PETERSBURGER MANCHERLEI

PETERSBURGER MANCHERLEI

DER NEWSKIJ PROSPEKT

 

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Inhalt:

1. Vorwort

2. Geschichtlicher Abriss

3. Literarische Beschreibungen

4Beschreibung der einzelnen Bauten  

    a) Von der Admiralität bis zur Mojka

    b) Von der Mojka bis zum Gribojedow-Kanal

       Die Kasaner-Kathedrale

    c) Vom Gribojedow-Kanal bis zur Fontanka

    d) Von der Fontanka bis zum Platz des Aufstandes

    e) Vom Platz des Aufstandes bis zum Alexander-Newskij-Kloster

 

VORWORT

"Es gibt nichts Schöneres als den Newskij Prospekt", schreibt Nikolaj Gogol 1836 in seiner Novelle 'Newskij Prospekt'. Der Newskij Prospekt zieht sich vom Alexander-Newskij-Kloster bis zur Admiralität. Er ist die von prachtvollen Palais gesäumte Hauptmagistrale der Stadt. Hier reichen sich Kultur und Kommerz, Geschichte und Alltag die Hände. Der Newskij Prospekt wird von der St. Petersburger Bevölkerung schlicht 'Newskij' genannt. Jeder kommt auf dem Newskij Prospekt auf seine Kosten: der Kaufwütige, der Genusssüchtige, der Kunst- und Kulturbesessene, der Fotograf, aber auch der Flaneur, der das multikulturelle Flair des 'Newskijs' einfach nur in sich aufsaugen möchte, magisch zieht die 4,4 km lange Renommier- und Kulissenstraße jeden in ihren Bann. Hier, so sagt man, vergeht die Zeit schneller als anderswo im Land. Besondere Hektik herrscht während der Hauptverkehrszeiten morgens und nachmittags, wenn das übliche Verkehrschaos ausbricht.

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GESCHICHTLICHER ABRISS

Nowgorod, einst im Mittelalter ein mächtiges Wirtschaftszentrum, später freilich auf regionale Bedeutung herabgesunken, wurde mit der Gründung von St. Petersburg 1703 ein dringend zu nutzender Rückhalt. Die alte Nowgoroder Straße, die Nowgorod mit den russischen Dörfern am Finnischen Meerbusen verband, entsprach etwa dem Verlauf des Ligowskij Prospekts. Die Straße teilte sich an ihrem Ende (in der Gegend des heutigen Taurischen Parks) jedoch in mehrere zum Newaufer, beziehungsweise an diesem entlang führende Pfade. Aus Nowgorod wurden vor allem Eisen, Segeltuch, Taue und Eichenbohlen zum Bau von Schiffen auf der Admiralität bezogen. Die alte Nowgoroder Straße reichte für den seit der Gründung der Stadt immer stärker gewordenen Güterverkehr bald nicht mehr aus und bedeutete überdies einen großen Umweg. So wurde schon in den Jahren 1709-1701 auf Befehl des Zaren Peter I. durch den unwegsamen Wald ein breite, fast gerade verlaufende Schneise schlagen, die als Verbindung zwischen der Admiralität und der Nowgoroder Straße diente. Zwischen 1712 und 1718 wurde durch einen Knick die Verbindung von der Nowgoroder Straße zum gerade erst gegründeten Alexander-Newskij-Kloster hergestellt. Diese "Große Perspektive" oder "Hauptmagistrale", wie die Straße damals genannt wurde, hatte laut Ukas des Zaren 20 m breiter zu sein wie alle anderen Straßen von St. Petersburg und sie war von zahlreichen Bäumen gesäumt, die jedoch im Laufe der Jahre nach und nach verschwanden und durch repräsentative Bauten ersetzt wurden. Ab 1718 erhob man eine Straßenbenutzungsgebühr. Unter der von Kaiserin Anna I. 1737 gegründeten "Kommission für die ordentliche Entwicklung der Stadt St. Petersburg" wurde diese "Hauptmagistrale" in das städtebauliche Konzept der drei auf den Turm der Admiralität zulaufende Straßen einbezogen. Schon 1738 bezeichnete man die Straße zu Ehren des hl. Alexander Newskijs als Newskij Perspektive, ab 1783 dann durch einen kaiserlichen Erlass als Newskij Prospekt. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entwickelte sich diese Magistrale allmählich zur Hauptstraße der Stadt. Hier wurden Kirche, Paläste, Handelsreihen und öffentliche Gebäude errichtet. Die südliche Stadtgrenze damals bildete die Fontanka, daher wurden die Teile zwischen der Admiralität und der Fontanka wesentlich früher bebaut als die, welche zwischen Anitschkow-Brücke und Alexander-Newskij-Kloster liegen. Seit Beginn des 19. Jahrhunderts wurden am Newskij Prospekt Mietshäuser, Hotels und Bankgebäude errichtet. Den Umbauten des Architekten Rossi verdankt der Newskij Prospekt sein großstädtisches Aussehen mit großen Plätzen, Bibliotheken und Theatern. Der Bau des Moskauer Bahnhofs am Newskij Prospekt in der Mitte des vorigen Jahrhunderts belebte den Newskij Prospekt noch mehr. 1863 erhielt er eine Straßenbahn und Petroleumlampen, 1884 eine elektrische Straßenbeleuchtung. Vor der Revolution hatten am Newskij Prospekt 28 Geldinstitute ihren Sitz. Nach der Oktoberrevolution erfolgte die Umbenennung in "Prospekt des 25. Oktobers", doch konnte sich dieser Name nicht auf Dauer durchsetzen: bereits seit 1944 spricht man auch offiziell wieder vom Newskij Prospekt. In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Newskij Prospekt erneuert: die Straßenbahnmaschinen wurden demontiert, Metrostationen vor dem Großen Kaufhof gebaut und in den Seitenstraßen wurden Bäume gepflanzt.

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LITERARISCHE BESCHREIBUNGEN

- Nikolaj Gogol (1809-1852) -

Es gibt nichts Schöneres wie den Newskij Prospekt, wenigstens nicht in St. Petersburg; für die Stadt bedeutet er alles. Womit könnte diese Straße auch nicht prunken - diese Schönheit unserer Hauptstadt! Ich weiß, dass kein einziger ihrer blassen, beamteten Einwohner den Newskij Prospekt gegen alle Herrlichkeiten eintauschen würde ... Der Newskij Prospekt ist das allgemeine Verkehrszentrum von St. Petersburg. Hier kann der Bewohner der Petersburger oder der Wyborger Seite, der schon jahrelang nicht mehr bei seinem Freund im Peskiviertel oder am Moskauer Tor gewesen ist, sicher sein, ihn unbedingt zu treffen. Kein Adressbuch und keine Auskunftsstelle liefern so zuverlässige Nachrichten wie der Newskij Prospekt. Der allmächtige Newskij Prospekt! Die einzige Zerstreuung des an Spazierwegen so armen St. Petersburgs! Wie sauber seine Trottoire gefegt sind und - mein Gott - wie viele Füße schon ihre Spuren auf ihm hinterlassen haben! Sowohl der plumpe schmutzige Stiefel des abgedankten Soldaten, unter dessen Gewicht selbst der Granit zu bersten scheint, als auch der federleichte winzige Schuh der jungen Dame, deren Köpfchen sich den blitzenden Schaufensterscheiben zuwendet wie eine Sonnenblume dem Licht, als auch der klirrende Säbel des von Hoffnungen geschwellten Fähnrichs, der einen scharfen Kratzer in ihr einritzt - alles lässt die Macht der Stärke oder die Macht der Schwäche an ihm aus. Welche rasche Phantasmagorie vollzieht sich auf ihm während eines einzigen Tages. Wie viele Wandlungen lässt er während eines Tages auf sich ergehen! Fangen wir mit dem frühen Morgen an, da ganz Petersburg nach heißen, eben erst ausgebackenen Broten duftet und von alten Frauen in abgerissenen Kleidern und Mantillen bevölkert ist, die Kirchen und mitleidige Passanten überfallen. Um diese Zeit ist der Newskij fast menschenleer. [...] Manchmal trottet ein unausgeschlafener Beamter, dessen Weg zur Dienststelle über den Newskij Prospekt führt, mit einer Aktentasche unter dem Arm vorbei. Man kann mit aller Bestimmtheit sagen, dass der Newskij Prospekt, dass heißt bis zwölf Uhr mittags, für niemanden ein Ziel darstellt, viellmehr nur ein Mittel ist: Er wird allmählich von Menschen überflutet, die ihre Arbeit, ihre Sorgen, ihren Ärger haben, sich aber nicht im geringsten darum kümmern.

Um zwölf Uhr wird der Newskij-Prospekt von Hoflieferanten aller Nationen mitsamt ihren Zöglingen in Batistkragen überschwemmt. Der englische John und der französische Jean schlendern Arm in Arm mit ihren Erziehungsbefohlenen dahin und erläutern ihnen mit angemessenem Ernst, dass die Schilder über den Läden angebracht sind, damit man aus ihnen ersehe, was in den Läden zu haben ist. Die Gouvernanten - ob blasse Miss oder Slawin - wandeln würdevoll hinter den zappeligen, leichtfüßigen Mädchen einher und halten sie dazu an, ein wenig mehr die Schulter zu heben und sie gerader zu halten - kurz gesagt - der Newskij Prospekt gehört zu dieser Stunde der Pädagogik. Je mehr man sich jedoch zwei Uhr nachmittags nähert, desto rascher nimmt die Zahl der Hofmeister, Pädagogen und Kinder ab: Sie werden schließlich von ihren zärtlichen Erzeugern verdrängt, die Arm in Arm mit ihren bunten, in allen Farben schillernden, zartbesaiteten Ehegefährtinnen einherstolzieren. [...]

Um vier Uhr leert sich der Newskij Prospekt, und Sie werden kaum noch einem Beamten auf ihm begegnen. [...] Sobald jedoch die Dämmerung auf die Häuser und Straßen niedersinkt, der Stadtwächter, eine Bastplane um die Schultern, die Leiter emporklimmt, um die Laterne anzuzünden, und gewissen niedrigen Fensterlagen jene Stiche auftauchen, die sich am Tage nicht sehen lassen dürfen, lebt der Newskij Prospekt wieder auf und gerät in Bewegung. Es bricht die geheimnisvolle Stunde an, da die Laternen alles ringsum in einen verlockenden und wunderschönen Licht erscheinen lassen. Sie werden vielen jungen Männern, meist ledigen, in warmen Röcken und Mänteln begegnen. Zu dieser Stunde glaubt man eine gewisse Zielstrebigkeit zu spüren, oder, genauer gesagt, etwas, das nur an sie erinnert, aber höchst unbewusst ist; die Schritte der Fußgänger werden rascher und wirken überhaupt sehr ungleichmäßig. Die langen Schatten der Passanten huschen über die Häuserwände und über den Bürgersteig und erreichen mit den Köpfen fast die Polizeibrücke. Die jungen Kollegienregistratoren, Gouvernements- und Kollegiensekretäre promenieren sehr lange; die älteren Kollegienregistratoren, die Titular- und Hofräte dagegen sitzen größtenteils zu Hause, entweder, weil sie verheiratet sind, oder, weil die bei lebenden deutsche Köchin vorzüglich für sie kocht. Sie werden aber auch jene ehrenwerte alte Herren antreffen, die schon um zwei Uhr nachmittags auf dem Newskij spazieren gingen - so gesetzt und voller bewundernswerter Würde. Jetzt werden Sie sie ebenso eilig wie die jungen Kollegienregistratoren dahinstreben sehen, um einer von ferne gesichteten Dame unter den Hut zu schauen, deren aufgeworfene Lippen und dick mit Rouge bemalte Wangen vielen Flaneuren so gut gefallen, besonders den Handlungsgehilfen, Artelarbeitern und Kaufleuten, die, stets in deutschen Unterröcken und scharenweise, dazu meist Arm in Arm, umherwandeln.

Aus: "Der Newskij-Prospekt" (1835)

 

- Ossip Mandelstam (1891-1938) -

Die Tage der Studentenunruhen bei der Kasaner-Kathedrale waren immer schon im voraus bekannt. In jeder Familie gab es einen Studenten, der die Sache ankündigte. So kam es, dass eine ganze Publikumsmasse zusammenströmte, um sich, natürlich aus respektvoller Entfernung, diese Unruhen anzusehen: Kinder mit ihren Kindermädchen, Mamas und Tantchen, die es nicht geschafft hatten, ihre Rebellen zu Hause zurückzuhalten, alte Beamte und allerlei Müßiggänger. Am Tage der angekündigten Unruhen wogte auf den Trottoirs des Newskij Prospekts von der Sadowaja bis zur Anitschkow-Brücke. Eine dichte Zuschauermenge. Dieser laute Haufen hatte Angst, sich bis zur Kasaner-Kathedrale vorzugehen. Die Polizei war in den Innenhöfen versteckt, etwa im Hof der katholischen Katharinenkirche. Der Kasaner-Platz war verhältnismäßig leer, da ging erst kleine Häufchen von Studenten und richtigen Arbeitern auf und ab - auf die letzteren wurde mit Fingern gezeigt. Plötzlich ertönte vom Kasaner-Platz her ein langgezogenes, immer lauter anschwellendes Geheul, etwas in der Art eines anhaltenden "u-u-u" oder "i-i-i", das in ein drohendes Gebrüll überging und immer näher kam. Dann wichen die Zuschauer jäh zurück, und berittene Polizisten drängten die Menschen zusammen. "Die Kosaken! - Die Kosaken!", fuhr es wie ein Blitz durch die Menge, schneller noch, als die Kosaken schneller herangesaust kamen. Die eigentlichen "Unruhenstifter" wurden umzingelt und in die Michaelismanege abgeführt, und der Newskij lag auf einmal so verlassen da, als hätte ihn ein Besen leergefegt.

Aus: "Das Rauschen der Zeit" (1925)

 

- Andrej Belyj (1880-1934) -

Diese Erregung, die Petersburg wie ein Ring umschloss, drang langsam ins Stadtzentrum ein. Sie hatte zuerst die Inseln erfasst und stürmte dann über die Litejnij- und über die Nikolausbrücke. Ein menschlicher Tausendfüßler ging über den Newskij Prospekt. Doch allmählich änderte sich die Zusammensetzung dieses Tausendfüßlers, und ein aufmerksamer Beobachter hätte schon hier und da die schwarze, zottige Mütze von den blutdurchtränkten Schlachtfeldern der Mandschurei entdecken können. Der Prozentsatz an Zylindern hatte sich beträchtlich verringert. Schon hörte man die wilden Schreie regierungsfeindlicher Burschen, die aus Leibeskräften vom Bahnhof zur Admiralität rannten und revolutionäre Blätter schwenkten.

Aus: "Petersburg" (1913)

 

- Liam O'Flaherty (geb. 1878-?)

Auf irgendeine Weise brachten wir es fertig, auszusteigen, bloß zwei Stationen weiter, als wir gewollt hatten. "Wo sind wir jetzt?", fragte ich atemringend.

"Diese Straße hieß früher der Newskij Prospekt."

"Erstaunlich", rief ich und blickte die prächtige Hauptstraße hinauf und hinunter. "Er ist kaum zu erkennen nach dem Mantel."

"Welche Mantel?"

"Von Gogol."

"Oh, Sie meinen 'XcVcPI'?" Er nannte mir den Namen der Erzählung auf russisch.

"Ja, in der Literatur sah er so prächtig aus."

"Aber jetzt, Sie müssen wissen, ist er verändert. Er heißt jetzt Oktoberstraße."

Ich sagte nichts weiter. Aber wie ich ihn betrachtete, dachte ich, es würde freundlicher sein, seinen Namen in Dezemberstraße umzuändern, nach jenem toten Monat, der nach dem Grab riecht. Es war mir schmerzlich, mich daran zu erinnern, dass diese große Straße den Mittelpunkt meiner Vorstellung gebildet hatte, wenn ich mir ein Bild formte von dem Leben, wie es in der russischen Literatur dargestellt ist, als Umgebung für die glänzenden Persönlichkeiten Tolstojs, als Gegensatz zu den verhungerten Idioten Dostojewskijs. Und jetzt war das nur ein leerer Fahrdamm voller Löcher, begrenzt von Bürgersteigen, die zerfielen und eingefasst von Häusern, die wie die schlimmsten Elendsquartiere aussahen. "Diese Straße ist nicht interessant", sagte der Doktor. "Interessant von sozialen Gesichtspunkt sind die neuen Arbeiterviertel, wo neue sozialistische Leben wird aufgebaut. Früher diese Straße war interessant, weil die bürgerlichen Nichtstuer sich hier amüsierten und befriedigten ihre Gelüste. Jetzt gibt es keine Bourgeoise mehr." Dann fügte er hinzu: "Es ist wie ein Uhr: die Pendel schwingt."

"Ganz recht. Rom wird heute von Italienern bewohnt, Alexandria gleicht einigermaßen einem Dunghaufen, Karthago ist nicht mehr. Forscher graben nach den großen Städten der Aztheken."

"Bitte erklären Sie das", sagte er unbehaglich.

"Diese Stadt ist der Leichnam des Zarismus, und man kann einen Leichnam nicht wiederbeleben."

