Autorinnen und Autoren des Vormärz – ein Online-Lexikon

Zimmermann, (Balthasar Friedrich ) Wilhelm

Geb. 2.1.1807 Stuttgart – Gest. 22.9. 1878 Bad Mergentheim; Grabstätte: ev. Stadtkirche in Owen (Teck). Dr. phil. – Pfarrer, Lehrer im höheren Schuldienst, Historiker, Abgeordneter.

Wilhelm Zimmermann wurde als Sohn eines landarmen Winzers und späteren königlichen Lakaien geboren. Er konnte eine akademische Laufbahn einschlagen, indem er das Seminar in Blaubeuren und danach die Universität und das Evangelische Stift in Tübingen besuchte, wie es vor ihm Schelling, Hegel und Hölderlin taten. Ungefähr oder genau zeitgleich mit ihm waren Mörike, Waiblinger, David Friedrich Strauss und Friedrich Theodor Vischer im Stift.

Zimmermann gehörte zwar nicht zu der klassischen Generation von herausragenden Persönlichkeiten, die zur Zeit der großen Französischen Revolution im Stift waren, aber auch die oben angegebenen Namen seiner Stiftskollegen (der sog. Compromotionalen) zeigt, dass hier eine qualifizierte Gruppe am Werke war, die sich gegenseitig zu bedeutenden wissenschaftlichen und künstlerischen Leistungen anregte und auch manchmal herausragend am parlamentarischen Leben seit 1848 teilnahm.

Wegen einiger Unbotmäßigkeiten wurde Zimmermann aus dem Stift gewiesen, konnte aber sein Studium an der Universität Tübingen fortsetzen. In dieser Zeit gewann er auch einen homiletischen Preis (Homiletik = Predigtlehre). Das Studium schloss er 1829 mit der Promotion zum Doktor der Philosophie und dem theologischen ersten Examen ab. Danach folgten zehn Jahre als freier Schriftsteller, in denen er Gedichte, Novellen, eine Geschichte Württembergs und ein Drama (über Masaniello, den neapolitanischen Freiheitshelden des 17. Jahrhunderts) verfasste. In dieser Zeit heiratete er die württembergische Pfarrerstochter Louise Ditzinger, die ihn bei seinen literarischen Arbeiten unterstützte.

1840 trat er ein Pfarramt im Bereich der Schwäbischen Alb an. 1841-43 erschien dann seine „Allgemeine Geschichte des Großen Bauernkrieges“. 1847 wurde er Professor für Deutsch und Geschichte an der Polytechnischen Schule in Stuttgart. Im Frühjahr 1848 wurde er auf Grund seines populären Bauernkriegswerkes in die Frankfurter Nationalversammlung gewählt, wo er sich den demokratischen Fraktionen „Deutsches Haus“ und „Donnersberg“ anschloss. Er gehörte diesem Parlament bis zur Auflösung des Stuttgarter Rumpfparlaments an. In seinen Reden vor der Frankfurter Nationalversammlung setzte er sich unter anderem gegen das Erbkaisertum und auch für eine freie Kirche im freien Staat ein.

Nach dem Scheitern der 1848er Revolution traf die Wirkung der politischen Reaktion auch ihn, wenn auch in relativ gemäßigter Form, da in Württemberg eine gewisse Liberalität erhalten blieb. Den Leitenden Minister v. R*mer kannte er noch als Parlamentskollegen von der rechten Seite der Nationalversammlung. Schließlich wurde Zimmermann, der nur auf Widerruf angestellt war, Ende 1850 mit Wirkung auf das Frühjahr 1851 von seinem Schulamt abgesetzt. Fortan war er eine Weile ohne Stellung , bekleidete lediglich ein unbesoldetes Landtagsmandat. Im Stuttgarter Landtag setzte er sich gegen die Unterhaltung des stehenden Heeres ein. – Seine Mitgliedschaft im kirchlichen Dienst war nie erloschen, und so konnte er 1854 wieder in den Kirchendienst eintreten. Nach zwei Dorfpfarrstellen in Schnaitheim (heute Stadt Heidenheim) und im Zaberg*u wurde er 1872 Stadtpfarrer in Owen am Fuße der Burg Teck, wo auch sein guter Bekannter Eduard Mörike eine Zeitlang als Vikar amtiert hatte.

Im Jahre 1856 hatte Zimmermann sein Bauernkriegswerk neu überarbeitet und einige Polemiken darin geglättet. Auch ein Vorwort trat hinzu, in dem er seine Forschungs- und Darstellungsgrundsätze erläuterte. Im Stil der damaligen Zeit ging es ihm um die Darstellung der Wahrheit in der Form der Schönheit. Es sei kritisch angemerkt, dass er z.B. über Thomas Müntzer recht ungenau informiert war, auch weil er ihm die preußischen Archive damals nicht zugänglich waren. Zimmermanns Bauernkriegswerk wurde damals auch in die russische Sprache übersetzt.

