Der Gebirgskrieg in den Dolomiten

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Anmerkung:
Zweck dieser Seite ist es, über den Verlauf des Ersten Weltkrieges an dieser oftmals unbekannten und unterschätzten Front zu informieren, um den Bergsteigern, welche die Dolomiten besuchen, Hintergrundinformationen zu liefern.
Ich habe diese Seite nach der Lektüre von zahlreichen Werken (siehe Bibliographie) zum Gebirgskrieg eigenständig verfasst. Sollte ich dennoch unbewusst und ungewollt versehentlich einmal einen Absatz dem Wortlaut getreu übernommen haben, so bitte ich um eine kurze Benachrichtigung, damit ich ihn entfernen kann.

Inhalt:

1. Übersicht über den Verlauf des Ersten Weltkrieges an der Südwestfront

2. Die Kämpfe in den Dolomiten

Weiterführende Literatur

Bibliographie


1. Übersicht über den Verlauf des Ersten Weltkrieges an der Südwestfront

(aus: Siro Offelli, Le armi e gli equipaggiamenti dell´esercito austrio-ungario, Rossato, Novale)

Das Königreich Italien war seit dem 20. Mai 1882 mit den beiden Kaiserreichen Deutschland und Österreich-Ungarn im "Dreibund" verbündet. Kaiser Wilhelm II. und Kaiser Franz Joseph I. hofften, dadurch den "Heiligen Egoismus" Italiens in Schach zu halten, nachdem dieser 1859 und 1866 zum Verlust der Lombardei und Venetiens geführt hatte.

Am 28. Juni 1914 fiel der österreichisch-ungarische Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand in Sarajevo den Schüssen eines bosnisch-serbischen Nationalisten zum Opfer. Da die Spur der Attentäter nach Belgrad führte, erklärte Österreich-Ungarn am 28. Juli 1914 Serbien den Krieg - und löste damit ungewollt den Ersten Weltkrieg aus. Es folgte Kriegserklärung auf Kriegserklärung. Italien erklärte am 3. August seine Neutralität, da es einen österreichisch-ungarischen Gebietszuwachs am Balkan fürchtete.

Zur Jahreswende 1914/15 begann Italien immer unverhohlener, im Gegenzug für die Neutralität österreichische Gebiete zu fordern: Tirol bis zum Brenner, Görz und Gradiska sowie Teile von Dalmatien. Kaiser Franz Joseph I. erklärte sich zur Abtretung von Welschtirol (dem heutigen Trentino) und von den italienischen Städten in der Gradiska bereit mit einem Sonderstatus für Triest, verweigerte jedoch die Herausgabe des deutsch besiedelten Südtirols. Daraufhin schloß Italien am 26. April 1915 mit den Alliierten einen Geheimvertrag, der ihm Tirol bis zum Brenner, Görz und Gradiska sowie fast ganz Dalmatien zusprach, wenn es innerhalb von vier Wochen der Donaumonarchie den Krieg erklärte. Infolgedessen trat Italien am 4. Mai 1915 aus dem Dreibund aus - und erklärte am 23. Mai 1915 seinem ehemaligen Bundesgenossen Österreich-Ungarn den Krieg!

Der Wortbruch Italiens rief in ganz Österreich-Ungarn eine Welle der Entrüstung, zugleich aber nochmals eine Begeisterung für den gerechten Krieg gegen den Erzfeind hervor. Kaiser Franz Joseph I. erließ noch am 23. Mai 1915 folgendes Manifest:
"An Meine Völker!
Der König von Italien hat Mir den Krieg erklärt. Ein Treuebruch, dessengleichen die Geschichte nicht kennt, ist von dem Königreiche Italien an seinen beiden Verbündeten begangen worden.
Nach einem Bündnis von mehr als dreißigjähriger Dauer, während dessen es seinen Territorialbesitz mehren und sich zu ungeahnter Blüte entfalten konnte, hat Uns Italien in der Stunde der Gefahr verlassen und ist mit fliegenden Fahnen in das Lager Unserer Feinde übergegangen.
Wir haben Italien nicht bedroht, sein Ansehen nicht geschmälert, seine Ehre und seine Interessen nicht angetastet; Wir haben Unseren Bündnispflichten stets getreu entsprochen und ihm Unseren Schirm gewährt, als es ins Feld zog.
Wir haben noch mehr getan: Als Italien seine begehrlichen Blicke über Unsere Grenzen sandte, waren Wir, um das Bundesverhältnis und den Frieden zu erhalten, zu großen und schmerzlichen Opfern entschlossen, zu Opfern, die Unserem väterlichen Herzen besonders nahe gingen,
Aber Italiens Begehrlichkeit, das den Moment nützen zu sollen glaubte, war nicht zu stillen. Und so muß sich das Schicksal vollziehen. Dem mächtigen Feinde im Norden haben im zehnmonatigen gigantischen Ringen und in treuester Waffenbrüderschaft mit den Heeren Meines erlauchten Verbündeten Meine Armeen siegreich stand gehalten.
Der neue heimtückische Feind im Süden ist ihnen kein neuer Gegner. Die großen Erinnerungen an Novara, Mortara, Custozza und Lissa, die den Stolz Meiner Jugend bilden, und der Geist Radetzkys, Erzherzog Albrechts und Tegetthoffs, der in Meiner Land- und Seemacht fortlebt, bürgen Mir dafür, daß Wir auch gegen Süden hin die Grenze der Monarchie erfolgreich verteidigen werden.
Ich grüße Meine kampfbewährten, siegerprobten Truppen. Ich vertraue auf sie und ihre Führer! Ich vertraue auf Meine Völker, deren beispiellosem Opfermute Mein innigster väterlicher Dank gebührt.
Den Allmächtigen bitte Ich, daß er Unsere Fahnen segne und Unsere gerechte Sache in seine gnädige Obhut nehme."

