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Nach Sex-Prozess im Gefängnis: Sekten-Oberhaupt «Vatti» ist gestorben

LINDEN BE - Wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen war der Gründer der «Methernitha»-Sekte in Linden BE sieben Jahre im Gefängnis. Jetzt ist Paul Baumann alias «Vatti» (†94) gestorben.

Von Jessica Francis | Aktualisiert um 18:14 | 19.08.2011
In Kostümen verkleidet gibt sich Paul «Vatti» Baumann als Sprachrohr Gottes aus. (RDB)
Er gründete die religiöse Gemeinschaft «Methernita» und führte sie jahrelang als Oberhaupt. (RDB)
Die Gemeinschaft «Methernitha» in Linden im Berner Emmental. (RDB)
Anhänger der «Methernitha» Gemeinschaft leben nach den strikten Regeln der Gemeinschaft. (RDB)
Paul «Vatti» Baumann stand in den 70er Jahren vor Gericht. (RDB)
Baumann sei bis zum Ende des Prozesses nicht geständig gewesen. (RDB)
Das Sektenoberhaupt habe nach der Verurteilung zwei Drittel seiner Anhänger verloren, sagt der Sektenexperte Georg Otto Schmid. (RDB)
Der Richter verurteilte «Vatti» 1976 zu sieben Jahren Gefängnis wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger. (RDB)
Der Gründer der Methernitha-Gemeinschaft Paul «Vatti» Baumann (*1917) ist im Alter von 94 Jahren gestorben. Der Sohn einer armen Schneiderfamilie hat die Geistige Vereinigung «Methernitha» in der Gemeinde Linden im Berner Emmental in den 60er Jahren gegründet und führte sie viele Jahre als geistiges Oberhaupt an.

In der Methernitha gelten strenge Vorschriften. Die Anhänger leben und arbeiten in der Gemeinschaft, verpflichten sich der sexuellen Enthaltsamkeit und verzichten auf Alkohol und Tabakkonsum.

Kostümiertes Sprachrohr Gottes


Paul Baumann überzeugte seine Anhänger damit, dass er vorgab, das Sprachrohr Gottes zu sein, dass sie in gewissen Momenten seinen Körper übernahmen. In den Rollen des König Salomon und anderen Heiligen sprach er Offenbarungen. Seine Anhänger waren überzeugt, dass der Glauben an ihn ihnen nach dem Weltuntergang den Weg ins Paradies eröffnen würde.

«Seit 15 Jahren hat er keine solchen Offenbarungen mehr praktiziert», weiss der Sektenexperte Georg Otto Schmid von ehemaligen Mitgliedern der Sekte. Gemäss seinem letzten Wissensstand würden die Video-Aufnahmen der früheren Offenbarungen jedoch noch immer angeschaut.

Mädchen mit Schraubenzieher entjungfert


In die Schlagzeilen geriet «Vatti» im Jahre 1976. Zwei ehemalige Mitgliederinnen brachen ihr Schweigen und gingen gegen den Sekten-Führer vor Gericht. Der Vorwurf: Er hätte sie jahrelang sexuell missbraucht. Eines der Mädchen soll er mit einem Schraubenzieher entjungfert haben.

1996 erzählte die heute erwachsene Frau der «Schweizer Illustrierten» von ihren schrecklichen Erfahrungen. «Als ich einmal Wache halten musste, kam ‹Vatti› mit einem Schraubenzieher in der Hand vorbei, zog mir die Unterhosen runterr und stiess mir den Schraubenzieher unten hinein. Es tat furchtbar weh. Aber was ‹Vatti › machte, konnte nicht schlecht sein. Er war doch die Liebe selbst.»

1976: Verurteilt zu sieben Jahren Gefängnis


Am 29.Oktober 1978 wurde «Vatti» vom Geschworenengericht Berner Oberland schuldig gesprochen der qualifizierten Unzucht mit Kindern, der Unzucht mit unmündigen Pflegebefohlenen und der versuchten Anstiftung zu falschem Zeugnis.

Paul Baumann hatte die Kinder in seinem «Mädchenhaus» regelmässig sexuell missbraucht. Die Minderjährigen lebten dort getrennt von ihren Eltern.

«100 Anhänger hielten zu ihm»


Paul Baumann, der vor Gericht vorgab, sich an nichts mehr zu erinnern, wurde zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt. 1982 wurde er auf Grund guter Führung vorzeitig entlassen.

