Bei (A) Ja und bei (B) Nein und dann noch (C)

Daniel in am 10. Juli 2008, 11:55   11 Kommentare »

Wer A sagt, sollte nicht B sagen. Zumindest am kommenden Sonntag. Und wenn man in Kreuzberg wohnt. Und wenn man nicht noch mehr Hochhäuser am Spreeufer sehen will. Ansonsten alles andersrum. Verwirrend? Nein, nur bürokratisch korrekt. Ein Bürgerentscheid steht ins Haus. Am 13. Juli.

Die Investorengemeinschaft Mediaspree will die bisher vor allem durch Menschen und deren soziale Aktivitäten in Anspruch genommenen Uferflächen umwidmen. Moderne Häuser, Zentren medialer Macht, wollen die Herren errichten. Dass sich mit der Initiative Mediaspree versenken! Widerstand formiert, ist bekannt. Doch den Aktivisten geht es längst nicht nur um öffentliche Freiräume:

Diese städtebauliche Verdichtung wird sich auf die soziale Zusammensetzung der umliegenden Quartiere auswirken und wirkt sich bereits heute aus. Im stadtentwicklungspolitischen Jargon ist von einer „Revitalisierung“ innenstadtnaher Quartiere die Rede. Diese Revitalisierung zielt darauf ab, die Quartiere für die neue „kreative Klasse“, die neuen Dienstleistungseliten, die bei Universal, Pixelpark oder MTV arbeiten, als Wohnort und für ihre Freizeitgestaltung attraktiv zu machen.

Klarer Fall für das Blog von Andrej Holm. Doch vorher sollen die Bürger entscheiden. Karin Schmidl erklärt in der zurzeit selbst arg gebeutelten Berliner Zeitung, wer wie, wo (und im Zweifelsfall auch warum) sein Kreuzchen machen sollte .

Wäre es nicht eine Idee, spontan und nur für kurze Zeit nach Kreuzberg umzuziehen und mit abzustimmen? Menschen, die einem dafür einen Untermietvertrag „ausstellen“ fänden sich doch mehr als genug. Mindestens 27 389 Menschen müssen abstimmen. Bindend ist der Entscheid für das Bezirksamt allerdings nicht. Aber das kennen wir ja aus Tempelhof.

11 Kommentare

1

joern

Was wollen die mit noch mehr solchen Klötzen? Davon gibt es in Berlin doch wahrhaft genug und Grünfläche braucht der Mensch, schon allein um mal abzuschalten und zu entspannen. Doch wahrscheinlich wird man sich für die Meinung der Bürger nicht wirklich interessieren.

2

Seppel

Soweit ich weiß, gibt es in Berlin mehr als 1500000 m² leerstehende Büroflächen, das sind 1.5 km².
Zum Vergleich: Das Fürstentum Monaco ist knapp 2 km² groß.

Daher ist es doch klar und vollkommen selbstverständlich, daß noch viel mehr Bürohochhäuser in die Stadt gekotz, verzeihung, geklotzt werden müssen!

3

John F. Nebel

Manueller Trackback: Metronaut.de macht Last-Minute-Webpropaganda – mit Flyern und Bannern, die auf einem Server ausgetauscht, runtergeladen und eingebettet werden können. So zum Mitmachen halt:

www.metronaut.de/?p=655

4

Will Sagen

Wenn man sich die oben verlinkten Erläuterungen mal durchliest, scheint der Vorschlag des Bezirksparlaments sinnvoller und durchdachter zu sein.
Ich fände eine Uferpromenade auf beiden Seiten der Spree eine sehr schöne Sache, sei es zum Radfahren oder Spazierengehen usw.
Diese Promenade ist feste Bauauflage für diejenigen, die dort Häuser errichten wollen. Sie können sich also davor nicht drücken.

