Miniblog: RT : SuKuLTuR äußert sich: Die Presseerklärung zu den Plagiatsvorwürfen gegenüber Helene Hegemanns Roman "Axolotl Roadkill". ht ... zum Twitter

Theater-Blogger gesucht

Blick zurück nach vorne: In diesem Jahr hat das Theatertreffen der Berliner Festspiele die langjährige Festivalzeitung durch ein Theatertreffen-Blog ersetzt und verlagerte somit die Förderung des Journalistennachwuchses ins Netz. Sechs junge Kulturjournalisten und ein Fotograf berichteten crossmedial über Stücke, sprachen mit Schauspielerinnen (etwa mit Tatort-Kommissarin Maren Eggert) und Promis, begleiteten Bühnenbildaufbauten (Hier und Jetzt, Marat), interviewten Regisseure (Volker Lösch, Christoph Schlingensief - Audio, Video -, Joachim Meyerhoff, Andreas Kriegenburg, Katie Mitchell, Martin Kusej und sogar den nicht eingeladenen René Pollesch), befragten Theaterautoren zur ihrer Arbeit, z.B. Franz Xaver Kroetz, Pierre Notte oder Oliver Kluck, berichteten über Diskussionen und Parties. Der Stückemarkt-Gewinner und Autor Nis-Momme Stockmann erzählte auf dem tt-Blog von seinem ersten Theatererlebnis: “Mein erstes Mal mit Antigone”.

Jetzt können sich wieder Theater-interessierte Bloggerinnen und Blogger bewerben, für das tt-Blog 2010 und das wichtigste deutschsprachige Theaterfestival, das Theatertreffen 2010, online begleiten. Mehr Informationen hier.

Eröffnung mit Medienpartnern_480

Feierliche Freischaltung des tt-Blogs 2009 mit Medienpartnern, einige sind sogar im Bilde. Von links nach rechts: Nicole Gronemeyer, Theater der Zeit, David Hugendick und Adrian Pohr, ZEIT ONLINE. Nicht zu sehen ist Dirk Pilz, Berliner Zeitung. Und icke in der Mitte. Foto: Jan Zappner

Information zu verschenken

Alle rätseln derzeit über Sinn und Unsinn von paid content, auf hässlichem Deutsch auch Bezahlinhalte genannt: Rupert Murdoch will den Inhalt der Medien seines Verlagshauses, unter anderem der britischen Tageszeitung The Times, nicht mehr per Micropayments verkaufen, sondern 24-Stunden-Abos für den Zugriff auf die Webseiten loswerden. Und in Deutschland fragen sich alle: Wer macht hier den ersten Schritt? Wer schlägt zuerst die Tür zu und bittet um Eintrittspreise zu Online-Inhalten? Sicherlich sitzen die Controller da und rechnen und rechnen. Eine Umfrage der Marktforschungsgruppe GfK (im Auftrag des Wall Street Journals) stellte fest, dass nur 12 Prozent der westeuropäischen Online-Leser sich vorstellen könnten, fürs Online-Lesen zu zahlen. Sollen die Verlage Risiko fahren? Eventuell würden die Einnahmen durch 12 Prozent zahlende Kunden reichen, um einen Minibetrieb aufrecht zu erhalten. Alle anderen 84 Prozent würden zu noch kostenfreien Angeboten abwandern. Und diese könnten durch gesteigerte Klickzahlen mehr Einnahmen durch Werbung erzielen. Sind das die beiden einzigen Modelle? Alles oder nichts? Gibt es keine Mischkalkulation?