Aus: "Lügen über Russland" (1933)

 

- Egon Erwin Kisch (1885-1948) -

Hier also war's, wo Anna Karenina, noch bewegt vom Unfall auf der Eisenbahn, in dem sie ihr zukünftiges Schicksal fühlt, nach Hause fuhr, hier also war's, wob Casanova die russische Bauerntochter, die er um hundert Rubel gekauft, auf den Namen "Zaire" getauft und modisch eingekleidet hatte, spazieren führte, hier also war's, wo die Beamtenwitwen Raskolnikowa in der Straßenbahn stolz den Zeitungsartikel ihres Sohnes Rodion Romanowitsch dem Nachbar zeigte, hier also war's, wo im dritten (nach russischem Kalender: im vierten) Stockwerk einer der in 'Krieg und Frieden' besoffenen Gardeoffiziere mit einem englischen Marineuer wettete, sich auf die Fensterbrüstung zu setzten und die Beine gegen die Strraß0e baumeln zu lassen, nachdem Fürst Pierre Besuchow das Fensterkreuz herausgebrochen hatte, hier also war's, wo beim Kartenspiel die "Piqw Dame" Puschkins höhnisch blinzelte, hier also war's, wo ein echter Gogolscher Friseur die 'Nase' loszuwerden trachtet, die er morgens im Brot fand, während Tschinownik seine Nase sucht, die er seit dem Morgen vermisst, hier also war's, wo alle russischen Romane begannen und endeten, die erfundenen, die wirklichen, 'Zar und Zimmermann' und seiner Nachfahren Verhaftung, 1917.

Der Newskij Prospekt heißt nicht mehr Newskij Prospekt. Sondern: Prospekt des 25. Oktober. Man denke sich ihn nicht als eine enorm breite, spiegelglatte Avenue, zwischen eisgetürmten Newastrom und goldenen Palästen, er ist nur Binnenstraße und führt vom Moskauer Bahnhof zur Admiralitätspalast. Wir kommen an und sind etwas enttäuscht: hier also war's, wo Pierre Besuchow, wo Rodion Romanowitsch Raskolnikow, wo Anna Karenina, wo Peter Mischkin ... Eine Straße kaum breiter als der Kurfürstendamm und lange nicht so gut gepflastert, Geschäfte, Wohnhäuser ...

[...] Wir aber wollen mit allen vier Beinen auf dem Boden der Tatsachen und des Newskij Prospekts bleiben, auf dem die adligen Gestalten Dostojewskijs, Puschkins, Tolstojs und Lermontows verschwunden sind und keine schnauzbärtigen Generale, keine reichen Kaufleute und überhaupt keine Equipagen mit galonierten Lakaien mehr spazieren fahren. An die Stelle der Kaleschen sind Galoschen getreten, die Läden gehören den Kooperativen, und die Inhaber der berühmten Zuckerbäckereien Ballet, Berrin, Borman, Conradi und  Abrikossow existieren nicht mehr, jedoch ein süßer Trust ist hier geblieben, der diese Geschäfte verwaltet; sie haben neue Namen, die sich schon eingebürgert haben, und man darf keinem Mädchen in Kiew, Rostow, Moskau oder Charkow erzählen, dass man nach Leningrad fährt, sonst muss man versprechen, eine Bonboniere von Degurme (sprich: 'Des Gourmets') mitzubringen. Die Pakäste stehen noch am Prospekt des 25. Oktober, genauso wie sie vor dem 25. Oktober standen, nur die Besitzer fehlen, Fürst Stroganow, Graf Scheremetjew, Graf Anitschkow, Graf Schuwalow, Großfürstin Elisabeth Fjodorowna, der Präsident des heiligen Synod Podonoszew, Fürst Bjelosselskij-Bjeloserskij und so fort (nach Paris). Ihre Schlösser sind Museen geworden.

 

- Wolfgang Koeppen (geb. 1906) -

Wir fuhren über den Newskij Prospekt, Petersburgs berühmte Hauptstraße, wohlerhaltene Gebäude, und, was mir auffiel, waren Läden, waren viele Geschäfte, sogar Restaurants und Kaffeehäuser, Konditoreien, bunte, lustige Markisen über den Schaufenstern, und mochten es auch dieselben Waren sein, die Einheitsfarbe der Sowjetunion, die hier angeboten wurden, gegen Moskau hatte sich das Stadtbild belebt, war freundlicher, heiterer, differenzierter und damit auch toleranter geworden. Man hastete auch nicht, man flanierte in Leningrad. Das Hotel "Europa" hatte den Glanz des Adels bewahrt, der hier verkehrt hatte. Behagliche Salons, echte Teppiche, Schlafzimmer in Alkoven wie Lupanare eingerichtet, gewaltige Kachelöfen und riesige altmodische Badewannen in den Waschräumen. Das Restaurant war ein Wintergarten, Kübelpalmen und allerlei Grünwuchs unter einem Treibhausdach.

Aus: "Nach Russland und anderswohin" (1973)

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BESCHREIBUNG DER EINZELNEN BAUTEN

Der Newskij Prospekt ist auch heute noch die unbestrittene Hauptstraße der Stadt und viel mehr als das. Anders als die großen Boulevards in Paris, der Ringstraße in Wien und der Ludwigsstraße in München, die alle im 19. Jahrhundert nach einem ausgearbeiteten Plan entstanden, ist der Newskij Prospekt in drei Jahrhunderten gewachsen, es entstanden Übergänge, ein Baustil verdrängte den anderen, die Kunststile stießen aneinander, setzten sich fort und bauten aneinander an. Seinen urbanen Charme gewinnt der Newskij Prospekt zudem durch seine reiche und damit auch ungemein vielfältige Gliederung mit freien oder parkbegrünte Plätzen und mit Brücken überspannten Wasserstraßen. Immer neue Aus- und Durchblicke zur Seite sind damit geschaffen. Mit Adelspalästen, barocken Kirchenkuppeln und klassizistischen Säulenpräsentiert sich St. Petersburg schönster Boulevard zudem als Bühne der Geschichte, auf die aus jeder Seitenstraße Anecktoden vergangener Tage flatterten. Für einen Bummel auf dem von zahlreichen Schriftstellern gerühmten Newskij Prospekt sollte man sich ausreichend Zeit nehmen und folgende Bauten, beginnend an der Admiralität, genauer beachten:

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ZWISCHEN ADMIRALITÄT UND MOJKA  

Admiralität  

Admiralität - mit meinen Eltern im Vordergrund - 1995

DER TURM DER ADMIRALITÄT 

 

Geschichte

Die Admiralität ist das Herzstück von St. Petersburg, nach Lage wie nach Tradition. Schon kurz nachdem man die ersten Spatenstiche zum Bau der Peter-Paul-Festung getan hatte, wollte Zar Peter I. noch während des Großen Nordischen Krieges 1700-1721 im Jahr 1704 mit der Errichtung einer Schiffswerft beginnen. Die Vermessungen, die der Zar mit einigen Gehilfen selbst durchführte, erwies, das die Große Newa die tiefste Fahrrinne besaß und entsprechend wurde die Lage der Schiffswerft bestimmt. Schon der erste Komplex hatte ebenso wie der heutige Admiralitätsbau einen U-förmigen Grundriss und ein mächtiges, landseitiges Portal, welches von einem hohen Turm überragt wurde. Allerdings umgaben damals zum Schutz vor etwaigen Angriffen, hohe, mit Kanonen bestückte Erdwälle und ein breiter Wassergraben mit Zugbrücken das Bauwerk. Um die Admiralität lag in einem Radius von etwa einem halben Kilometer eine unbebaute Fläche, damit sich unter Umständen die Angreifer nicht in Deckung von Gebäuden der Festung nähern konnten. Auf der Admiralitätswerft wurden Kriegsschiffe gebaut, hier wurde die russische Flotte geschaffen. Feierlich wurden die Schiffe zu Wasser gelassen. Auf dem Platz vor der Admiralität standen Truppen in Paradeordnung und unter Geschützsalven, die von den Wällen um die Admiralität herum abgefeuert wurden, wurden mit Beilen die Verankerungsklötze heraus geschlagen; die Schiffe liefen mit wachsender Geschwindigkeit vom Stapel und tauchen in die Wasser der Newa. Möglicherweise gaben diese Episoden aus dem Leben der Admiralität den Anlass für die geflügelten Worte von Alexander Puschkin, dass "Russland wie ein vom Stapel laufendes Schiff, unter Beilschlag und Kanonengetöse, in Europa eingezogen ist." In den dreißiger Jahren des 18. Jahrhunderts wurde die Admiralität durch den Architekten Iwan Korobow fast vollständig neu aufgeführt. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts hatte die Admiralität jegliche militärische Bedeutung verloren. In der unmittelbaren Umgebung waren prunkvolle Paläste und breite Straßenzüge entstanden. So wurde auch die Schiffswerft zwischen den Jahren 1806 und 1823 in ein Repräsentationsgebäude verwandelt - die Wassergräben wurden zugeschüttet und die Festungswälle angetragen. Mit der Leitung der Bauarbeiten wurde der Architekt Adrejan Sacharow (1761-1811) berufen. Sacharow war mit sechs Jahren bereits - wie viele begabt erscheinende Kinder seiner Zeit - ein Zögling der kaiserlichen Akademie der Künste. Er wurde als Stipendiat derselben zwischen 1783 und 1786 auf die fast stereotyp gewordene Auslandreise nach Paris, wo er Schüler bei Chalgrins war, und Italien geschickt. Sacharow erlebte die Vollendung seines Hauptwerkes nicht mehr: Er starb noch während der Bauzeit 1811, erst 12 Jahre später, 1821, war die Admiralität vollendet. Der Admiralität von Iwan Korobow war ein reiner Zweckbau gewesen, der sich nach Angaben einiger Zeitgenossen zu Beginn des 19. Jahrhunderts in stark verfallenem, schlechten Zustand befand. Der Ehrwürdigkeit dieser Einrichtung, die 1805 ihr einhundertjähriges Jubiläum feierte, entsprach ihr Aussehen längst nicht mehr. Der neue Admiralitätsbau wurde künstlerisch ein kompletter Neubau - der Höhepunkt des alexandrinischen Klassizismus. In technischer Hinsicht war es aber insofern nur ein Umbau des bestehenden Gebäudes, da man den Architekten Sacharow vor die Aufgabe stellte, den vorhandenen Baukörper zu benutzen, ihn also mit einem neuen Äußeren zu verkleiden. Speziell der Turm war neben dem der Peter-Pauls-Kathedrale längst zu einem zweiten Wahrzeichen der Stadt geworden. Aber unantastbar daran war nur die Spitze, die lange dünne Nadel. Für ihren Unterbau fand Sacharow eine Lösung, die nicht nur dem veränderten Zeitgeschmack, sondern auch den veränderten Gegebenheiten der Stadt entsprach: der Turm war optischer Zielpunkt der drei Hauptstrahlen der Großen Seite. In seiner alten Form hatte der Turmbau den Nachteil gehabt, das sein Unterbau aus relativ naher Entfernung sich nur als ein Ausschnitt aus der ganzen Fassade präsentierte, während er mit zunehmender Entfernung seine Konturen verlor. Jetzt aber war die Stadt über die Fontanka herausgewachsen und der Baumeister trug dem auf brillanter Weise Rechnung: Er unterbrach die horizontalen Verbindungen zu den Flügeln, die Gesimse vor allem, er erhöhte und noch mehr verbreiterte er und vertiefte er um fast das doppelte das Fundament und den Torbogen und setzte auf das so entstandene Geviert eine rechteckige, figurengeschmückte Kolonnade. Sacharow hatte den Turm zu einem selbständigen Bauelement gemacht, das sich auch von großer Entfernung plastisch mitteilt. Nur ein einziges Mal hatte der Kaiser Alexander I. in das Projekt persönlich eingegriffen: als er nämlich feststellte, dass ihm der seinem Winterpalais zugewandte Seitenflügel zu lang wurde und ihm drohte, den Blick auf die Newa zu verstellen. Es kam am 2. Juni 1808 zu einer Absprache zwischen dem Kaiser und dem Architekten, auf die hin Sacharow seine beiden End-Pavillons um etwa 18 m vom Newa-Ufer zurückversetzte. 1844 lief das letzte Schiff, das auf der Werft der Admiralität gebaut worden war, vom Stapel. Seit 1925 ist im Inneren des Gebäudes eine Marinehochschule untergebracht.

 

Außenbau

Heute präsentiert sich die Admiralität als ein in drei Teile gegliedertes klassizistisches Bauwerk: der 407 m langen Hauptfassade sind jeweils 163 m lange Seitenflügel zugeordnet. Die volle Länge der Hauptfassade überblickt man nur von der dem Alexandergarten zugewandten Südseite der Admiralität. Von der Newa aus sieht man dagegen nur die beiden Stirnseiten der Seitenflügel, denn das Gelände zwischen ihnen war gegen Ende des 19. Jahrhunderts an private Eigentümer verkauft worden, die hier im Laufe der Zeit neue Gebäude errichteten (die Bomben des Zweiten Weltkrieges haben diese Stelle natürlich verschont). Ursprünglich wurden in dem Innenhof, auch nach Einzug des Marineministeriums in die Admiralität, Schiffe gebaut und vom Stapel gelassen. Der Hof war zur Newa hin offen, mit ihr durch Wassergräben verbunden. Darüber hinaus waren Kanäle angelegt worden, welche die Schiffswerft mit den Holzlager ‘Neuholland’ verbanden. Der verbindende Boulevard, den man heute zu Fuß oder mit dem Wagen benutzt, entstand erst in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Der Schaden war zunächst gering, weil die so eröffnete Passage immerhin noch den gleichen Blick erlaubte, wie er sich von der Newa oder vom anderen Flussufer her bot. Eine Sünde wurde daraus erst, als der Marineminister in den nächsten Jahren, unbekannt aus welcher Not, das Hofgelände der Admiralität an Privatleute verkaufte. Die Folge war, dass die gesamte Nordfront von Sacharows Admiralität, zwischen seinen Eckpavillons, durch vierstöckige Häuserblocks verstellt wurde und wird. Von einer zweiten, örtlich benachbarten Sünde muss gesprochen werden, die bedauerlicherweise nicht irgendwelche Wohnblocks, sondern einen schönen Park betrifft. Im Militär- und Kriegsmarine-Archiv der Stadt wird eine Notiz Sacharows aus dem Jahre 1808 aufbewahrt, die folgendes besagt: ‘Ich habe mit großer Freude ... den kaiserlichen Befehl erhalten, den Admiralitäts-Kanal aufzulassen und zu füllen ... und danach in angemessener und geschmackvoller Weise mit der Gestaltung der planierten Flächen fortzufahren’. Der kaiserliche Befehl betraf im Effekt nicht nur den Kanal, der sich seit Peters Zeiten um die Admiralität herumzog, sondern auch die dem Kanal noch vorgelagerten Befestigungswälle und hatte, wie Jurij Jegorow (‘Die Bauplanung von St. Petersburg’) nachweist, bedeutenden Einfluss auf die Neugestaltung des zentralen Teils der Großen Seite. Ebendiese neugewonnene große Fläche wurde 1872, zur selben Zeit etwa, zu der die Newa-Seite der Admiralität ruiniert wurde, zur Bepflanzung freigegeben. Hinter Bäumen verschwand damit Sacharows herrliche Hauptfassade - die viel zu nah zu erleben der Betrachter seither gezwungen ist. Die Fassaden der Admiralität sind einfach und monumental durchgliedert. Sie werden von 56 Großskulpturen, 11 Großreliefs und ca. 350 dekorative Steinmetzarbeiten geschmückt. An der bildhauerischen Ausgestaltung waren Fedor Schtschedrin, Stephan Pimenow, Iwan Terebenjew und Wassilij Demuth-Maljanowskij beteiligt. Die von Kolonnaden eingerahmten kubischen Pavillons der Seitenflügel werden durch flache Kuppeln bekrönt - ihren Abschluss bilden jeweils zwei (ehemals vergoldete) Delphine. Kommpositioneller Mittelpunkt der Admiralität ist der alles überragende Turm, der von einem großen Torbogen durchbrochen wird. Zu beiden Seiten des Torbogens stehen zwei monumentale Figurengruppen mit einer Höhe von je 11 m. Sie zeigen beide Nymphen, welche die Erd- bzw. Himmelskugel tragen. Die Attika ziert der Relieffries 'Die Gründung der Flotte in Russland' von Terebenjew. Auf ihm ist dargestellt, wie Peter der Große den Dreizack, das Symbol für dich Macht über die Meere, von Neptun, dem Meeresgott, empfängt. Die neben Peter stehende Göttin der Weisheit Minerva hat sich Russland, einer unter einem Lorbeerbaum sitzenden jungen Frau, zugewandt. Russland stützt sich auf die Streitkeule des Herkules (Symbol der Kraft) und hält das Füllhorn, welches Merkur, der Gott des Handels, der auf Warenballen steht, berührt. Die Ecken oberhalb der Attika schmücken Figuren der Heerführer und Helden der Antike: Achilles, Pyrrhus, Ajax und Alexander dem Großen. Auf der unteren Turmzone erhebt sich ein etwas kleinerer Kubus mit 28 ionischen Säulen, über denen wiederum 28 Figuren stehen; sie stellen in jeweils doppelter Ausführung die vier Elemente - Feuer, Wasser, Luft und Erde - die vier Jahreszeiten - Frühling, Sommer, Herbst und Winter - sowie die vier Winde - Nord, Ost, Süd, Westen - sowie ferner die mythologischen Schutzpatrone des Schiffbaus dar: die ägyptische Göttin Isis und die Muse Urania. Darüber prunkt eine vergoldete Kuppel und schließlich die lange, ebenfalls vergoldete Spitze des insgesamt 72,50 m hohen Turms. Sie endet in einer 1,90 m langen und 1,58 m hohen Karavelle. Von dieser abgesehen, gleicht die Turmspitze völlig der ‘Goldenen Nadel’ der Peter-Pauls-Kathedrale. Die 65 Kilogramm schwere Karavelle, die vierte Wetterfahne der Admiralität, wurde 1889 angefertigt. 1977 wurden an dem Schiff Reparaturarbeiten vorgenommen; mit einer Speziallösung wurde die alte Vergoldung abgetragen und eine neue Goldschicht aus 2 kg Reingold wurde aufgetragen. Die Reliefs der seitlichen Portiken aus je 10 ionischen Säulen stellen rechts vom Turm ‘Themis, die Göttin der Gerechtigkeit, die Arbeit krönend’ und links ‘Themis, die Heldentaten Russlands zu Lande und zu Wasser krönend’ dar. Das dem Dekabristenplatz zugewandte Relief zeigt ‘Ruhm, die Kriegstaten Russlands krönend’ und das dem Zarengarten zugewandte ‘Ruhm, die Wissenschaften krönend’.

