Atomstrom ist nicht CO2-frei!

Matthias in am 3. Juli 2007, 15:57   13 Kommentare »

Klimaschützer der Woche: Kampagne in der U-Bahn

Klimaschützer der Woche: Kampagne in der U-Bahn

Das Deutsches Atomforum e. V. plakatiert seit kurzem in Berliner U-Bahnhöfen. Atomkraftwerke werden als CO2-freie Klimaschützer in idyllischen Motiven dem wartenden Fahrgast näher gebracht. Während ich überlege, im nächsten Urlaub nach Grundremmingen zu fahren, verweist das Klimaschutz-Blog auf das Öko-Institut, das eine CO2-Bilanz des Strom aufgestellt hat.

Ergebnis: Für den Transport fällt CO2 an, das bei südafrikanischem Uran die Bilanz deutlich von Null abweichen lässt. Natürlich ist Kohle klimaschädigender, allein mit der Atomkraft lässt sich der Klimawandel nicht stoppen. Dafür bräuchte man weltweit ca. 1.000 neue Atomkraftwerke. Eine Steigerung der Energieeffizienz (großes Potential liegt in den Städten) brächte da deutlich mehr. Das finden aber Deutschlands Energieversorger nicht so gut. Vattenfall und Eon wollen heute beim Energiegipfel die Kanzlerin von ihren Klimazielen abbringen.

Mich bringen sie damit in Rage. Da bin ich doch froh, schon längst keinen Vattenfall-Strom mehr zu beziehen. Und die Hoffnung stirbt zuletzt, dass die Angela heute ein Machtwort spricht.

Nachtrag: Der Energiegipfel ist enttäuschend zu Ende gegangen. Allheilmittel Kernkraft, oder doch nicht? Der Spiegel schreibt:

Die Kernkraftwerke lieferten ja nur 4 bis 5 Prozent zur CO-2-Reduktion. “Ich dachte, es wäre höher”, so der Sigmar Gabriel. Um dann stichelnd in Richtung Union hinzuzufügen: Auch andere hätten gehofft, ihr Beitrag wäre höher.

Mut zu erneuerbaren Energien hat wohl keine konservative Regierung. Aber die Bilder von den Atomkraftwerken in der Berliner U-Bahn sind ja auch so idyllisch.

13 Kommentare

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dada

Das hat mich auch ziemlich erzürnt, als ich so ein Plakat gesehen habe. Atomstrom ist definitiv nicht ohne CO2-Ausstoß zu haben.

2

ander fröhlich

na hoffentlich denkt keiner, dass IRGENDEIN strom gänzlich ohne CO2-Ausstoß zu haben ist.

3

Stefan S.

@ 2
Das denke ich auch, unser regionaler Strommonopolist behauptet doch tatsächlich, dass deren Naturstrom CO2-frei ist. Vermutlich wachsen die Bäume direkt im Ofen und das Wasser läuft alleine zurück den Berg hinauf. Merktwürdigerweise betrachtet man bei Ökostrom die Energiebilanz genauer als bei allen anderen Möglichkeiten. Heute Morgen hat sich Herr Pflüger als Ökostrom-Freund profiliert, wäre ja schön wenn er das nachhaltig meint.

4

Claudia

Hast Du wirklich große Hoffnung, daß Herr Pflüger etwas Sinnvolles ernst meint?

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Günter HSB

Die behaupten gar nicht, dass Atomstrom CO2-frei ist, sondern nur, dass die Kraftwerke kein CO2 ausstoßen – ich denke, dass ist der Trick, ziemlich perfide formuliert.

Es ist aber mindestens genauso verwerflich wie die irreführende Kampagne selbst, dass die Unternehmen, die hinter dieser Aktion stehen, sich nicht klar dazu bekennen. Im Stile einer “Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft” werden da Vereine gegründet, die – finanziert von der Atomwirtschaft – Werbung machen. Dass die Unternehmen ihre Interessen auch mit PR durchsetzen wollen, ist ihnen nicht zu verübeln in der pluralistischen Gesellschaft. Dass sie es aber unter einem anderen Namen tun, ist intransparent und daher demokratieschädlich.