Preisfrage: Wer einmal etwas kostenlos verschenkt hat, kann nicht auf einmal einen Obolus nehmen – oder doch? Gestern, beim Weihnachtsgeschenke-Suchen, nahm ich mir aus einem Secondhand-Laden in der Rosenthaler Straße die Jubiläumsausgabe des Intro-Magazins mit. Dieses Musikmagazin existiert seit 18 Jahren kostenlos, ist jetzt, laut eigener Aussage, “erwachsen” geworden und wird ab kommendem Jahr teurer, 18 Euro im Abo. Im Heft finden sich diverse Gewinnangebote (Konzerttickets, Durex-Gleitgel, Sneaker, Messerboxen, Handys, Filme, Surfboards…), dezent versteckt, aber auch der zweiseitige Fragebogen zur “knallharten Abrechnung”: Intro bewerten, aber auch Daten wie das durchschnittliche Monatsnettoeinkommen angeben. Wer das tut, kann was gewinnen. Dieses Magazin gibt also etwas frei heraus – Musikkritiken, Rückblick auf die Nuller Jahre, Modetipps, Game-Kritiken, Gewinne, Gewinne, Gewinne -, um dadurch den Leser zu überreden, private Daten herauszugeben. Und weil die Leser schon 18 Jahre dabei sind, hofft Intro wohl, sie nicht wegen ein paar Euro zu verlieren. (Einen ähnlichen Weg ging in diesem Jahr ein französisches Satire-Magazin Bakchich. Es war bisher nur online zu lesen – kostenlos -, ging dann in den Druck und kostet jetzt 50 Euro im PDF-Jahres-Webabo, 70 Euro im Printabo, 90 Euro im Print- und Webabo.)

Eine andere Zeitschrift, eine Frauenzeitschrift, nennen wir sie Glämour beschenkt die geneigte Käuferin mit eingeklebten Pröbchen, Gewinnspielen und Multimedia, z.B. itunes-Weihnachtsliedern. Die Kundin kauft also Werbung (jede zweite Seite) – und bekommt dafür (Werbe-)Geschenke. (Zur Erinnerung: Intro verschenkt die Information – und bekommt dafür gewollte Information).

So, liebe Medienhäuser. Was verschenkt ihr denn weiterhin und was wollt ihr haben? Bald ist Weihnachten! Wer Top-Artikel (Meinung + schöne Bilder + special interest + was nicht alle haben) verschenkt, ob online oder gedruckt, erhält die Gunst der Leser und ihre Spendenfreude. Es geht nur mit Vertrauen, in Mikro-Schritten und mit guten Ideen.

PS: Bei Carta lesen sich aktuell Robin Meyer-Luchts Thesen zu Wettbewerb (vs. Mathias Döpfners Kommunismus-Verständnis).

Wo sind die bloggenden Frauen?

Die Datenschutz-Expertin Anne Roth fragte sich das Ende November auf ihrem Blog annalist: Warum gelten nur männliche Blogger wie Stefan Niggemeier, Markus Beckedahl, Sascha Lobo als “Alpha-Blogger“? Wo sind die Frauen?? Fehlt ihnen der Ehrgeiz, auf Rankings aufzutauchen, widmen sie sich zu vielen diversen Themen, so dass sie sich verzetteln, ist Frauen die Aufmerksamkeit nicht so wichtig? Kommunizieren sie klein, also zu leise? Saßen sie deshalb bei der re:publica 2009, der Berliner Blogger-Konferenz, nur auf einem Panel, dessen übergreifender Titel den Schluss nahelegen konnte, Frauen bloggten nur über Babykotze? Sind sie zu schlecht vernetzt? Letzteres lässt sich leicht ändern, daher verlinke ich hier meine Erkenntnisse über Frauen im Netz. Andere Link-Listen, als Reaktion auf Anne Roths Blogpost, gibt es natürlich auch schon, nämlich hier und hier. Sozial-medial haben sich die Bloggerinnen schon vernetzt, untereinander, als Girls on the Web-Facebook-Gruppe (Join us!) und als Twitter-Liste, z.B. vom Fräulein Tessa.

Ich lese die Frauen alle sehr gerne, allerdings schreiben viele dezidiert mit feministischem Ansatz. Ist das für die Blogosphäre uninteressant? Kann ja eigentlich nicht sein, denn sie besteht auch aus lesenden Frauen. Müssten andere Themen stärker aufs Parkett? Wo sind die politischen, ökonomischen, kulturellen Bloggerinnen? Wo die Sport-Blogger? Die Theoretikerinnen? Die Online-Journalismus-Weiterdenkerinnnen? Die Investigativen? Die Globalen? Etc?

