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Viel Kritik nach Polizei-Einsatz im 96-Stadion

Martin Kind, Präsident von Hannover 96 © picture-alliance Detailansicht des Bildes Nach Angaben von Hannover-96-Präsident Martin Kind überlegt der Verein, die Ticketpreise in der Nordkurve zu erhöhen. (Archivbild) Ein harter Einsatz: Mit Schlagstöcken und Pfefferspray sind Polizeibeamte gegen Ultra-Fans von Fußball-Bundesligist Hannover 96 vor dem Spiel gegen Bayern München (2:1) am Sonntag vorgegangen. 36 Menschen wurden laut Polizei verletzt. Die Behörde untersucht nach eigenen Angaben derzeit, ob die Aktion angemessen war. Die internen Ermittlungen stünden jedoch erst am Anfang, sagte ein Sprecher. Auch sei noch nicht mit den am Einsatz beteiligten Beamten gesprochen worden.

Auslöser des Einsatzes war ein anonymer Hinweis über verbotene Pyrotechnik im Block der 96-Ultras. Kein neues Thema für Hannover 96. Klubchef Martin Kind kündigte für das DFB-Pokal-Spiel am Mittwoch gegen Mainz zusätzliche Kontrollen vor der Nordkurve an.

"Die Dinger sind richtig gefährlich"

Mirko Slomka, Trainer von Hannover 96, schätzt zwar die Atmosphäre von Pyrotechnik. Die Sicherheit der Fans im Stadion müsse jedoch immer vorgehen.

Club-Chef Kind: Zündler sollen zahlen

Was sind Ultras?

Als Ultra-Fanbewegung wird eine besondere Organisationsform für fanatische Anhänger von Fußballclubs bezeichnet. Auch in anderen Sportarten gibt es mittlerweile Ultra-Gruppen. Die Wurzeln der Bewegung liegen in der italienischen Fankultur der 1950er und -60er Jahre. Das Wort Ultra kommt aus dem Lateinischen und bedeutet auf deutsch "darüber hinaus".

Zudem will er mit höheren Eintrittspreisen für zündelnde Fans reagieren: Denn wenn die im Stadion verbotenerweise Feuerwerkskörper abbrennen, müssen die Vereine dafür Strafen zahlen. Bei 96 könnten die sich laut Kind auf mehr als 50.000 Euro summieren. "Das sind Kosten, die Dritte verursachen. Deshalb gibt es die Überlegung, diese Kosten durch höhere Eintrittspreise aufzufangen", so der 96-Chef. Seinen Angaben nach lehnen in Hannover rund 250 sogenannte Ultras das Pyrotechnik-Verbot ab und verstoßen dagegen. "Das ist eine relativ kleine Gruppe, für die es aber keinen rechtsfreien Raum geben darf." Die Ultras halten sich zumeist in der Nordkurve auf, und genau dort sollen die Ticketpreise erhöht werden.

Pyrotechnik-Streit der Ultras mit dem DFB

Die Polizei im Fanblock von Hannover 96. © dpa Fotograf: Peter Steffen Detailansicht des Bildes Im Block der Ultras von Hannover 96 ist es am Sonntag zu Auseinandersetzungen gekommen. Der anonyme Hinweis auf die verbotene Pyrotechnik war am Sonntag zunächst an die Ordner im Stadion gegangen. Als diese den Block betreten wollten, habe es bereits erste Handgreiflichkeiten gegeben. Daraufhin riefen sie die Polizei, die dann von den Ultras angegriffen wurde, wie Polizeisprecher Heiko Steiner dem NDR sagte. Erst als Reaktion seien Schlagstöcke und Pfefferspray eingesetzt worden. Drei 96-Anhänger mussten im Krankenhaus behandelt werden, so Steiner. Mithilfe des Videomaterials aus dem Stadion soll nun sowohl die Identität der gewaltbereiten Fans, als auch die der durch den Einsatz Verletzten ermittelt werden. Zudem wurde ein Strafverfahren gegen Unbekannt wegen Landfriedensbruchs eingeleitet.

Hintergrund des Polizei-Einsatzes sind gescheiterte Gespräche von Ultra-Gruppen verschiedener Vereine mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und der Deutschen Fußball Liga (DFL). Die Ultras drängen darauf, Pyrotechnik im Stadion zu legalisieren. Nach mehreren Gesprächen hatten DFB und DFL den Dialog abgebrochen, die Fan-Szene hatte daraufhin zu einem Aktionswochenende aufgerufen.

Fan-Forscher: "Fehlentscheidung der Polizei"

Pyrotechnik sei nun einmal verboten, sagte 96-Trainer Mirko Slomka, "und daran sollte sich auch jeder halten." Noch dazu, weil der Einsatz von Feuerwerk im Stadion "richtig gefährlich" sei: "Wenn jemand vom Oberrang Pyrotechnik abbrennt, und das dann runterfällt in den Unterrang und da sitzen Kinder – ich möchte mir nicht vorstellen, was da passieren kann."

"Die Ultras haben ein ausgeprägtes Feindbild"

Gunter Pilz, Fanforscher an der Uni Hannover, fordert nach den aktuellen Vorfällen auch die Ultras in die Pflicht zu nehmen. Noch immer hätten diese unglaubliche Privilegien.

Fan-Forscher Gunter A. Pilz hält das Vorgehen der Polizei für falsch: "Dass die Polizei in den voll besetzten Block der Ultras reinging, war eine Fehlentscheidung. Die Ultras haben ein ausgeprägtes Feindbild Polizei", so der Universitätsprofessor aus Hannover. Der Fanbeauftragte von Hannover 96 wollte auf Anfrage von NDR.de zu den Vorfällen nichts sagen, verwies auf die Pressestelle des Vereins.

