit diesem Quatsch abzurechnen.

"Schriftsprache ist das Latein unserer Zeit", sinnierte jüngst der US-Rechtsprofessor und Internet-Experte Lawrence Lessig. Nur noch eine kleine Elite forme sich ihr Weltbild mit Hilfe von Geschriebenem. Bunte Bilder hätten Texte längst als wichtigstes Informationsmittel abgelöst.

Bunte Bilder sind auch der Sprit, der das momentane Über-Hype-Thema befeuert: Second Life. Vollbusige Avatare in knappen Kleidchen gehen halt immer als Artikel-Illustration und endlich kann sich auch das Fernsehen auf ein Internet-Thema stürzen, ohne auf die ewig gleichen Mausklick- und Tastaturklapper-Zwischenschnitte aus dem Archiv zurückzugreifen. Während Plattformen und Dienste der zweiten Web-Entwicklungsstufe heutzutage ein Funktionsniveau erreicht haben, das sämtlichen Metaphern aus der physischen Welt hartnäckig trotzt und somit Journalisten vor völlig neue Aufgaben stellt, geht es in Second Live endlich wieder um Dinge, von denen jeder glaubt Ahnung zu haben: Geld und Sex. Schein und Sein. Wunderbar. Titelstory.

Kein Wunder, dass auch Wirtschaft und Werbeindustrie jubilieren. Jahrelang haben sie sich dieses merkwürdige Internetz-Dings angeschaut, in dem nichts so funktioniert, wie in den guten alten Massenmedien. "Märkte sind Gespräche", mussten sie sich vom Cluetrain-Manifest belehren lassen, das sie obendrein aufforderte, ihre in den letzten 100 Jahren antrainierten Marketing-Methoden über Bord zu werfen. Dann kam auch noch Chris Andersson mit seinem Buch "The Long Tail" und erklärte das Netz kurzerhand zum Totengräber des Massengeschmacks. Sollte künftig wirklich nichts mehr so sein wie früher? Eine furchtbare Vorstellung.

Das Auftauchen von Second Life muss zu einem kollektiven Aufatmen in den Marketing-Abteilungen dieses Planeten geführt haben. Endlich kann man auch im Internet so weitermachen, wie in der guten alten Zeit vor dem Internet. Man kann Plakate aufstellen, Filialen eröffnen, Werbespots auf riesigen Leinwänden ausstrahlen und sogar Verkaufspartys veranstalten. Toll. Ganz, wie damals. Das beste: Sogar die Presse hat man endlich wieder auf seiner Seite. Die Eröffnung eines Zeitschriftenladens in Bad Salzuflen ist wahrscheinlich noch nicht mal der dortigen Lokalzeitung eine Notiz wert, stellt "Vanity Fair" hingegen einen einsamen Zeitungskiosk in Second Life auf, verbreiten die Agenturen das brav als Nachricht – selbstverständlich inklusive Bild, das ebenso selbstverständlich nicht auf die allgegenwärtigen, vollbusigen Avatar-Statistinnen verzichtet.

Das einzig Dumme an der Sache: Second Life befindet sich ebenso wenig "im Internet", wie Bad Salzuflen. Second Life ist ein Biotop, eine abgeschlossene Blase, die das Netz lediglich als Datentransportweg nutzt. Man könnte meinen, der Betreiber Linden Labs hätte Second Life als Beruhigungsmittel für Zukunftsscheue entwickelt: Zu guter Letzt ist das Leben im Netz auch für jene zu begreifen, die das Netz selbst nie begriffen haben. Second Life ist somit die letzte Bastion des 20-ten Jahrhunderts. Ein Asyl für Ewiggestrige und Veränderungsverweigerer. Die Zukunft sieht anders aus.





 




















































Text Link Ads


Warum aosgerechnet Verlage und Medienhäuser glauben, sich ins Community-Geschäft stürzen zu müssen, entzieht sich dem gesunden Menschenverstand.

In der Online-Medienbranche grassiert der Peh-Ih-Wahn. Zeit, damit aufzuräumen. Weg mit den Nullen!

Videos gehören auf die Festplatte der Nutzer und nicht in Streaming-Player auf Webseiten

Die Interessen reichen von Musik über Einstein bis Sushi: In der Web-Community Myspace suchen Millionen nach Gleichgesinnten

Öffentliches Herumprobieren verleiht der Internet-Entwicklung eine neue Dynamik. Reißbrett und Planungsstab waren gestern. Die Farbe der Saison heißt beta. Web-Anwendungen entstehen in freier Wildbahn, Nutzer oszillieren zwischen Versuchskaninchen und Mit-Entwickler.

Google ist der Liebling von Surfern und Anlegern. Innerhalb von nur acht Jahren wuchs das Suchmaschinen-Unternehmen vom Start-up zweier Studenten zum milliardenschweren Global Player. Doch in der letzten Zeit hat das strahlende Image einige kräftige Kratzer erhalten.

Wer braucht noch TV-Sender? Nach der Musikindustrie krempelt das Internet jetzt das Fernsehen um

David Weinberger veröffentlichte Anfang 1999 mit drei weiteren Autoren das „Cluetrain Manifesto“. Darin wird anhand von 95 Thesen erklärt, wie das Internet die Regeln des Wirtschaftens verändert.

Noch mehr Pathos geht wahrscheinlich nicht. "Menschen der Erde", beginnt die Kampfschrift und fährt ein paar Absätze weiter fort: "Der Himmel ist offen bis zu den Sternen. Wolken ziehen am Tag und in der Nacht über uns."

Google kämpft gegen Tricks, mit denen sich Webseiten in den Suchlisten nach oben drängeln - und bestraft BMW

Ganoven ködern ihre Opfer mit dubiosen E-Mails. Jetzt schlagen Surfer zurück und führen die Kriminellen an der Nase herum

Erstmals bekam die Online-Enzyklopädie Schelte von Kritikern und Medien zu spüren. Gut möglich, dass ihr das weiterhilft.