Die gute Nachricht ist: Über all das schreiben Frauen bereits, aber meist versteckt zwischen anderen Inhalten. Und selbst, wenn Bloggerinnen sich für ein bestimmtes Thema einsetzen, schreiben sie weniger mit dem Anspruch, sich auf ein Spezialistentum zu begrenzen, Meinungsführung zu geben, ihr Ego zu polieren. Sie schreiben weniger aufgeregt, weniger netzpolitisch, weniger aggressiv. Vielleicht machen sie das Netz ruhiger. Differenzierter?

Bildet euch einfach selbst eine Meinung, bringt ein bisschen Zeit mit und lest mehr Frauen! Hier ist meine subjektive Auswahl (die sehr gerne ergänzt werden kann). Achja, Frauen sind ja auch immer so krass subjektiv.

Das Gruppenblog der Mädels (plus einen Mann) von der Mädchenmannschaft (Susanne Klingner, Verena Reygers und andere) wurde 2009 für den Grimme Online Award nominiert. Ist wahrlich kein Geheimtipp, aber ein gut funktionierendes, oft heiß diskutierendes Blog. Um ähnliche Themen, aber mehr Philosophie, ein bisschen Religion, eine eher akademische Perspektive gehts bei Antje Schrupp. Ihre Webseite sieht etwas chaotisch aus, nicht abschrecken lassen. Aktueller Text “Kann eine Feministin fromm sein?” Es lohnt sich durchaus, darüber in der Vorweihnachtszeit einmal nachzudenken.

Mercedes Bunz ist nach ihren Stationen beim Berliner Stadtmagazin zitty (Chefredakteurin) und beim Tagesspiegel Online seit August 2009 beim Guardian Online in London als Technology Reporter eingestiegen. Damit ist sie auch eine der wenigen deutschsprachigen international wahrgenommenen Bloggerinnen – die Frage ist bloß, ob man sie überhaupt als Bloggerin bezeichnen kann? Eine andere redaktionell angebundene Schreiberin, Teresa Bücker, ist Social Media Managerin bei Freitag.de (bis vor einiger Zeit nannte sich ihr Job noch “Community Management”). Sie hat ein eigenes Blog zum Thema Girlism, sehr lesenswert, vor allem, wenn man sich für karierte Klamotten, Popkultur und Feminismus interessiert. Die Klassikerin unter den Netz-Schreiberinnen ist wohl Katrin Passig von der ZIA (Zentrale Intelligenz Agentur). Sie bloggt manchmal auf Riesenmaschine und verfasst eine ”Internetkolumne” im Merkur, einer gedruckten Zeitschrift, oho. Dass sie 2006 den wichtigen Ingeborg-Bachmann-Preis erhalten hat, weiß jede, oder?

Auch Professorinnen bloggen, nämlich Miriam Meckel, die Freundin von Anne Will. Sie unterrichtet an der Universität St. Gallen Corporate Communication und ist dort Direktorin des Instituts für Medien- und Kommunikationsmanagement. Ihr Blog hat seit kurzem ein schickes neues Design und bietet saisonal sogar einen Adventskalender für ihre Leserinnen und Leser. In diesem Kontext kann ich endlich meine Frage loswerden, warum es in diesem Jahr eigentlich so viele digitale Adventskalender gibt (z.B. auf radio eins, bei Drama Köln)? Ich stelle nachmittags jetzt immer ein Teelicht neben mein Laptop, das schafft auch relativ viel Stimmung, besonders, wenn sich mal eine Seite nicht so schnell lädt – wegen der Adventsdownloads.

