Südthüringer Zeitung

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Erschienen am 05.09.2009 00:00
Barchfeld
Die letzte Ruhestätte derer von Stein
Im Wäldchen "auf der Heide" verbirgt sich der Erbfriedhof der Freiherren von Stein/Liebenstein
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Ein schlichtes, eisernes Kreuz steht heute auf dem Erbfriedhof. Foto: Heiko Matz
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Schweina/Barchfeld - Unser Leser Siegfried Zimmermann, der seit 1994 in Schweina wohnt, ist gern mit dem Fahrrad in der Gegend unterwegs. Eine seiner Routen führt über Barchfeld und Rappoldsgrube zurück nach Schweina, wo er im Wäldchen "auf der Heide", wie die Barchfelder dieses Flurstück nennen, einen für ihn rätselhaften kleinen Friedhof entdeckte. Es handelt sich - wie auf einem Marmorschild am Eingang zu lesen ist - um den Erbfriedhof der Freiherren von Stein/Liebenstein. Siegfried Zimmermann nimmt an, dass viele diesen Friedhof gar nicht kennen und, wenn ja, nicht viel mit ihm anzufangen wissen.

Ganz so unbekannt ist der Friedhof zumindest heimatgeschichtlich Interessierten der Region nicht. Romantisch im Wald versteckt, mag er freilich Anlass zu mystischen Überlegungen geben. Der Gottesacker wurde nicht, wie Zimmermann annahm, 1835 geschlossen. Diese in die Tafel eingravierte Jahreszahl bezieht sich auf das Jahr, in dem der Friedhof angelegt wurde. Zuvor fanden die sterblichen Überreste derer von Stein wie auch die der Landgrafen in der alten Barchfelder Kirche unweit beider Schlösser ihren Platz (auch die der Stein'schen Liebensteiner Linie). Als dies gegen Ende des 18. Jahrhunderts nicht mehr statthaft war, wurde eine Zeitlang eine separate Ecke im gemeindlichen Friedhof genutzt, um schließlich den Erbfriedhof auf der Heide anzulegen, einem Stück Erde, das sich im Stein'schen Besitz befand.

Barchfelder Augenzeugen erzählten vor vielen Jahren ihren heute im reifen Alter befindlichen Nachkommen noch von den Begräbnis-Prozessionen, die aus Barchfeld in Richtung Schweina/Bad Liebenstein am Heine-Wäldchen - unweit der heutigen Tankstelle - vorbei zur Heide führten. Die letzten Beisetzungen des ursprünglich von einem schmiedeeisernen Zaun mit Tor umfassten Friedhofes gab es in den 30er-Jahren des vorigen Jahrhunderts.

In den Kriegswirren und danach kümmerte sich niemand groß um den Friedhof, der als Bodenreformland in der DDR endgültig verwilderte. Nach 1989 kaufte ein gewisser Herr Pfister, ein entfernter Nachfahre einer Seitenlinie derer von Stein (von dem es leider keine näheren Angaben gibt) das Land zurück und richtete den kaum mehr als solchen erkennbaren Friedhof wieder her, nebst Platte, einem auf Holz gemalten Familienwappen und einem schlichten eisernen Kreuz in der Mitte.

Das geschätzte zehn mal 15 Meter große Areal enthält 29 sichtbare Grabstätten. Nur eines davon ist mit einem schlichten Grabstein versehen, auf dem die Namen Gertrud von Saal sowie Dr. Rudolf von Saal zu lesen sind. Sie sollen unmittelbare Vorfahren des Herrn Pfister sein, der sich dem Hörensagen nach wohl auch bemüht, aufgesammelte Bruchstücke zerfallener Grabschilder, einem Mosaik oder Puzzle gleich, wieder zusammenzusetzen. In jüngerer Zeit soll er jedoch seltener in Barchfeld gesehen worden sein.

Der Erbfriedhof erinnert an ein uraltes hessisch-thüringisches Adelsgeschlecht, das aber wohl im Aussterben begriffen ist. Ein entfernter Nachfahre einer Seitenlinie, der schon mehrmals in Barchfeld weilte, ist der 1937 geborene Peter Graf von Kielmannsegg, Sohn des bekannten Generals Johann Adolf von Kielmannsegg (1906 - 2006), auch hat eine Baronesse von Stein noch vor einigen Jahrzehnten in Wiesbaden gelebt.

Das Geschlecht geht zurück auf die einstigen Burgmannen der Herren auf Frankenstein. Auf dem Altenstein ist 1116 ein "Dudo de lapide (vom Steine)" als erster urkundlich erwähnt. Bei der nachfolgenden Linie "Stein zu Liebenstein" handelt es sich um die einstigen Burgherren von Liebenstein, von ihnen bekannt wurde Asmus von Stein durch die Grumbachschen Händel 1567 sowie Hermann von Stein, der seinen Herrn Herzog Casimir auf die Heilquellen aufmerksam machte. Diese Linie starb Ende des 17. Jahrhunderts aus.

Bei der Linie der Freiherren von "Stein-Liebenstein zu Barchfeld", die seit 1318 in Barchfeld ansässig waren, handelt es sich um das älteste urkundlich bezeugte Barchfelder Geschlecht. Eine heute noch vielen geläufige Nachfahrin ist Freifrau Frieda von Stein-Schlotheim. Als Heimatforscherin, Chronistin und Verfasserin eines umfangreichen Tagebuches verdanken ihr die Barchfelder umfangreiches geschichtliches Wissen über das Barchfeld des 19. und weiter zurückliegender Jahrhunderte. So etwa über den Vertrag, den Kammerherr Wilhelm und Major Adolf von Stein - im Namen aller Herren von Stein handelnd - 1848 mit der Gemeinde schlossen und der den Barchfeldern, die bei den revolutionären Unruhen des Jahres zu ihnen standen, mehr Rechte einräumte. Sie wurde 1806 als Tochter des kurhessischen Generals Ernst Wilhelm Freiherr von Schlotheim geboren, heiratete 1831 Wilhelm Freiherr von Stein und ließ sich 1845 endgültig in Barchfeld nieder, wo sie 1882 starb und ebenfalls auf dem Erbfriedhof auf der Heide beigesetzt wurde. Wie ihre beiden Söhne taten sich die Freiherren von Stein generell über Jahrhunderte bis zuletzt vor allem als Regierungsbeamte und als Militärs höchster Dienstgrade hervor. Als einer der Letzten des Geschlechts wird ein Generalmajor Freiherr Ferdinand-Wilhelm von Stein-Liebenstein zu Barchfeld erwähnt, der von 1895 bis 1953 lebte. hrk

 
 

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