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Selasphorus rufus (Männchen) - (C) Original-Fotos von William Zittrich; animiert von Jörg Feldhusen

Archilochus colubris (Männchen) - (C) Original-Foto von Zack Sessions; bearbeitet von Jörg Feldhusen
Selasphorus platycercus (Männchen) - (C) Original-Fotos von Robert Blood; animiert von Jörg Feldhusen

Ich bin ein großer Fan von Kolibris.

Es handelt sich dabei um kleine bis sehr kleine Vögel, die es nur auf dem amerikanischen Kontinent gibt. Und dort findet man sie fast überall von Alaska im hohen Norden bis Feuerland im äußersten Süden. Die rote Linie in nachfolgender Weltkarte umschließt das Verbreitungsgebiet der Kolibris.

Kolibri-Verbreitungskarte

In Deutschland und im restlichen Europa gibt es keine freilebenden Kolibris. Dennoch glauben viele Menschen hier einen Kolibri gesehen zu haben. Es handelt sich dabei aber um einen Schmetterling mit dem Namen Taubenschwänzchen (Macroglossum stellatarum).

Auf englisch heißt die Kolibri-Vogelfamilie "Hummingbird", auf französisch "Oiseau mouche", auf spanisch "Pica flor" und auf portugiesisch "Beija flor". Sein wissenschaftlicher (lateinischer) Name lautet "Trochilidae".

Man kennt heute 328 Arten und mehrere Hundert Unterarten und alle hier in diesem Text genannten wissenschaftlichen Namen stammen aus dem Handbook of the Birds of the World - Volume 5.

Lophornis magnificus (Männchen) - (C) Original-Foto von Luiz Claudio Marigo; bearbeitet von Jörg FeldhusenSappho sparganura (Männchen) - (C) unbekannter Fotograf; Foto bearbeitet von Jörg Feldhusen

Eine Kolibriart ist schöner als die andere. Je nach Lichteinfall auf ihr Gefieder funkeln viele Kolibris wie Edelsteine in unterschiedlichen Farben. Einige Arten besitzen noch zusätzlichen Federschmuck, z.B. einen farbigen Schopf auf dem Kopf wie der Kräuselkokettkolibri (Lophornis magnificus) oder enorm verlängerte Schwanzfedern, wie die Schleppensylphe (Sappho sparganura). Die weiblichen Kolibris sind meist weniger farbenfroh, da sie alleine die Brutpflege übernehmen und ihren Feinden somit nicht so auffallen. Dennoch sind auch die Weibchen sehr schön anzusehen.

Auch die Schnabelform der Kolibris ist unterschiedlich. Der Schwertschnabelkolibri (Ensifera ensifera) besitzt einen Schnabel, der fast genauso lang ist wie sein übriger Körper (10 cm). Ihm gegenüber steht der Kleinschnabelkolibri (Ramphomicron microrhynchum) mit einer Schnabellänge von 5 mm. Der Adlerschnabelkolibri (Eutoxeres aquila) und der Rotschwanzadlerschnabel (Eutoxeres condamini) hingegen besitzen einen stark nach unten gebogenen Schnabel. Der Säbelschnabelkolibri (Anthracothorax recurvirostris) und der Degenschnabelkolibri (Opisthoprora euryptera) haben einen Schnabel, der an der Spitze nach oben gebogen ist. Die Schnabelformen der einzelnen Arten sind auf spezielle Blüten ausgelegt. Somit soll der Konkurrenzkampf vermieden werden.

Ensifera ensifera (Männchen) - (C) unbekannter Fotograf; Foto bearbeitet von Jörg Feldhusen

