Wer die Wahl hat …

Morgen ist es wieder einmal so weit und der Souverän dieses Landes darf seine Macht ausüben… Je nach seiner Entscheidung wird dann entweder alles anders oder es bleibt wie es ist.
Pessimisten würden jetzt sagen, dass der Ausgang dieser (Ohn)-machtdemonstration des Demos gegenüber seinen Repräsentanten zum Scheitern verurteilt ist, denn es haben letztlich nur zwei Parteien eine realistische Chance auf einen Sieg und zwei andere dürfen auf eine Rolle als mitverantwortlicher Fußabtreter hoffen. Bestätigt wird diese Vorstellung durch die allgegenwärtigen Umfrageergebnisse der Wahl- und Meinungsforschung. Vielleicht haben sich die Gewichtungen der Wähler ien wenig durch die Tragödie in Japan geändert, aber die grundlegenden Tendenzen sind gleich geblieben. Vielleicht aber ist dies ja der Wille des Volkes? Vielleicht sind die Rheinland-Pfälzer ja im Großen und Ganzen mit der Politik der beiden “Volksparteien” zufrieden.
Vielleicht ist es aber auch so, dass das scheinbar schon im Voraus feststehende Ergebnis die Menschen entmutigt und ihnen zu verstehen gibt, dass es auf ihre Stimme gar nicht ankommt. Dabei gibt es nur solche einzelnen Stimmen. Auch eine Wahl, bei der Millionen mitentscheiden besteht doch im Grunde aus solchen einzelnen Stimmen. Wenn wie alle denken, dass es auf unsere Meinung nicht ankommt, dann können wir sicher sein, dass unsere Meinung nicht gehört wird. Wer sagt denn, dass nicht der nächste Ministerpräsident ein Vertreter der Piraten oder der Linken oder der ÖDP sein könnte? Nur weil die Umfragen bisher anders aussehen? Und dann wählt man brav eine der wenigen Parteien, die in den Umfragen sowieso schon vorne liegen, mit dem Gedanken, damit die eigene Stimme nicht zu verschwenden und tut doch genau das, so etwas nennt man wohl einen Teufelskreis oder eine selbsterfüllende Prophezeihung. Eine Wahl, die nicht aus Überzeugung geschieht ist meiner Meinung nach eine verschwendete Wahl. Ich werde hier zwar nicht sagen, wie meine Wahl morgen aussieht, aber eines sage ich hier, da ich davon überzeugt bin: Ich werde nicht das kleinere Übel wählen, sondern die Partei, die ich ernsthaft wählen will. Warum sage ich euch das? Weil ich glaube, dass nur so eine Demokratie eine Chance hat zu funktionieren. Das Volk ist der Herrscher, dann muss das Volk auch seinen Willen äußern; so einfach stelle ich mir das vor.

Kennenlernen ohne Exhibitionismus

Neues Jahr, neues Glück, sagt man. Sicher erhoffen sich manche Singles von 2011 neue Bekanntschaften und vielleicht auch neue Liebe. Im Internet gibt es ja auch genügend Kontaktbörsen für Flirtwillige sollte man meinen. Aber was ist, wenn jemand mitliest? Wenn der Personalchef bei der Bewerbung kurz einen Blick in verschiedenste Onlineprofile sucht und Informationen findet, die für diesen Kontext gar nicht vorgesehen waren. Oft ahnt man gar nicht(via), wie umfangreich die Spuren sind, die man auf diese Art in Netzwerken und Communities hinterlässt. Sollte nicht gerade ein so privater und intimer Umgang miteinander, wie es das Flirten und Kennenlernen ist, ein wenig mehr Privatsphäre benötigen?

Mit dieser Idee wurde durch den Schreiber von Kritik und Kunst der Aufbau einer Kontaktbörse begonnen, die sich dem Trend zum gläsernen Kunden/Bürger entgegenstellt. Dort sind alle Nutzer angehalten, Pseudonyme zu verwenden und alle nötigen Techniken anzuwenden um auch den Betreibern dieses Angebots keine persönlichen Informationen zukommen zu lassen, denn: Daten, die nicht anfallen, können auch nicht ausgenutzt werden. Man wird aufgefordert, eine Anonyme Emailadresse zu nutzen und den eigenen Standort über Tor zu verschleiern. Wer noch nicht weiß, wie man das macht, hat durch den Flirtwunsch vielleicht ausreichend Motivation sich damit zu beschäftigen und nebenbei ein paar Gedanken über die eigene Privatsphäre zu machen. Vielleicht wird 2011 ja auch das Jahr der Wiederentdeckung der Privatsphäre?

Spartaner am Rechner

Relativ neue Software und ihre alten Alternativen: Warum nicht mal ein wenig downgraden?