Noch in der gleichen Nacht griff die gesamte österreichische Flotte die italienische Adriaküste an mehreren Stellen an und konnte dadurch den Aufmarsch des Feindes verzögern.

Österreich-Ungarn war an der neuen Südwestfront stark unterlegen: Sämtliche Truppen standen in Galizien oder Serbien, nur Standschützen und das zu Hilfe eilende Deutsche Alpenkorps konnten zur Verteidigung der Monarchie aufgeboten werden.
Der Kommandeur des Deutschen Alpenkorps, der bayerische General Krafft von Dellmensingen, fragte beim Durchfahren einer Tiroler Ortschaft auf dem Wege zur Front: "Ich sehe im ganzen Dorf keinen einzigen Mann. Nur Weiber, alte Greise und kleine Kinder. Wo sind denn eigentlich alle Tiroler?" "Ihre Blüte liegt in Ostgalizien begraben. Was davon noch lebt, ist eben hinter den Russen her. Und die ganz Jungen und die ganz Alten stehen dort, wo wir eben hinfahren - den Welschen gegenüber", war die Antwort des begleitenden österreichisch-ungarischen Generalstabsoffiziers. Der deutsche General legte darauf die Hand an den Helm und sagte ergriffen: "Ich neige mich vor dem Opfermut des Tiroler Volkes. Etwas Größeres gibt es nicht auf Erden!"
Italiens Haupt-Streitmacht lag am Isonzo und sollte versuchen, nach Triest vorzudringen.

Der Kriegsverlauf:

1915:
23.06.-07.07.: 1. Isonzo-Schlacht
17.07.-10.08.: 2. Isonzo-Schlacht
18.10.-04.11.: 3. Isonzo-Schlacht
10.11.-11.12.: 4. Isonzo-Schlacht

1916:
11.-16.03.: 5. Isonzo-Schlacht
15.05.-17.06.: Österreichisch-ungarische Offensive in Südtirol zwischen Etsch und Val Sugana

01.-24.07.: Abwehrschlacht in den Sieben Gemeinden
04.-17.08.: 6. Isonzo-Schlacht
14.-18.09.: 7. Isonzo-Schlacht
09.-12.10.: 8. Isonzo-Schlacht
31.10.-04.11.: 9. Isonzo-Schlacht
21.11.: Tod Kaiser Franz Joseph I.; Karl I. wird neuer Kaiser

1917:
12.05.-05.06.: 10. Isonzo-Schlacht
10.-28.06.: Junischlacht in den Sieben Gemeinden
18.08.-13.09.: 11. Isonzo-Schlacht
24.10.-02.12.: 12. Isonzo-Schlacht

1918:
15.-25.06.: Offensive Österreichs am Piave 24.06.-15.07.: Angriffe der Italiener an der Gebirgsfront
24.10.-02.11.: Großoffensive Italiens am Piave

Am 1. November 1918 trafen sich in der Villa Giusti bei Padua die militärischen Vertreter Österreich-Ungarns und Italiens, um einen Waffenstillstand auszuhandeln, der einer Bedingungslosen Kapitulation gleichkam. Nachdem die österreichische Delegation am 2. November um 22 Uhr nach Wien meldete, daß die Unterzeichnung des Vertrages (Artikel 1: "Sofortige Einstellung der Feindseligkeiten.") unmittelbar bevor stand, befahl Kaiser Karl I. am 3. November um 1:20 Uhr seinen Truppen die sofortige Einstellung der Kampfhandlungen, um weiteres völlig unnötiges Blutvergießen zu vermeiden. Erst gegen Mittag erfuhr man, daß in Padua der Waffenstillstand im endgültigen Vertrag auf den 4. November um 15 Uhr festgelegt worden war. Italien nutzte die Situation, drang mit schnellen Truppen bis zum Brenner vor und nahm in diesen 38 Stunden etwa 350.000 österreichische Soldaten gefangen - die nach oberstem Befehl nicht mehr kämpfen durften. Dies ging als "Sieg von Vittorio Veneto" in die italienische Geschichte ein. Italien erhielt alle Gebiete, die ihm die Alliierten versprochen hatten - das Opfer der an der Südwestfront gefallenen Soldaten der österreichischen Völker und Deutschlands war vergeblich gewesen.