Die einzige Bloggerin, die von der Blog-Anzeigenplatz-zu-verkaufen-Gesellschaft Adnation vermarktet wird, heißt Franziska Bluhm. Sie hat auf ihrem Blog (Franziskript) gerade die Blogger des Jahres 2009 aufgelistet. Darunter ist interessanterweise nur eine Frau, nämlich Happy Schnitzel (Susanne Reindke) mit ihrem Twitterfeed. Adnation wurde im Übrigen von Sascha Lobo, Max Winde, sowie den Spreeblick-Gründerinnen Tanja und Johnny Haeusler gerufen, Tanja Häusler bloggt hier. Das kultigste berlinische Fotolog, Stil in Berlin, macht die Fotografin Mary Scherpe – es wird auch von ZEIT ONLINE unterstützt, also: verlinkt. Über Musik, Kunst, manchmal auch über Theater, bloggt Mary auf ihrem Textblog Quite contrary. (Ich hatte mich hier vertippt und Textlblog geschrieben; und dann mal schnell gegooglet: Textlblog ist noch frei! Falls eine von euch noch einen Namen sucht…)

Zum Abschluss etwas typisch Bloggiges, nämlich Geschichten aus dem Alltag, in diesem Fall von Madame Modest. Und der Nachwuchs: Eva Lautsch, die Stadtpiratin, bloggt über ihr Jurastudium, Mode, Recht, Feminismus und viele, viele andere Dinge, z.B. Kapitalismuskritik und Bücher.

Von wegen, es gibt keine spannenden Bloggerinnen!

Postscriptum: Offline-Lesetipp Missy Magazine! Glückwunsch zum 1-Jährigen! Es wird in Hamburg von engagierten Frauen (z.B. Chris Köver) gemacht. Es liest sich in etwa so: Popkultur, Frauen, aber auch neue Familienmodelle, Vorbilder, Do-it-Yourself-Basteltipps, ökologische Turnschuhe, … Erst wenn man dann wieder ein “normales” Magazin liest, fällt einem auf, wie wenig Frauen “normalerweise” vorkommen.

Das Persönliche

Schreib, schreib …
Schreib von der Unsterblichkeit der Seele,
vom Liebesleben der Nordsee-Makrele;
schreib von der neuen Hauszinssteuer,
vom letzten großen Schadenfeuer;
gib dir Mühe, arbeite alles gut aus,
schreib von dem alten Fuggerhaus;
von der Differenz zwischen Mann und Weib …
Schreib … schreib …

Schreib sachlich und schreib dir die Finger krumm:
kein Aas kümmert sich darum.

Aber:
schreibst du einmal zwanzig Zeilen
mit Klatsch – die brauchst du gar nicht zu feilen.
Nenn nur zwei Namen, und es kommen in Haufen
Leser und Leserinnen gelaufen.
“Wie ist das mit Fräulein Meier gewesen?”
Das haben dann alle Leute gelesen.
“Hat Herr Streuselkuchen mit Emma geschlafen?”
Das lesen Portiers, und das lesen Grafen.
“Woher bezieht Stadtrat Mulps seine Gelder?
Das schreib – und dein Ruhm hallt durch Felder und Wälder.

Die Sache? Interessiert in Paris und in Bentschen
keinen Menschen.
Dieweil, lieber Freund, zu jeder Frist
die Hauptsache das Persönliche ist.

Kurt Tucholsky (1890-1935), erschienen unter dem Pseudonym Theobald Tiger in Die Weltbühne, 23.06.1931, Nr. 25, S. 928. Via lyrikmail.

(Kurt Tucholsky wäre bestimmt auch ein guter Blogger gewesen. Und er hätte Fräulein Meier einfach ein eigenes persönliches Blog gebastelt. Er selbst wäre als reimender Onliner in die Annalen eingegangen. Ja, wo sind sie denn, die reimenden Blogger?)

Auftauchen

lift zur oberfläche

Ziel: Oberfläche. Schild an der U-Bahn-Station Theresienwiese in München.

