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04.02.2011


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Ernst von Siemens Musikpreis 2011 "Nobelpreis der Musik" an Aribert Reimann

Der Komponist Aribert Reimann erhält in diesem Jahr den mit 200.000 Euro dotierten, internationalen Ernst von Siemens Musikpreis für sein Lebenswerk. Die hohe Auszeichnung wird Reimann vom Präsidenten der Bayerischen Akademie der Schönen Künste im Münchner Cuvilliés-Theater am 24. Mai 2010 überreicht. Die Laudatio hält der Musikwissenschaftler und -kritiker Stephan Mösch.

Aribert Reimann | Manu Theobald / Ernst von Siemens Musikstiftung

Aribert Reimann wurde am 4. März 1936 in Berlin geboren. Er wuchs in einer von Musik geprägten Familie auf. Sein Vater war Kirchenmusiker, seine Mutter eine namhafte Oratoriensängerin und Gesangspädagogin. Bereits mit zehn Jahren komponierte Reimann erste Klavierlieder.

Musiktheater und Lied als Keimzellen

Nach dem Abitur 1955 arbeitete er als Korrepetitor am Studio der Städtischen Oper in Berlin und studierte zugleich an der Berliner Musikhochschule Komposition bei Boris Blacher und Ernst Pepping sowie Klavier bei Otto Rausch. 1957 gab er seine ersten Konzerte als Pianist und Liedbegleiter. Ein Jahr später ging er zum Studium der Musikwissenschaft an die Universität Wien. Sein Ballett "Stoffreste" nach einem Libretto von Günter Grass wurde 1959 an den Städtischen Bühnen in Essen uraufgeführt. Musiktheater und Lied wurden zu den Keimzellen, aus denen sich das künstlerische Schaffen Reimanns weiter entwickelte. Bereits 1971 wurde dem Komponisten für sein bis dahin bestehendes Gesamtwerk der Kritikerpreis für Musik verliehen. Von 1974 bis 1983 hatte er eine Professur an der Hamburger Musikhochschule mit Schwerpunkt auf dem Zeitgenössischen Lied inne, 1983 wurde er in gleicher Funktion an die Berliner Hochschule der Künste berufen.

Nicht nur Komponist

Aribert Reimann | Bild: Manu Theobald / Ernst von Siemens Musikstiftung

 Aribert Reimann zeichnet vor allem ein besonderes Gefühl für Stimmen aus, wie es kaum ein anderer lebender Komponist hat. Nicht nur ist er mit Stimmen und deren Ausbildung am großen Repertoire aufgewachsen; er wurde – mit 22 Jahren – Korrepetitor und Klavierbegleiter von Dietrich Fischer-Dieskau, später auch anderer großer Solisten wie Catherine Gayer, für die "Melusine" entstand. Das vertiefte die Sensibilität für Möglichkeiten und Grenzen des Singens und es bewahrte ihn vor der Gefahr der Vereinsamung des ausschließlich Schaffenden. "Ich brauchte auch den reproduktiven Umgang mit Musik: sich selbst auszuschalten und in einen anderen hineinzudenken. Deshalb habe ich auch so gern unterrichtet."

Frühe Opernerfolge

Aribert Reimann | Bild: Manu Theobald / Ernst von Siemens Musikstiftung

Der "unumstrittene Meister der Vokalmusik" schuf zudem ungefähr 40 Werke "absoluter Musik", zahlreiche Kammermusikstücke, Solokonzerte und Orchesterwerke. Die Abstraktion seines rein instrumentalen Schaffens wirkt mitunter wie ein Gegenentwurf zum Kommunizierenden seiner Vokalmusik: hochgetrieben in dünne Luft, bis ins kaum Fassbare fein verzahnt. Für Reimann ist das vokale vom rein instrumentalen Komponieren "total getrennt. Das sind zwei verschiedene Ebenen." Reimanns Arbeit als Opernkomponist begann 1965 mit der Uraufführung von "Ein Traumspiel" nach der Textvorlage von August Strindberg in Kiel. 1971 folgte bei den Schwetzinger Festspielen "Melusine" nach dem Schauspiel von Yvan Goll.

Shakespeare und Kafka

Mit der Oper "Lear" (1978, Bayerische Staatsoper) konnte Aribert Reimann sowohl Fachleute und Kritiker als auch ein breites Publikum für seinen charakteristischen Personalstil gewinnen, das Werk erlebte international über 30 Produktionen. Mit der Oper "Das Schloss" nach Franz Kafkas Romanvorlage nahm Reimann 1990 bis 1992 ein weiteres ambitioniertes Literaturopern-Projekt in Angriff: Die albtraumhaft-labyrinthische Atmosphäre der Textvorlage spiegelt sich in einer kammermusikalisch fragilen Musiktextur.

Keiner Schule zugehörig

Aribert Reimann | Bild: Manu Theobald / Ernst von Siemens Musikstiftung

Gut dreißig Jahre nach seinem internationalen Durchbruch mit "Lear" gelang Reimann der ferne, andere, weibliche Gegenentwurf zu jenem König. Eine unauslotbare Gestalt, die, anders als Lear, umso stärker wird, je weniger Ausweg es gibt. Die Uraufführung der "Medea" an der Wiener Staatsoper im Februar 2010 wurde von den vollzählig erschienenen europäischen Kritikern sowie vom Publikum frenetisch gefeiert. Aribert Reimann, der nie dem Musikbetrieb nachlief, sich keiner Richtung anschloss, aber mit größter Konsequenz seine persönliche Sprache entwickelte, hat das Musikgeschehen der letzten Jahrzehnte entscheidend mitgeprägt und zählt heute zu den erfolgreichsten Komponisten (nicht nur) des Musiktheaters.

Der Ernst von Siemens Musikpreis

Der mit 200.000 Euro dotierte Preis zählt weltweit zu den begehrtesten Auszeichnungen in der Musik und gilt als der "Nobelpreis der Musik". Die Auszeichnung wird zusammen mit verschiedenen Förderpreisen - Gesamthöhe: 2,5 Millionen Euro - am 24. Mai 2010 bei einem Festakt im Münchner Cuvilliés-Theater überreicht.
Im vergangenen Jahr erhielt der Dirigent Michael Gielen die Auszeichnung.

Die Förderpreise

Die drei alljährlich verliehenenen Komponistenpreise, verbunden mit einem Kompositionsauftrag, gehen an Steven Daverson, Hèctor Parra und Hans Thomalla. Die drei Werke werden bei der Preisverleihung am 24. Mai uraufgeführt. Insgesamt vergibt die Ernst von Siemens Musikstiftung 2,5 Millionen Euro. Gefördert werden im Jahr 2011 mehr als hundert Projekte im zeitgenössischen Musikbereich in zwanzig Ländern weltweit. Zahlenmäßig den größten Anteil der Förderungen machen die Kompositionsaufträge aus, in 2011 sind es über 160 Aufträge. Neben Konzerten und Veranstaltungsreihen sind der Ernst von Siemens Musikstiftung auch wissenschaftliche Einzelpublikationen sowie Gesamtausgaben – wie zum Beispiel die Webern- und die Schönberg-Gesamtausgabe – ein großes Anliegen. Pädagogisch wertvolle Projekte werden ebenso unterstützt wie Akademien und Workshops für Musikstudenten und junge Komponisten, Dirigenten und Instrumentalisten. Nicht zulezt erfahren zahlreiche Festivals Förderung durch die Ernst von Siemens Musikstiftung.

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