Verfolgt man die Idee von “Mediaspree versenken”, wird nicht bebaut. Damit wird aber auch keine durchgängige Uferpromenade gebaut. Es bleibt bei dem zerrütteten Bild, das wir jetzt haben. Ist das besser, als wenn das Ufer zugänglich wäre?

Im übrigen fände ich ein Hochhaus ähnlich wie das Allianz-Teil, nur auf der anderen Seite der Spree, städtebaulich einen absoluten Gewinn, weil es wie ein Portal der Spree zur Innenstadt von Berlin wirken würde.

Über die leerstehende Bürofläche muss man sich doch keine Gedanken machen. Das ist doch das Problem der Investoren.

5

Seppel

Über die leerstehende Bürofläche muss man sich doch keine Gedanken machen. Das ist doch das Problem der Investoren.

Naja, wenn nur bislang unbebaute Brachen damit “verschönert” werden, dann mag das vielleicht so sein, aber anderswo in Berlin werden Parks durch Büroflächencontainer ersetzt (ich verweise da auf die Gerhart-Hauptmann-Anlage, bei der das zulässig ist, weil irgendein schwachsinniger Bebauungsplan aus den 60ern da mal eine Autobahn vorgesehen hatte).

Lieber eine Fläche gar nicht bebauen, als dort Leerstand für Investoren hinklotzen.

Allerdings: Eine anständige Uferpromenade (an der sich Cafés, Standbars etc. ansiedeln können) ist der kompletten Brache gegenüber vorzuziehen. Nur wird diese durch dahinterliegende Bürogeisterstädte nicht attraktiver.

6

Will Sagen

Man muss nur wohl so realistisch sein, dass Berlin nicht in der Lage sein wird, eine schicke Uferpromenade aus eigener Tasche zu stemmen. Wenn man das mit der Bebauung koppelt, finde ich das eine gute Lösung.
Und ob das Spreeufer eine Bürogeisterstadt wäre, wage ich mal zu bezweifeln. Da gibt es wohl eher die Leerstände an Orten, wo ich auch nicht tot überm Zaun hängen will. Das Spreeufer hat schon eine große Attraktivität gerade für kreative Leute.

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thomas

@Will Sagen:

“Schicke Uferpromenaden” ham wir in Berlin und in jeder Stadt an nem Fluss schon so einige. Worum es den Volksbegehrern geht, ist die weitere kulturelle Nutzung des Ufers.

Was für dich ein “zerrüttetetes Bild” ist, ist für andere das was Berlin ausmacht. Haben sogar schon die Regierenden bemerkt.

Ähmm und “Allianz-Teil-Portal-zur Stadt” ham wa ooch schon …

8

Susanne StoHelit

>Zitat: Will Sagen “Das Spreeufer hat schon eine große Attraktivität >gerade für kreative Leute.”

Auf unkreative, unmsikalische, hässliche, arme, dumme, schon-immer-hier- wohnende hat ein Spreeblick natürlich überhaupt keine Attraktivität.

Über 7000 haben schon abgestimmt. Die restlichen 100000 kommen am Sonntag :)

Sonnabend 15 Uhr , Warschauer Brücke , Mediaspree wegbassen

hedonist

9

Will Sagen

… und am Ende siegt doch der Kapitalismus. :D

10

Daniel

Volker Pispers “Volkerkunde”, 1994:

“Der Kampf der Systeme ist entschieden und der Kapitalismus hat weltweit den Sieg davon getragen.

Schade, dass kein Mensch gewonnen hat. Aber Sieg bleibt Sieg. Und den feiern wir jetzt. Das heißt, wir würden den Sieg gerne feiern, wenn wir wüssten, wo der Sieg hin ist. Bisher steht ja nur fest, dass der Kapitalismus ihn davon getragen hat. Wahrscheinlich hat er ihn in Sicherheit gebracht. Nach Luxemburg oder auf ein Schweizer Nummernkonto.”
11

Seppel

@Daniel: Vielen Dank für dieses, wie bei Pispers ja üblich, wunderbare Zitat!

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