Danach wurde es ruhig um Methernitha: «Nach dem Prozess verlor die Gemeinschaft zwei Drittel ihrer ursprünglich 300 Mitglieder», sagt Sektenexperte Georg Otto Schmid.

Rund 100 Gläubige blieben ihrem geistigen Oberhaupt treu. «Bis heute glauben die treuen Anhänger Baumanns, dass er unschuldig ist», sagt Schmid.

Französische Polizei warnt vor Sekte

Nachdem verschiedene Ärzte aus der Region Grenoble ihre Patienten nach Linden in die Methernitha gebracht hatte, wurde die französische Polizei 1996 auf die Sekte aufmerksam: Sie stufte die «Methernitha» als «sehr gefährlich» ein.

Für die Gefährlichkeit würden drei Gründe sprechen: Die Sekte sei apokalyptisch und rechne 1999 mit dem Weltuntergang. Nach dem Ableben des Sektenführers Paul Baumann könne ein Machtkampf um die Nachfolge entstehen. Man wisse nicht, was sich im Innern der Sekte abspiele.

Der Weltuntergang ist nicht eingetroffen und auch für seine Nachfolge hat Paul «Vatti» Baumann frühzeitig gesorgt.

Gemässe Georg Otto Schmid habe ein gewisses Ehepaar Bosshard die operative Gemeinschaft der Methernitha schon vor Baumanns Ableben übernommen.
Das sagen Blick.ch-Leser
Bernhard Huber, Schweiz - 10:47 | 20.08.2011
» Diejenigen die sich noch an den Fall Vatti erinnern wussten was er für ein Monster war. Nun konnte er doch noch einen geruhsamen Lebensabend verbringen.....
Heinz Muenger, Wil - 09:43 | 20.08.2011
» Schaut doch mal das Gesicht, diese Physiogmonie an und stellt euch ein paar kleine "rote Hörnchen" links und rechts der Stirn vor - der wahre Teufel in Person... Wenn Anhänger solcher Gurus mal die Bibel richtig lesen würden, müsste bei klarem Menschenverstand schnell gemerkt werden, auf einen Scharlatan hereingefallen zu sein. Es gibt leider (zu)viele dubiose Menschen mit weichgeklopften Hirnmassen, die sowas brauchen - viel Spass in der "Hölle"!
martin meier, trubschachen - 08:33 | 20.08.2011
» Solche Schänder und Sünder wurden in den Hotelzimmern der Schweizergefängnissen noch hoch Gefüttert. Aber leider gibt es immer noch viele dumme Anhänger zu diesem "Guruvati".
Daniel Widmer, Hägglingen - 00:42 | 20.08.2011
» Was haben die Franzosen für ein Problem? OT: So schlimm wie die NATO war der doch "noch" nicht. Kann man die Nato in Den Haag anklagen?
christian brunner, bonstetten - 23:09 | 19.08.2011
» jeden tag stehen ein paar dumme menschen auf. so dass selbst für so einen jdiot noch einer abfählt. das traurige daran ist nur, dass menschen die selbst nichts haben, auf solche schweine reinfahlen! mann denke nur an mike shiva! der typ wird ja von der srg gehätschelt und getätschelt. nur wegen dem grossen geld.das gar nicht so gross ist, zieht man das ganze in betracht. in dem sinne liebe eidgenossen/innen, wünsche eine gute nacht. chrigel.
yves ebneter, Thalwil - 22:20 | 19.08.2011
» Wow der wurde alt. Ich will auch in einen Schweizer Knast. Echt gut.
Thaddeus Appenzeller, GAis - 20:05 | 19.08.2011
» Der ist ja fast wie die Uriella aus Rapperswil
Philippe Roduner, St.Gallen - 19:43 | 19.08.2011
» Weshalb nur haben selbsternannte Gurus meist eine so katastrophale Frisur?
Marco Goetz, Bern - 19:16 | 19.08.2011
» Vatti Baumann schmort jetzt in der Hölle. Und das ist gut so.
Hans Bauernstuhl, Amden SG - 18:50 | 19.08.2011
» Dieser Baumann Päuli war ein ganz übler Bursche! Manchmal gagelte er sogar in seinem eigenen Garten rum.
Rainer Huber, Zurich - 18:36 | 19.08.2011
» Er ruhe nun in Frieden dieser Spinner. Er ist jetzt beim einzigen richtigen Gott dieser Welt und der Ewigkeit und nur dieser kann seiner Seele verzeihen.
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