Das Problem

Die Entwicklung der Technik und unserer alltäglichen Software als einer ihrer Formen kennt nur eine Richtung: Nach vorne. Das bedeutet: Schneller, größer, bunter und aufwändiger. Alle paar Jahre brauchen wir neue Computer, da die alten mit der neuen Software nicht mithalten können. Es wird uns versprochen, dass die Programe schneller laufen, doch dieses Versprechen betrügt uns immer wieder. Ein alter Computer, der noch mit Windows 2000 in annehmbarer Geschwindigkeit lief, wird mit Windows 7 keinen Mucks von sich geben, wenn überhaupt die Größe der Festplatte ausreicht um auch nur einen Installationsversuch zu starten. Manche meinen, dass mit Linux die Sache besser wäre und in gewissen Grenzen stimmt das auch, aber ein aktueller GNOME- oder KDE-Desktop verbraucht auch mehr Ressurcen als ein Älterer von vor einigen Jahren.
Aber die ständig steigenden Hardwareanforderungen sind nicht der einzige Haken des Fortschritts. Die Benutzeroberflächen werden zwar immer komfortabler, aber durch die vielen zusätzlichen Funktionen geht oft die Übersicht verloren. Wer sich wirklich konzentriert mit einer Aufgabe, wie zum Beispiel dem Schreiben eines Textes beschäftigen möchte sucht bald nach Möglichkeiten, die erwünschte Konzentration auch auf dem Bildschirm dargestellt zu sehen, indem alles, was gerade nicht gebraucht wird ausgeblendet wird.

Die Lösung?

Ein sehr allgemeines Programm dieser Art ist z.B. Think für Mac. Es blendet alle Fenster ausser dem Aktiven dezent aus und sorgt so für angenehme Ablenkungsfreiheit.
Einen Schritt weiter geht der Texteditor WriteRoom. Er ermöglicht bildschirmfüllendes Arbeiten im Vollbildmodus und sieht dabei aus, wie die Eingabefläche eines Computers aus den Achtzigern, mit grüner Schrift auf schwarzem Hintergrund. Man kann sich gut konzentrieren und kommt sich währenddessen auch noch wie ein cooler Hacker aus Matrix vor, auch wenn man nur an einem Brief oder einem Blogeintrag arbeitet. Doch die Sache hat mindestens zwei Haken:

  1. Das Programm ist nicht frei, weder im Sinne von Freier Software, noch kostenlos.
  2. Es gibt WriteRoom nicht für Linux, noch nicht einmal für Windows, sondern nur für Macs.

Der erste Haken ist sicher nicht das größte Problem, denn für gute Software Geld zu bezahlen ist sicher nicht zu viel verlangt, aber der zweite wird wohl jeden stören, der kein Macbesitzer ist. Es gibt zwar eine interessante Anleitung, wie man Word so einrichtet, dass es so aussieht, wie Writeroom, aber das ist immer noch keine Lösung für Linux.

Die alte Alternative

Dennoch liegt eine Lösung dieses Problems viel näher als man denkt. Wenn man aufhört immer nur noch vorne zu denken und alles komplizierter zu machen und einen Blick zurück wagt in die Vergangenheit der Computernutzung. WriteRoom gibt durch sein Retrodesign schon einen guten Hinweis auf diesen möglichen Perspektivwechsel: es sieht aus, wie ein Computer, der noch keine grafische Oberfläche hat und nur über ein Textinterface bedient wurde. Ein solches Textinterface zu nutzen ist auch bei modernen Computern immer noch möglich. Wie gut sich ein Windows-Computer so bedienen lässt, kann ich nicht beurteilen, aber unter Linux kann man relativ einfach komplett auf eine grafische Oberfläche verzichten oder ein sogenanntes Terminalfenster im Vollbildmodus nutzen. Ein Terminal ist aber noch kein Texteditor. Doch das ist kein Grund zur Sorge, denn hier hat man sogar eine kleine Auswahl zwischen verschiedenen Programmen, die textbasiert zu bedienen sind. Die Highlights sind vim und emacs. Beide Programme haben schon eine lange Geschichte hinter sich und werden immer noch von vielen mit Begeiterung genutzt. Sie sind nicht ganz so intuitiv zu bedienen, wie man es von grafischen Programmen gewohnt sein mag, aber sie sind nach einer kurzen Einarbeitungszeit schneller und flexibler. Diesen Text hier schreibe ich z.B. mit vim in einem Terminalfenster, nachdem ich heute dieses Programm zum ersten mal installiert habe:
greenscreen Die verlinkten Seiten von Ubuntuusers bieten alle nötigen Informationen um innerhalb von wenigen Minuten loslegen zu können. Es ist auch nicht so, dass man mit diesen Programmen veraltete Software benutzt: beide werden noch aktiv weiterentwickelt.
Wenn man einmal auf den Geschmack gekommen ist, möchte man vielleicht sogar noch mit anderen Aktivitäten auf eine Terminalnutzung umsteigen. Das ist ohne Probleme möglich. Es gibt Internetbrowser, Emailprogramme, Adressverwaltungen, Spiele(sogar Onlinerollenspiele) und vieles mehr.