Kommentare der NDR.de Nutzer

  • "Sebastian" fordert ein neues Sicherheitskonzept:

    Mangelnde Einlasskontrollen, überfordertes Personal und eine überehrgeizige Einsatzleitung. Hier nur eine Entschuldigung zu fordern ist zu wenig. Die Verantwortlichen müssen weg - ein völlig neues Sicherheitskonzept erstellt werden, damit sich solche Bilder nicht wiederholen können!

  • Für "Userin" gehören Ultras nicht zu den Fans:

    Wenn da Frauen und Kinder in dem Block waren, sind Bengalische Feuer etc. ein absolutes No Go. Und wer glaubt Ultra sein, hat was mit Fan sein zu tun, der irrt.

  • User "KMH" hat kein Verständnis für den Einsatz:

    Die meisten wirklichen Ultras standen zu der Zeit noch am Zwinger unten, oben waren teilweise nur die, die die Fahnen aufhängen, viele jüngere Fans. (...) Es war alles friedlich und die Stimmung aller Fans war großartig, bis diese Beamten grundlos den Block stürmten und auf die Fans in N16/N17 ziellos Pfefferspray sprühten. Das alles 50 Minuten vor Spielbeginn. In der Halbzeit standen immer noch Fans mit feuerroten Augen vor dem Sanitätsraum in Schlangen, um sich behandeln zu lassen.

  • Auch "Torsten" war am Sonntag im Stadion - und hat die Situation ähnlich erlebt:

    Eine halbe Stunde vor Spielbeginn dringt eine Hundertschaft voll aufgerüsteter und ausgebildeter Einsatzpolizisten aufgrund eines anonymen Hinweises und ohne Vorwarnung bzw. den Versuch einer Kommunikation in einen mit Jugendlichen, Frauen und Kindern besetzten Fan-Block ein, verletzt ca. 30 Personen. Währenddessen tut ein Stadionsprecher so als wäre nichts gewesen und ein Polizeisprecher spricht von einer Gegenwehr der Fans! Die gab es nicht! Wir sprechen hier von Ultra HSV Fans auf die wir stolz sein können! Einige scheinen das mit Hooligans zu verwechseln.

  • "hannoveraner" dagegen glaubt, die Ultras seien Auslöser:

    Wenn diese meinen, in einem Fußballstadion Hausrecht zu besitzen und Ordner angreifen zu können, ist dies sehr wohl ein Grund, die Polizei zur Durchsetzung des Hausrechts dazu zu holen. (...) Sich jetzt darauf zu berufen dass, dort "Frauen und Kinder" angegriffen würden, ist echt eine Unverschämtheit. Ein Teil der Ultras, die ich kenne, sind durchaus gewaltbereit und verstecken sich gerne in der bürgerlichen Masse. (...) Ultras sind der Grund warum in vielen europäischen Ländern (z.B. Italien) Frauen, Kinder, und auch einfach nur echte Fußballfans nicht mehr sicher sind, wenn sie ein Stadion betreten.

  • Und auch "Criticist" findet, dass man die Ultras nicht verharmlosen sollte:

    Die Spinner und Krawallmacher sind die bedauernswerten Opfer. Die Polizei und sonstigen Ordnungskräfte sind die bösen Aggressoren. Das kennen wir ja. Die Ultras haben so oft ihre Friedfertigkeit bewiesen. Aber man lässt sie einfach nicht in Ruhe. Der böse Staat. Diese schlimme Vereinsführung. Die sollen doch alle endlich begreifen: Die Jungs wollen doch nur ein wenig das Stadion auseinander nehmen. Und ein paar Leute vermöbeln. Und so weiter. Warum versteht das denn niemand!

  • "Carsten Warn." hingegen meint, dass die Ultras mit der Aktion "kriminalisiert werden" sollten:

    Das war eine gezielte und geplante Aktion. Den Fans im Block ihre Fahnen aus der Hand zu reißen - Schlagstöcke und Tränengas einzusetzen und auf Reaktionen zu warten. sowas passiert nicht einfach so! Nicht einmal die Fanbetreuer wurden kontaktiert, obwohl die vor Ort waren! Wer die Fotostrecken und die Videos sieht, erkennt Frauen, Jugendliche und Kinder umringt von Polizisten! Gott sein Dank haben sich die Ultras vernünftig verhalten!

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Kritik von den Grünen, Linke stellt Anfrage

Der Landesvorsitzende der Grünen und 96-Dauerkartenbesitzer, Jan Haude, kritisierte den "harten Polizeieinsatz". Seine Partei fordere statt einer Eskalation einen ehrlichen und offenen Dialog zwischen Verein und Ultra-Szene. Friederike Kämpfe, Vorsitzende vom Grünen Stadtverband Hannover, erklärte: "Natürlich kann Gewalt nicht geduldet werden. Aber ebenso muss der Klub seine Anhängerschaft ernst nehmen und darf sie nicht unter Generalverdacht stellen."

Nach dem Willen der Linken soll der Einsatz zudem den niedersächsischen Landtag beschäftigen. Für das Plenum im November werde die Fraktion eine Anfrage an die Landesregierung stellen, kündigte die innenpolitische Sprecherin, Pia Zimmermann, an. Sie bezeichnete den Einsatz als "unverhältnismäßig": Es entstehe der Eindruck, "dass ein Exempel für unliebsame Fans statuiert werden sollte - dabei wurden auch Verletzte in Kauf genommen", sagte Zimmermann.

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