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SCHWANTE

Buddhistischer Verein kauft Schloss Sommerswalde

"Dipankara"-Zentrum plant für acht Millionen Mark unter anderem eine religiöse Bildungsstätte

Jens Blankennagel

Das Schloss Sommerswalde in Schwante (Oberhavel) wird an das Buddhistische Zentrum "Dipankara" aus Berlin verkauft. Das beschlossen jetzt das Brandenburger Finanzministerium und der Finanzausschuss des Landtags. Über den Kaufpreis äußerten sich beide Seiten nicht. "Er entsprach einem aktuellen Wertgutachten", sagt Liane Köhnen, Rechtsanwältin aus dem sächsischen Reichstädt, die den buddhistischen Verein nach eigenen Angaben juristisch und in "weltlichen Dingen" vertritt.

Zu Einzelheiten des Verkaufs wollte sich auch das Finanzministerium nicht äußern, weil am Dienstag noch eine Detailfrage des Vertrages beurkundet werden müsse. Aus Regierungskreisen war aber zu erfahren, dass der Verein als "unbedenkliche und seriöse Glaubensgemeinschaft" angesehen wird.

Übersiedlung aus Berlin

Für das sieben Hektar große Gelände im Norden von Berlin, das bislang dem Land Brandenburg gehörte, hatten sich sechs Bewerber interessiert. Bei der Verkaufsentscheidung folgte die Regierung der Landestochtergesellschaft Brandenburgische Boden, die den Verein "Dipankara" vorgeschlagen hatte.

Der Verein will sein bisheriges Zentrum in Berlin-Rudow aufgeben, das es seit acht Jahren gibt. Dort arbeiten etwa hundert meist deutsche buddhistische Nonnen und Mönche. Der Verein unterhält einen Kindergarten und betreut Süchtige und seelisch Kranke. "Wegen des enormen Zulaufs der letzten Jahre platzte das Rudower Domizil aus allen Nähten", sagte Köhnen. Deshalb habe der Verein ein größeres Gelände vor den Toren Berlins gesucht. Bedingungen waren "Berlin-Nähe, gute Verkehrsanbindung und eine ruhige Lage".

In Schwante soll laut Köhnen eine buddhistische Akademie also eine religiöse Bildungsstätte entstehen, außerdem eine Kultur- und Begegnungsstätte, eine konfessionslose Kita, ein tibetanisches Heilzentrum, ein Verlag sowie Werkstätten und ein Café.

"In den nächsten zehn Jahren will der Verein dort etwa acht Millionen Mark investieren", sagte Köhnen. Ein Großteil davon seien bauliche Eigenleistungen oder Materialspenden der Mitglieder. Außerdem werde geprüft, ob noch Fördergelder beantragt werden können.

Der Verein finanziere sich aus Spenden und Darlehen, sagte Köhnen, zudem aus Mieteinnahmen, die die Besucher der Seminare oder Meditationswochen bezahlen. Spirituelle Lehrerin des Vereins ist die buddhistische Nonne Gen Kelsang Denchen. Sie wird auch das Haus in Schwante leiten. Dieses solle eine Zentrale für die 19 Vereine sein, die bundesweit der "Kadampa-Tradition" folgen, sagte Köhnen. Die Kadampa-Tradition ist im Buddhismus nicht unumstritten, da sie den Dalai-Lama Lama als geistiges Oberhaupt ablehnt.

Auch christliche Kreise hatten in der Vergangenheit Bedenken geäußert. Sie befürchteten eine buddhistische Beeinflussung der Jugend. "Das ist völlig unbegründet", sagte Liane Köhnen, selbst Katholikin. "Es ist die toleranteste Vereinigung, die ich kenne."

Die Schwanter Anlage ließ der Berliner Richard Sommer daher der Name "Sommerswalde" im Jahr 1891 erbauen. Der Immobilienbesitzer galt seinerzeit als einer der reichsten Berliner. Zum Ensemble gehört der "Reichstag", ein nach den ursprünglichen Plänen des Berliner Reichstags-Architekten Paul Wallot in kleinerer Form gebautes Gebäude. In Schwante stehen außerdem eine moscheeähnliche Orangerie und ein Nachbau des Berliner Roten Rathauses, der als Pferdestall diente. Nach dem Krieg war hier die sowjetische Kommandantur, später die Pionierleiterschule des FDJ-Zentralrats untergebracht. Das Objekt steht seit sieben Jahren leer, in denen das Land einen Investor suchte.

"Ungenutzte Gebäude sind stets vom Zerfall bedroht", sagte Amtsdirektor Helmut Jilg. Deshalb sei ein Verkauf längst überfällig gewesen. Seine Meinung zum neuen Besitzer wollte er nicht verraten.

SCHLOSS SOMMERSWALDE Das "Rote Rathaus" war ein Pferdestall //

Einen Nachbau des Berliner "Roten Rathauses" nutzte der Immobilienbesitzer Richard Sommer als Pferdestall.

In der DDR diente das Schloss als Pionierleiterschule des FDJ-Zentralrats. Seit Anfang der Neunziger steht es leer.