In dieser Vogelfamilie findet man auch den kleinsten Vogel der Welt, die Bienenelfe (Mellisuga helenae), die samt Schnabel und Steuerfedern nur 6 cm mißt. Ein wahres Fliegengewicht ist der Rotbauch-Eremit (Phaethornis ruber) der gerade mal 2 g auf die Waage bringt. Der größte Kolibri ist der Riesenkolibri (Patagona gigas) mit einem Gewicht von 20 g und einer Gesamtlänge von 22 cm. Durch ihre einzigartige Flugtechnik mit einer Flügelschlagfrequenz von bis zu 80 Flügelschlägen pro Sekunde ist es ihnen möglich in der Luft zu "stehen", seitwärts, rückwärts und sogar über Kopf zu fliegen. Diese Flugtechnik ist natürlich sehr kraftraubend und so brauchen sie einen ganz besonderen "Treibstoff", nämlich Blütennektar. So sieht man die kleinen Flugkünstler denn auch häufig vor Blüten schwirren. Von Nektar alleine kann allerdings kein Kolibri leben. Er benötigt auch Eiweiß, das er in Form von kleinen Insekten aufnimmt. Kolibris konsumieren nebenbei auch noch Pollen und Fruchtfleisch. Ihren Flüssigkeitsbedarf decken die Kolibris übrigens nicht mit dem Nektar sondern mit Trinkwasser aus anderen Quellen (Flüsse, Tau, Regenwasser usw.). Auf Grund ihrer geringen Größe kann man viele Arten leicht mit Bienen verwechseln, zumal das Fluggeräusch oftmals ähnlich summend ist. Im Normalflug erreicht ein Kolibri Fluggeschwindigkeiten von 50 bis 65 km/h, beim Sturzflug 95 km/h. Kolibris haben auch eine beachtliche Ausdauer bei ihren Wanderbewegungen über Gebirge, Seen und das Meer. So überquert der Rubinkehlkolibri (Archilochus colubris) auf seinem alljährlichen Zug von Nordamerika nach Süden im Nonstopflug den Golf von Mexiko. Die Länge des Überwasserfluges beträgt dabei 800 km, eine beachtliche Leistung für einen Vogel, der nur etwa 3 g wiegt.

Selasphorus sasin (Männchen) - (C) Original-Foto von David Roles; bearbeitet von Jörg Feldhusen

Einige Kolibriarten lassen sich nur schwer eindeutig identifizieren. So unterscheiden sich die Männchen  vom Allenkolibri (Selasphorus sasin) und Zimtkolibri (Selasphorus rufus) nur durch die Rückenfärbung. Beim Zimtkolibri ist der Rücken zimtfarbend, beim Allenkolibri ist er grünlich schimmernd. Die Weibchen der beiden Arten sind überhaupt nicht zu unterscheiden. Bei ungünstigem Lichteinfall wirken viele Kolibriarten dunkel gefärbt und somit unscheinbar. Eine genaue Spezifizierung ist dann fast unmöglich.

 

Die 17 in Nordamerika zumindest zeitweise vorkommenden Kolibris sind
der
Rubinkehlkolibri (Archilochus colubris),
der
Schwarzkinnkolibri (Archilochus alexandri),
der
Luziferkolibri (Calothorax lucifer),
der
Breitschnabelkolibri (Cynanthus latirostris),Cynanthus latirostris (Männchen) - (C) Original-Foto von Cathy Allinder; bearbeitet von Jörg Feldhusen
der
Dickschnabelkolibri (Eugenes fulgens),
der
Allenkolibri (Selasphorus sasin),
der
Zimtkolibri (Selasphorus rufus),
der 
Breitschwanzkolibri (Selasphorus platycercus),
der
Costakolibri (Calypte costae),
der
Annakolibri (Calypte anna),
die
Sternelfe (Stellula calliope),
die
Blaukehlnymphe (Lampornis clemenciae),
die
Beryllamazilie (Saucerottia beryllina),
die
Violettscheitelamazilie (Amazilia violiceps),
die
Yukatanamazilie (Amazilia yucatanensis),
der
Weißohrkolibri (Basilinna leucotis) und
der
Schwarzstirnsaphir (Basilinna xantusii).

 

Sofern Du das große Glück hast Kolibris in Deiner Umgebung zu haben und es gut mit den kleinen Kerlen meinst, kannst Du sie mit künstlichem Nektar aus der Zoohandlung füttern. Es muss jedoch gewährleistet sein, dass der Futterautomat stets sauber und der Nektar niemals länger als 3 Tage im Automaten ist, da er sonst sauer wird und die Kolibris davon krank werden. Unterrichte auch Deine Nachbarn darüber. Danke!

