Der Doppeltempel von Kom Ombo

Lokalisation des Tempels 

Die göttlichen Besitzer 

Grundriss

Beschreibung des Tempels 

Das Mammisi Ptolemäus VIII. Euergetes II. 

Krokodile im Brunnen? 

Der Arztschrank von Kom Ombo 

Nilometer und Kalender 

Literatur

 

Lokalisation des  Tempels:

Der Doppeltempel von Kom Ombo – der den beiden Gottheiten Sobek und Haroeris geweiht ist – befindet sich in der gleichnamigen Stadt („Kom Ombo“) ca. 40 km nördlich von Asswan. Dieser vormals unbedeutende Ort, am linken Nilufer zwischen Luxor und Asswan, der in der pharaonischen Ära als (griechisch) Ombos bezeichnet wurde,  erlangte in der Ptolemäerzeit eine nie da gewesene Größe. Erste Besiedlungsspuren entstammen der 18. Dynastie. So konnten exemplarisch einige wenige Spuren eines kleinen Heiligtums aus der Zeit Thutmosis III. ausfindig gemacht werden.

 Insbesondere durch die Landwirtschaft und die Urbarmachung benachbarter Regionen unter den ptolemäischen Königen gewann die Siedlung an Bedeutung und avancierte schließlich zu einer Gauhauptstadt. Daneben erlangte  - das auf einem Hügel gelegene - Ombos durch die Wüstenstrasse die von dort zum Roten Meer führt erneute Bedeutung. Der altägyptische Name der Stadt lautete „Nubt“ (Stadt des Goldes). Der Name kam nicht von ungefähr, denn Kom Ombo galt als wichtiges Handelszentrum für Gold. Abgebaut wurde das Edelmetall in der östliche Wüste.

Heutzutage besitzt Kom Ombo ca. 35.000 Einwohner und stellt das Zentrum der oberägyptischen Zuckerproduktion dar. Des weiteren wird die Siedlung und die umgebenen Regionen auch als „Neu-Nubien“ bezeichnet, da in den Jahren zwischen 1963-1965 ca. 60.000 Nubier dort angesiedelt wurden, die bei der Flutung des Nasser-Stausees ihre Heimat zwangsweise verlassen mussten.

 

 

Die göttlichen Besitzer:

Im Doppelheiligtum von Kom Ombo wurde der krokodilgestaltige Gott Sobek verehrt, als auch der falkenköpfige Gott Haroeris (Horus als Sohn des Re). Wenn man es genau nimmt, war Kom Ombo der Kultort der jeweiligen Göttertriaden: Die erste wird durch  Sobek, Hathor und deren Sohn Chons vervollständigt, während die zweite Triade aus Haroeris, Tasenetnofret und Panebaui. 

Im Folgenden sollen die einzelnen Götter sowie deren Charakteristika erläutert werden. 

Erste Triade:

Sobek:

Dieser Gott wurde als Krokodil, oder als Mensch mit Krokodilskopf dargestellt. Seit dem Mittleren Reich gehörte das alte Schedet im Fajjum und in der griechisch-römischen Ära der oberägyptische Gau Kom Ombo zu den seinen wichtigsten Kultorten. Sobek galt als Fruchtbarkeitsgott, konnte gelegentlich auch Ur- und Schöpfungsqualitäten erhalten. 

Hathor:

Die kuh- oder menschengestaltige Göttin mit Kuhhörnern, galt als Muttergöttin und wurde insbesondere in Dendera verehrt. Ihr solarer Aspekt wurde durch die Sonnenscheibe verdeutlicht, die zwischen ihren Kuhhörnern erscheint. Sie war in verschiedenste Mythen eingebunden und wurde an zahlreichen Kultorten verehrt.  So galt sie nicht nur als Königsgöttin, sondern auch als Liebesgöttin und Muttergottheit, als Schutzherrin bei Geburt und Regeneration, als Sonnen- oder Mondauge, als Herrin der Freude, des Tanzes und der Musik. Durch die Heterogenität ihrer Eigenschaften oder Charakteristika, konnte sie mit fast jeder anderen Göttin verbunden werden oder mehrfigurig erscheinen. 