 

Inneres

Das Innere der Admiralität ist nur teilweise nach den Entwürfen Sacharows ausgestattet worden, da dieser all zu früh verstarb. Von den wenigen seiner Raumschöpfungen haben sich nur mehr teilweise welche bis in unsere Tage erhalten, allen voran das große Paradetreppenhaus hinter dem Risalit des Ostflügels. Es ist über die ganze Höhe reich mit Skulpturen ausgeschmückt.

Admiralität   

DIE HAUPTFASSADE DER ADMIRALITÄT 

 

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Alexandergarten

Der Alexandergarten vor der Admiralität wurde 1872 zum zweihundertjährigen Geburtstag des Stadtgründers Peter I. angelegt. Im Grün der schattenspendenden Baumriesen stehen Denkmäler für die Dichter Nikolaj Gogol (1809-1852), Michail Lermontow (1814-1841) und Wassilij Schukowskij (1783-1852) sowie die Büste des berühmten Komponisten Michail Glinka (1804-1857). Darüber hinaus erinnert ein 1862 aufgestelltes Denkmal an den russischen Asienforscher Nikolaj Prschewalskij (1839-1888). Der Entdecker des mongolischen Wildpferdes legte in neun Jahren und drei Monaten auf unerforschten Pfaden Zentralasiens etwa 32.000 km zurück. Vor dem Haupteingang der Admiralität wurde ein großes Brunnenbassin aufgestellt. Die Zareneiche und die Zarenulme, die beide von einem Eisengitter umfriedet sind, wurden im Jahre 1872 bei den Feierlichkeiten zu Ehren des zweihundertjährigen Geburtstages von Peter I. von Kaiser Alexander II. und seinem Sohn, dem Zarewitsch und späteren Kaiser Alexander III., gepflanzt.

 

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Haus Nummer 1

Das Jugendstilgebäude aus grauem Granit ging aus einem Palast aus der Mitte des 18. Jahrhunderts hervor, der zwischen 1910-1911 durch den Architekten Zeidler für die St. Petersburger Handelsbank umgebaut wurde.

 

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Haus Nummer 6

Unter dieser Adresse wohnte im Jahre 1836 der Maler Karl Brüllow. Hier porträtierte der Künstler mehrere Male seinen Freund und Bewunderer, der Schriftsteller Nikolaj Gogol.

 

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Bankhaus Wollenberg

Nr. 7-9

Das prachtvolle Gebäude des Bankhauses Wollenberg wurde in den Jahren 1911-1912 von Maria Peretjakowitsch für die für die St. Petersburger Handelsbank errichtet. Die mit grauem Granit verkleideten Fassaden stehen gewollt in scharfem Kontrast zu den eher schlicht gestalteten Häusern der Umgebung aus den sechziger Jahren des 18. Jahrhunderts. Mit den rustikalen Säulen, Pilastern, Fensterverkleidungen, Windrosen, Arkadenbögen und Basreliefs erinnert das Gebäude ein wenig an den Dogenpalast in Venedig. Die Reliefs wurden nach Entwürfen der Bildhauer L. Dietrich und W. Koslow ausgeführt und beeindrucken durch ihre Vielfältigkeit und Feinheit. Auch das Innere des Bankhauses, in dem heute die Fluggesellschaft Aeroflot, ist außerordentlich prächtig. Besonderen Wert legte man auf die künstlerische Ausgestaltung des ehemaligen Kassensaals: zehn wuchtige Säulen aus gelbem Kunstmarmor stützen eine umlaufende Galerie und die kassettierte Flachdecke.

 

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Künstlerladen

Nr. 8

Gegenüber dem Bankhaus Wollenberg erhebt sich das in den Jahren 1768-1780 aufgeführte Gebäude des Künstlerladens, in dem ursprünglich der älteste Kunstsalon der Stadt seinen Sitz hatte. Heute befindet sich in dem frühklassizistischen Gebäude eine Galerie, in der Verkaufsveranstaltungen für Bilder, Stiche, Skulpturen, Juwelierarbeiten und Werke der angewandten Kunst stattfinden.

 

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Malaja Morskaja Uliza

Von 1902-1992 war diese Straße nach ihrem berühmtesten Bewohner, dem Dichter Nikolaj Gogol (1809-1852) benannt, der in den Jahren 1833-1836 das Haus mit der Nummer 17 bewohnte. Dort verfasste der Schriftsteller unter anderem "Tarras Bulba" und die Komödie "Der Revisor", die im Alexandratheater, in Anwesenheit des Kaisers Nikolaus I., der das ursprüngliche Verbot der Zensurbehörde selbst aufgehoben hatte, im April 1836 uraufgeführt wurde. Dem Sturm von Wut und Jubel, den das Stück auslöste, entzog sich Gogol durch eine fluchtartige Reise in den Westen. Das Palais Gagarin (nr. 10) diente Alexander Puschkin (1799-1837) als Modell für den Palast in seiner Erzählung "Pique Dame".

 

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Schulgebäude

Nr. 14

Von allen Bauten des Newskij Prospekts bis zum Platz des Aufstands entstand einzig das Gebäude mit der Hausnummer 14 nach der Oktoberrevolution (1939). Auf einer an der Hauswand angebrachtren Tafel ist noch heute der Hinweis zu lesen, dass diese Straßenseite bei Artilleriebeschuss besonders gefährlich ist - eine Mahnung, die an die 900tägige Blockade Leningrads erinnert.

 

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Bolschaja Morskaja Uliza

Die Bolschaja Morskaja Uliza war einst die beliebteste Flaniermeile des bürgerlichen St. Petersburg. Der Architekt und Stadtplaner Carlo Rossi hat den Teil der Straße, der vom Newskij Prospekt zum Bogen des Generalstabsgebäudes führt, so entworfen, dass er exakt auf dem Polkowo-Meridian verläuft. Demnach werden die anliegenden Häuser an Sonnentagen um 12 Uhr keine Schatten. Bevor die Straße ihren ursprünglichen Namen zurückerhielt, war sie nach einem ihrem Bewohner, dem Schriftsteller und Publizisten Alexander Herzen (1812-1870) benannt. Dieser hatte, bevor er wegen seiner sozialrevolutionären Vorstellungen nach Westeuropa emigrierte, im Haus mit der Nummer 14 Quartier bezogen.

 

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Asow-Donskoj-Bank

Die ehemalige Asow-Donskoj-Bank in der Bolschaja Morskaja Uliza 3-5 bildet nach dem Bankhaus Wollenberg am Newskij-Prospekt ein weiteres Beispiel für die Prachtempfaltung der Finanzwelt zur Zeit des Jugendstils. Das Bankhaus wurde in zwei Etappen erbaut. In der ersten Phase entstand zwischen den Jahren 1908 und 1909 der linke Teil - ein Portikus mit vier Säulen und Dreiecksgiebel. 1913 wurde der rechte Tei mit einer Reihe von Pilastern errichtet. Die aus grauem Granit aufgeführte Fassade ist ein Werk des Architekten Fjodor Lidwal. Dank seiner eleganten Bearbeitung kommt der Granit voll in seiner natürliche Schönheit zur Geltung und verstärkt die imposante Wirkung des Gebäudes. Die klassizistischen Formen, die auf das russische Empire zurückgreifen, tragen die Nachbarschart der Bank zu Rossis Generalstabsgebäudes Rechnung. Lidwal hat sie jedoch eigenwillig interpretiert: den Hintergrund des Portikus bildet nicht eine Mauer, sondern eine Glasfläche, der Giebel entfernt, Sockel und Skulpturenfries sind durch Vertiefungen von den Fenstern getrennt. Diese tektonischen Verschiebungen, die Asymmetrie und die Vorliebe für den Granit sind typische Merkmale des St. Petersburger "Stil modern". Die schwerfälligen, archaischen Relieftafeln, Medaillons und Schmuckfriese wurden von W. Kusnetso geschaffen. Sie scheinen fast wie an die Wand gelötet. Hinter dem monumentalen Wandschirm der Fassade befand sie die Bankhalle, die fast den gesamten unteren Teil des Gebäudes einnahm. Darin brachte Lidwal, mit der ihm eigenen Eleganz, die ganze modernistische Ästhetik der Skelettstruktur, der die ineinander überfließenden, sich ignorierenden Volumen und der Glasflächen zum Ausdruck. Heute beherbergt das Gebäude die Telefonzentrale von St. Petersburg.

 

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Palais Tschitscherin

Nr. 15

Das Palais Tschitscherin wurde 1768-1771 von Jean Baptiste Vallin de la Mothe aufgeführt, als Katharina II. die Oder erlassen hatte, das künftig kein hölzernes Gebäude mehr den Newskij Proskekt . Es nahm den Platz von einem von Rastrelli entworfenen, hölzernen Provisorium ein, in dem der Zarenhof bis zur Fertigstellung des Winterpalastes residierte. Seinen Namen hat das Palais vom Polizeimeister Nikolaj Tschitscherin, der ihn von Kaiserin Katharina II. zum Geschenk erhalten hatte. Bei der architektonischen Gestaltung der Fassaden ließ sich der Architekt zweifellos von den Zierarten an Rastrellis Winterpalast leiten. Zeitweilig lebte in dem Gebäude, das heute als Kino dient, der berühmte Baumeister Giacomo Quarenghi, später erwarb es die Familie Jelissejew, Inhaber des gleichnamigen Feinkostgeschäfts auf dem Newskij Prospekt. Berühmtheit erlangte der Palast durch die vielen Schriftsteller, die während der Jahre des Kriegsministeriums hier Unterkunft fanden, darunter Anna Achmatowa, Ossip Mandelstam, Viktor Schukowskij und Nikolaj Gumliow.

 

Kotomin-Haus

Nr. 18

Für den Bau des Kotomin-Hauses, das zwischen den Jahren 1812 und 1816 aus zwei bereits vorhandenen Gebäuden errichtet wurde, zeichnet sich der Architekt Wassilij Stassow verantwortlich. Einfachheit und Strenge der Gelb und Weiß getünchten Fassaden werden nur an den beiden Seitenflügeln durch je eine Loggia aus vier dorischen Säulen unterbrochen. Benannt wurde das Kotomin-Haus nach seinem ersten Besitzer. Im 19. Jahrhundert befand sich im Inneren des Gebäudes das berühmte Literaturcafé "Wolff und Beranger", das unter anderem auch der Dichter Alexander Puschkin des öfteren aufsuchte. Hier weilte Puschkin auch am Morgen des 27. Januars des Jahres 1837, bevor er sich zu dem verhängnisvollen Duell mit dem Gardeoffizier Georges d' Anthe's begab, das für den Dichter tödliche Folgen hatte. Auch Peter Tschaikowskij, der in seinen St. Petersburger Jahren nicht weit vom Kotomin-Haus in der Malaja Morskaja Uliza wohnte, verbrachte viel Zeit im Literaturcafé. Hier nahm sich der weltberühmte Komponist auch 1893 - vom Ehrenkodes der damaligen Zeit wegen seiner Homosexualität in den Tod getrieben - das Leben, indem er absichtlich (unter Protest seines Neffen) ein mit Cholera infiziertes Glas Wasser trank.

 

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Das alte Buch

Nr. 18

In einem Seitenflügel des Kotomin-Hauses wird heute von der Buchhandlung "Staraja Kniga" ("Das alte Buch") eingenommen. Mit ein wenig Glück findet man dort wunderschöne antiquarische Bücher und Zeitschriften.

 

Mojka / Polizeibrücke

Noch vor allen anderen Kanälen der Stadt, im Jahre 1711, wurden die Ufer der Mojka befestigt; aber erst zwischen 1798 und 1810 erhielt der Kanal seine bis heute erhaltene Verkleidung aus grauem Granit. In alten Aufzeichnungen liest man immer wieder, dass an den Ufern der Mojka viele öffentliche Banjas (Badehäuser) gestanden haben und der Name "Mojka" von russisch "mytj" (=waschen) kommt. Schon ein paar Jahre nach der Stadtgründung wurde auf Höhe des Newskij Prospekts eine erste Holzbrücke über den Fluss geschlagen. Das Ufer war zu dieser Zeit gesäumt von Holzhäusern, in denen die Arbeiter der nahen Werft wohnten. Das war so bis zum großen Brand im Juni des Jahres 1737, als um die Mojka herum von der Fontanka bis zum Newskij Prospekt an die tausend Häuser niederbrannten. Danach wurden die Ufer mit Steinhäusern bebaut. Vor allem der Adel ließ sich hier nieder. Ein Blick ins Archiv verrät, wer zu Beginn des 20. Jahrhundert hier residierte: 27 Ministerien, 25 Gebäude waren von Banken und Aktiengesellschaften belegt und 19 Häuser bewohnte der hohe Adel.

Auf Höhe des Newskij Prospekts überspannt die Polizeibrücke, oder die "Brücke des Volkes", wie sie in Sowjetzeiten hieß, die Mojka. Die in den Jahren 1806-1808 durch den Engländer William Guestier errichtete Brücke gilt als die älteste eiserne Brückenkonstruktion der Stadt und erhielt ihren Namen vom nahegelegenen Palais des Polizeimeisters Tschitscherin und vom Hauptgebäude der Polizeiwache, das an den Ufern der Mojka gelegen war.

Jenseits der Mojka war es nicht orthodoxen christlichen Religionsgemeinschaften gestattet, am Newskij Prospekt eigene Gotteshäuser zu errichten, ein Ukas von Peter I. aus einer Zeit, als das Gelände am Newskij Prospekt noch wenig galt.

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ZWISCHEN MOJKA UND GRIBOJEDOW-KANAL

 

Stroganow-Palais

Nr. 17  

Stroganow-Palais

DAS STROGANOW-PALAIS - FASSADE ZUR MOJKA

Geschichte

Sergej Stroganow ließ sich zwischen den Jahren 1752 und 1754 einen prachtvollen Wohnsitz in der Stadt errichten, eine Behausung, die seinem Rang entsprechen sollte, nachdem sein erstes Stadtschloss 1751 ein Raub der Flammen geworden war. Das daraufhin entstandene Bauwerk gilt als eine der herausragendesten Leistungen des barocken St. Petersburg und seines Schöpfers, des Architekten Bartolomeo Francesco Rastrelli. Auf die Wahl des Standorts seiner neuen Behausung hatte Sergej Stroganow besonderen Wert gelegt: der Bau wendet seine imposante Hauptfassade dem Newskij Prospekt, eine seiner Seitenfassaden der Mojka zu, die damals eine der städtischen Hauptverkehrsadern für Schiffe war, so war das Palais präsent im Stadtbild und brachte so Macht und Einfluss der Familie Stroganow zur Geltung. Die Hauptfassade am Newskij Prospekt tritt bei aller Opulenz weniger üppig "barock" auf, sondern beeindruckt vielmehr durch seine schon fast klassizistisch anmutende Klarheit. Die Familie Stroganow, wohl weltbekannt durch ihr Leib- und Magengericht (Boeuff Stroganow), zählte dank des Salzhandels seit dem 15. Jahrhundert zu den bedeutendsten und reichsten Familien Russlands und bekleidete einflussreiche Ämter. Iwan IV., der Schreckliche, hatte der Familie unerschlossene Gebiete im Ural zugeschanzt und nach der schrittweisen Eroberung Sibiriens durch den kosakischen Hetmann Ermak Timofejew kamen auch dortige Gebiete unter ihre Kontrolle. Die Stroganows besaßen mehrere Millionen Hektar Grund in Sibirien und beherrschten den gesamten dortigen Handel, ihnen flossen umfangreiche Zollgelder in die Taschen, was ihren unermesslichen Reichtum begründete. Die Familie war den Romanows sehr zugetan, daher vergrößerte sich ihr Einfluss schlagartig, als 1613 der erste Romanow-Zar Michail III. auf Russlands Thron kam, denn der Zar besaß kein Geld - polnische und baltische Invasoren hattten das Land ausgeplündert - und die Stroganows unterstützten ihn mit finanziellen Mitteln. Michail gestattete ihnen das Recht, eine Privatarmee aufzustellen und über ihre Leibeigenen unbeschränkt Gericht zu halten. Kaiser Peter I. hob zwar 1721 zahlreiche Privilegien der Stroganows auf, erhob sie aber zugleich in den Adelsstand. Seit jeher waren die Stroganows bedeutende Kunstmäzen. Aus den Reihen der Leibeigenen, welche die stroganowsche Kunsthandwerkschule besuchten, hebt sich der Architekt Andrej Woronichin (Kasaner-Kathedrale, deren Bau die Stroganows finanziell unterstützten) ab, der laut verschiedener Thesen ein illegitimer Sohn des Grafen Alexander Stroganow gewesen sein soll (jedenfalls wurde er mit dessen leiblichen Söhnen erzogen und durfte mit ihnen auf eine Reise durch Europa gehen).

