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06.04.2009
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Ausland

Sarkozy hat Frankreich in die NATO zurückgebracht

Frankreich wieder NATO-Vollmitglied

Vom Katzentisch zurück in die erste Reihe

Nach mehr als 40 Jahren wird Frankreich wieder in der Kommandoebene der NATO vertreten sein. Beim Jubiläumsgipfel vollzog Präsident Sarkozy die Wiedereingliederung Frankreichs in das Bündnis. "Mitbestimmen statt nur erdulden" lautet die neue Devise des viertgrößten Beitragszahlers.

Von Angela Ulrich, ARD-Hörfunkstudio Paris

Nicolas Sarkozy (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Wer Soldaten schickt, soll auch mitbestimmen, fordert Präsident Sarkozy. ]
"Frankreich, der widerspenstige Allierte!" - so ist ein neues Buch des französischen Abgeordneten und NATO-Experten Pierre Lellouche überschrieben. Und so sieht Präsident Nicolas Sarkozy auch seinen Rückweg in die NATO. Er will nicht mehr hinten am Katzentisch sitzen. Sondern in der Ersten Reihe dabei sein: "Frankreich wird durch diesen Schritt mehr Einfluss gewinnen. Wir müssen mitbestimmen, statt die Entscheidungen der anderen zu erdulden!"

"Wer soll das verstehen?"

Mehr Gewicht, mehr Mitspracherechte im Bündnis. Das will Sarkozy durch seinen symbolträchtigen Schritt erreichen. Denn für den Präsidenten war der Status Frankreichs vor dem Gipfel ein Unding: "Wir schicken unsere Soldaten in Kampfgebiete und setzen dadurch ihr Leben aufs Spiel. Aber wir sind nicht beteiligt an Zielen und  Strategien der Einsätze. Wer soll das verstehen?"

De Gaulle kehrte der Allianz 1966 den Rücken

Frankreich war zwar immer Mitglied der NATO. Es war aber nicht mehr in der Kommando-Ebene vertreten. Der Bruch kam 1966. Dem damaligen Präsidenten Charles de Gaulle passte der dominierende Einfluss der USA im Militärbündnis nicht. Er wollte die junge Atommacht Frankreich so eigenständig wie möglich halten. Deshalb zog er die französischen Offiziere aus den militärischen Schaltstellen der NATO ab. De Gaulle sagte damals: "Frankreich muss seinen eigenen Willen und seine unabhängige Armee bewahren."

NATO-Hauptquartier  (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: In Chateauroux hatte die NATO von 1951 bis 1967 ihr Hauptquartier. ]
Das NATO-Hauptquartier musste von Paris nach Brüssel umziehen. Die Opposition kritisierte den Ausstieg damals scharf. Sie fürchtete Alleingänge eines zu selbstbewussten Frankreichs. Heute ist es umgekehrt. Heute sehen die Linken und die De Gaulle-Anhängern durch den kompletten Rückweg in die NATO das Erbe des Generals verraten. Paris ordne sich zu sehr den USA unter und gebe seine Unabhängigkeit und eine wichtige Mittler-Rolle ohne Not auf, kritisiert zum Beispiel der ehemalige konservative Premierminister Dominique de Villepin: "Wir sind so etwas wie ein Bindeglied gen Osten und in den Süden der Welt. Die NATO wird jedoch von den USA dominiert. In ihr wird Frankreich Schwierigkeiten haben, seine Stimme zu erheben!"

Rückkehr mit zwei Kommandoposten versüßt

Französische Flieger zeichnen blaue und weiße Streifen in den Himmel. (Foto: REUTERS) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Französische Flieger feierten die Wiederaufnahme Frankreichs in die NATO. ]
De facto ist Frankreich seit vielen Jahren an allen wichtigen NATO-Einsätzen beteiligt, ob im Kosovo, in Bosnien oder in Afghanistan. Paris ist viertgrößter Zahler des Militärbündnisses. Sarkozy hat für seinen Rückweg zwei hohe Kommandoposten ausgehandelt, in Portugal und in Norfolk in den USA.

Zur offiziellen Wiedereingliederung Frankreichs in die NATO ließ der Präsident Mirage-Kampfflieger aufsteigen, die sonst am Nationalfeiertag die Farben Frankreichs in den Himmel über Paris malen - blau, weiß und rot. Diesmal flog die Formation über die Rhein-Brücke zwischen Straßburg und Kehl und beschränkte sich dabei auf die NATO-Farben blau und weiß.

Stand: 04.04.2009 20:40 Uhr
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