Weltbild der Azteken

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Aztekische Universum. Codex Fejervary-Mayer
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Aztekische Universum. Codex Fejervary-Mayer

Inhaltsverzeichnis

Universum

In der Mythologie der Azteken bestand das Universum aus drei Schichten:

  • Topan: Die Obere Welt. Sie bestand aus 13 Ebenen. An der Spitze stand Ometéotl, der oberste SchöpferGott der Azteken.
  • Tlalticpac: Die mittlere Welt. Die irdische, von Menschen bewohnte.
  • Mictlán (oder auch Mitlán oder Mictlampa genannt). Unterwelt: Reich des Todes und der Aufenthaltsort für „natürlich/gewöhnlich“ Verstorbene.

Die Schaffung der Welt

Ometéotl

Laut der Mythologie der Azteken gab es bis zum Beginn der Zeit, und der Bildung des obersten Schöpfergottes Ometéotl, nur das allumfassende Nichts. Kein Leben; Kein Mensch; Kein Atem; Kein Licht: Nur das Nichts.
Aus diesem Nichts heraus schuf Ometéot, die personifizierte, ursprüngliche, himmlische Schöpfungskraft, sich selbst.

Tonatecuhtli. Codex Rios
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Tonatecuhtli. Codex Rios
Tonacacihuatl. Codex Rios
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Tonacacihuatl. Codex Rios

Ometéotl, aus dem Náhuatl übersetzt „Gott eins in Zweien und zwei in Einem", war sowohl männlich wie auch weiblich und stellte damit eine bisexuelle Einheit dar.

Als Ometecuhtli (auch Tonatecuhtli , „Herr unseres Fleisches", genannt) repräsentierte er den männlichen, Leben spendenden und aktiven Teil der Gottheit.
Als Omecihuatl (auch Tonacacihuatl, „Frau unseres Fleisches", genannt) repräsentierte er den weiblichen, empfangenden und passiven Teil der Gottheit.

Ometéotl (Ometecuhtli-Omecihuatl) war als „Geber/Schaffer allen Seins“ (Schöpfung) die Verkörperung der Dualität. Schöpfer von Leben und Tod, Gut und Schlecht, oben und unten.
Kurz gesagt: Schaffung einer Einheit durch Dualität = Ollin (Náhuatl: „Die heilige Bewegung“

Tezcatlipoca

Tezcatlipoca.Codex Rios
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Tezcatlipoca.Codex Rios

Nachdem Ometéot sich selbst erschaffen hatte, gebar er (dies war als bisexuelle Einheit möglich) 4 Kinder. Diese vier Kinder waren ebenfalls „vier in einen“. Sie konnten jeder für sich aber auch als Manifestation einer Einheit gesehen werden. Diese Einheit war Tezcatlipoca.Die vierfache Verkörperung von Tezcatlipoca waren: Quetzalcóatl , Xipe-Tótec , Tonatiuh und Mictlantecuhtli. Diese vier Kinder erschufen später die Welt und die Götter. Sie wachten über Schlechtes und Gutes. Sie wurden die Wächter der Menschen. Doch zuerst einmal ruhten diese 4 Kinder (Quetzalcóatl, Xipe-Tótec, Tonatiuh,Mictlantecuhtli = Tezcatlipoca) 600 Jahre lang. Danach fingen sie an, die Welt zu kreieren. Zuerst schufen sie das Wasser und den Gott Tlaloc und seine Frau. Im Anschluss schufen sie Cipactli, eine Drachen(Krokodil)-Schlange die in einer Lücke des „Nichts“ schwamm.

Cipactli

Cipactli, die Drachen(Krokodil)-Schlange schwamm in einer Lücke des absoluten „Nichts“. Um ihren Körper hinaus gab es nur das „Nichts“. Das gesamt Universum wurde von Tezcatlipoca innerhalb ihres Körpers kreiert. Er unterteilte den Körper Cipactli in drei Teile mit dem Nabel von Cipactli als Mittelpunkt der Welt (axis mundi). Zur späteren Zeit sahen die Azteken im „Templo Mayor“ den Nabel von Cipactli und damit das Zentrum des aztekischen Universums.

  • Im Kopfbereich schuf er „Topan“, die Obere Welt mit ihren dreizehn Himmelsebenen. Die oberste Region, Omeyocan , war der Sitz von Ometéot.
  • Im Körper (der Zentralen Region) schuf er „Tlalticpac” (oder auch “Cem-á-nahuac“ genannt), die mittlere, irdische, von Menschen bewohnte Welt sowie das „Paradies“ (für das jedoch der Zugang dazu von der Todesart abhing), unterteilt in: Tonatiuh Ichan („Haus der Sonne“) mit seinen vier Ebenen und Tlalocan .
  • Im unteren Teil des Körpers schuf er die Unterwelt Mictlan mit ihren neun Schichten.


Cipactli.Codex Borgia
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Cipactli.Codex Borgia
Cipactli.Códice-Fejervary-Mayer
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Cipactli.Códice-Fejervary-Mayer

Cipactlis Körper war für die Azteken von unvorstellbarer Größe. Das gesamte Universum befand sich im inneren von Cipactli. Tlalticpac, die Erde bestand aus einer großen, flachen Scheibe, mitten im Körper von Cipactli gelegen und zu allen Seiten von himmlischen Wasser umgeben. Aus diesem Grunde nannten die Azteken die Erde auch „Cem-á-nahuac“ (aus dem Náhuatl übersetzt: „Das, das durch Wasser umgeben wird“.