 

Palastäußeres

Die grün-weißen Fassaden des Stoganow-Palais präsentieren sich in ihrer Bauart noch so, wie Rastrelli sie entworfen hatte. Dieser hatte als Farbgebung jedoch ein leuchtendes Orange, kombiniert mit Weiß gewählt. Die hohen Rundbogenfenster sind von Geschoss zu Geschoss unterschiedlich gestaltet. Sie werden von Löwenmasken bekrönt. Die Balkone besitzen reich verzierte schmiedeeiserne Gitter. Der Mittelteil der Hauptfassade wird gebildet durch vier paarweise angeordnete Dreiviertelsäulen. Sie flankieren die Einfahrt zum Hof. Im gesprengten Giebel prangen zwei auf Hinterfüßen stehende Zobel - das Wappentier der Stroganows. Sie symbolisieren Sibirien, bei dessen Anschluss an Russland die Stroganows maßgeblich beteiligt waren.

 

Palasthof

Der Palast gliedert sich um einen annähernd quadratischen Hof. Die Statuen des Herakles und der Flore sowie die zwei Sphingen stammen von einem Landsitz der Familie, der 1909 niedergelegt wurde. Derzeit kann man sich im Hof in einem Café unter alten Bäumen vom hektischen Treiben auf dem Newskij Prospekt erholen.

 

Palastinneres

Das Innere des Stroganow-Palais beherbergte in Sowjetzeiten lange Zeit Büros der Stadtverwaltung. Nun wird es aufwendig restauriert und soll künftig als Ausstellungsfläche des Russischen Museums dienen. - Graf Alexander Stroganow - russischer Botschafter in Wien, Mitglied des kaiserlichen Senats, Präsident der Akademie der Künste und passionierter Kunstsammler - beauftragte Andrej Woronichin 1793 mit der Erneuerung der Innenräume des Palastes im zeitgemäßen klassizistischen Stil. Entlang der Mojka errichtete Woronichin eine festliche Galerie, die für die Gemäldesammlung des Grafen bestimmt war. Vor allem Paul Stroganow, der russischer Gesandter in Rom war, hatte die Gemäldesammlung durch mehrere exquisite Meisterstücke vermehrt: er hatte vor allem Werke der frühen Maler der italienischen Renaissance gesammelt (Filippo Lippi, Bartholomeo Capolari). Nach der Oktoberrevolution ging die Gemäldesammlung in den Beständen der Eremitage auf. Mehrere Säle in den Seitenflügeln wurden für das äußerst umfangreiche Mineralienkabinett hergerichtet. Beachtenswert ist der Kuppelsaal mit seinen Stuckreliefs, die spielende Kinder und Szenen aus der antiken Mythologie zeigen. Höhepunkt der Innenausstattung bildet der von Woronichin ausgestaltete, mit vergoldeten Schnitzereien verzierte Arabeskensaal. Zur Mojka hat sich der von Rastrelli ausgestattete, durch zwei Geschosse reichende Große Saal erhalten. Seine Wände werden gegliedert durch ihrem Schicksal treu ergebene Atlanten.

 

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Holländische Kirche

Nr. 20  

Holländische Kirche

DIE HOLLÄNDISCHE KIRCHE

Gegenüber dem Stroganow-Palais erhebt sich die Holländische Kirche, die in den Jahren 1834-1839 von Paul Jacquot aufgeführt wurde. Als eigentlicher Kirchenraum diente lediglich der Mittelteil des langgestreckten Gebäudes, der von einem Portikus von vier korinthischen Säulen hervorgehoben wird und über dem sich eine flache Kuppel erhebt. Im Giebel befindet sich ein Relief, das die hl. Dreifaltigkeit darstellt. Besonders sehenswert sind die Grisaillemalereien im Vorraum, die Wassilijew ausführte. Die Bildhauerarbeiten stammen von Balin.

Die Seitenflügel mit Arkadengängen waren der holländischen Gesandtschaft vorbehalten, der Residenz des holländischen Botschafters sowie sozialen Einrichtungen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts hatte in dem Komplex zudem die Gesellschaft zur Förderung der Künstler ihren Sitz. Heute beherbergt der Bau eine Bibliothek.

 

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Haus Mertens

Nr. 21

Dieses beeindruckende Gebäude mit seiner langen Schaufensterfront wurde im Jahre 1912 durch den polnischen Architekten Marian Ljalewitsch fertiggestellt. In seinem Inneren befand sich einst das luxuriöseste Pelzgeschäft Mertens, welches dem Haus seinen Namen gegeben hat. Der Skelettkonstruktion aus monolithischen Eisenbeton erlaubte es dem Architekten, die Fassade durch drei riesige verglaste Bögen zu öffnen. Die palladianischen Säulen, hinter denen sich die Strebepfeiler des Skeletts verdecken, beleben die Komposition und verstärken den repräsentativen Charakter der Fassade. Inspirationsquellen waren die italienischen Renaissance-Arkaden aber auch die neuen Geschäftshäuser eines Otto Riths in Berlin.

 

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Smirdinverlag

Nr. 22

Dieses zum Komplex der lutherischen Peterskirche gehörende Gebäude beherbergte einst den Smirdinverlag. Alexander Smirdin, der Inhaber des Verlagshauses, war Erstausgeber der Werke von Alexander Puschkin und Nikolaj Gogol.

 

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Lutherische Peterskirche  

Lutherische Peterskirche

DIE LUTHERISCHE PETERSKIRCHE

Die von Alexander Brüllow in den Jahren 1832-1838 errichtete lutherische Peterskirche war die Stadtkirche der deutschen Bevölkerung in St. Petersburg. Über die Geschichte der deutschen Einwanderer in Russland informiert eine sehenswerte kleine Ausstellung auf der Empore über dem Haupteingang. Die Kirche spiegelt mit ihren neuromanischen Details besonders an der Doppelturmfassade die romantischen Architekturvorstellungen des 19. Jahrhunderts wieder (Anklänge an romanische Architektur). Sie ging aus einem älteren Vorgängerbau hervor, der 1728 (wahrscheinlich von Trezzini) errichtet worden war. 1897 wurde der Bau grundlegend im Geist der Zeit nach Plänen Maximilian Messmachers umgestaltet. Diese Renovierung kostete der Gemeinde, wie aus den Akten hervorgeht, etwa 76.000 Rubel. In einer alten Kirchenchronik heißt es: "Professor Messmacher hat sich von dem Gesichtspunkt leiten lassen, dass das Innere der Kirche einheitlich stilisiert werden müsse, weil romanische, gotische, renaissancehafte und antik-griechische Motive durch- und nebeneinander vorkamen. Er wollte größere Einheit in das Ganze bringen und wählte zu dem Zweck den gotisierenden Stil." Zwischen 1909 und 1910 wurde die Kirche erweitert. Auf alten Abbildungen erkennt man, dass es im Inneren ursprünglich drei Emporen gegeben hat und dass die Decke und die Wände vollständig mit geometrischen Mustern bemalt waren. Der Altar besaß als Hauptblatt eine "Kreuzigungsszene" von Karl Brüllow, dem Bruder des Architekten, sowie ein "Abendmahl" von Hans Holbein. Von der einstigen Ausstattung ist jedoch nichts erhalten, denn 1957 wurde der Kirchenraum als Schwimmbad eingerichtet und in der Altarapsis ein Sprungturm aufgestellt. Seit Oktober 1992 werden in der Kirche wieder regelmäßig Gottesdienste abgehalten. Nach umfassenden Renovierungsarbeiten, die die Zweckentfremdung der Sowjetzeit jedoch nicht völlig übertünchen, wurde die Kirche im September 1997 wieder neu geweiht. Im Verwaltungstrakt der Peterskirche sind der Sitz der Bischofskanzlei und ein Begegnungszentrum für Russen und Deutsche untergebracht.

Seine Hauptfassade mit zwei kantigen Türmen wendet die Kirche dem Newskij Prospekt zu. Der eine Turm trägt eine mechanische Uhr, der andere eine Sonnenuhr. Das wuchtige, rundbogige Hauptportal wird von Statuen der Apostel Peter und Paulus flankiert. Darüber erhebt sich eine offene Arkadenloggia. Die Basreliefs zwischen den Arkadenbögen stellen die vier Evangelisten Markus, Lukas, Johannes und Matthäus da.

 

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Petrischule

Hinter der lutherischen Peterskirche befindet sich das Gebäude der ehemaligen deutschsprachigen Petrischule. Die Petrischule war schon kurz nach der Stadtgründung veranlasst worden, da die deutschen Einwanderer ein geregeltes Schulsystem vermissten. In dem kleinen, schlichten Gebäude drückten viele Personen der russischen Kultur die Schulbank, so der Architekt Carlo Rossi und der Komponist Modesst Mussorgskij.

 

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Dominique

Nr. 24

Das von Trezzini in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts aufgeführte Gebäude gehört ebenfalls zum Komplex der lutherischen Peterskirche. Es bildet den baugleichen Zwillingsbruder zum Smirdinverlag. Ursprünglich waren beide Gebäude nur drei Stockwerke hoch, um die Jahrhundertwende wurden sie jedoch aufgestockt und verurteilen seitdem die Peterskirche zur Unscheinbarkeit. Vor der Revolution befand sich im Inneren des Gebäudes das berühmte Restaurant "Dominique", in dem in den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts der junge Fjodor Dostojewskij (1821-1881) verkehrte. Die prachtvolle Innendekoration wurde um die Jahrhundertwende nach Entwürfen des Historienmalers Ilja Repin angefertigt.

 

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Singer-Haus / Dom Knigi

Nr. 28  

Singer-Haus - Haus des Buches

DAS SINGER-HAUS MIT DER BEHERRSCHENDEN GLASKUPPEL

Auffällig, durch eine eiförmige Turmhaube, die von einer gläsernen Weltkugel bekrönt wird, präsentiert sich das sogenannte "Haus des Buches" ("Dom Knigi"). Das in den Jahren 1912-1914 von Pawel Sjusor errichtete Gebäude bildet mit seiner hochbogigen Fenstergliederung und den Karyatiden ein weiteres Beispiel dekorationsreicher, prägender Jugendstilarchitektur am Newskij Prospekt. Hartnäckig aber vergeblich hatte der amerikanische Bauherr, die Nähmaschinenfabrik Singer, um die Genehmigung eines elfstöckigen Hochhauses gerungen, um am Ende doch die Verordnung über die Stockwerkbegrenzung (kein profanes Gebäude höher als der Winterpalast) mit dem bizarren Turm zu umgehen. Das reiche plastische Dekor führte A. Adamson aus. Neue Stilformen zeigen sich in der Gesamtstruktur des Gebäudes, besonders deutlich kommen sie im reinen Dekor und in der dynamischen Raumkonzeption des Vestibüls zum Ausdruck, das sich durch geschwungene Türen zum zentralen Saal hin öffnet. Heute befindet sich im ehemaligen Singer-Haus das größte Buchsortiment der Stadt.

 

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Kasaner-Platz

Am 6. Dezember des Jahres 1876 fand auf dem Platz vor der Kasaner-Kathedrale die erste sozialrevolutionäre Demonstration auf russischem Boden statt. Die an der Kundgebung beteiligten Revolutionäre wurden allerdings schon kurze Zeit später gefangen genommen und vor Gericht gestellt. Um derartige Versammlungen an diesem Ort für alle Zeiten zu verhindern, wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Grünfläche angelegt - eine Maßnahme, die jedoch nicht den gewünschten Erfolg zeigte. Der Brunnen in der Mitte der Platzanlage ist ein Werk des Architekten Thomon. Er stand einst an der Straße nach Zarskoje Selo und wurde erst 1950 hier aufgestellt. Vor die Eckpunkte des bogenförmigen Säulenumgangs der Kasaner-Kathedrale stellte man 1837 Denkmäler für die Feldherren Michail Kutusow (1745-1813) und Michael Barclay de Tolly (1761-1818) auf, die sich beide als erfolgreiche Oberbefehlshaber des russischen Heeres im Krieg gegen Napoleon verdient gemacht haben. Die Standbilder sind beides Werke von Boris Orlowskij.

 

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Kasaner-Kathedrale  

Kasaner Kathedrale

KUTUSOW-STANDBILD AN DER KASANER-KATHEDRALE

Die Kasaner-Kathedrale (Kathedrale der Gottesmutter von Kasan) ist eines der auffallendsten Gebäude von St. Petersburg. In ihr ist seit 1932 bis jetzt das Museum für Religionsgeschichte untergebracht (in Sowjetzeiten das Museum für Religionsgeschichte und Atheismus), in einem Flügel der Kirche finden allerdings wieder Gottesdienste statt.

 

Baugeschichte

Bereits in den Jahren 1733-1737 war auf dem Gelände eine kleine Steinkirche errichtet worden. In ihr heiratete 1745 der Thronfolger und spätere Kaiser Peter III. Katharina Alexejewna (=Sophie Friederike Auguste von Anhalt-Zerbst), die nachmalige Kaiserin Katharina II., die Große. Begeistert von der Peterskirche in Rom erteilte Kaiser Paul I. dann kurz vor seinem Tod den Auftrag zum Bau einer ähnlichen Kirche in der russischen Hauptstadt. Der Baumeister Andrej Woronichin, einst Leibeigener der Grafen Stroganow, die zahlreiche Geldmittel für den Kirchenbau spendete, schuf in den Jahren 1801-1811 jedoch ein durchaus eigenständiges Bauwerk im Stil des alexandrinischen Klassizismus; lediglich die monumentale Kuppel und die Kolonnade erinnern direkt an das römische Vorbild. Fast alle zeitgenössischen Künstler beteiligten sich an der Ausstattung der Kathedrale, welche die größte in Russland werden sollte. Diesen Rang musste sie bereits 1818 an die Isaakskathedrale abtreten.

 

Außenbau

An der dem Newskij Prospekt zugewandten Seitenfassade des im Grundriss kreuzförmigen Bauwerks aus Tuffstein schließt eine halbrunde Kolonnade aus vier Reihen hintereinander angeordneten Säulen. Die 144 Säulen haben jeweils eine Höhe von je 15 m. Die Enden des 111 m langen Säulenumgangs sind als mächtige Portale mit Attiken ausgebildet. Woronichin entschied sich für den ungewöhnlichen Grundriss, da in einer orthodoxen Kirche der Altar nach Osten ausgerichtet sein muss, der Haupteingang demnach im Westen liegt. Doch sollte gerade die dem Newskij Prospekt zugewandte Nordfassade besonders prächtig gestaltet werden. Um einen ausgewogenen Bau zu schaffen, sah Woronichin vor, an der Nord- und Südfront der Kathedrale halbrunde Kolonnaden zu errichten, die durch eine doppelte Säulenreihe miteinander verbunden werden sollten. Nach dem Ausbruch des Vaterländischen Krieges 1812 wurde dieser Entwurf allerdings nicht mehr verwirklicht, und es blieb bei der bereits fertiggestellten nördlichen Kolonnade.

Die Enden der Säulenkolonnade sind als Triumphbögen ausgestaltet. An den Attiken wurden 15 x 2 m große Basreliefs angebracht. Auf ihnen sind die biblischen Begebenheiten "Moses schafft Wasser in die Wüste" von Iwan Martos und der "Kupferdrache" von Iwan Prokowjew dargestellt. Beide Reliefs sind schöne Beispiele für die Bildhauerei des klassizistischen Periode in Russland. Beide Figurenreliefs stützen sich auf biblische Begebenheiten, welche die humanistischen Tugenden der Barmherzigkeit, des Mitleids und des menschlichen Edelmuts demonstrieren. Die beiden Bildhauer bauten in die Szenen der Basreliefs eine Spannung zwischen zwei seelischen Zuständen auf: der Schwäche, der Erschöpfung und der Verzweiflung einerseits und der Hoffnung, der Kraft und der Stärke andererseits. Über der Vierung der Kathedrale erhebt sich eine 71 m hohe Kuppel, die von einer kleinen Laterne mit vergoldetem Kreuz überragt wird. Sie wird - erstmals in der Architekturgeschichte - von eisernern Konstruktionen getragen.

Die monumentalen Bronzetüren des Nordeingangs sind der berühmten Paradiespforte des Florentiner Baptisteriums nachgebildet. In den Nischen rechts und links der Tür stehen Statuen, die Johannes den Täufer, den Fürsten Wladimir, der das Christentum nach Russland gebracht hat, Alexander Newskij und den Apostel Andreas (der nach einer alter russischen Legende in Russland gestorben ist) darstellen. Die Stauen stammen von den Bildhauern Iwan Martos, Demuth-Maljanowskij und Stephan Pimenow.