Als der deutsch-französische Krieg ausbrach, befand er sich auf der Seite der – wenn auch kritischen – Befürworter Bismarcks. Er schrieb ein Buch über „Deutschlands Heldenkampf“. Sechs Jahre später (1878) starb Zimmermann während einer Kur in Bad Mergentheim. – Auf seinem Grabstein in der Marienkirche in Owen findet sich ein Spruch aus seinem Hauptwerk eingemeißelt: „Ob auch Welle um Welle sich bricht, der Strom geht vorwärts.“

Sein Sohn Dr. Manfred Zimmermann setzte das Werk seines Vaters durch eigene Schriften fort, hatte aber an der Entstehung von Zimmermanns späten Schriften auch schon einigen Anteil.

Friedrich Winterhager


Literaturverzeichnis

Standort der Manuskripte bzw. Personalakten

  • Dt. Literaturarchiv Marbach
  • Universitätsarchiv Tübingen
  • Landeskirchliches Archiv Stuttgart
  • Staatsarchiv Ludwigsburg
  • Wilhelm-Zimmermann-Gedenkstätte Dettingen/Erms

Werkausgaben
  • Nur das Hauptwerk hat eine wissenschaftliche Neuausgabe erfahren, die man nach dem Verlag als Hendel-Ausgabe bezeichnet. Es handelt sich um die Wiedergabe der 2. Auflage von 1856: Geschichte des großen Bauernkrieges nach den Urkunden und Augenzeugenberichten. 2 Bände. Hrsg. von Hermann Barge. Naunhof und Leipzig 1939

Werke
  • Gedichte. Stuttgart 1832 (2. ergänzte Aufl. Stuttgart 1839, 3. ergänzte Aufl. Stuttgart - 1854, 4. Aufl. Stuttgart 1907)
  • Masaniello, der Mann des Volkes. Stuttgart 1833
  • Fürstenliebe. Novelle aus der neueren Geschichte Schwabens. Stuttgart 1834
  • Die Befreiungskämpfe der Deutschen gegen Napoleon. Stuttgart und Leipzig 1836
  • Prinz Eugen, der edle Ritter und seine Zeit. Nach großentheils neuen Quellen, besonders nach des Prinzen hinterlassenen Schriften. Stuttgart 1838
  • Die Hohenstaufen oder der Kampf der Monarchie gegen Pabst und republikanische Freiheit. Theil 1. Stuttgart und Leipzig 1838
  • Die Geschichte Württembergs nach seinen Sagen und Thaten dargestellt. 2 Bände. Stuttgart 1839
  • Der teutsche Kaisersaal. Vaterländisches Gemälde. Mit 31 Stahlstichtafeln. Stuttgart 1841 (2. Aufl. Stuttgart 1855)
  • Allgemeine Geschichte des Großen Bauernkrieges, nach handschriftlichen und gedruckten Quellen. 3 Bde. (in 2 Bden.) 1841-43 (2. Aufl. 1856)
  • Der Glasmaler und die Geldmünzer. Eine wahre Geschichte zur Warnung und zur Lehre. Ulm 1844 (auch unter dem Titel: Der Glasmaler von Urach und die Geldmünzer. In: Sonntagsbibliothek 31. - Stuttgart 1904)
  • Die Deutsche Revolution. Karlsruhe 1848
  • Rede bei Robert Blums Gedächtnisfeier. In: Beilage zum Beobachter (Stuttgart) Nr. 286, 18.11.1849, S. 1-2
  • Weltgeschichte für gebildete Frauen und Jungfrauen. 2 Bde. Stuttgart 1854 (ergänzte - 2. Aufl. Ulm 1885)
  • Stunden der Andacht für unsere Zeit. Stuttgart 1855
  • Geschichte der Hohenstaufen. 2. umgearb. Aufl. Stuttgart 1856
  • Geschichte der prosaischen und poetischen deutschen Nationalliteratur. Stuttgart 1856
  • Lebensgeschichte der Kirche Jesu Christi. Mit einem Vorwort von C. B. Hundeshagen. 4 Bde. Stuttgart 1857-1859 (2. Aufl. 1869)
  • Wahre Erzählungen aus der vaterländischen Geschichte für das deutsche Volk, und insbesondere für die deutsche Jugend. Stuttgart 1862 (4 Hefte)
  • Der Tag von Ober-Laudenbach. Ein Beitrag zur Geschichte der Revolutions-Jahre 1848-49. Mannheim 1867
  • Deutschlands Heldenkampf 1870-71. Stuttgart 1873

  • Es existieren einige Reprints des Wilhelm-Zimmermann-Geschichtsvereins in Dettingen/Erms. Der Wilhelm-Z.-Geschichtsverein heißt neuerdings Wilhelm und Louise Zimmermann-Geschichtsverein.

