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titel thesen tempramente titel thesen tempramente 14.01.2007 | 23:00
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Die Fotoagentur Magnum macht die berühmtesten Fotos der Welt
Vor 60 Jahren wurde die legendäre Agentur gegründet

Fotoagentur Magnum
 

Die älteste und legendäre Fotoagentur "Magnum" feiert dieses Jahr ihr 60-jähriges Bestehen. Der Präsident, der deutsche Fotograf Thomas Hoepker, hat jetzt eine große Ausstellung in Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe. "Magnum" ist die wohl bekannteste Fotoagentur der Welt. 1947 wurde sie von berühmten Fotografen wie Robert Capa und Henri Cartier-Bresson in Paris gegründet. Ihr Ziel war es, in einer Kooperation humanistisch gleichgesinnter Fotografen selbständig organisiert und unabhängig zu sein. Daneben war das Ziel, den Fotografen die Rechte an ihren Werken zu belassen. Mit ihren Reportagen prägten die weltweit agierenden Magnum-Fotografen über Jahrzehnte Fotoillustrierte wie "Life". Ihr Anspruch war dabei zumeist eine größtmögliche Authentizität auf den Bildern herzustellen. Einer der Gründer, Henri Cartier-Bresson, sagte einmal: "Ein gutes Foto, ist ein Foto, auf das man länger als eine Sekunde schaut." Magnum revolutionierte die Fotografie und gab uns ein Bild von der Welt.

 

Thomas Hoepker
 

"Wir sind als ein Verein von Fotojournalisten gegründet worden, die die Realität beobachten. Wir haben bei uns nie einen Modefotografen gehabt. Wir haben eigentlich keine Werbefotografen gehabt, sondern wir sind durch die Zeit des Fotojournalismus groß geworden, durch die Zeit der großen Illustrierten, wie Life, Look oder Stern.”
(Thomas Hoepker/ Magnum Fotograf)

Der 1936 in München geborene Fotograf Thomas Hoepker zählt zu den Großen seiner Zunft. Sei es der 11. September 2001 in New York, sei es Willy Brandt auf Wahlkampf-Tour oder sei es eine Hungersnot in Indien - Hoepker hat festgehalten, was er sah. Und oft auch das, was man sonst nicht zu sehen bekommt. Hoepker betrachtet sich selbst als fotografierender Chronist, als jemand, der mit offenem Blick für die absurden Momente und stillen Dramen des Alltags durch die Welt geht, egal ob in Chile oder Mexico City. So ist auf zahlreichen Reisen und Fotoprojekten in aller Welt eine breite Palette von Bildern entstanden, die von der Neugier und dem Respekt des Fotografen gegenüber seinen Sujets zeugen - l egendäre Bildreihen. Diese Woche führte Thomas Hoepker Kollegen durch die Retrospektive seiner Arbeiten in Hamburg. Alle hingen an seinen Lippen, denn Hoepker ist ein Star. 1989 wurde als erster deutscher Fotograf Vollmitglied bei Magnum, heute ist er ihr Präsident. Einmal im Jahr trifft er sich mit den etwa 50 Magnum- Fotografen, denn der fotografische Nachwuchs muss rekrutiert werden. Die Auswahl findet über ein mehrstufiges, ziemlich gnadenloses Verfahren statt.

"Magnum ist ein elitärer Laden. Aber das hat auch seine Vorteile. Wir haben wirklich eine Reputation, dass wir nur die Besten haben. Ob es immer klappt, ist die andere Frage, aber seltsamerweise funktioniert dieses Ausleseverfahren und wir haben am Ende wirklich nur Leute, die sich bewährt haben."(Thomas Hoepker/ Magnum Fotograf)

 

Thomas Dworzak
 

Einer, der es geschafft hat, ist Thomas Dworzak. Er stammt aus Koetzting im bayerischen Wald. Seit den 90er Jahren hat er sich mit Fotoreportagen aus Krisengebieten einen Namen gemacht: Fotoreihen aus dem ehemaligen Jugoslawien, Tschetschenien oder aus Afghanistan. Sein nächstes Reiseziel wird der Tschad sein. Dazwischen bereitet er in der New Yorker Magnum-Zentrale einen Band mit seinen Bildern aus dem Irakkrieg vor.

"Es ist für meine Generation natürlich viel einfacher, Fotograf zu sein. Krisenfotograf zu sein ist nicht mehr so kompliziert, wie früher. Ich meine, Capa hat die Kriegsfotografie quasi erfunden. Er war der erste, der das anständig gemacht hat. Gut, ich bin die fünfte Generation..."
(Thomas Dworzak/ Magnum - Fotograf)

Eine herausragende Qualität vieler Magnum – Fotografen, ist ihre Nähe zum Sujet. "Wenn deine Bilder nicht gut genug sind - dann bist du nicht nah genug dran!”, hatte schon Robert Capa einst gesagt. Ein Ausspruch, der sich nicht nur auf den Aufenthaltsort des Fotografen bezieht, sondern auch auf seinen Standpunkt, die innere Haltung.

"Es gibt diesen Begriff der "concerned photography", also der Fotograf, der sich um Mitmenschen kümmert, um Probleme auf der Welt, um leidende Menschen, der Mitgefühl in seine Arbeit bringt. Wir versuchen das aufrecht zu erhalten und auch mit großem Erfolg. Das ist nach wie vor ein Thema für uns: Wir kümmern uns um die Dritte Welt, um unterprivilegierte Menschen." (Thomas Hoepker/ Magnum Fotograf)

Ohne Illusionen greifen junge Magnum-Fotografen wie Dworzak dabei zu ganz neuen Mitteln. Oder der Brite Martin Parr. Bis heute ist er nicht ganz unumstritten bei "Magnum". Seine Bilder "knallen": Parr provoziert, indem er alltägliche Klischees findet und gnadenlos die alltägliche geschmackliche entgleiste Realität seiner Mitmenschen, das Hässliche, fotografiert. Es sind die Antworten der neuen Generation auf veränderte Bedingungen.

 

Thomas Hoepker
 

"Es hat sich verändert, ich glaube nicht zum Besseren, weil die Qualitätsansprüche, die früher an uns von Fotoredaktionen und Chefredakteuren, gestellt wurden, eigentlich immer weiter zurück geschraubt wurden. Es ist heute ziemlich egal, ob ein Foto wirklich gut ist, Hauptsache, es ist scharf. Hauptsache, es ist billig. Und Hauptsache, das Ereignis ist abgebildet!” (Thomas Hoepker/ Magnum Fotograf)

Längst glauben wir, die Welt zu kennen. Haben uns ein eigenes Bild von ihr gemacht. Jedes Schicksal, jeder Held, jeder Krieg wurde bereits zu Tode fotografiert. Die Medien sind eine Mülllhalde der Bilder. Wie aus einer anderen Zeit ragen da die klassischen Magnum - Fotografien aus der Masse der Medienbilder heraus. Getragen von formaler Strenge und der Idee des Humanismus.

 

Weitere Links

Homepage Magnum
Homepage Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

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Ausstellungstipp:
Thomas Hoepker - Photographien 1955 – 2005
25. Dez. 2006 - 18. Mar. 2007
Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
Steintorplatz
20099 Hamburg