Fazit

Die schönen grafischen Benutzeroberflächen, mit denen wir Computernutzer heutzutage arbeiten und die wir auch meist zu schätzen wissen, haben sicherlich den Einstieg in die Copmuternutzung vereinfacht. Man kann einfach mal irgendwas mit der Maus anklicken und hoffen, dass das geschieht, was man wollte. Aber sie haben auch ihre Nachteile und Schwächen. Zum Glück können wir heute im Unterschied zu den Achtzigern einfach Beides haben: grafische, intuitive Desktops und einfache schlicht-spartanische Befehlszeilenprogramme. Wer beides kennt, kann die Vorteile beider nutzen und ihre Schwächen umgehen. Dazu braucht es nur ein bischen Entdeckergeist und Neugier.
Wenn ich den Text hier im Blog habe, werde ich auf jeden Fall erst mal eine Runde Rogue spielen, … im Terminal.

Vom Rechtsstaat in den rechts-Staat

Auch Menschenrechte sind nur sentimentales Geschwätz?

Auch Menschenrechte sind nur sentimentales Geschwätz?

Rechtsstaat oder Unrechtsstaat, allein die Frage zur Beschreibung der DDR-Staatsform zeigt einen Umgang mit dem Begriff der Rachtsstaatlichkeit, der zwar seit einiger Zeit immer geläufiger wird, aber mit der Tradition dieses Begriffes letztlich bricht.
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AI gegen Polizeigewalt

Amnesty International hat gerade einen Bericht über Polizeigewalt inDeutschland veröffentlicht und im Zusammenhang damit einen Aufruf zu mehr Tranzparenz. Dieser Aufruf wird begleitet von einer Online-Demonstration. Man mag sich denken, dass die AI-Leute vielleicht übertreiben. Es gibt wahrscheinlich viel mehr Gewalt gegen Polizisten als von ihnen. Ausserdem, so waren schon einige Leserkommentare auf den Portalen der Nachrichtenmagazine zu lesen, ist es die Aufgabe der Polizei, Gewalt anzuwenden, um zum Beispiel Schläger und andere Gewalttäter an ihrem Tun zun hindern. Diese Einwände unterschlagen jedoch einen wesentlichen Unterschied:

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Gesicherte Erkenntnisse

Der Weltuntergang 2012 wird immer glaubwürdiger. Nachdem der Mayakalender, das CERN-Forschungslabor und andere Eventualitäten sich schon für dieses Jahr angekündigt haben, ist nun auch der Iran mit von der Partie. 2012 wird Präsident Ahmadineschad über Atomwaffen verfügen, … sagt die C.I.A..
Und die müssen es ja wissen. So wie sie wußten, dass Saddam Massenvernichtungswaffen hatte. Meine Sorge an dem Szenario ist, dass die CIA davon ausgehen könnte der Iran habe keine Atomwaffen. Dass sie diese Behauptung nur in die Welt setzen, damit es einen Grund gibt dort einzumarschieren. Wenn das der Fall ist, und die Geschichte des Irakkrieges lässt diese Vermutung zu, dann bestände die Möglichkeit, dass der Iran angegriffen wird und zufällig wirklich Atomwaffen hat, mit denen keiner gerechnet hat. Das würde dann böse ausgehen.

Web: Auch die längste Reise beginnt mit einem Laptop

Wer sich schon immer mal ein Bild von der Anwendung des One Laptop Projektes machen wollte, oder sich für die Zukunft der Menschheit interessiert: “Irgendwann werden wir eine Rasse mit einer Sprache sein.”(N. Negroponte)

UPDATE: Leider sind die Videos, die hier zu sehen ware nicht mehr zugänglich.

Web: La Sierra from Web on Vimeo.

Web: La Selva from Web on Vimeo.

Atomkraft. Schon wieder?