Wer in der Münchner U-Bahn sein Handy benutzen will, stößt an Grenzen. Seit September 2009 gibt es zwar an wichtigen Knotenpunkten der Münchner U-Bahn Handyempfang, darunter am Marien-, Odeons- und Karlsplatz (Stachus), an Hauptbahnhof, Sendlinger Tor sowie am Oktoberfest-Bahnhof Theresienwiese, seit ein paar Tagen auf der U2 bis Messe-Ost. Aber an den meisten Orten im Untergrund herrscht Funkstille, so ähnlich wie in deutschen Theatern, vielen Kinos und Konzertsälen. In den Zügen ist es erstaunlich ruhig, viele lesen oder hören Musik. Kein Netz = mehr Kulturbewusstsein? Wäre doch mal ein kulturoptimistischer Reformvorschlag!

Wer in der bayerischen Landeshauptstadt Nummern wählen und das Freizeichen hören will, muss auftauchen an die “Oberfläche”, also aus dem Dunkel ins Helle. Auf diesem Wege erfährt die Oberfläche eine Aufwertung: Wer oben ankommt, ist nicht mehr nur oberflächlich, sondern kann sich wieder kommunikativ in das globale Dorf einbringen und mit der Tante in Kalifornien oder dem Alm-Ödi telefonieren. Auch die Unterwelt erfährt eine Aufwertung: Kein stinkender Hades, keine Schwefeldämpfe und Schreie verdammter Seelen, die das Miteinander eher verhindern, sondern ein Elektrosmog-freier Raum für echten Kontakt zwischen ich und du. Und manchmal läuft auf den Bahnhöfen leise Klassik.

Blogs sind keine journalistischen Produkte?

DJV Presseausweis

... teilte mir der Journalistenverband Berlin-Brandenburg mit.

Ich glaubte bisher immer, der Kampf zwischen Journalisten und Bloggern sei ein herbeigeredeter und in Wirklichkeit näherten sich die Glaubensbekenntnisse beider Berufsbilder immer weiter an. Denn sogar FAZ-Redakteure bloggen, Alpha-Blogger erhalten wichtige Medienpreise wie im Oktober etwa Stefan Niggemeier den Hans Bausch Mediapreis des SWR (frühere Preisträger: Elke Heidenreich, Harald Schmidt, Frank Schirrmacher, Wolfram Weimer). Hier ein Auszug aus der Jurybegründung:

Als Medienkritiker stellt er hohe Ansprüche an die Medien, über die er schreibt. Er stellt diese Ansprüche aber genauso an sich selbst und überträgt sie so auf das Medium, in dem er schreibt. Damit überführt er die journalistischen Tugenden der ‚alten‘ Medien in das neue Medium Internet und trägt wesentlich zur Etablierung journalistischer Standards im Netz bei. Er richtet sich nach den Tugenden, die für jeden Journalisten gelten – egal ob er für Zeitung, Radio, Fernsehen oder das Internet arbeitet: Er prüft die Fakten, auch dort, wo sie von anderen vielleicht ungeprüft übernommen wurden. Er recherchiert gründlich und wahrt Distanz.

Gründlich recherchieren, dazu gehört heute auch das Internet mit seinen vielen verschiedenen Quellen (ich meine nicht Google und Wikipedia). Zeitgemäße Journalistenschulen wie die DJS München bilden bereits ihre Zöglinge auch darin aus, “das Internet mit seinen neuen Anwendungen” (damit ist wohl Social Media gemeint) als “praktisches Recherchetool” zu verwenden. Die BBC veröffentlichte gar alle Tweets über die Demonstrationen in Iran als schnelle, ungeprüfte Nachrichten – die dann von Journalisten vor Ort verifiziert wurden und, sobald sie bestätigt waren, ein Wahrheits-Häkchen bekamen. Offline und online gehen immer mehr zusammen. Dachte ich.

Aber nein, der Journalistenverband Berlin-Brandenburg belehrte mich eines Besseren und behauptete mir gegenüber klipp und klar, Blogs seien keine journalistischen Produkte. Nun frage ich mich: Was macht denn journalistische Produkte aus, was Blogs nicht haben? Unabhängigkeit, Recherche, Meinungsbildung und -freiheit, Spezialisierung, Themenkonzepte, redaktionelle Planung… All das findet sich auch in Blogs. Natürlich nicht in allen, aber das Differenzieren und Nachfragen ist ja auch eine journalistische Tugend.