 

Inneres

Das Innere der Kasaner-Kathedrale erinnert eher an eine Palasthalle als an eine Kirche. Die Gewölbe von Langhaus und Querschiff werden von doppelten Säulenreihen - 56 Monolithe aus rosafarbenem finnischhen Granit - getragen. Der nur teilweise erhaltene Ikonostase beherbergte einst das wundertätige Bild der Muttergottes von Kasan, das 1579 in Kasan gefunden worden war und nach Moskau gebracht wurde. Einer Legende zufolge soll die Ikone 1612 den Russen bei der Befreiung Moskaus von den polnischen und litauischen Invasionstruppen geholfen haben. Später wurde sie nach St. Petersburg gebracht, 1904 aber unauffindbar gestohlen. Die anderen Ikonen stammen aus der Hand der russischen Maler Orest Kiprenskij, Karl Brüllow, Alexander Egorow und Wladimir Borowskij. Die klassische Kunstauffassung von der Schönheit des Menschen und der Natur hatte sich Ende des 18. Jahrhunderts auch in der Ikonenmalerei niedergeschlagen. An der Stelle der ikongraphischen Überlieferung der altrussischen Kirchenkunst war jetzt ein durch zahlreiche Italienreisen geprägter Malstil getreten, die Ikonen hatten sich zu Altarbildern mit einem dramatischen, weniger idealisierten Naturhintergrund gewandelt, in dem sich der erstarkende Wirklichkeitssinn des neuen Zeitalters niederschlug.

Im nördlichen Querschiff der Kathedrale ist der Feldmarschall Kutusow angeblich an der Stelle beigesetzt, wo er betete, bevor er 1812 in den Krieg gegen Napoleon zog. Erbeutete Fahnen und andere Trophäen in der Nähe seines Grabes erinnern an seine russischen Erfolge.

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Gribojedow Kanal

Überquert man die Brücke über den Gribojedow-Kanal,

fällt der Blick auf die malerisch wirkende Auferstehungskathedrale (Erlöserkirche), die an der Stelle errichtet wurde, an der Kaiser Alexander II. 1881 einem Bombenattentat zum Opfer fiel. Der Gribojedow-Kanal zweigt südwestlich des Marsfeldes von der Mojka ab, um sich dann mit der Fontanka zu vereinigen, kurz bevor er diese in die Newa mündet. Angelegt wurde der Kanal zwischen 1764 und 1790, wobei man das Flüsschen Kriwuschka, das sich damals durch das Sumpfgebiet schlängelte, vertiefte und begradigte. Illarion Kutusow, der Vater des Feldmarschalls, hatte schon während der Regierungszeit Elisabeths I. den Bau des Kanals vorgeschlagen. Der neue Wasserweg bekam den Namen Katharinenkanal, erst 1923 erfolgte die Namenänderung in Gribojedow-Kanal zum Gedenken an den Dramatiker und Diplomaten Alexander Gribojedow (1795-1829), der als russischer Gesandter in Teran einem Attentat zum Opfer gefallen war.

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ZWISCHEN GRIBOJEDOW-KANAL UND FONTANKA

 

Kleiner Saal der Schostakowitsch-Philharmonie

Nr. 30

Den ursprünglich von Rastrelli in der Mitte des 18. Jahrhunderts errichteten türkisfarbenen Bau gestaltete Paul Jacquot 1829 vollkommen um. Im 19. Jahrhundert war er ein bedeutendes Zentrum des musikalischen Lebens in der Hauptstadt, Franz List, Clara Schuhmann und Richard Wagner gaben hier Gastkonzerte. Während der Blockade wurde das Gebäude stark beschädigt, nach dem Wiederaufbau richtete man 1949 den nach dem Komponisten Michail Glinka benannten kleinen Saal der Schostakowitsch-Philharmonie ein.

 

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Katharinenkirche

Nr. 32-34  

Katholische Katharinenkirche

DIE KATHOLISCHE KATHARINENKIRCHE

Weithin durch ihre Kuppel sichtbar, erhebt sich die katholische Katharinenkirche, durch einen kleinen Vorplatz von ihm getrennt, am Newskij Prospekt. Bereits 1739 errichtete Pjotr Trezzini hier eine katholische Kirche. Für den heutigen frühklassizistischen Kirchenbau (1762-1783) zeichnet sich der Architekt Jean Baptiste Vallin de la Mothe verantwortlich, vollendet wurde er durch Antonio Rinaldi. Der Grundriss - ein lateinisches Kreuz - und verschiedene Dekorationselemente des klingen noch entfernt an den römischen Barock an. Die dem Newskij Prospekt zugewandte, schlichte Hauptfassade der Kirche ist als Triumphbogen gestaltet. Große Torbögen schließen links und rechts an. Auf der Attika stehen Statuen der vier Evangelisten und eine Engelsgruppe. Darüber erhebt sich eine mächtige Kuppel. Im Inneren der Kirche, die erst kürzlich dem Dominikanerorden übergeben wurde und in dem nun wieder Gottesdienste stattfinden, befindet sich das Grab des letzten polnischen Königs Stanisław II. Poniatowski (1732-1798), der ein Liebhaber der Kaiserin Katharina II. gewesen war. Auch das Grabmal des Generals Jean Victor Moreau, der sich gegen Napoleon erhoben hatte und auf russischer Seite im Vaterländischen Krieg 1812 kämpfte und in der Schlacht bei Dresden am 15. August 1813 getötet wurde, befindet sich hier.

Die beiden Häuser, die an die Kirche angrenzen, stammen von Trezzini aus den dreißiger Jahren des 18. Jahrhunderts. Aus den Mieteinnahmen finanzierte die katholische Gemeinde ihre soziale Arbeit.

 

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Silberne Handelreihen und Turm der Stadtduma

Nr. 31-33

An die 1784-1787 von Giacomo Quarenghi als Kaufhaus erbauten Silbernen Handelreihen schließt der Turm der Stadtduma (unmittelbares Selbstverwaltungsorgan) unmittelbar an. Der 1804 fertiggestellte Turm diente zunächst als Alarmturm, bei Feuer und Flutwellen wurden von hier Warnsignale abgegeben. Ende des 19. Jahrhunderts befand sich in dem Turm einer der Spiegeltelegraphen, die die Hauptstadt mit den Sommerresidenzen verbanden und die Ankunft oder Abfahrt des Kaisers signalisierten. Heute hat hier der St. Petersburger Kulturfonds seinen Sitz, der kulturelle Initiativen unterschiedlichster Art fördert.

 

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Rusca-Portikus

Neben dem Turm der Stadtduma erhebt sich etwas weiter zurückversetzt der nach seinem Erbauer Luigi Rusca benannte Rusca-Portikus. Der in den Jahren 1802-1806 errichtete gelb-weiß getünchte Säulenbau war in den sechziger Jahren dieses Jahrhunderts beim Bau der Metro abgerissen worden, wurde jedoch 1972 nach den Originalplänen wieder hergestellt. Heute fungiert das langgestreckte Gebäude als Vorverkaufsstelle für Theaterkarten.

 

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Grandhotel Europa

Nr. 35

Die Geschichte des traditionellen Hotels begann 1824 mit dem Bau eines vierstöckigen Hauses am Newskij Prospekt von Carlo Rossi. Weitere Gebäude wurden angefügt. Das heutige Gebäude wurde 1873-1875 von Ludwig Fontana aufgeführt. 1875 öffnete das Grand Hotel Europa seine Pforten. Viele berühmte Gäste logierten hier. Fjodor Lidwal erneuerte das Innere des Hotels 1910 im Jugendstildekor.

 

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Großer Kaufhof

Das bedeutendste Einkaufzentrum der Stadt bildet ohne Zweifel der Große Kaufhof. Er wendet seine über 280 m langgestreckte Hauptfassade dem Newskij Prospekt zu. Das größte Warenhaus der Stadt entspricht jedoch keinesfalls einem Kaufhaus westlicher Prägung, eher noch einem westlichen Einkaufszentrum. Erbaut wurde der Handelshof zum Schutz reisender Kaufleute vor Diebstahl und Feuer, aber auch als Herberge, er wird mitunter auch als "Gästehof" bezeichnet. Das ursprüngliche Holzgebäude brannte 1736 nieder. Die Entwürfe, die Rastrelli 1748 zum Wiederaufbau vorlegte, wurden aus Kostengründen verworfen. Erst 1761 begann der Wiederaufbau, 1785 war er abgeschlossen. Architekt der eindrucksvollen Säulenarkade war Vallin de la Mothe. Der im Grundriss trapezförmige Bau nimmt beinahe ein ganzes Stadtviertel ein und seine gesamte Fassadenlänge beträgt nahezu einen Kilometer. Während das schlichte Äußere des zweigeschossigen Baus mit seinem umlaufenden offenen Arkadengängen bei den Restaurierungsarbeiten Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts kaum Veränderungen erfuhr - lediglich die auf der Balustrade stehenden Statuen und die Kuppel verschwanden - wurde das Innere des Gebäudes, mit seinen unzähligen, markthallenartig angeordneten Ladenständen, vollständig umgestaltet. Im 19. Jahrhundert wurde die Galerie eine moderne Wandelhalle mit mehr als 5.000 Angestellten. Während der Belagerung im Zweiten Weltkrieg erlitt der Große Kaufhof schwere Schäden, wurde danach aber wiederaufgebaut. 1965 erlebte der Kaufhof eine ungewöhnliche Sensation: bei Bauarbeiten entdeckten Arbeiter zufällig 128 kg zu Ziegelsteinen gegossenes Gold. Es handelte sich wahrscheinlich um das Verstreck eines aus vorrevolutionären Zeiten stammenden Juwelierhändlers. Nach einem verheerenden Großfeuer im Jahre 1991, bei denen der Große Kaufhof binnen weniger Tage bis auf die Grundmauern niederbrannte, wird das Gebäude nun erneut instandgesetzt und restauriert, doch der Verkauf geht weiter.

 

Johann Georg Kohl, geboren 1808, gibt uns eine ausführliche Schilderung des Großen Kaufhofes: "Jede Ware hat ihre Budenreihe, die nach ihr benannt wird, und doch ist die Masse der Reihen so groß, dass man sie fast ebenso schwer auffindet, wie bei uns den einzelnen Kaufmann. Daher das ewige Fragen der Unerfahrenen: “Väterchen, wo ist die Pelzbudenreihe?” - “Väterchen, wo ist die Mützenreihe?” - “Bruder, wo ist die Stiefelreihe?” - “Mütterchen, wo ist die Strumpfreihe?” - “Mütterchen, ist dort die Unterrockreihe?”

Wenn das Getümmel der nachfragenden Käufer schon amüsiert - die das zweistöckige Riesengebäude des Großen Kaufhofs umgebenden Straßen sind den ganzen Tag über von einem beständigen Strom von Droschken und Schlitten durchflutet, welche alle die Diener, Köche, Haushofmeister, Kammerjungfern, Putzmacherinnen und Herrschaften ab- und zuführen, die ihre Einkäufe hier zu machen haben - so wird das Gerede und das Treiben der so eigentümlichen Großen- Kaufhofs-Leute den Spazierenden noch mehr erheitern. Diese sind immer flachshaarige oder hellbraunbärtige, höchst gewandte Burschen, in blauen Kaftan gekleidet und mit einer blautuchenen Mütze bedeckt, die in ganz Russland bei allen Kaufleuten denselben Schnitt hat.  Stets bereite Diener,  öffnen sie jedem Vorübergehenden die Tür und machen dabei, mit dem beständigen Absingen ihrer  Melodien und dem Ausschütten ihrer Beredsamkeit beschäftigt, keinen Unterschied der Person, des Ranges, des Standes und des Alters. Kleine Knaben rufen sie zu den großen Bärenpelzen herein, elegante Herren zu den plumpen Stiefeln, alte Mütterchen zu den Spielsachen, junge Mädchen zu den Gewehr- und Säbelkammern, Bauern und Arbeiter zu den Galanteriebuden. Man kann sich denken, wie dieses Geschrei den Markt belebt, gegen dessen Geräusche unsere Märkte tot erscheinen.

Es mögen in dem Petersburger Großen Kaufhof und seinen Appendixen, selbst wenn man die mit ihren Viktualien zu Markt kommende Bauern nicht dazu rechnet, leicht 10.000 Kaufleute, Boutiquiers und Krämer versammelt sein. Da diese Leutchen den Tag über allerlei Bedürfnisse und doch keinerlei eigene häusliche Einrichtung in der Nähe haben, so lässt sich vorstellen, dass bloß dieser Verkäufer wegen sich hier wieder eine Menge von Verkäufern einnistet hatte, wie sich eine Muschel auf eine andere setzt, um ihre Existenz zu gewinnen. Es nomadisieren kurzum in den Gängen und Straßen des Basars beständig Teeverkäufer mit ihren großen Kupferurnen, Sibiten- und Kwasschencker, Frühstücks-, Wurst-, Brot- und Käsehändler herum, die bei den immer esslustigen 'Kupzy' guten Absatz für ihre Waren finden. Sorgen und Klagen, wie man sie auf unseren Märkten hört und sieht, kennt man in diesem Petersburger Basar noch nicht, denn erstlich schlägt sich der Russe alle Sorgen aus dem Kopf und lässt keine Klage auf seine Lippen, und zweitens geht auch in diesem aufblühenden Land, Gott sei Dank (Slawa Bogu!) - die Ware mag unter aller Kritik schleccht sein wie sie will -, Handel und Wandel immer gut und frisch. Anderswo pflegen sich die Waren dadurch guten Absatz zu verschaffen, dass sie nach Erreichung höchster Qualität streben, hier umgekehrt. Je schlechter die Ware ist, so denken, glaube ich, die russischen Spekulanten, desto schneller hat der Käufer wieder andere nötig.".

 

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Armenische Kirche

Zwischen Nr. 40 und 42  

Armenische Kirche

DIE ARMENISCHE KIRCHE

Die dem Newskij Prospekt zugewandte, blau-weiß getünchten Fassade, der in den Jahren 1771-1780 von Jurij Veldten erbaute armenischen Katharinenkirche, besitzt einen viersäuligen korinthischen Giebelportikus der von einer kleinen Kuppel auf hohem Tambour überragt wird. Die Kirche wurde von einem armenischen Geschäftsmann namens Joachim Lasarew aus dem Erlös eines persischen Diamanten finanziert, den einst Grigorij Orlow für Katharina II. erworben hatte. 1930 wurde die Kirche geschlossen. Heute finden in ihr wieder Gottesdienste abgehalten.

 

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Haus Nr. 42

In diesem Haus wohnte der Dekabrist Gawril Batenkow. Bei ihm trafen sich weitere Verschwörer gegen den Kaiser Nikolaus I.

 

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Kaufhaus Passage

Nr. 48

Wohl das interessanteste Kaufhaus von St. Petersburg bildet die Passage. Mit dem Bau dieser über 180 m langen Ladengalerie nach Moskauer Vorbild beauftragte Graf Essen-Stenburg im Jahre 1846 den russischen Architekten R. Scheljaschewitsch. Die glasüberdachte Galerie, welche den Newskij Prospekt mit der Italjenskaja Uliza verbindet, bot einst neben den zahlreichen Geschäften auch einem Konzertsaal und einem Teesalon Platz. Die vormals bescheidenere Fassade wurde 1902 nach Entwürfen des Ingenieurs Koslow im Stil des Neoklassizismus umgestaltet.

 

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Jelissejew

Nr. 56

In den Jahren 1903-1907 entstand unter der Leitung des Architekten Gawril Baranowskij (Hausarchitekt der Familie Jelissejew, Verfasser einer mehrbändigen Architekturgeschichte des 19. Jahrhunderts) das markante Jugendstilgebäude der Familie Jelissejew am Newskij Prospekt. Das Bauwerk setzt dank seiner aus grauem Granit aufgeführten Fassade, dem farbigem Glas seiner hallenhohen Fensterbögen und seinen bewegten Jugendstilstatuen einen scharfen Kontrast zur klassizistischen Schlichtheit seiner Nachbarschaft. Der wuchtige Bogen der Hauptfassade mit den stilisierten Blumenornamenten und das leichte, filigrane Metalldekor stehen im Gegensatz zur traditionellen Granitfassade mit Bossenquadern und schwerfälligen Skulpturen, allegorischen Darstellungen des Handels und der Industrie, der Kunst und Wissenschaft. Im Erdgeschoss des im Grundriss rechteckigen Gebäudes befand sich einst das bekannte Delikatessengeschäft Jelissejew. Es wurde von Peter Jelissejew, einem ehemaligen Leibeigenen, dem 1812 die Freiheit geschenkt wurde, als Bauchladen gegründet. Später erwarb der Firmengründer ein großes Geschäftshaus am Newskij Prospekt, das von seinen Nachkommen, welche Handelsbeziehungen mit dem Ausland und ihre eigene Handelsflotte unterhielten, weiter ausgebaut wurde. Alles, was gut und edel war, bekam man bei Jelissejew, vorausgesetzt man konnte er sich leisten. Um die Jahrhundertwende wurde prunkvolle Filialen des St. Petersburger Geschäfts in Moskau und Kiew eröffnet. Die Geschichte des Gourmettempels fand allerdings schon vor der Revolution ihr Ende: nach einem Skandal musste ein grossteil der Familie das Land verlassen. Auch heute beherbergt das Gebäude mit seinem prächtigen, gut erhaltenen Jugendstildekor wieder ein Lebensmittelgeschäft, das inzwischen wieder Jelissejew heißt. Das Obergeschoss des Geschäftshauses wird seit dem Jahre 1929 von einem Komödientheater beansprucht.