Amazilia tzacatl - (C) unbekannter Fotograf; Foto bearbeitet von Jörg Feldhusen

Der wohl bekannteste Kolibri ist die Braunschwanz-Amazilie (Amazilia tzacatl), die von Mexiko bis West-Kolumbien vorkommt. Bei dieser Kolibriart sind die Männchen und die Weibchen äußerlich gleich. Dies gilt auch für die wundervoll schimmernde Tobagoamazilie (Saucerottia tobaci). Sie lebt auf der kleinen "Kolibri-Insel" Tobago in der Karibik, aber auch auf der südlich davon gelegenen großen Insel Trinidad und in Venezuela.

Saucerottia tobaci - (C) Original-Foto von Dr. Russell Barrow; bearbeitet von Jörg Feldhusen

Videofilm

Die Gefiederpflege ist für Kolibris sehr wichtig. Deshalb baden sie sehr oft und putzen anschließend gründlich ihr Gefieder.

Der Große Veilchenohrkolibri (Colibri coruscans) zeigt Dir in diesem kleinen Videofilm (22 Sekunden; Bildformat 160 x 120 Pixel) seine Gefiederpflege. Auch bei dieser Kolibriart sind Männchen und Weibchen äußerlich nicht voneinander zu unterscheiden.

Colibri coruscans bei der Gefiederpflege - (C) Jörg Feldhusen

AVI-Video (815 KB)

Um dieses Video sehen zu können, benötigst Du DIVX.

 

3D-Animation

Am Beispiel des Männchens vom Moskitokolibri (Chrysolampis mosquitus) möchte ich Dir den Schwirrflug der Kolibris in Zeitlupe zeigen. Hierfür habe ich 3D Animationen in unterschiedlichen Ansichten erstellt, die Du hier herunterladen kannst. Die Flugtechnik ist die aufwendigste im Vogelreich und erlaubt es dem Kolibri in der Luft zu stehen. Die Flügelspitze bestreitet dabei eine Bewegungsbahn in Form einer liegenden flachen 8. Die Animationen sind im AVI-Format (Auflösung von 400 x 300 Pixel) hinterlegt. Sie zeigen in Zeitlupe die Flügelbewegung des Kolibris beim Schwirrflug.

AVI-Video - Kamerasicht (146 KB)
AVI-Video - Kamera-Flug (375 KB)

Um diese Videos sehen zu können, benötigst Du DIVX.

 

Anaglyphenbilder

Hier ist mein 3D-Kolibri in Anaglyphenbildern zu sehen. Ein Anaglyphenbild entsteht durch Stereofotografie, also durch parallele Aufnahme (Abstand zwischen den 2 Kameras beträgt 5-6 cm) des Bildes. Zum Betrachten benötigt man allerdings eine Brille, deren linkes Glas rot und deren rechtes Glas grün oder blau ist. Betrachtet man nun dieses Anaglyphenbild mit der Brille, so entsteht ein dreidimensionaler Effekt - das Bild wirkt räumlich. Durch die Farbcodierung der Bilder geht jedoch der Farbkontrast zurück. Man sollte 1 Meter Abstand halten, sich auf die Bildmitte konzentrieren und nicht den Kopf bewegen. Wenn jedoch die Augen überanstrengt werden, dann sollte man damit aufhören.

Kolibri Frontansicht
Chrysolampis mosquitus - Anaglyph 1

Kolibri-Krallen und -Schwanzfedern
Chrysolampis mosquitus - Anaglyph 2

Wer noch weitere Anaglyphenbilder sehen möchte sollte sich die Homepage Alpes Stereo ansehen. Hier gibt es grandiose Naturfotografien. Auf meiner kleinen Orchideen-Seite ist ebenfalls noch ein Anaglyphenbild zu finden.

 

Hummingbird Society

Seit dem 29.11.1999 bin ich übrigens Mitglied in der "Hummingbird Society", der amerikanischen Kolibri-Organisation. Ich hoffe so einen kleinen Beitrag zum Schutze dieser fliegenden Juwelen zu leisten. Der Präsident Dr. H. Ross Hawkins würde sich auch über Deine Mitgliedschaft freuen. Informationen über diese Organisation findest Du hier.