Chons:

Chons war der Mondgott. Der jugendliche Gott, der in der  thebanischen Triade die Stelle des Sohnes einnahm, wurde meist mumiengestaltig mit Seitenlocke und Mondsymbol auf dem Kopf abgebildet oder auch als Mensch mit Falkenkopf und Mondscheibe. Ursprünglich wurde er als Unheilbringer verstanden, aber auch als Schutzgott, Helfer in Notlagen und Ratgeber. Dies hat wohl mit der sich wandelnden Gestalt des Mondes zu tun gehabt. Er war der "Herr der Zeit" , der die Jahre  der Menschen zählt.

 

Zweite Triade:

Haroeris:

Haroeris galt als eine Erscheinungsform des Gottes Horus. Man verstand ihn als „Horus als Sohn des Re“ bzw. als „Horus der Ältere“, so dass der Begriff den erwachsenen Gott Horus bezeichnet. Der Hauptkultort des „erwachsenen Horus“ war Kom Ombo. 

Tasenetnofret:

Der Name dieser Göttin bedeutet „die schöne Schwester [des Horus]“. Im westlichen Sanktuar von Kom Ombo galt sie als Begleiterin des Haroeris und Mutter des Panebtaui. 

Panebtaui:

Panebtaui war ein jugendlicher Gott, der Sohn des Haroeris und der Tasenetnofret. In der Literatur wird als „Herr der beiden Länder“ bezeichnet, wodurch er den König Ägyptens als Sohn des Haroeris repräsentiert.

Grundriss:

  1. Vorhof
  2. symmetrisch neben der Mittelachse liegende Eingänge des Pronaos
  3. Pronaos
  4. Säulensaal
  5. erster Vorsaal
  6. zweiter Vorsaal
  7. dritte Vorsaal
  8. Naos des Sobek
  9. Naos des Horus

Beschreibung des Tempels:

Aufgrund der Tatsache, dass zwei Götter bzw. Göttertriaden in Kom Ombo verehrt werden, weist das Doppelheiligtum eine architektonische Besonderheit auf: die Doppelanlage ist – entlang der Längsachse – in zwei symmetrische Hälften geteilt, so dass quasi zwei Tempel in einem gebaut wurden. In der rechten Hälfte wurde Sobek verehrt, in der linken entsprechend Haroeris. Demnach existieren auch zwei parallele Naoi (Mehrzahl von Naos), zwei gemauerte Brunnen und einen Doppelgang aus griechisch-römischer Zeit. Obwohl der Kom Ombo Tempel in die Ptolemäerzeit datiert, haben auch römische Kaiser – so vor allem Tiberius (14-37 n.Chr.) – ihre Spuren dort hinterlassen.

Den Tempelkomplex selbst sowie den Säulenhof umgab eine steinerne Umfassungsmauer von 50,9 x 96 Meter. Wenn man von dem nilseitigen (alten) Eingang von dem „ersten Pylon“ – der heute fast gänzlich verschwunden ist -  spricht, so ist das nicht ganz korrekt, denn der Eingang war eher ein Doppelportal (so Arnold) als ein Pylon. Hinter diesen Eingang schließt sich unmittelbar der Hof (1) an, in dessen Mitte sich Überreste eines Altares befinden. Darauffolgend wurde das Tempelhaus, das von einem Pronaos (3) von 3 x 5 zwölf Meter hohen Kompositkapitellsäulen eingeleitet wird, erbaut. Von dem Pronaos (Vorhalle) ausgehend erreicht man den Säulensaal (4) mit 2 x 5 Papyrusbündelsäulen.

Pronaos in Kom Ombo:

Die Durchgänge liegen – aufgrund der Verehrung zweier Götter – nicht in der Mittelachse, sondern symmetrisch daneben, wodurch ab hier die Teilung des Tempels in zwei Achsen erfolgt.  Die Wand, die sich zwischen diesen beiden Durchgangstoren befindet, wird von einem Reliefbild geschmückt, das den krokodilgestaltigen Gott Sobek zeigt. Demgegenüber zeigt eine Darstellung an der nördlichen Wandseite den Gott Haroeris, wie dieser dem Pharao Ptolemäus VIII. Euergetes II. ein Sichelschwert überreicht.

Auf diesen Säulensaal folgt ein weiterer Saal sowie drei Vorsäle (5,6,7) (darunter ein Opfertischsaal und ein Gastgöttersaal) und schließlich die beiden Sanktuare (8,9), die von einem umrundenden Korridor umgeben sind.

