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31.05.2009
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Inland

Bahn: Millionen für verdeckte Werbung im Netz

Deutsche Bahn erneut im Zwielicht

Millionen für verdeckte Werbung im Netz

Die Deutsche Bahn hat verdeckte Werbemaßnahmen zur Imageverbesserung zugegeben. Im Jahr 2007 seien für vorproduzierte Medienbeiträge, für Blog- und Forenbeiträge, für Leserbriefe und Meinungsumfragen 1,3 Millionen Euro ausgegeben worden, erklärte Konzernchef Rüdiger Grube in Berlin. Dabei sei der Auftraggeber nicht erkennbar gewesen. "Diese Formen der PR-Maßnahmen lehne ich entschieden ab", sagte Grube, der erst seit wenigen Wochen im Amt ist. Er werde umgehend "die notwendigen Konsequenzen" ziehen.

Dies hat er nach Angaben eines Bahnsprechers inzwischen getan. Der Generalbevollmächtigte für Marketing und Kommunikation der Deutschen Bahn, Ralf Klein-Bölting, wurde "mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben entbunden".

Berlinpolis soll verdeckt PR verbreitet haben

Ein ICE fährt in den Bahnhof von Frankfurt am Main ein (Foto: AP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Die Bahn sorgt für negative Schlagzeilen wegen verdeckter Werbung. ]
Aufgedeckt wurden die PR-Aktivitäten der Bahn durch den lobbykritischen Verein LobbyControl. Nach dessen Angaben flossen die 1,3 Millionen Euro an die Agentur "European Public Policy Advisers GmbH" (EPPA), die sieben Niederlassungen in Berlin, Brüssel, Moskau, Prag, Den Haag, Warschau und London betreibt. EPPA habe laut Auskunft der Bahn wiederum den Verein Berlinpolis mit konkreten PR-Maßnahmen beauftragt. Die Vertragsbeziehung mit der EPPA sei noch 2007 wieder beendet worden.

Berlinpolis sieht sich selbst als "unabhängige und eigenverantwortliche Denkfabrik". Berlinpolis hatte unter anderem im Oktober 2007 in der Hochphase der Bahnstreiks eine Umfrage veröffentlicht, nach der 55 Prozent der Bundesbürger gegen den Streik der Lokführer waren. Als Basis wurde eine repräsentative Forsa-Umfrage genannt.

Angeblich auch Tiefensee eingebunden

Eröffnung des neuen Berliner Hauptbahnhofes (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Verkehrsminister Tiefensee (2. von links) bei der Eröffnung des neuen Berliner Hauptbahnhofes. ]
Laut LobbyControl wurde auch Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee in verschiedene Aktivitäten von Berlinpolis eingebunden. So durch ein Vorwort für die Berlinpolis-Publikation "Die Zukunft der Mobilität - Herausforderungen und Perspektiven für den Verkehr von morgen" oder ein Referat zur Bahnprivatisierung beim "1. Deutscher Public Sector Summit", der 2007 von Berlinpolis und einem Partner veranstaltet worden sei.

Das Bundesverkehrsministerium teilte mit, Tiefensee habe "wie viele andere hochrangige Politiker" an einer Veranstaltung von Berlinpolis teilgenommen und ein Vorwort für eine Broschüre geschrieben. Dies sei aber "in völliger Unkenntnis der Manipulationen" geschehen, die nun aufgedeckt worden seien. Zuschüsse habe es nicht gegeben.

Bürgerinitiative oder versteckte PR?

Laut Antwort der Deutschen Bahn wird in dem Tätigkeitsbericht der EPPA auch die Webseite Meinebahndeinebahn.de erwähnt, wie LobbyControl weiter mitteilte. Die Homepage sei 2007 plötzlich "als vermeintliche Bürgerinitiative pro Bahnprivatisierung" aufgetreten. "Hier wurde offensichtlich versucht, die Öffentlichkeit und die politische Debatte dadurch zu beeinflussen, dass vermeintlich unabhängige Dritte im Sinne der Bahn in die öffentliche Debatte eingriffen", sagte LobbyControl-Vorstand Ulrich Müller. Diese Methoden der "Manipulation von Öffentlichkeit und Politik" seien absolut inakzeptabel, sagte Müller. Die Politik müsse umgehend eine Untersuchung einleiten. Dabei müsse die Bundesregierung auch der Frage nachgehen, "was Tiefensee über die Finanzierung von Berlinpolis wusste und inwieweit die Entscheidung für eine Teilprivatisierung der Bahn durch die verdeckten Aktivitäten beeinflusst wurde".

Stand: 29.05.2009 13:58 Uhr
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