Calypte costae (Männchen) - (C) Original-Foto von G. C. Kelley; bearbeitet von Jörg Feldhusen

 

Briefmarken - Münzen - Banknoten - Telefonkarten

Als Mitglied in der Hummingbird Society arbeite ich derzeit mit an der Vollendung einer neuen Homepage dieser Kolibri-Organisation. Dabei habe ich unter anderem die Aufgabe übernommen Briefmarken, Münzen, Banknoten und Telefonkarten mit Kolibri-Motiven zusammenzutragen und zu präsentieren. Das Ergebnis kannst Du hier betrachten.

 

Datenbank

Eine weitere Aufgabe als Mitglied in der Hummingbird Society bei der Erstellung der neuen Homepage ist die Gestaltung einer Kolibri-Datenbank mit allen Informationen, die über jede einzelne Art und Unterart vorliegen. Das bisherige Ergebnis ist hier zu sehen.

 

Literatur

Kolibris - Trochilidae (deutsch)
Buch: Kolibris - Trochilidae

Serie: Die Neue Brehm-Bücherei, Band 484, 3. Auflage
Autor: Dieter Poley
Verlag: Westarp Wissenschaften, Magdeburg, 1994
ISBN: 3-89432-409-0
Seitenzahl: 217
Format: 145 x 205 mm
Inhalt: 9 Farbfotos, 16 S/W-Fotos, 53 S/W-Zeichnungen, 2 Verbreitungskarten, 309 Kolibriarten werden genannt und kurz beschrieben

 
Kolibris - Ihre Lebensweise und Haltung (deutsch)
Buch: Kolibris - Ihre Lebensweise und Haltung Autor: Helmut Folger
Verlag: Eugen Ulmer, Stuttgart, 1982
ISBN: 3-8001-7073-6
Seitenzahl: 174
Format: 200 x 240 mm
Inhalt: 74 Farbfotos, 18 S/W-Zeichnungen, 1 Verbreitungskarte, 314 Kolibriarten werden genannt und einige davon beschrieben
 
Kolibris - Fliegende Diamanten (deutsch)
Buch: Kolibris - Fliegende Diamanten

Autor: Scott Weidensaul
Übersetzung: Prof. Dr. Josef H. Reichholf
Verlag: Karl Müller, Erlangen, 1990
ISBN: keine
Seitenzahl: 144
Format: 280 x 335 mm
Inhalt: 127 Farbfotos, 29 Kolibriarten werden genannt und die nordamerikanischen Arten beschrieben

 

 

Handbook of the Birds of the World - Volume 5 (englisch)

Buch: Handbook of the Birds of the World - Volume 5 Autoren: Josep del Hoyo & Andrew Elliot & Jordi Sargatal
Verlag: Lynx Edicions, Barcelona, 1999
ISBN: 84-87334-25-3
Seitenzahl: 762 (Kolibris: 468-680)
Format: 240 x 310 mm
Inhalt-Kolibrianteil: 32 von 76 Farbtafeln, 125 von 405 Farbfotos, 328 Kolibriarten und zahlreiche Unterarten werden gezeigt und beschrieben, 328 Kolibri-Verbreitungskarten. Siehe auch HBW
 
Hummingbirds - Jewels in Flight (englisch)
Buch: Hummingbirds - Jewels in Flight

Autor: Connie Toops
Verlag: Voyageur Press, Stillwater, 1992
ISBN: 0-89658-382-1
Seitenzahl: 128
Format: 215 x 280 mm
Inhalt: 84 Farbfotos, 23 Kolibriarten werden gezeigt

 

 
Hummingbirds (englisch)
Buch: Hummingbirds Druck: Nachdruck des Originals von 1881
Autoren: John Gould & Richard Bowdler Sharpe
Verlag: Wordsworth Editions Ltd, Hertfordshire, 1990
ISBN: 1-85326-951-4
Seitenzahl: 496
Format: 250 x 370 mm
Inhalt: 418 Farbzeichnungen, 423 Kolibriarten werden genannt und beschrieben (die Klassifizierung ist jedoch veraltet)
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Links

Es gibt natürlich noch viele andere tolle Seiten im Internet, die sich mit dem Thema "Kolibris" beschäftigen. Die mir bekannten Seiten habe ich in alphabetischer Reihenfolge auf meiner Link-Seite für Dich zusammengestellt. Alle Links findest Du hier.

 

© Jörg Feldhusen
e-mail:  joerg.feldhusengmx.de

30.08.2003
08/30/2003

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