Die Erde wurde in vier Quadranten, mit dem Nabel als Zentrum, aufgeteilt.
Um den Nabel drehen sich sowohl die dreizehn Schichten der Oberwelt wie auch die Neun Schichten der Unterwelt. Der Nabel war der magische Punkt, der die Verbindung zu Ometéotl herstellt. Über den Nabel sandte Ometéot seine göttliche Energie, steuerte den Kosmos und alle Dinge des „Seins“.
Die vier Quadranten waren:

  • Westen: Hier herrschte der weiße Tezcatlipoca, genannt Quetzalcóatl. Er schuf die Menschen und ist Wächter der Weisheit und aller Sachen die im Bezug zum Mais stehen. Dieser Quadrant repräsentiert das Licht, das Leben, die Weisheit und die Ergiebigkeit.
  • Osten: Hier herrscht der rote Tezcatlipoca, genannt Xipe-Tótec . Gott des Frühlings und der Wiedergeburt.
  • Süden: Hier herrschte der blaue Tezcatlipoca, genannt Tonatiuh . Gott der Sonne. Dieser Quadrant repräsentiert den täglichen Kampf der Sonne bei ihrem Weg durch die Unterwelt, während Mond und Sterne regieren. Bei diesem Kampf verliert Tonatiuh sehr viel Kraft und kann nur mit Blut, das ihm geschenkt wird, regeneriert werden.
  • Norden: Hier herrscht der schwarze Tezcatlipoca, genannt Mictlantecuhtli. Herr des Nachthimmels und des Todes. Der Norden repräsentiert das kalten Land des Todes.

An jedem Punkt eines Quadranten wurde ein Baum gepflanzt, der die Erde und den Himmel stützen sollte.

Fünfte Sonne

Nach der überlieferten Schöpfungsmythologie der Azteken gab es bereits vier Weltperioden, die als Sonnen bezeichnet wurden, und dem gegenwärtigen Weltzeitalter vorausgegangen sind. Alle vier Welten wurden durch Katastrophen zerstört.
Die „fünfte Sonne“ hieß in der Sprache der Azteken „nahui ollin“(übersetzt: Vier-Bewegung). „Nahui ollin“ ist, laut der Mythologie der Azteken, die Welt, in der die Menschen zur Zeit leben. Herrscher über diese „fünfte Sonne“ ist der Sonnengott Tonatiuh. Die „fünfte Sonne“ soll, den Voraussagen der Azteken nach (siehe hierzu: Sonnenstein ), durch Erdbeben zerstört werden.

Bildbeschreibung

In der symbolischen Darstellung des aztekischen Universums im CodexFejervary-Mayer Codex (siehe weiter oben Bild 1) sind Raum, Zeit, die Reiche des Himmels und der Erde in eine Einheit integriert. Um die „heilige Mitte“ (axis mundi), in der sich der Gott des Feuers „Huehueteotl“ befindet, sind die vier Himmelsrichtungen angeordnet. In jedem dieser Quadranten wird Tezcatlipoca in seiner Dualität dargestellt.

Westen: (Weiße) Tezcatlipoca - Quetzalcóatl
Osten: (Rote) Tezcatlipoca - Xipe Totec
Süden: (Blaue) Tezcatlipoca - Huitzilopochtli
Norden: (Schwarze) Tezcatlipoca - Mictlantecuhtli


Literatur

  • Ferdinand Anton: "Die geheimnisvolle Welt der Azteken". Verlag Prestel (2002)
ISBN -10-3791326929 / ISBN -13-978-3791326924
  • Norman Bancroft-Hunt :"Götter und Mythen der Azteken".Gondrom Verlag 2001
ISBN 3811216457
  • Bierhorst, John :"History and Mythology of the Aztecs". University of Arizona Press;(1998)
ISBN -10-0816518866 / ISBN -13-978-0816518869
  • Brundage, Burr Cartwright: "The Fifth Sun: Aztec Gods, Aztec World"Univ of Texas Pr;
ISBN -10-0292724381 / ISBN -13-978-0292724389
  • Carrasco, Davíd: "Religions of Mesoamerica", Cosmovision and Ceremonial :Centers.Publisher: Waveland Press (April 1998)
ISBN -10-1577660064 / ISBN -13-978-1577660064
  • Carrasco,David; Matos Moctezuma, Eduardo; Sessions, Scott: "Moctezuma's Mexico: :Visions of the Aztec World". University Press of Colorado; (2003)
ISBN -10-0870816764 / ISBN -13-978-0870816765
  • Davíd Carrasco:"City of sacrifice" :the Aztec empire and the role of violence in civilization / :Boston, Mass. : Beacon Press. (1999)
ISBN 0-8070-4642-6 (cl)
  • Lanczkowski, Günter: "Götter und Menschen im Alten Mexiko". Walter-Verlag AG, Olten 1984.
  • Kay, Almere Read: "Time and Sacrifice in the Aztec Cosmos".(Religion in North :America)Indiana University Press (2005)
ISBN -10-0253334004 / ISBN -13-978-0253334008
  • Miller, Mary und Karl Taube (1993). The Gods and Symbols of Ancient Mexico and the Maya. London: Thames and Hudson. ISBN 0-500-05068-6.
  • Charles Phillips:"The Mythology of the Aztec and Maya". Southwater 2006
ISBN 184476236X
  • Leon-Portilla, Miguel [1963] (1990). Aztec Thought and Culture, Davis, J.E. (trans), Norman, Oklahoma: Oklahoma University Press. ISBN 0-8061-2295-1.
  • Prem, Hanns J: "Die Azteken. Geschichte - Kultur - Religion". Verlag C.H. Beck, München (2006)
ISBN -10-3406458351 /ISBN -13-978-3406458354
  • Prem, Hanns J.;Foerster,Thomas: "Das alte Mexiko".Geschichte u. Kultur d. Völker :Mesoamerikas. Bertelsmann
ISBN -10-3570010430 / ISBN -13-978-3570010433
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