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Drei Röhrchen mit einer Doppelhelix

Ein "Fingerabdruck" aus Urin

Aus dem Urin eines Menschen lässt sich ein Stoffwechselprofil ablesen, das so unverwechselbar ist wie sein Fingerabdruck. Forscher haben nun die erste große Reihenuntersuchung veröffentlicht, bei der dieses Profil mit genetischen Daten abgeglichen wurde.

Medizin 16.05.2011

Sie können damit aus dem Urin rückschließen, welche Gene bei bestimmten Stoffwechselvorgängen involviert sind. Ziel ist es, einmal aus dem Stoffwechselprofil eines Menschen, Risiken für bestimmte Erkrankungen genauer abzuschätzen.

Gene mit Krankheitsrisiken verknüpfen

Die Studie:

"A genome-wide association study of metabolic traits in human urine" von Karsten Suhre und Kollegen ist in " Nature Genetics"rschienen.

In genomweiten Assoziationsstudien wie der nun veröffentlichten, versuchen Wissenschaftler, bis zu 2,5 Millionen genetische Varianten, die jeder Mensch in sich trägt, zu typisieren und mit phänotypischen Erscheinungen wie etwa einer Erkrankung, bestimmten Werten wie die Höhe des Cholesterinspiegels oder andere Eigenschaften - in Beziehung zu setzen.

Derzeit gehe es bei solchen Studien weniger darum, das Risiko für bestimmte Krankheiten von einzelnen Leuten abzuschätzen. "Sie dienen primär dazu, die Mechanismen besser zu verstehen. Erst dann kann man anfangen zu überlegen, ob es Ansatzpunkte etwa für die Entwicklung von Medikamenten gibt", so der an der Studie beteiligte Genetische Epidemiologe Florian Kronenberg von der Med-Uni Innsbruck.

Fünf "verdächtige" Genregionen

Die Wissenschaftler von der Universitätsmedizin Greifswald, dem Helmholtz Zentrum München und der Medizin-Uni Innsbruck haben in ihrer Studie 3.000 Urinproben aus zwei Bevölkerungsstudien mit Hilfe der Kernmagnetresonanz-Spektroskopie untersucht und 59 Stoffwechselprodukte bestimmt. Diese Daten wurden mit den genetischen Informationen aus dem Blut der Probanden ausgewertet.

"Wir konnten dabei das Muster der Stoffwechselprodukte im Urin mit den Genen der Probanden in Verbindung bringen", so Karsten Suhre vom Helmholtz Zentrum. Die Forscher identifizierten fünf Genregionen, die in der Vergangenheit zum Teil bereits mit weit verbreiteten Erkrankungen der Niere und des Herzens in Verbindung gebracht wurden.

Ansatz für personalisierte Medizin

Personen mit ungünstigen Genvarianten in den von den Forschern identifizierten Genregionen können im Zusammenspiel mit Umweltfaktoren wie etwa ungesunde Ernährung, fehlende körperliche Aktivität, Rauchen, etc. einem höheren Krankheitsrisiko ausgesetzt sein als Personen mit günstigen Varianten, so Suhre.

Die Genvarianten würden jedenfalls einen neuen Ansatzpunkt für personalisierte Therapie darstellen. Und die Wissenschafter hoffen, mit dieser Methode künftig aus dem Stoffwechselprofil eines Menschen Risiken für bestimmte Erkrankungen wesentlich genauer abschätzen zu können.

science.ORF.at/APA

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