2. Die Kämpfe in den Dolomiten

2.1 Allgemeines


2.2 Die Einheiten der Dolomitenfront


2.3 Die einzelnen Frontabschnitte

In diesem Kapitel möchte ich kurz sowohl den Frontverlauf in jedem Abschnitt als auch bedeutende Ereignisse bschreiben:


Als weiterführende Literatur wird empfohlen:

Walther Schaumann: Schauplätze des Gebirgskrieges in 5 Bänden (Ghedina & Tassotti Editori, Cortina, 1973)
Professor Walther Schaumann (1923-2004), ehemaliger Oberst des österreichischen Bundesheeres, bereiste seit seiner frühen Kindheit die gesamte Südwestfront. Er ist Träger des Ludwig-Jedlicka Gedächtnispreises für Zeitgeschichte. 1973 gründete er den Verein der "Dolomitenfreunde": In ununterbrochener Arbeit stellte er mit freiwilligen Helfern seither zahlreiche Kriegswege wieder her und machte sie dadurch zu Friedenswegen, getreu dem Motto: "Wege, die einst Fronten trennten, sollen heute verbinden." Die Dolomitenfreunde haben unter anderem folgendes geleistet:
- Instandsetzung von über 300 km alpiner Weganlagen: Vom Col di Lana über den Hexenfels und den Kleinen Lagazuoi am Falzaregopaß, vom Gipfel der Tofana III über Formenton und Ravalles, in der Fanesgruppe vom Monte Vallon Bianco über die Furcia Rossa-Spitzen bis zum Monte Piano und dem Toblinger Knoten im Raum Drei Zinnen erstreckte sich das Arbeitsgebiet in den ersten 10 Jahren und verlagerte sich dann an den Karnischen Kamm mit dem Plöckenpaß.
- Errichtung von zwei bewirtschafteten Schutzhütten (Porzehütte, Standschützenhütte/Filmoor), drei Biwaks (Monte Castello, Furcia Rossa, Mitterkar) und der Capanna Carducci am Monte Piano.
- Errichtung der Freilichtmuseen am Monte Piano und am Plöckenpaß.
- Einrichtung des Museums 1915-18 in Kötschach-Mauthen.
Sein oben aufgeführtes Werk (das inzwischen mehrfach neu aufgelegt worden ist) behandelt die gesamte Front vom Pasubio bis in die Westlichen Julischen Alpen. Dabei beschreibt Prof. Schaumann einerseits in einzelnen Kapiteln die Kriegsereignisse in jedem Abschnitt, andererseits veröffentlicht er für jeden Bereich zahlreiche Tourenvorschläge, die er selbst begangen hat, und bei denen er auf alle militärhistorisch interessanten Orte verweist. Insgesamt umfassen die fünf Bücher nahezu 2.000 Seiten mit über 600 Touren und unzähligen Illustrationen.
Alles in allem ein erstklassiges Werk für alle, welche die Schauplätze der Front einmal selbst besuchen wollen.

Kompaß-Wanderkarte Nr. 972: Die Dolomitenfront 1915/17 - Geschichtsführer (Geographischer Verlag, Starnberg, o.J.)
Dieses Werk besteht aus zwei Teilen:
1. Zum einen wird auf einer aktuellen Landkarte mit dem Maßstab 1:50.000 die Front des Ersten Weltkrieges aufgezeigt mit der alten österreichisch-italienischen Grenzziehung von 1914 und einer kurzen Beschreibung aller bedeutenden lokalen Ereignisse.
2. Den zweiten Teil bildet ein 48-Seiten dickes Heftchen von Rudolf Schwindl, welches die Kämpfe in den Dolomiten zwar kürzer als Schaumanns Werk, aber immer noch ausführlich und präzise schildert.
Insgesamt ein sehr gutes Werk, um eine grobe Übersicht über den Ort und den Verlauf der Kämpfe in den Dolomiten zu bekommen.


Bibliographie:
Alle Jahresangaben beziehen sich auf die mir vorliegenden Ausgaben.


Reisen in die Dolomiten

Touren an der Dolomitenfront

Persönliche Anmerkung

Letzte Änderung am Donnerstag, 12. April 2007.