Forschungsberichte und Rezeptionsberichte
  • Müller, Egbert-Hans: Die Wilhelm-Zimmermann-Gedenkstätte als Beispiel für ein Literaturmuseum. In: Schwäbische Heimat 36 (1985), S. 312-314
  • Müller, Ernst: Literarischer Nachlaß W. Zimmermanns. In: 7. Rechenschaftsbericht des Schwäbischen Schillervereins 1902 / 03 (Marbach und Stuttgart), S. 59-60
  • Randecker, Günter: Gedenkstätte für den „Bauernkriegs-Zimmermann“. In: Blätter des Schwäbischen Albvereins 1986, Heft 1, S. 14-16

Zur Biografie und zum Hauptwerk
  • Barge, Hermann: Vorwort zu W. Zimmermann. Geschichte des Großen Bauernkrieges. Bd. I, Naunhof und Leipzig 1939, S. V-XXIX
  • Borst, Otto: Die heimlichen Rebellen. Schwabenköpfe aus 5 Jahrhunderten. Stuttgart 1980
  • Conrads, Norbert: Wilhelm Zimmermann (1807-1878). Ein Stuttgarter Historiker. Stuttgart 1998 (= Veröff. des Universitätsarchivs Stuttgart 1)
  • Friesen, Abraham: Wilhelm Zimmermann’s Historical Frame of Reference. In: Deutung und Bedeutung. Studies in German and Comparative Literature. Presented to Karl-Werner Maurer. Den Haag/Paris 1973, S. 152-180
  • Haußherr, Hans: Wilhelm Zimmermann als Geschichtsschreiber des Bauernkrieges. In: ZWLG 10 (1951), S. 166-181
  • L. (weiterer Verfassername unbekannt): Wilhelm Zimmermann. In: Im Neuen Reich 8 (1878), S. 579-581
  • Lahnstein, Peter: Die unvollendete Revolution 1848-49. Badener und Württemberger in der Paulskirche. Stuttgart/Berlin/Köln/Mainz 1982
  • Randecker, Günter und Thomas Scheuffelen: Mein ganzer Name ist Balthasar Friedrich Wilhelm Zimmermann. Marbacher Magazin 32 (1984), Sonderheft
  • Rapp, Adolf: Zimmermann, Balthasar Friedrich Wilhelm ... In: Schwäbische Lebensbilder Bd. 6. Stuttgart 1957, S. 267-285
  • Schilfert, Gerhard: Wilhelm Zimmermann. In: Die deutsche Geschichtswissenschaft vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Reichseinigung von oben. Hrsg. von Joachim Streisand, S. 170-184
  • Schlenker, Karl: Dr. W. Zimmermann als Pfarrer in Leonbronn 1854-1864. In: Literarische Beilage des Staatsanzeigers für Württemberg 1909, Nr. 9, S. 134-138
  • Schmidt-Buhl, Karl: Schwäbische Volksmänner. Vaihingen o.J. (1908)
  • Schön, Theodor: Zimmermann, B.F.W. in: ADB 45, S. 299-301 (1900)
  • Stemmer, Eugen: Wilhelm Zimmermann. Sein Leben und seine Dichtung. Diss . phil. Tübingen (masch.) 1921
  • Voigt, Johannes H.: Geschichte als Lehre für die Mitwelt. Zum 100. Todestag des Pfarrers, Schriftstellers und Historikers Wilhelm Zimmermann. In: Beiträge zur Landeskunde. Regelm. Beilage zum Staatsanzeiger f. Baden-Württemberg Nr. 5, Okt. 1978, S. 6-10
  • Winterhager, Friedrich: Wilhelm Zimmermann. Ein schwäbischer Pfarrer als Historiker des Bauernkrieges. Würzburg 1986
  • Ders. : Wilhelm Zimmermann – Begründer der wissenschaftlichen Erforschung des deutschen Bauernkrieges. In: GWU 36 (1985), S. 705-707
  • Ders. : Zimmermann, Wilhelm. In: Demokratische Wege. Deutsche Lebensläufe aus 5 Jahrhunderten. Ein Lexikon. Stuttgart 1997, S. 711f.

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