 

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Saltykow-Schtschedrin-Bibliothek  

Saltykow-Schtschedrin-Bibliothek

DIE SALTYKOW-SCHTSCHEDRIN-BIBLIOTHEK, FASSADE ZUM OSTROWSKIJ-PLATZ

Die Saltykow-Schtschedrin-Bibliothek ist neben der Nationalbibliothek in Moskau die größte in Russland. Benannt ist sie nach dem Schriftsteller Michail Saltykow (1829-1889), der seine Werke unter dem Pseudonym Schtschedrin veröffentlichte. Die Bücherbestände sind in Bauten untergebracht, die vom Ende des 18. Jahrhunderts bis zum Ende des 19. Jahrhunderts errichtet wurden. Das Hauptgebäude wendet seine Fassade dem Newskij Prospekt zu. Es wurde im Auftrag von Paul I. 1796-1801 von E. Sokolow errichtet, um die kaiserliche Bibliothek aufzunehmen. Es verbindet zwei gleichartige, einfach und streng behandelte Baukörper durch ein ovalen Saal, dem ursprünglich ein Vestibül vorgelagert war. Die Hauptfassade wird durch eine gebogene Kolonnade aus sechs ionischen Säulen auf Rustika-Sockel gegliedert. Über den Säulen erhoben sich ursprünglich Statuen, die aber 1828-1832, bei der Überarbeitung des Gebäudes durch Carlo Rossi, entfernt wurden.

In den Jahren 1828-1832 wurde die Bibliothek durch Carlo Rossi beachtlich erweitert. Der Erweiterungsbau wendet seine Hauptfassade dem Ostrowskij-Platz zu. Stärker noch als beim benachbarten Alexandra-Theater lässt Rossi an dieser fast bühnenartigen, von der sitzenden Pallas Athene, der Göttin der Weisheit, bekrönten Schauwand die Plastik mitwirken. Zwischen den Säulen, die in langer Reihung die eingetiefte Mittelzone schmücken, treten Dichter, Gelehrte und Philosophen des Altertums hervor. Beginnend vom Newskij Prospekt sind es: Homer, Plato, Euklid, Euripides, Hippokrates, Demosthenes, Vergil, Tacitus, Cicero und Herodot. Die Standbilder schufen die Bildhauer Pimenow, Demuth-Maljanowskij und Halberg. Breite Wandflächen der Eckpavillons und ein niedriges, gleichmäßig und unauffällig gegliedertes Sockelgeschoss rahmen das Schauspiel ein und geben der Platzwand Ruhe und Festigkeit. Von Interesse ist besonders der 'Gotische Saal', den Alexander Brüllow 1857 ausstattete, und dessen Kreuzgewölbe vollkommen mit ornamentalen Wandmalereien bedeckt sind. Der Saal dient der Aufbewahrung von Inkunabeln und wird mitunter 'Fausts Kabinett' genannt. Das späte 19. Jahrhundert hat hinter den historischen Trakten u.a. zwei neue Lesesäle (1896-1901, J. Worotilow) hinzugefügt.

 

Bestände

Die Bestände der 1814 eröffneten Bibliothek sind gewaltig. Seit 1870 wird jedes in Russland gedrucktes Buch mit mindestens einem Exemplar hier hinterlegt. Zu den Beständen der Bibliothek gehören heute mehr als 29 Millionen Bücher und Zeitschriften, darunter auch wertvolle Inkunabeln und wichtige historische Dokumente, wie zum Beispiel zahlreiche originale Handschriften von Peter I. und Katharina II., ferner Dokumente aus den Archiven der Bastille, Briefe des Erasmus von Rotterdam, von Leibnitz, Rousseau, Diderot und Katharina von Medici, außerdem Handschriften von Rossini, Mirabeau, Robespierre, Napoleon, Byron, Beranger und Heine. Auch die Privatbibliothek Voltaires, die etwa 7.000 Bände umfasst und von Katharina II. zu einem unglaublich niedrigen Betrag von den Nachkommen des Philosophen abgekauft wurde, sowie das Ostromir-Evangelar, die älteste datierte russische Handschrift, die um das Jahr 1056 entstanden ist, werden hier aufbewahrt. Die ausländischen Bestände der Bibliothek, die Bücher in den unterschiedlichsten Wissensgebieten in fast allen Sprachen enthält, sind gewaltig. Zum Bestand der Orientsammlung gehören unter anderem Werke aus dem 3. Jahrhundert vor Christus, vertreten ist eine Ausgabe der Enzyklopädie von Tushu Tsichen mit über 1.300 Bänden sowie eine Enzyklopädie der Tsin-Dynastie mit über 1.000 Bänden.

 

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Ostrowskij-Platz

Der an den Newskij Prospekt angrenzende Ostrowskij-Platz bildet wegen der hübschen kleinen Parkanlage einen beliebten Ruhepunkt inmitten der Innenstadt. Angelegt wurde der Platz zu Beginn des 19. Jahrhunderts unter Leitung des Architekten und Städteplaners Carlo Rossi. Er hatte im Auftrag des Kaisers Alexander I. zu Beginn des 19. Jahrhunderts mehrere Pläne für die bis dahin unbebaute Fläche zwischen Anitschkow-Palast und dem ersten Gebäude der Saltykow-Schtschedrin-Bibliothek ausgearbeitet und eine künstliche Schneise zwischen Newskij Prospekt und Fontanka erdacht. Rossis städtebauliches Meisterwerk wurde in den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts im Verein mit den Gebäuden der Rossi-Straße (einst Theaterstraße) und denen des Lomonossow-Platzes vollendet.

Beherrscht wird der Ostrowskij-Platz von dem an seiner Südseite aufragenden Alexandra-Theater. An seiner Westseite befindet sich die Saltykow-Schtschedrin-Bibliothek, an der Ostseite zwei zum Anitschkow-Palast gehörende Pavillons. In der Mitte des Platzes erhebt sich ein in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aufgestelltes Denkmal für Katharina II.

Ursprünglich war der Platz samt seinem Theater nach der Gemahlin Nikolaus I., Kaiserin Alexandra Fjodorowna, benannt. Seinen heutigen Namen erhielt er erst im Jahre 1923 in Erinnerung an den Dramatiker Alexander Ostrowskij (1823-1866), der als Schöpfer des nationalen russischen Theaters gilt.

 

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Denkmal Katharinas II.

Das 1837 auf dem Ostrowskij-Platz enthüllte, pompöse Denkmal Katharinas II., der Großen, zeigt die Kaiserin im faltenreichen Hermelinmantel mit elegant erhobenem Zepter in der rechten und einem Friedenskranz in der linken Hand. Das Denkmal ist eine Arbeit des russischen Bildhauers Michail Mikeschin, die Statue der Kaiserin, beinnahe 4,5 m hoch, ist ein Werk Michail Tschischows. Am glockenförmigen Sockel des Monuments aus poliertem Granit sind neun Bronzefiguren berühmter Zeitgenossen Katharinas II. dargestellt. Sie sind überlebensgroß, aber nur halb so hoch wie die Statue der Kaiserin. In der Mitte der Vorderseite ist Fürst Grigorij Potemkin (1738-1791) dargestellt, der hochmütig einen Türkenturban tritt. Neben ihm sitzt auf der einen Seite der Feldherr Alexander Suworow (1729-1800), auf der anderen Seite der Feldherr Nikolaj Rumjanzew (1725-1796) mit einem Degen in der Hand. Die Frauengestalt neben ihm, die ein aufgeschlagenes Buch in den Händen hält, zeigt Katharina Daschkowa (1743-1810), die erste Präsidentin der Akademie der Wissenschaften. Sie gründete die Akademie zum Studium der russischen Sprache, gab einige Zeitschriften heraus und war mit bedeutenden Persönlichkeiten der Aufklärung befreundet. Berühmtheit erlangte sie vor allem durch ihre Memoiren. Es folgen der Dichter Gawriil Derschawin (1743-1816), Grigorij Orlow (1734-1783) und der Admiral Wassilij Tschitschagow.

 

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Alexandra-Theater  

Alexandra-Theater - 1995

DAS ALEXANDRA-THEATER AM OSTROWSKIJ-PLATZ

Als zentrales Gebäude des Ostrowskij-Platzes entstand unter der Leitung von Carlo Rossi zwischen den Jahren 1828 und 1832 das nach der Gemahlin des Zaren Nikolaus I. benannte Alexandra-Theater. Die Namensänderung in Puschkin-Theater beziehungsweise Akademisches Puschkin Dramentheater, wie der vollständige Name lautete, erfolgte 1937. Neuerdings hat man wieder zu dem alten Namen zurückgefunden.

Die Geschichte des Theaters beginnt 1756, als Kaiserin Elisabeth per Ukas eine aus Schülern des Kadettenkorps zusammengestellte Theatergruppe zum ersten ständigen Theaterensemble von Russland, zum kaiserlichen Hoftheater, erhob. Bevor diese Schauspielgruppe im Jahre 1832 in das heutige Gebäude am Ostowskij-Platz einzog, gastierte es an verschiedenen Plätzen der Hauptstadt.

Das strenge, klassizistische Gebäude wird an seiner dem Ostrowskij-Platz zugewandten Hauptfassade durch eine Loggia aus sechs korinthischen Säulen gegliedert. Eingerahmt wird diese Loggia durch zwei Nischen in denen Statuen des Bildhauers Wassilij Demuth-Maljanowskij stehen, welche die Muse Melphomene (die Muse des Schauspiels) und Terpsichore (die Muse des Tanzes), darstellen. Die Attika wird von einer Quadriga mit Apollo, dem Gott der Künste, als Wagenlenker, bekrönt. In einer Hand hält Apollo einen Siegeskranz, in der anderen eine Kythara, deren Saiten Apollo nach dem antiken Mythos wahrhaft göttliche Töne entlockte. Die Seitenfassaden des Theatergebäudes werden durch jeweils achtsäulige Portiken gegliedert, während die Rückfront als Aus- beziehungsweise Endfront der Rossi-Straße (vormals Theaterstraße) konzipiert ist. Der prächtige, 1.500 Menschen fassende Zuschauerraum des Theaters präsentiert sich mit seinen vergoldeten Schnitzereien noch so, wie unmittelbar nach seiner Entstehung. Die Logen sind reichlich mit Samt und Ornamenten ausgestattet.

Die Geschichte und Entwicklung der dramatischen Dichtung (Klassik, Romantik, Realismus) sind in Russland eng mit den Aufführungen im Alexandra-Theater verbunden. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts umfasste das Repertoire Werke der russischen Autoren Alexander Sumarokow (1717-1777) und Iwan Krylow (1768-1844). Am 19. April 1836 wurde hier Nikolaj Gogols (1809-1852) "Revisor" unraufgeführt, heute eines der meistgespieltesten russischen Theaterstücke, das seine Aktualität noch immer nicht verloren hat. Gogol hat es viel Mühe gekostet, die Aufführung seines Stücks zu erreichen. Die Zensurbehörde war beim Lesen aufgeschreckt und hatte das Stück verboten und dem Autor blieb nur, sich an die höchste Instanz zu wenden. Das hat er auch getan und Kaiser Nikolaus I. fand Gefallen an dem Theaterstück und gab die Erlaubnis, die Komödie zu spielen. Der Kaiser, der bei der Uraufführung unerwartet im Theater erschienen war, blieb bis zum Ende der Aufführung, lachte aus vollem Halse und sagte, als er aus seiner Ehrenloge kam: "Na, das ist ein Stück! Alle haben etwas abbekommen und ich selbst am meisten!" Doch das Publikum teilte die begeisterte Meinung des Kaiusers nicht. Es war nicht nur die Entrüstung über das angeblich entstellte Bild Russlands voller Korruption und Falschheit, die zu der allgemeinen Haltung eines großen Teils des Premierenpublikums führte, sondern auch das Unverständnis gegenüber den Gattungselementen wie dem Verzicht auf die Liebesintrige, den glücklichen Ausgang oder das Korrektiv einer positiven Figur. "Bereits nach dem ersten Akt lag Unverständnis auf allen Gesichtern", schrieb Gogol nach der Aufführung, "dieses Unverständnis nahm dann mit jedem Akt zu. Am Ende der Aufführung klatschte kaum jemand. [...] Alle sind gegen mich." Gogol reiste, um sich dem Sturm von Wut und Jubel zu entziehen, für zwölf Jahre ins Ausland in eine Art freiwilliges Exil. Aus der Ferner konnte er beobachten, wie sein Stück von Aufführung zu Aufführung mehr Erfolg hatte. Auch Gogols vollkommen unpolitische Komödie "Die Heirat" wurde am 9. Dezember 1842 im Alexandra-Theater uraufgeführt. An der Wende zum 20. Jahrhundert wandte sich das kaiserliche Theater den Neuerungen der dramatischen Kunst von Anton Tschechow zu - scheiterte allerdings damit. Am 17. Oktober 1896 wurde hier Tschechows Stück "Die Möwe" uraufgeführt und fiel beim Publikum und bei der Kritik durch. Tschechow war zutiefst verletzt und floh Hals über Kopf auf sein Landgut bei Melichowo. Nach der Revolution 1918 wurden am Alexandra-Theater vor allem neue sowjetische Stücke gespielt. Im Zweiten Weltkrieg, während der 900tägigen Blockade Leningrads, wurden in den Kellern des Theatergebäudes Leichen gelagert. Die hervorragendsten Schauspieler der Jahre 1950-1980 wurden unter der Bezeichnung "Künstler des Volkes der UdSSR" zusammengeschlossen und Boris Frejindlich, ein Vertreter dieser berühmtren Gruppe, tritt noch heute auf. Heute gehört das Alexandra-Theater zu den Bühnen St. Petersburgs, die das Publikum am meisten schätzen. Der Spielplan umfasst russische und ausländische Klassiker, sowie zeitgenössische Stücke.

 

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Pavillons des Anitschkow-Palastes

Als östliche Begrenzung des Ostrowskij-Platzes errichtete Carlo Rossi 1816-1818 im Park des Anitschkow-Palastes zwei Pavillons. Sie werden durch ein schmiedeeisernes, ebenfalls von Rossi entworfenes Gitter miteinander verbunden. Die beiden einheitlich gestalteten Bauten weisen an ihren dem Platz zugewandten Fassaden ionische Säulen und in den Eckfelder Statuen von Kriegern in unterschiedlichen Posen auf.

 

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Anitschkow-Palast

Nr. 39

Der Anitschkow-Palast verdankt seinen Namen dem Militäringenieur und Bataillonskommandeur Michail Anitschkow, dessen Regiment die erste ständige Brücke über die nahegelegene Fontanka schlug. Kaiserin Elisabeth I. hatte das Grundstück an der Fontanka 1741 aus Anlass ihrer Thronbesteigung erworben. Anhand von Plänen des Architekten Michail Zemzow lie0 sie für ihren geheimen morganatischen Ehemann Alexej Rasumowskij zwischen 1741 und 1759 einen Palast errichten. Nachdem der Architekt während der Bauarbeiten verstarb, ging die Leitung an seinen Mitarbeiter Dmitrijew über, später an Rastrelli, der das Palais im Stil des Petersburger Barocks aus- beziehungsweise umbaute. Nach dem Tod von Alexej Rasumowskij fiel das Gebäude wieder an die Krone zurück. Katharina II. schenkte den Anitschkow-Palast 1776 ihrem Günstling Grigorij Potemkin, der es - er war praktisch immer hoch verschuldet - ohne mit den Wimpern zu zucken verkaufte. Doch die Kaiserin bewies Geduld, sie kaufte das Palais zurück und verschenkte es wiederum an Potemkin. Wer letztlich hartnäckiger blieb? Potemkin. Er verkaufte das bereits zum zweitenmal geschenkte Palais 1785 erneut. Nachher lebten in dem Palast einige Thronfolger. Besonders Alexander III., der hier seine Sammlung von russischen Gemälden aufbewahrte (den Grundstock zum Russischen Museum), hielt sich gerne und oft hier auf. Zuletzt bewohnte seine Witwe den Palast, die Kaiserin Maria Fjodorowna (= Dagmar von Dänemark), die Mutter des letzten Kaisers Nikolaus II., bevor sie aus Russland emigrierte. Heute dient der Palast als Jugendzentrum, in dem sieben- bis fünfzehnjährige Kinder und Heranwachsende mit musikalischen, schauspielerischen und technischen Aktivitäten ihre Freizeit verbringen.

Im Laufe der Zeit erfuhr der Palast zahlreiche Umbauten und Veränderungen, da ihn die jeweiligen Bewohner nach ihrem Geschmack und dem neuen Zeitgeist veränderten. Die Fassade des Palastes zur Fontanka wurde in den siebziger Jahres des 18. Jahrhunderts des barocken Schmuckes beraubt. Iwan Starow gestaltete die Fassade 1778 im klassizistischen Stil und er ersetzte die schwungvollen, glöckenförmigen Dächer der Seitenflügel durch flache Kuppeln. 1806-1810 nahm Luigi Rusca Neuerungen an der Gartenfassade und an der Innenausstattung vor. Carlo Rossi gestaltete 1816 einige Innenräume um und errichtete im Garten die beiden am Ostrowskij-Platz gelegenen Pavillons. 1875 baute Rahau an der Hofseite ein vorspringendes Vestibül an. Nach der Revolution wurden die Innenräume durchgreifend umgestaltet. Die alte Dekoration hat sich nur im Treppenhaus, im Roten und Blauen Salon sowie im Wintergarten erhalten.