Dass der Journalistenverband es sich leisten kann, so zu pauschalisieren, ist peinlich, unjournalistisch und realitätsfern. Ich gebe dem Verband noch eine Chance und bitte um eine Definition für “journalistische Produkte”. Das tue ich schriftlich, denn dann kann ich wieder so ein schönes Foto machen.

Auf ein Wort

Manchmal reichen wenige Worte aus, um Geschichte zu schreiben: “Wir sind das Volk”, riefen im Herbst 1989 die Demonstranten in Leipzig und andernorts. Sie riefen: “Die Mauer muss weg.” Vier Wörter. Damit schlägt das revolutionäre Fußvolk in der Kategorie “very short story” die “Six-Word-Memoirs“, ein Blog des US-amerikanischen Smith Magazines. Aber natürlich lässt sich aus dem 20-jährigen Jubiläum auch eine Sechs-Wörter-Geschichte stricken:

Die Mauer ist weg. Was noch? / 1990 hat man sich Trabis geschenkt./ Was machst du am 9. November?

Ergänzungen erwünscht! Andere kurze und kurzweilige Mauernachrichten finden sich auf der Berlin Twitter Wall, die kurzfristig von chinesischen Twitterern benutzt wurde, um auf Zensur in ihrem Land aufmerksam zu machen – so dass China die Seite sperrte und Reporter ohne Grenzen protestierte. Aber nicht nur um das Internet werden Mauern gebaut. Der Exberliner, Sprachrohr der in Berlin lebenden englisch-sprachigen Expats, will gar mit einem Festival vom 13. bis 15. November im Stattbad Wedding ganz Berlin vor schlechter Architektur und menschenunfreundlicher Stadtplanung retten und Berlin als kreativen Ort feiern: Save Berlin, fordern sie. Sie bieten “Extrem-Basteln“, ein Bankett mit “home-made food”, einen Souk-Basar, wo sich Berliner Kleindesigner und Vintage-Verkäufer vorstellen, Konzerte, Filme, Gespräche, und vor allem eine Kunstausstellung. Das Slab Mag – das “heuristic magazine for gonzo blurbanism” – will bei der Podiumsdiskussion mit dem Aufruf “Serve Berlin” kontern, so jedenfalls kündigt es einer der Slab-Herausgeber, Ian Warner an.

Auch mit zwei Wörtern kann man in Berlin viel sagen.

Westalgie, verpasst

Schöner Feiern in Duisburg

Tag der Einheit in Duisburg, leider verpasst.

Telecoms Package

Ich verbinde nicht viel Gutes mit der Telekom: teuer, langsam, zu lang laufende Verträge. Ich hab die Treue gekündigt, die mir anerzogen wurde (früher, vor der Privatisierung der Telekommunikation, gabs nur Telekom, mehr nicht). Paradox ist daher, dass das Paket zur Förderung von mehr Transparenz, mehr Sicherheit, mehr Wettbewerb und mehr Grundrechten der europäischen Internet-Nutzer “Telecoms Package” heißt. Vielleicht ist es purer Zufall (und der Abkürzung von “telecommunications” geschuldet), aber ich sehe natürlich alles sofort rosa-grau. weiterlesen »

Langsam schreiben

Halbes Gedicht

Ein halbes Gedicht.

Ich brauchte gestern etwa drei Stunden, um drei Sätze druckfertig zu machen. Diesen Text dagegen habe ich in drei Minuten geschrieben, bebildert und hochgeladen. Dann korrigiert. Wohin führt das schnelle Schreiben auf der Tastatur? Zum schnelleren Denken? Oder wäre es besser, jedes Wort einzeln zu betrachten, wie beim Setzen, dann die Zeile, den Kontext, den Zusammenhang nachzuvollziehen, statt tippend über die Texte zu fegen? Und ginge das überhaupt, am Computer, der uns ja jeden Satz als fertig gesetzt präsentiert?