Neues aus dem BDA

Zum Tode von Rolf Romero

Werner Durth

Am 24. Januar 2002 starb im Alter von 87 Jahren Prof. Dr.-Ing. Rolf Romero. 1915 in Braunschweig geboren, studierte er dort an der Technischen Hochschule Architektur bis zum Diplom im Dezember 1939. Nach zwei Jahren Berufspraxis in einem Hamburger Planungsbüro wurde er 1942 zum Wehrdienst eingezogen und überlebte den Krieg mit schweren Verletzungen. Bis 1949 Mitarbeiter und Assistent von Friedrich W. Kraemer an der TH Braunschweig, promovierte er mit einer baugeschichtlichen Untersuchung zum Werk des Baumeisters Joseph Krahe.

Als Mitarbeiter im Büro von Hoffmann und Kallmorgen in Hamburg, seit 1953 bei Rolf Oesterlen in Hannover, widmete sich Romero vor allem dem Wiederaufbau historisch bedeutender Gebäude, bis er sich schließlich als selbständiger Architekt auch dem Kirchenbau zuwandte: Neben seinen Kirchenbauten in Hannover und Laatzen fand insbesondere die Kirche auf Helgoland überregionale Anerkennung.

Wegen seiner Verdienste als Architekt wurde Rolf Romero 1956 in den Bund Deutscher Architekten berufen.

1959 folgte Romero einen Ruf an den Lehrstuhl für Entwerfen, Baugeschichte und Kirchenbau im Fachbereich Architektur der Technischen Universität Darmstadt als Nachfolger von Jan Hubert Pinand. Bis zu seiner Emeritierung 1980 lehrte und entfaltete er eine breit gefächerte Lehrtätigkeit im Spektrum zwischen der durch Hans Gerhard Evers vertretenen Kunstgeschichte einerseits und den durch Karl Gruber geprägten Studien zur Stadtbaugeschichte andererseits. Insbesondere in seinen Vorlesungen und Seminaren zur Stadtbaugeschichte faszinierte Romero Generationen von Studierenden durch die Vermittlung komplexer historischer Zusammenhänge, indem er - bis hin zu aktuellen Tendenzen des Städtebaus - die unterschiedlichen Phasen der Stadtentwicklung stets im Kontext übergreifender gesellschaftlicher Wandlungsprozesse untersuchte.

Zur Verbindung der in Forschung und Lehre oft getrennten Aspekte wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Wandels ermutigte der Bauhistoriker und Architekt die Studierenden auch in seinen Entwurfsseminaren: An exemplarischen Aufgabenstellungen konnte die Auseinandersetzung mit der Baugeschichte unmittelbar auf das Entwerfen im Sinne einer "erhaltenden Erneuerung" bezogen und damit als integraler Lernprozess wirksam werden. Konsequent setzte sich Rolf Romero 1970 für die Gründung der bis heute bestehenden "Fachgruppe Stadt" ein und gab durch seine Forschung und Lehre wichtige Impulse zur Neubestimmung der Denkmalpflege in Deutschland.

1972 wurde er von der Deutschen UNESCO-Kommission mit einem Gutachten über "Sanierungen historischer Stadtkerne im Ausland" beauftragt; ein Forschungsprojekt, das er 1975 mit einem Bericht über Fallstudien aus neuen Ländern erfolgreich abschloss, doch durch zahlreiche Nachfolgeprojekte über viele Jahre inhaltlich weiterführte. 1983 wurde ihm für seine Leistungen in Forschung und Lehre sowie für seine planungs-
praktische Tätigkeit im Rahmen seines Architekturbüros vom Deutschen Nationalkomitee der Deutsche Preis für Denkmalschutz verliehen, wobei insbesondere die von ihm geprägte "Kombination von Entwurf und Baugeschichte" mit dem Ziel einer "Verbindung gestalterischer Fähigkeiten mit exakten historischen Kenntnissen und Verständnis für den denkmalpflegerischen Auftrag" hervorgehoben wurde.

Mit seinem Büropartner Lothar Willius realisierte Romero zwischen 1961 und 1980 zahlreiche Projekte zur Altstadtsanierung und Dorferneuerung, daneben behielt er seine Schwerpunkte im Kirchenbau und Denkmalpflege bei: Zu den von ihm entworfenen Gemeindezentren gehört auch die große Anlage des Ökumenischen Gemeindezentrums in Darmstadt-Kranichstein; unter Aspekten der Denkmalpflege ist in Darmstadt der Wiederaufbau des Hauses Glückert I von Olbrich und der Loge von Moller hervorzuheben.

Nach seiner Emeritierung 1980 beendete Romero auch seine Arbeit als freischaffender Architekt, um von bindenden Verpflichtungen "völlig frei" zu sein. Diese Freiheit kam nun
nicht nur seiner Familie und seiner Liebe zur Musik zugute, sondern auch seinen zahlreichen Schülern, deren Lebenswege er zuvor schon stets mit wachem Interesse und hilfreichen Ratschlägen verfolgt hatte. Eine besondere Qualität seiner Lehre lag darin, dass er den Studierenden bei aller Herausforderung zu selbständigem Denken die größt-mögliche Freiheit zur eigenen Entwicklung ließ - und diese mit klärenden Fragen begleitete.

Mit einfühlsam persönlicher Zuwendung war Rolf Romero auch in den Jahren nach seiner Emeritierung manchem noch lange ein väterlicher Begleiter und Freund. Wir haben ihm viel zu danken.

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