 

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Kabinett

Auf dem Grundstück des Anitschkow-Palastes errichtete Giacomo Quarenghi am Ufer der Fontanke zwischen den Jahren 1803 und 1805 im Stil des reifen Klassizismus das Kabinett, eine Ladengalerie, die später die "Privatkanzlei ihrer Hoheit" aufnahm. Die beiden Geschosse des im Grundriss u-förmigen Baus werden durch vorangestellte ionische Säulen gegliedert. Ursprünglich standen auf dem Dach Statuen.

 

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Antischkow-Brücke

Die fast 55 m lange und 37 m breite Anitschkow-Brücke leitet den verkehrsreichen Newskij Prospekt über die Fontanka. Zur Zeit Peters I. gab es an der Stelle lediglich eine einfache Holzbrücke, die allerdings wegen des sumpfigen Geländes viermal so lang war wie die heutige. Sie war vom Regiment des Obersts Michail Anitschkow, dessen Namen sie trägt, 1715 über den Fluss geschlagen worden. Da die Fontanka die Stadtgrenze bildete, stand hier der Schlagbaum und Wachposten und Zollbeamte kontrollierten den aus Moskau und Nowgorod kommenden Verkehr. Bereits sechs Jahre nach ihrer Erbauung musste die Anitschkow-Brücke durch eine neue Brücke ersetzt werden, da die auf der Fontanka verkehrenden Schiffe nicht unter ihr durchfahren konnten. Die zweite Anitschkow-Brücke war eine Klappbrücke, die der heute noch bestehenden Lomonossow-Brücke ähnlich war. Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Holzbrücke durch eine steinerne ersetzt. Ihre heutige Gestalt erhielt die Brücke in den Jahren 1834-1841 durch Alexander Brüllow, der sie erheblich verbreiten ließ und mit grauem Granit verkleidete. Ihre Berühmtheit verdankt die Anitschkow-Brücke durch die bronzenen Statuen der vier "Rosebändiger", die 1841 von Peter Clodt von Jürgensburg geschaffen wurden und 1849 auf ihren Brückenpodesten Aufstellung fanden. Die Figuren, welche die einzelnen Zähmungsphasen einer Pferdebändigung darstellen, fanden wegen ihrer außergewöhnlichen Schönheit sehr großen Beifall. Kaiser Nikolaus I. ließ Abgüsse von den Skulpturengruppen machen und schenkte zwei davon seinem Schwager, dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV. (sie wurden vor dem Berliner Stadtschloss aufgestellt), zwei weitere Abgüsse gingen, ebenfalls als Geschenk, nach Neapel.

Der Zähmungsprozess des Pferdes, der von einem dramatischen Streit zwischen Mensch und Tier in Harmonie mündet, beginnt bei der Skulpturengruppe vor dem Anitschkow-Palast und setzt sich dort im Uhrzeigersinn fort. Sowohl das Pferd wie auch der Bändiger verkörpern das klassische Ideal einer stolzen und kraftvollen Schönheit, Voll ebenbürtig treten sie zum Kampf an. Die erste Skulptur zeigt einen von sich überzeugten Bändiger und ein Pferd, das die drohende Gefahr spürt. Wild geworden bäumt sich das Pferd in der Szenerie der zweiten Skulpturengruppe auf seinen Hinterbeinen auf. Der Bändiger kann es noch halten, obgleich er, ebenso wie die Pferdedecke, zu Boden fällt. Die dritte Skulptur stellt einen wieder halb aufgerichteten Rossbändiger und ein Pferd da, das sich etwas beruhigt hat. Der dramatische Wettstreit endet in harmonischer Eintracht bei der vierten Gruppe: hoch aufgerichtet sind beide - Pferd und Reiter - stolz miteinander verbunden. Das Pferd hat sich dem menschlichen Willen untergeordnet und der menschlichen Kraft gebeugt; gebeugt, ohne das sein Wille gebrochen wäre. Die Pferdedecke der vergangenen Episoden ist durch ein Löwenfell ersetzt, das den symbolischen Bezug zu St. Petersburg darstellt: es ist das Löwenfell des russischen Herakles, das heißt das Löwenfell von Peter dem Großen, der die scheinbar unbezwingbare Natur im Newa-Delta mit dem Bau der Stadt gebändigt hat. Die Figurengruppen brachten ihrem Schöpfer Peter Clodt von Jürgensburg großen Ruhm ein: er wurde nacheinander Ehrenmitglied der Berliner, Pariser und der Römischen Akademie der Künste. Den Zweiten Weltkrieg überstanden die Figuren unbeschadet, da man sie im Park des Anitschkow-Palastes vergraben hatte. Das mit Meerjungfrauen, Seepferdchen und Delfinen geschmückte, schmiedeeiserne Gitter der auf drei Bögen ruhenden Brücke gestaltete Brüllow nach dem Vorbild des Gitters der von Karl Friedrich Schinkel erbauten Schlossbrücke in Berlin.

 

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Fontanka

Der Fluss Fontanka schlängelt sich auf annähernd 7 km durch das Zentrum von St. Petersburg. Die Fontanka zweigt beim Sommergarten von der Newa ab und mündet auch wieder in diese, kurz bevor sie in den Finnischen Meerbusen einmündet. Ihren Namen verdankt die Fontanka der Tatsache, dass mit ihren Wassern die Fontänen des Sommergartens bis 1777 gespeist wurden, zuvor hieß sie "Besmjanj-Erik" (= Fluss ohne Namen"). Im 18. Jahrhundert bildete die Fontanka die südöstliche Stadtgrenze. Ende desselben Jahrhunderts wurden ihre Ufer begradigt und in Granit eingefasst.

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ZWISCHEN FONTANKA UND PLATZ DES AUFSTANDES

 

Bjelosselskij-Bjeloserskij-Palais

Nr. 41  

Bjelosselskij-Bjeloserskij-Palais

DAS BJELOSSELSKIJ-BJELOSERSKIJ-PALAIS 

Das leuchtend rot gestrichene Bjelosselskij-Bjeloserskij-Palais zählt zu den schönsten Bauten der Stadt. Es wendet seine prachtvolle Hauptfassade dem Newskij Prospekt, eine seiner nicht minder beeindruckenden Seitenfassaden der Fontanka zu. Das Palais wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts als Stadtresidenz des Fürsten Myatlew erbaut, den ersten Direktor der neugegründeten Assignatenbank. Um 1780 wurde es von Thomon im klassizistischen Stil umgebaut. 1797 erwarb die einflussreiche und sehr wohlhabende Familie Bjelosselskij-Bjeloserskij den Palast. Sie ließ ihn zwischen den Jahren 1846 und 1848 durch Andrej Stakenschneider umbauen. Als Vorbild dienten dem Architekten die Bauten des Petersburger Barocks. Das Äußere und das Innere des Palastes ist mit üppiger Barockzierart, wie es im 18. Jahrhundert üblich war, ausgeschmückt. Die Fassaden zieren Dreiviertelsäulen, Pilaster, grazile Fensterverkleidungen und verkröpfte Giebel. Dank der auffallenden Farbgebung und der schwer tragenden Atlanten stellt das Palais nicht nur den gegenüber gelegenen Anitschkow-Palast, sondern selbst den Winterpalast in den Schatten. Im Inneren beeindruckt vor allem die rote Galerie. Auch dort tragen ihrem Schicksal ergebene Atlanten das Gebälk.

Zu Ende des 19. Jahrhunderts fiel der Palast an die Krone. Nikolaus II. verbrachte hier einen Teil seiner Zeit als Thronfolger. Der letzte Eigentümer war ein Sohn des Kaisers Alexander II., Großfürst Sergej Alexandrowitsch, der 1905 in Moskau einem Attentat zum Opfer fiel. Während des Sowjetregimes barg das Gebäude Büros der KPDSU. Heute beherbergt der Palast das städtische Kulturzentrum: der Spiegelsaal und der Eichensaal sowie das ehemalige Privattheater werden für Theateraufführungen, Konzerte und Lesungen genutzt, in den übrigen Salons finden Ausstellungen klassischer und zeitgenössischer Kunst statt, zudem ist in den Räumen ein Wachsfigurenkabinett untergebracht.

 

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Zentrale Steuerbehörde

Das rotgetünchte Gebäude, in dem heute die zentrale Steuerbehörde untergebracht ist, bewohnte von 1842 bis zu seinem Tode 1848 der Literaturkritiker Wissairon Belinskij. Belinskij war ein einflussreicher, am Ende seines Lebens von sozialrevolutionären Ideen geprägter Journalist und Kritiker; um ihn versammelten sich die Schriftsteller Nekrassow, Turgenjew, Grigorowitsch und Dostojewskij. Belinskij stand mit den Revolutionären Michail Bakunin und Alexander Herzen in Verbindung. Sein vom utopischen Sozialismus geprägter Abschiedsbrief an Gogol machte großen Eindruck auf die russischen Intellektuellen in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Dostojewskij wurde zum Teil wegen der Lektüre dieses Briefes nach Sibirien verbannt.  In dem Haus ist heute die zentrale Steuerbehörde untergebracht.

 

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Haus Nr. 60 / Haus Nr. 80 / Haus Nr. 82

Der Teil des Newskij Prospekts, der zwischen Litejnyj Prospekt, Wladimir Prospekt und Marata Uliza liegt, wird vor allem durch Mietshäuser aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und vom Anfang des 20. Jahrhunderts gegliedert. Im Haus der Nummer 60 wohnte zeitweise der satirische Schriftsteller Michail Saltykow (1826-1889), der seine Werke unter dem Pseudonym Schtschedrin veröffentlichte. Im Haus der Nummer 80 wurde von französischen Filmpionieren, den Gebrüdern Lumiére, 1896 der erste Kinosaal der Stadt, das Lichtspieltheater "Parrisana", eingerichtet. Zuvor hatte sich in dem Gebäude das Aquarium-Theater befunden. Im Jahre 1815 bezog Wladimir Schukowskij, der mit seinen Übersetzungen von englischen, französischen und deutschen Gedichten die russische Romantik nachhaltig beeinflusste, eine Wohnung in der Nummer 82.

 

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Haus der Schauspieler

Nr. 86

Dieses Stadtpalais stammt aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Es wurde zwischen 1820 und 1830 von den Architekten Owssianikow und Fosatti im klassizistischen Stil umgebaut. Im 19. Jahrhundert gehörte das Palais der Familie Jussupow, die hier zahlreiche Konzerte und Ausstellungen organisierte. Die Fassade gliedert ein Portikus aus sechs weißen Säulen. Heute haben mehrere Theaterverbände hier ihren Sitz: die "Vereinigung der Bühnenschaffenden", die "Russische Theatergesellschaft" und der "Stanislawski Kunstpalast", der zahlreiche Abendveranstaltungen, Seminare, Vorträge und Ausstellungen von Bühnenbildern sowie internationale Festivals und Wettbewerbe.

 

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Newskij-Palace-Hotel

Nr. 57

Das Gebäude (erbaut 1961 durch den Architekten Lange) beherbergte einst die Schule für Kunsthandwerk, die von Kaiser Nikolaus II. ins Leben gerufen worden war.

 

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Samojlow-Museum

Nr. 57

Im Gebäude des "Newskij-Palace-Hotels" wurde 1994 ein Museum eröffnet, das sich der Familie Samojlow widmet, aus der unter anderem der Schauspieler Wassilij Samojlow hervorging, der am Alexandra-Theater spielte und dort über 50 Rollen verkörperte. In den Räumen des Schauspielers sind dessen persönlichen Dinge ausgestellt, dazu Theaterrequisiten aus dem 19. Jahrhundert sowie die prunkvolle Ausstattung der kaiserlichen Theaterloge. 

 

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Ligowskij-Prospekt / Oktjabrskij-Kozerthalle

Einige Häuser weiter kreuzt der Ligowskij Prospekt, der am Ende des 19. Jahrhunderts über einen Teil eines Kanals gleichen Namen angelegt wurde, den Newskij Prospekt. Den Wasserlauf, den man einst ausgehoben hatte, um die Fontänen des Sommergartens zu speisen, schüttete man damals vollkommen zu. Im 19. Jahrhundert war die Straße für ihre zahlreichen Droschken, Schenken, Teesalons, Tavernen und billigen Hotels bekannt. Am Ausgangspunkt der Straße stand früher eine griechisch-orthodoxe Kirche, die in den Jahren 1861-1866 in dem für St. Petersburg ungewöhnlichen byzantinischen Stil erbaut worden war. Nach ihrer Schließung Ende der dreißiger Jahre riß man sie ab, ihren Platz nimmt heute der Oktjabriskij-Konzertsaal ein.

 

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Brotmuseum

Nr. 73

Das Museum, im dritten Stock einer Bäckerei gelegen, veranschaulicht nicht nur die Geschichte des Brotbackens seit der Gründung der Stadt, sondern informiert auch über die russischen Bräuche, die mit diesem Nahrungsmittel verbunden sind.

 

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Platz des Aufstandes

Auf dem Platz des Aufstandes weigerten sich 1917 Einheiten des Garderegiments auf friedliche Demonstranten zu schießen. An dieses Ereignis erinnert der Name des Platzes noch heute. Beherrscht wird die weiträumige Platzanlage vom Moskauer Bahnhof. In der Mitte des Platzes stellte man 1906 ein Standbild für Alexander III. von Paul Trubezkoj auf. Es stellte einen Koloss von einem Mann dar, einen stiernackigen Reiter mit ungeheuren, freilich nur physischen Kräften. Das Denkmal rief widersprüchliche Eindrücke und Emotionen hervor. Lew Uspenski beschrieb es folgendermaßen: "Inmitten des Platzes lag ein purpurfarbenes Parallelepiped, etwas in der Art einer titanischen Truhe. Und auf ihm ... saß, sich mit den straff gezogenen Zügeln fast bis zu den Fesseln eines riesigen schwergewichtigen Pferdes herabneigend, ein fettleibiger Mensch, gekleidet wie ein Schutzmann..." Nach der Revolution wurde dem Standbild ein von dem Schriftsteller Demjan Bednyj verfasstes Epigramm beigegeben worden, das prosaisch so lautete: "Mein Sohn und auch mein Vater sind gerichtet worden; ich jedoch, ohne Ruhm selbst nach dem Tode, stehe hier als Vogelscheuche aus Gusseisen in dem Land, das das Joch der Autokratie abgeschafft hat." Das Denkmal, dem bescheinigt wurde, "keinen historischen Wert zu besitzen", wurde 1937 entfernt. Es steht heute im Hof des Marmorpalastes. Seine Stelle nimmt ein 48 m hohen Obelisk mit goldenem Stern ein, der 1985 aus Anlass des vierzigsten Jahrestages des Kriegsendes errichtet wurde.

 

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Metrostation

Bis 1918 hieß der Platz des Aufstandes nach einer Kirche, welche auf Anordnung der Kaiserin Elisabeth und Holz errichtet und 1764 vollendet wurde, Snamjenskaja Platz. Ende des 18. Jahrhunderts beschloss man, den bescheidenen Holzbau durch eine große Steinkirche zu ersetzen, dessen Grundstein 1794 gelegt wurde. In der Kirche, die 1804 fertiggestellt war, wurden bis 1939 Gottesdienste abgehalten. Im Krieg wurde die Kirche zerstört und danach nicht mehr wieder aufgebaut. An seiner Stelle steht heute ein Pavillon der Metro, der architektonisch der Kirche nachgestaltet ist.

 

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Moskauer Bahnhof

Das Gebäude des Moskauer Bahnhofs (vormals Nikolaus-Bahnhof) wurde durch den Architekten Konstantin Thon zur Eröffnung der Fernstrecke St. Petersburg-Moskau am 1. November 1851 in einem palastartigen Stil fertiggestellt und ist heute der älteste erhaltene Bahnhof der Stadt. 1951 umgebaut, präsentiert sich heute allerdings nur noch die Fassade mit ihren korinthischen Säulen und die Eingangshalle noch so, wie kurz nach der Fertigstellung des Gebäudes. 1967 stattete man die große Halle mit einer Leninbüste aus, auf deren Sockel das Dekret des zweiten Parteikongresses aus dem Jahr 1924 zu lesen war, das die Umbenennung der Stadt in Leningrad festlegte. Heute steht hier eine Statue des Stadtgründers Peter I. In Moskau wurde von dem gleichen Architekt ein Bahnhofsgebäude geschaffen, das dem St. Petersburger bis ins Detail gleicht.

 

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Hotel Oktjabrskaja

Die interessante Geschichte des Hotels ist trotz seines heruntergekommenen Zustandes noch immer erkennbar. 1847 erbaut, wurde es im Zweiten Weltkrieg ein Hospital für die ausgehungerten Leningrader und beheimatete 1944 die vor den Nationalsozialisten geflüchtete Regierung Estlands.