NichtschonwiederHeute ist hier in Koblenz eine Demonstration gegen Atomkraft, auf der ich auch sein werde. So richtig kann ich es jedoch noch nicht verstehen, dass das überhaupt nötig wurde. Durch eine Kindheit in den 80ern, mit Tschernobyl und verstrahlten Pilzen war ich lange Zeit der Ansicht, dass die Notwendigkeit eines Atomausstiegs so offensichtlich ist, dass niemand, der noch bis drei zählen kann, auch nur den geringsten Zweifel daran hat. Deswegen fällt es mir hier auch schwer, Argumente gegen Atomkraft aufzuführen. Der Womblog ist da geduldiger.

Tanzen an Karfreitag und die Alternativen

Zur Einführung ins Thema für diejenigen, die in einem weniger fundamentalistisch-christlichen Bundesland als Rheinland-Pfalz wohnen: Hier gilt an Karfreitag Tanzverbot, da sich Tanzveranstaltungen mit dem Charakter des Feiertages nicht vertragen. Wer jetzt denkt, das sei in Ordnung, wird hier keine Gegenargumente finden, denn ich gehe davon aus, dass klar ist, wie sehr eine solche Regelung einem demokratischen, säkularem Staat widerspricht.
Im letzten Jahr habe ich einfach mal zum spontanen Tanzen aufgerufen, mit einem Lied, das mir immer noch angemessen erscheint. Heute möchte ich stattdessen ein paar Hinweise geben, was man an diesem Tag noch so machen könnte.

  1. Lesen ist immer eine Möglichkeit zum Beispiel Feuerbach, Das Wesen des Christentums. Das ist ein Klassiker der Aufklärung und sollte in keinem Bücherregal fehlen. Falls doch gibt es hier eine Online-Version.
  2. Online-Lesen ist natürlich für die moderneren Menschen auch eine Option. Andere Medienformen, wie z.B. Videos sind zum Thema hier auffindbar.
  3. Einen ganten Film kann man natürlikch auch schauen. ohne zu tanzen hat man ja Zeit genug. Ein Klassiker für die Osterfeierlichkeiten ist sicherlicht das Leben des Brian
  4. Wer jedoch wirklich, trotz Karfreitag Lust zu Tanzen hat und bereit ist, dafür nach Berlin zu fahren, kann dem Aufruf der Hedonistischen Internationalen folgen und zu einer zweitägigen Party kommen.

Ich hoffe, dass hier für jeden Etwas dabei ist. Falls nicht, lasst euch was einfallen!

Wehret den Anfängen? So fängt es an!

In vielen Blogs, die ich regelmäßig lese, vor allem auf ad-sinistram, kritik und kunst und auf den Nachdenkseiten, wird immer wieder eine Besorgnis ausgedrückt, die viele Angehörige der “bürgerlichen Mitte” als ungeheuerlich empfinden dürften. Stellvertretend für viele andere Texte dieser Art:

“Natürlich hat v. Treitschke keine Gaskammern gewollt. Genau darum aber geht es. Menschen, und sei es zunächst “nur” symbolisch, “nur” verbal, absondern, aussperren, stigmatisieren, die Loyalität aufkündigen, elementare Rechte verweigern – damit fängt es an. Es muss nicht immer so enden. Aber genau so fängt es an. “(kritik und kunst)

Die gegenwärtige gesellschaftlichen Tendenzen mit denen zu vergleichen, die zu den schrecklichsten Taten der deutschen Geschichte geführt haben scheint übertrieben und vielleicht sogar verwerflich im Sinne einer Relativierung dieser Geschichte. Aber was genau soll denn nach der Meinung eines Experten mit den Arbeitslosen passieren, die länger als fünf Jahre keinen Job finden? Welche Partei wehrt sich noch gegen rassistisches Denken, wenn selbst die Aussagen Sarrazins noch im Rahmen dessen liegen, was aus der Sicht der SPD aktzeptabel ist?
Selbst Kindern wird heute beigebracht, dass Faschismus eine Meinung ist, wie andere Meinungen auch und daher vom Staat geschützt werden muss. Da entsteht doch langsam aber sicher ein Gesamtbild, das nach mehr als nur einem Anfang aussieht.
“Nur fünf Jahre Hartz IV, danach können die faulen Schweine verrecken.” So sagt es der soziologische Bildexperte nicht, aber was sonst meint er? Egal, es ist ja nur eine Meinung, die wird man doch wohl noch sagen dürfen.
Hält sich Sarrazin vielleicht auch zurück, wenn er vom “Auswachsen” der Integrationsprobleme mit Kopftuchmädchenproduzenten spricht? “Ausrotten” wäre auch nur eine Meinung, dürfte er vielleicht auch sagen?
Vielleicht sind die ganzen linken Blogger ja auch nur paranoid und haben mich angesteckt.
Besser wäre es.

Edit: Gerade noch über annnalist gefunden: In Gymnasien wird zunehmend nach ethnischer Herkunft sortiert. Passt auch ins Bild.