 

Das Mammisi Ptolemäus VIII. Euergetes II.

Unmittelbar vor dem Tempel stand ein Mammisi (Geburtshaus) Ptolemäus VIII. Euergetes II. Heutzutage sind nur noch wenige Überreste des Geburtshauses vorhanden, da der Rest davon im letzten Jahrhundert – zusammen mit der westlichen Umfassungsmauer – vom Nil weggerissen wurde. Trotz dieses Schadens ist ein Relief erhalten geblieben, das den Pharao zusammen mit zwei Göttern zeigt. Euergetes II. und die beiden Götter gleiten dabei auf einer Barke durch die Papyrussümpfe, wobei der König – scheinbar gelangweilt – an den Halmen zupft.

 

Krokodile im Brunnen?

Im Doppelheiligtum von Kom Ombo findet man ein Becken, bei welchem vermutet wurde, dass es sich um ein „Domizil“ für Krokodile handelte. Das Krokodil war die Verkörperung des Gottes Sobek, der demnach auch krokodilgestaltig dargestellt wurde. Diese Tiere galten diesbezüglich auch als heilige Tiere, die – nach dem Ableben – einbalsamiert wurden und als Mumie in das Reich der Götter zurück gingen. Ob in diesem Brunnen, nun wirklich Krokodile gehalten wurden ist fraglich. Daneben besteht auch die Möglichkeit, dass es sich einfach um einen Wasserspeichern handeln könnte. Fest steht allerdings, dass man in Kom Ombo auch eben diese Krokodilsmumien besichtigen kann, die in der unvollendeten Hathor-Kapelle im Süden des Heiligtums aufbewahrt und ausgestellt werden.

 

Der Arztschrank von Kom Ombo:

Im Doppeltempel von Kom Ombo wurde ein sogenannter „Instrumentenschrank“ (siehe Bild unten) in die Wand gemeiselt. Dieses Relief wird in der Literatur als Instrumentschrank für Ärzte identifiziert. Auf ihm sollen Handwerksgeräte eines Mediziners dargestellt sein. Ärzte benutzen beispielsweise das sogenannte ds-Messer, welches aus Feuerstein gefertigt wurde und das auch außerhalb der Medizin als Gebrauchsgegenstand bekannt war, oder das S3s-und hnwH-Messer. Laut Budka könnte es sich bei einem dieser – in Kom Ombo dargestellten - Geräte um das sogenannte "Trepan" handeln, mit welchem eine Schädelöffnung durchgeführt wurde. Die Zuweisung des genannten Reliefs als Instrumentenschrank ist jedoch umstritten.

Arztrelief aus Kom Ombo:

 

Nilometer und Kalender

Unter anderem gibt es auch ein Nilometer zu sehen. Das ist eine Art Brunnen mit Messlatte. An den Markierungen hatten die Priester den Wasserstand des Nils abgelesen und das Ergebnis dieser Ablesung zur Berechnung der Abgaben des Volkes herangezogen. Denn je höher der Flutpegel des Nils war, desto besser und effektiver konnten die Felder bewässert werden und entsprechend hoch war auch der daraus resultierende Ertrag der Ernte, wonach die Steuern berechnet wurden. Das Nilometer war demnach ein Messgerät für das ägyptische Steuersystem.

Als weiteres Charakteristikum kann ein altägyptischer Kalender angesehen werden, der die Tage, Wochen und Monate eines Jahres wiedergab.

Ägyptischer Kalender in Kom Ombo:

 

Literatur

Arnold, Dieter: Die Tempel Ägyptens. Götterwohnungen. Baudenkmäler. Kultstätten. Zürich: Artemis, 1992. 

Budka, Julia: Heilkunst und Zauberei. Medizin im Alten Ägypten. In: Kemet 4/2000: Wissenschaft im Alten Ägypten. 

Kurth, Dieter: Weltordnung in Stein. Die späten Tempel.  In: Schulz/Seidel (Hrsg.): Die Welt der Pharaonen. Köln: Könemann, 1997. 

Rachet, Guy: Lexikon des Alten Ägypten. Düsseldorf: Patmos, 2002. 

Semsek, Hans-Günther: Ägypten und Sinai. Pharaonische Tempel und islamische Traditionen. Köln: Dumont, 2001.