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ZWISCHEN PLATZ DES AUFSTANDES UND ALEXANDER-NEWSKIJ-KLOSTER

Alter Newskij

Hinter dem Platz des Aufstandes macht der Newskij Prospekt einen Knick nach Süden und wird nun zu einer Wohnstraße mit kleinen Läden und Imbissbuden. Volkstümlich wird dieser Teil der Straße, der 1712 als Weg für Pilger des Alexander-Newskij-Klosters angelegt wurde, als "Starij Newskij" ("Alter Newskij") bezeichnet. Die mit Baumreihen bepflanzten Nebenstraßen des alten Newskij laden mit ihren hübschen kleinen Restaurants zum Verweilen ein.

 

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Alexander-Newskij-Kloster

Der am südlichen Ende des Newskij Prospekts gelegene Kloster gehört zu den berühmtesten Klosteranlagen in Russland. Es umfasst innerhalb seiner Mauern 11 Kirchen und Kapellen sowie die Residenz des Metropoliten. In einem Trakt des Klosters ist die geistliche Akademie untergebracht, in der seit 1802 junge Priester ausgebildet werden. In der die Anlage beherrschende Dreifaltigkeitskathedrale finden zweimal täglich Gottesdienste abgehalten. Angegliedert sind dem Alexander-Newskij-Kloster mehrere Friedhöfe, von denen vor allem der Lazarus- und der Tichwiner-Friedhof besuchenswert sind. Der Zutritt zu dem von Mauern und Wassergräben umgebenen Klosteranlage ist kostenfrei, Eintrittskarten müssen nur für den Besuch des Lazarus- und des Tichwiner-Friedhof sowie für das Museum in der Mariä-Verkündigungs-Kathedrale gelöst werden.

 

Baugeschichte

Peter I. gründete das Kloster 1710 an der Stelle, wo laut vermeintlicher Überlieferung der Nowgoroder Fürst Alexander Jaroslawitsch - später erhielt er den Beinamen "Newskij" - am 15. Juli 1240 einen wichtigen Sieg über die Schweden errungen hatte. Die Gebeine von Alexander Newskij, der 1263 heiliggesprochen war, wurden im Jahre 1724 von Wladimir nach St. Petersburg überführt und fortan im Alexander-Newskij-Kloster aufbewahrt, als Zeichen des aus der Geschichte begründeten russischen Gebietsanspruchs auf die von Schweden im Großen Nordische Krieg (1700-1721) abgerungenen Ländereien.

Zunächst war in dem Klosterbezirk nur eine einfache Holzkirche errichtet worden. Doch schon kurze Zeit später schuf Domenico Trezzini einen großartigen Entwurf für die Klosteranlage, den er 1715 dem Zaren vorlegte. Der Plan sah eine langgestreckte Anlage an der Newa vor. Zwischen Kloster und Fluß sollte ein Garten im französischen Stil vor. Links und rechst der von einem Turm beherrschten Kirche sollten sich die dreifach zurückgestaffelten Klostertrakte erstreckten. Reich gegliederte Pavillons, die ebenfalls Türme getragen hätten, waren als Kopfbauten geplant. Dahinter sollte ein kleiner rechteckiger Hof liegen, der seitlich von Gebäuden begrenzt worden wäre. Die Rückseite sollte von einer Mauer abgeschlossen werden, durch die zwei Portale hinaus in die Landschaft geführt hätten. Der Plan musste verworfen werden, da Trezzini die rituelle Ausrichtung der Gebäude nicht beachtete. Dennoch gab Peter I. Domenico Trezzini 1717 den Auftrag, die steinerne Mariä-Verkündigungs-Kirche zu bauen. In der Folge entstanden zunächst die östlichen Klostergebäude. Ein zweiter Plan für die Klosteranlage, der vorsah, das Kloster senkrecht zum Fluss hin auszurichten, stammt aus der Hand des Deutschen Architekten Theodor Schwerdtfeger. Zu beiden Seiten der Kirche sollten die dreifach zurückspringenden Gebäudeflügel angeordnet waren, die in zwei von Türmen überragten Kirchen enden sollten. Die Rückseite des Klosters sollte sich auf einen Hof öffnen und weiter auf Blumenrabatten eines großen Gartens, der von fächerartig verlaufenden Alleen unterteilt werden sollten. Eine halbkreisförmige Mauer mit einem monumentalen Torbau sollte den Klosterhof umgeben. Doch auch diese Pläne wurden nicht verwirklicht. Schwerdtfeger errichtete aber zwischen 1720 und 1732 die Dreifaltigkeitskathedrale, die jedoch schon 1755 wieder abgetragen wurde, da ihre Fundamente nicht haltbar genug waren. Die übrigen Klostertrakte erbauten die Architekten Domenico Trezzini und M. Rastorgujew im Stil des Petersburger Barocks.

Die zweite Bauphase steht ganz unter dem Zeichen des Architekten Iwan Starow. Er errichtete im Auftrag der Kaiserin Katharina II. die klassizistische Dreifaltigkeitskathedrale sowie die Torkirche. Ende des 18. Jahrhunderts waren die Klostergebäude dann fertiggestellt. Kaiser Paul I. erhob das Kloster im Jahre 1797 zur Lawra, ein Ehrentitel, den außer dem Alexander-Newskij-Kloster nur drei weitere Klöster in Russland - eines in Sargorsk, eines in Kiew und eines in Wolhynien - beanspruchen können.

 

Torkirche

Um den Klosterbezirk zu betreten passiert man die in den Jahren 1783-1785 errichtete Torkirche. Der Kirchenbau, der eine schmucklose Fassade in Form eines römischen Triumphbogens besitzt, wurde von Iwan Starow entworfen. Er trägt eine flache Kuppel.

 

Lazarus- und Tichwiner-Friedhof

 Der Lazarus- und der Tichwiner-Friedhof sind durch das Flüsschen Monastyrka vom eigentlichen Klosterbezirk abgetrennt. Der Lazarus-Friedhof (Nekropole des 18. Jahrhunderts) ist die älteste Grabstätte der Stadt, Beisetzungen finden hier seit 1716 statt. Erste Tote, die hier ihre letzte Ruhe fand, war die Lieblingsschwester von Peter I., Großfürstin Natalja Alexejewna. In der Folge erwarben vor allem Mitglieder der Aristokratie und hohe Würdenträger ihre Grabstätten, auch viele namhafte Künstler (vor allem Architekten) hatten die Ehre, auf dem Friedhof beigesetzt zu werden. Der Verkauf der Grabplätze war dem Kloster eine wichtige Einnahmequelle. Man findet hier das Grab des russischen Gelehrten und Dichters Michail Lomonossow (1711-1765), das Grab des Mathematikers Leonard Euler (1707-1783), das der Maler Wladimir Borowikowskij (1757-1825) und Silvester Schtschedrin (1791-1830) und das der Bildhauer Feodossij Schtschedrin (1752-1825), Iwan Martos (1752-1835), und Michail Koslowskij (1753-1802). Außerdem stößt man auf viele Gräber bedeutender Architekten St. Petersburgs: Iwan Starow (1743-1808), Andrej Woronichin (1759-1814), Giacomo Quarenghi (1744-1817), Jean Thomas de Thomon (1754-1813), Andrej Sacharow (1761-1811), Wassilij Stassow (1769-1849) und Carlo Rossi (1775-1849) fanden hier ihre letzte Ruhe. Daneben ist vor allem das Grab der Gräfin Lanskaja interessant, die in erster Ehe mit Alexander Puschkin verheiratet war. Im östlichen Teil des Friedhofs befindet  sich die Lazarus-Kirche mit dem Grab der Fürsten Bjelosselskij-Bjeloserskij.

Der Tichwiner Friedhof (Nekropole der Meister der Kunst) ist wesentlich jünger als der Lazarus-Friedhof, er wurde erst 1832 eröffnet. Die sterblichen Überreste verschiedener Künstler wurden erst später dorthin überführt, so befand sich das Grab von Anton Rubinstein ursprünglich auf dem Nikolaus-Friedhof. Ein Rundgang auf des mit schmalen Pfaden durchzogenen, parkähnlichen Friedhofs lohnt sich unbedingt, schon allein wegen der reichen Denkmalsarchitektur. Das Grabmahl Fjodor Dostojewskijs (1821-1881) mit einer Porträtbüste des Schriftstellers, liegt im nordöstlichen Teil. An der Friedhofsmauer entlang befinden sich die Gräber der Komponisten Alexander Borodin (1834-1887), Modest Mussorgskij (1839-1881), Nikolaj Rimskij-Korssakow (1844-1908), Anton Rubinstein (1829-1894) und das Peter Tschaikowskijs (1840-1893), nicht weit davon entfernt das Grab des Komponisten Michail Glinka (1804-1857). Außerdem beachtenswert sind die Gräber des Schriftstellers Iwan Krylow (1768-1844), des Historikers Nikolaj Karamzin (1766-1826), der Politiker Michail Speranskij (1772-1839) und Dmitrij Bludow (1785-1864), des Choreographen Marius Pepita (1818-1910), der Maler Pawel Fedotow (1815-1852), Boris Kustodiew (1878-1927), Iwan Kramskoj (1837-1887) und Walentin Serow (1865-1911) sowie der Bildhauer Wassilij Demuth-Maljanowskij (1779-1846) und Peter Clodt von Jürgensburg (1805-1867).

 

Gesamtanlage

Die Allee zwischen den beiden Friedhöfen überquert einen kleinen Kanal und führt durch ein Tor in den eigentlichen Klosterbezirk. Der Wassergraben mündet weiter in den Obwodnij-Kanal, den "Seitenkanal", der 1805-1834 angelegt wurde. Der aus zweigeschossigen Galeriebauten bestehende Komplex bildet ein geschlossenes Rechteck. Im Osten verbinden Zellentrakte die Mariä-Verkündigungs-Kirche mit der Dreifaltigkeitskathedrale und der ähnlich der Verkündigungs-Kirche gestalteten Fedor-Kirche. In die Zellentakte des Südflügels 

 

Mariä-Verkündigungs-Kirche

Die Mariä-Verkündigungs-Kirche entstand 1717-1722 nach Plänen von Domenico Trezzini als erstes steinernes Gebäude der Klosteranlage. Das weiß-rote Gebäude nimmt sich mit seinem rechteckigen Grundriss, dem hohen Terrassendach und den langgestreckten großen Fenstern wie ein Profanbau aus. Die Kuppel auf hohem Tambour wird von einer kleinen Laterne mit vergoldeter Zwiebelkuppel abgeschlossen. Von jeher diente die Kirche als Begräbnisstätte für Mitglieder der Zarenfamilie und anderer hochgestellten Persönlichkeiten.

Das in zwei Geschosse unterteilte Innere der Kirche beherbergt heute das Muserum für städtische Skulpturen. Im Erdgeschoss sieht man die schlichten Grabplatten von Angehörigen der Zarenfamilie, unter anderen ruhen hier ein Sohn und eine Schwester Peters I., der Feldmarschall Suworow (gest. 1800), der geheime Ehemann der Kaiserin Elisabeth, Fürst Alexej Rasumowskij, und Iwan Schuwalow, der Gründer der ersten Universität Russlands. Vom Begräbnis Suworows am 6. Dezember 1800 hat sich folgende Begebenheit überliefert: als der wuchtige Sarg nicht durch das schmale Kirchenportal passte, befahl einer der Soldaten, welche die Bahre trugen, mit entschlossener Stimme: "Vorwärts, Leute, nichts kann einen Suworow aufhalten!" Und tatsächlich gelang es, den Sarg durch die Tür zu bringen. Suworow wählte seine schlichte Grabinschrift selbst aus: "Hier liegt Suworow". Im angrenzenden Raum werden alte und künstlerisch besonders wettvolle Grabsteine aufbewahrt. Im Obergeschoss sind Modelle berühmter Denkmäler und Skulpturen ausgestellt, unter anderem die von der Alexandersäule, des Ehernen Reiters und der Roßebändiger der Anitschkow-Brücke.

 

Dreifaltigkeitskathedrale  

Dreifaltigkeitskathedrale

DIE DREIFALTIGKEITSKATHEDRALE - SEITENFASSADE UND INNENRAUM

Dort, wo sich heute die alles überragende Dreifaltigkeitskathedrale erhebt, stand schon um 1710 eine erste, dem hl. Alexander Newskij geweihte Holzkirche. Ab 1720 wurde sie von Theodor Schwerdtfeger durch eine steinerne Kathedrale im Stil des mitteleuropäischen Barocks ersetzt, die jedoch aus technischen Gründen nicht vollendet werden konnte, da sie schlecht fundamentiert war und einzustürzen drohte. 1732 wurden die Arbeiten daran eingestellt, aber erst 1755 befahl Kaiserin Elisabeth den Abbruch der Kirche. In den Jahren 1776-1790 entstand dann der heutige Bau im Zentrum der Anlage im klassizistischern Stil unter Leitung von Iwan Starow. Die Massigkeit der Kathedrale bildet einen scharfen Gegensatz zu den anderen Bauten des Klosters. Sie erhebt sich wie der Vorgängerbau auf dem Grundriss eines lateinischen Kreuzes. Die Hauptfassade wird durch zwei gedrungene Türme beherrscht. Das Basrelief über dem Eingang des südlichen Turms stellt "Abraham und die drei Männer im Hain Mamres" dar, dass des nördlichen die "Heimkehr des verlorenen Sohnes". Beide Reliefs stammen von Fedor Schubin. Der sechssäulige dorische Portikus trägt einen Giebel mit dem Wappen des Alexander-Newskij-Ordens. Überragt wird der Bau von einer großen Kuppel.

Das prachtvolle Innere der Kirche wird durch mächtige Pfeiler und korinthische Säulen in drei Schiffe gegliedert. Die ornamentalen Malereien der Gewölbe und der Kuppel wurden nach den Entwürfen Giacomo Quarenghis geschaffen. Die Statuen der Propheten stammen von Fedor Schubin. Den Ikonostas aus weißem Marmor und roten Achat schmückten einst Werke von van Dyck, Rubens und Reni. Heute sind hier nur Kopien zu sehen, die Originale werden in der Eremitage aufbewahrt. Die "Verkündigung Mariä" hinter dem Ikonostas stammt von Anton Raphael Mengs. Die Ikonen der Seitenaltäre und die Gemälde der Wände wurden von Grigorij Ugriumowo, Martin Bielski und Nikolaj Utkin geschaffen. Prunkstück des Gotteshauses war einst der reich geschmückte Silbersarkophag für das Grab des hl. Alexander Newskij, der sich heute ebenfalls in der Eremitage befindet. Der Reliquienschrein, er wurde 1752 im Auftrag Elisabeths I. im Münzhof der Peter-Pauls-Festung in St. Petersburg geschaffen, besteht auf etwa 1430 kg Silber. Geschmückt wird er mit Reliefs und Statuen.

 

Fedor-Kirche

Die Fedor-Kirche wurde in den Jahren 1742-1750 als Gegenstück der Mariä-Verkündigungs-Kirche errichtet, der sie architektonisch in manchem verwandt ist. Architekt war Pietro Trezzini. Sie dient als Mausoleum für die letzten Könige und Fürsten Georgiens.

 

Metropolitenpalais

Das Metropolitenpalais, erbaut zwischen 1755 und 1758 von M. Rastorgujew, ist den Bauten Rastrellis sehr verwandt. Es unterscheidet sich von den anderen Klostergebäuden durch seine reiche architektonische Gestaltung. Säulen und Risalite schmücken den Bau, der zu beiden Seiten von überkuppelten Pavillons eingerahmt wird. Teilweise haben sich noch die Innenräume aus dem 18. Jahrhundert erhalten, allen voran der Empfangssaal, ein typischer Festraum jener Zeit. Hinter de Palais erstreckt sich der große Metropolitengarten, dessen Wege und Gewässer zum Verweilen einladen.

 

Seminargebäude / Hostientrakt

Das Seminargebäude wurde 1756-1761 von M. Rastorgujew errichtet. Der seitlich ausschwingende Bau verbindet das Metropolitenpalais mit den älteren Gebäuden des Klosters. Er beherbergte einst die "Slawische Schule", in der vorwiegend Kinder aus dem Kreis der Geistlichkeit unterrichtet wurden. Heute haben in dem zweigeschossigen Bau mit erhöhtem Mittelteil zwei theologische Lehranstalten - das Priesterseminar und die Priesterakademie - ihren Sitz. Der gegenüberliegende Hostientrakt wurde etwas später, 1761-1771, ebenfalls von M. Rastorgujew erbaut. Er ist dem Seminargebäude gleichgestaltet. An den zweistöckigen Hauptbau schließen ebenerdige Galerien mit breiten, bogenförmigen Fenstern an. Die Dominante bildet der Mitteltrakt mit Portikus, der von einem hohen Dach abgeschlossen wird. Bei einem Umbau 1822 gestaltete Wassilij Petrow das Innere zur Hostienkirche um. Unter den Bäumen des Hofs zwischen den beiden Gebäuden befinden sich in erster Linie Gräber von Soldaten und Fliegern aus dem Zweiten Weltkrieg.

 

Nikolaus-Friedhof

Östlich der Dreifaltigkeitskathedrale erstreckt sich der Nikolaus-Friedhof, auf dem zahlreiche Gelehrte und Priester des Klosters beigesetzt wurden. Mit seinen Bäumen und Gewässern erinnert er eher an einen Park. 

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Letzte Änderung: 28. Februar 2002

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