Einfach nur unverschämt ist, dass die Energieriesen jetzt mit höheren Strompreisen drohen, wenn an den Klimaschutzzielen der Bundesregierung festgehalten werde. Die Preise werden seit Jahren erhöht, obwohl mit dem Klimaschutz noch gar nicht richtig begonnen wurde und die AKWe noch ungebremst laufen. Nicht der Klimaschutz ist schuld an hohen Strompreisen, sondern die Profitgier des Atomkartells.

6

Matthias HSB

Günter, vielen Dank für den Hinweis, auf eine kleine Unterscheidung, die ich nicht bedacht habe. Ich werde jetzt auch die CO2-Emissionen an meinen Glühbirnen, Heizkörpern und Wasserhähnen messen. Dann ist nämlich mein Haushalt auch garantiert CO2-frei. Dann ist meine eigene Atemluft der größte CO2-Faktor, dem ich durch eine riesige Pflanzenschar begegnen werde. Dann sollen doch die Pflanzen meine Emissionen binden.

Weiß jemand, wieviel Grünzeugs ich dafür bräuchte?

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robby

Warum plakatiert die Kernkraft-Lobby ausgerechnet in U-Bahnhöfen? Hat der “Des-Informationskreis Kernenergie” möglicherweise Angst, das Volk könnte die schöne Kampagne mit zusätzlichen Informationen ergänzen?

Störfälle in 2006: 126
Entsorgungskonzept: kein

Zur Diskussion will man die idyllisch verpackten Statements nicht wirklich stellen und schützt sie mit Starkstrom vor der Realität. Wie passend!

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Stinchen

also einige Plakate scheinen tatschächlich inzwischen um Informationen erweitert worden zu sein:
www.greenpeace

9

Markus

Ich finde es grässlich, wie wenig differenziert wird: Der Betrieb selber IST CO2 frei, Bau, Produktion, Transport sicherlich nicht. Das ist bei allen anderen Brennstoffen aber genau so, nur das diese auch noch während des Betriebes Unmengen CO2 ausstoßen.
Kohle ist dabei der schlimmste Emittent!

Nebenbei angemerkt: CO2 ist gar das schlimmste Treibhausgas: Methan und Wasser sind viel schlimmer. Und die Mengen nehmen auch stark zu (besonders Methan).

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Sascha

Leider ist die Kampagne der Atom-Lobby mit den Bildern nicht schlecht, den der Mensch kann sich Bilder am besten merken. Darum habe ich mit einem Freund mal ein realistisches Bild photografiert. Dabei war ich sehr erschreckt, das von Oldenburg aus keine 50 km entfernt schon so ein Ding steht …

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Timo

Aktueller denn je dieser Beitrag!
Die Lösund heißt in meinen Augen den Stromanbieter wechseln und zu einem Ökostromanbieter wechseln. Dann setzt man auf www.kein und muß sich über CO2 und Uran im Fluß keine Sorgen mehr machen…

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Stefan

@timo
Fliessen da evtl. Provisionen von Lichtblick an die Betreiber der von Dir genannten URL, wenn man da abschliesst? Warum nicht lieber den Direktlink von Lichtblick nennen?

Zum Thema Lichtblick evtl. auch dies hier noch interessant:

www.test.de/themen/umwelt

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Seppel

An den Klimaschutz im Kleinen hat wohl noch keiner gedacht.

Dabei ist der Klimakiller Nummer Eins (oder zwei, oder drei, meinetwegen) in vielen Haushalten vorhanden und wird wissentlich und willentlich freigesetzt!

Ja, genau: Kohlensäure in Erfrischungsgetränken.
Da trinkt man, um sich zu “erfrischen” ein Glas Sprudel und in der Antarktis fällt so ein armes Pinguinjunges tot um!

Wehret den Anfängen! Verbietet Sprudel, Limonade, Bier und Schaumwein!

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