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09.09.2008
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Inland
Neue Möglichkeiten für Medizinstudenten

Erste ausländische Uni in Deutschland eröffnet

Sie umgehen den Numerus clausus – und studieren doch Medizin in Deutschland: In Hamburg hat erstmals eine ausländische Uni eine Zweigstelle eröffnet. Deutsche Studenten können hier ihr in Budapest begonnenes Studium beenden – nach ungarischem Recht und gegen hohe Gebühren.

Von Annika Einsle für tagesschau.de

überfüllter Hörsaal (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Überfüllte Hörsäle wird es am neu eröffneten "Asklepios Campus Hamburg" nicht geben: Dort absolvieren nur 40 Medizinstudenten ihre Ausbildung. ]
Ohne Numerus-clausus-Verfahren zum Medizinstudium: Was in Deutschland undenkbar ist, macht die Semmelweis Universität Budapest seit vielen Jahren möglich. Ab sofort müssen die deutschen Studenten ihren Abschluss jedoch nicht mehr zwingend in Budapest machen. Mit der neu eröffneten Zweigstelle in Hamburg haben sie jetzt auch die Möglichkeit, nach bestandenem Physikum zurück nach Deutschland zu kommen. Der "Asklepios Campus Hamburg" entstand in Kooperation zwischen der Semmelweis Universität Budapest und den Asklepios Kliniken. Letztere haben für Aufbau und Ausstattung mehr als zwei Millionen Euro investiert. Durch den Einstieg in die Ausbildung hofft das Unternehmen, stärkeren Einfluss auf die Karriere der angehenden Ärzte ausüben zu können und sie somit langfristig zu binden.

Deutscher Studiengang, ungarischer Abschluss

Die ungarische Universität stößt damit in eine Marktlücke: Denn für das Wintersemester 2008/09 gingen in den deutschen Hochschulen 35.393 für Medizinstudiengänge ein – doch nur 8454 Abiturienten erhielten eine Zusage. Der Markt ist hart umkämpft. Wer sein Abitur nicht mit Eins abschließt, hat es schwer. "Bei einem solchen Missverhältnis von Angebot und Nachfrage müssen viele Studienbewerber lange Wartezeiten von bis zu fünf Jahren auf sich nehmen. Eine Alternative stellen deshalb oft Universitäten im Ausland dar, wo es keine Numerus-clausus-Begrenzung gibt", sagt Bernhard Scheer von der Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen. Neben Österreich und Großbritannien ist vor allem Ungarn ein beliebtes Ziel für Medizinstudenten.

Gebäude des Asklepios Campus Hamburg Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Auf dem Gelände des St. Georg Krankenhauses sollen die Studenten ihre klinische Ausbildung absolvieren. ]
40 Studenten werden auf dem Gelände des Krankenhauses St. Georg ab sofort ihre klinische Ausbildung absolvieren. Sie umfasst sechs Semester und ein Praxisjahr, am Ende steht eine Prüfung nach ungarischem Recht an. Demzufolge erhalten die Studenten nicht den deutschen Studienabschluss, sondern das ungarische Pendant. Nach Meinung von Stefan Lehmann-Odinga von der Asklepios Medical School ist der ungarische Studienabschluss jedoch gleichwertig mit dem deutschen. "Da Ungarn Mitglied der Europäischen Union ist, gelten dort ähnliche Bestimmungen. Die Anforderungen an die Studenten sind sogar noch etwas höher als hierzulande", so Lehmann-Odinga.

Genaue Prüfung der Bewerber

Die Abiturnote zählt in Ungarn nicht vorrangig. Um an der Semmelweis Universität angenommen zu werden, schaut sich die Universität zwar auch die Zeugnisse an. In persönlichen Gesprächen und Tests werden aber vor allem individuelle Eignung, Studierfähigkeit und soziale Kompetenz der Bewerber überprüft. Besonderer Schwerpunkt liegt auch auf ihren naturwissenschaftlichen Kenntnissen. "Am Ende haben wir so eine hochmotivierte Gruppe junger Studenten, die genau weiß: 'Ich will Arzt werden'", sagt Lehmann-Odinga. Denn während sich in Deutschland rund ein Drittel der Studenten nach dem Examen eine nicht-medizinische Tätigkeit suche, könne man nach dem Abschluss an der Semmelweis Universität davon ausgehen, dass die Ärzte auch in ihrem Beruf tätig sein werden.

Fahnenübergabe des ungarischen Rektors an den deutschen Geschäftsführer Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Prof. Dr. Tivadar Tulassay (links), Rektor der Semmelweis Universität, und der Geschäftsführer der Asklepios Medical School, Dr. med. Weidenhammer, bei der Eröffnungsfeier in Hamburg. ]
Seit 1983 bietet die Semmelweis Universität bereits den deutschsprachigen Medizinstudiengang an. Mehr als 4000 Studenten haben in den vergangenen 25 Jahren am Unterricht in der ungarischen Hauptstadt teilgenommen. Viele von ihnen haben dort auch ihr Staatsexamen gemacht. Bislang war die Ausbildung jedoch immer auch mit Hindernissen verbunden. Denn nach bestandenem Physikum beginnt für die Studenten der klinische Teil der Ausbildung, in dem sie sich mit ihren einheimischen Patienten verständigen müssen. Die Wenigsten lernen in dieser Zeit allerdings genügend Ungarisch, 80 Prozent verlassen Budapest deshalb nach zwei Studienjahren wieder. Im Anschluss jedoch direkt an einer deutschen Universität quer einzusteigen, um den restlichen Teil der Ausbildung absolvieren zu können, ist sehr schwer und häufig mit Wartesemestern verbunden. Viele Semmelweis-Studenten brachen deshalb ihre Ausbildung nach dem Physikum ab. Durch die Eröffnung der Zweigniederlassung in Hamburg hat sich dieses Problem nun erübrigt.

Teure Ausbildung

Voraussetzung für ein Studium ist jedoch, dass die Studenten genug Geld mitbringen. Rund 11.200 Euro kostet die Ausbildung in Ungarn pro Jahr, in Hamburg müssen die Studenten dafür sogar 14.400 Euro auf den Tisch legen. Den Vorwurf, dass sie sich mit den Gebühren ihren Doktortitel erkaufen würden, weist Lehmann-Odinga jedoch weit von sich: "Das ist absolut ausgeschlossen, weil für das Studium deutlich höhere Anforderungen als an deutschen Universitäten erforderlich sind." Zudem werden die Studenten in kleineren Gruppen als in Deutschland ausgebildet, wodurch die Lerneffektivität enorm gesteigert werde. "Während in Deutschland in einer Vorlesung mit 300 Mann der eine oder andere mit durchgeschliffen wird, kann das bei uns nicht passieren."

Stand: 08.09.2008 19:37 Uhr
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