Um- und neugebaut

Reliquien als Siegesbeute

Pilgerzeichen

Heiligenschrein

Plastik des 19. Jh.

Holzplastik um 1700

Kreuzreliquiar 17. Jh.

Apollinarisfahne

Apollinarisschrein

Kirmes/Schützenfest

Verehrung Heute

Kirmes und Schützenfest

Vielleicht muss man die Düsseldorfer nicht daran erinnern: Der Auslöser ihrer Kirmes ist kein anderer als der hl. Apollinaris. Sein Gedenktag löst die Düsseldorfer Kirmes, die Apollinaris-Kirmes, aus.
Es bleibt zum Schluss noch zu klären, dass die liturgische Feier eines Patrons natürlich nicht ohne weltliche Feier bleiben kann. Das Wort „Kirmes” geht auf das mittelhochdeutsche „kirmesse” zurück, das aus „kirchmesse” entstanden ist. Dieses Wort bezeichnete zunächst die Messe zur Einweihung einer Kirche, die aus einem Gebäude einen heiligen Ort werden lässt, dann zugleich das jährliche Erinnerungsfest daran und schließlich - unter Bezug auf die damit verbundenen weltlichen Feiern - den Jahrmarkt und das Volksfest. Neben dem Tag der Kirchweihe bot auch der Gedenktag des Kirchenpatrons Gelegenheit zu Fest und Feier. Die Folge waren dann mehrere Kirmesfeiern im Jahr, die im Laufe der Jahrhunderte entweder zu einer mit dem Erntefest in Verbindung stehenden Spätkirmes verschmolzen oder aber sich als Früh- oder Vorkirmes neben der eigentlichen Kirmes erhielten. Die Aufklärung suchte alle Kirmestermine auf einen zu verschmelzen, das dritte Oktoberwochenende, das im Volk dadurch die wenig freundlich gemeinte Bezeichnung Allerweltskirmes oder Kaiserkirmes erhielt. Seit dem Mittelalter lockerte sich die Verbindung zwischen der kirchlichen Feier und dem weltlichen Fest immer mehr.

Heute ist die Kirmes das bekannteste und verbreitetste Volksfest: ein Jahrmarkt mit Verkaufs- und Vergnügungsangeboten, Ess- und Trinkgelegenheiten. Es ist einer der Termine im Jahr, an dem die ganze Familie, nicht nur die nähere, sondern auch die weitere Verwandtschaft zusammen trifft. Fast untrennbar verwoben mit der Kirmes ist in weiten Teilen des deutschsprachigen Raumes das Schützenwesen. Aber neben den Schützen übernehmen auch andere lokale Gemeinschaftsorganisationen (Burschen- und Mädchenschaften, Gesangs- und Brauchtumsverein) die Ausrichtung der Kirmes. Die Gestaltung der Festtage weist eine un-überschaubare Fülle an landschaftlich gebundenen Einzelbräuchen aus vorchristlicher und christlicher Zeit auf. Gottesdienst und Totengedenken, Essen und Trinken, Musik und Tanz, Theater und Komödie, festliche Kleidung und Umzüge durch die Gemeinde sind allgemein verbreitet. Brauchspiele (Hahnenschlagen, Maskenumzüge) und Wettkämpfe (Fahnenreiten, Ringstechen, Vogelschießen, Tauziehen, Sackhüpfen) gehören ebenso zum Kernbestand wie der Kirmesbaum und gemeinsame Veranstaltungen in einem Festzelt oder -saal.

Nicht ohne Grund waren die Kirmestage auch dafür berüchtigt, dass an ihnen die Rivalitäten benachbarter Dörfer ausgetragen wurden und deshalb Raufereien und Schlägereien an der Tagesordnung waren. Für die Kleinen boten (und bieten!) die Kirmestage willkommene Abwechslung im täglichen Einerlei; der hoffnungsvollen Jugend ergab sich die Möglichkeit des Kennenlernens und Anbandelns mit den begehrenswerten Vertretern des anderen Geschlechts; die Erwachsenen verschafften sich Ruhe und Genuss, Geschäftsverbindungen und Begegnungen und erhielten Gelegenheit zu repräsentieren. Aus dem Kirmesgeld, das dem Gesinde an den Kirmestagen ausgezahlt wurde, entwickelte sich das Kirmesgeld, das später die Kinder erhielten, um Karussell und Süßigkeiten, Go-Kart und Lose bezahlen zu können. Das Brauchtum zur Kirmes ist ein Beleg dafür, dass auch in modernen Zeiten alte Bräuche – allerdings in einer sich ständig ändernden Art – fortleben können.

© Dr. Manfred Becker-Huberti, Köln


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