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Viskose

Produktion des Rohstoffs

Viskose macht 11 % der Kunstfaserproduktion aus. Als Rohmaterial für Viskosefasern dient Zellstoff, der aus Holz von Buchen, Fichten o. ä. stammt. Durch das Viskoseverfahren wird dieser industriell zu natürlichen Kunstfasern verarbeitet. In ihrer chemischen Zusammensetzung und Eigenschaft gleicht Viskose der Baumwolle. Holz als Ausgangsmaterial für Viskose ist ein klimaneutraler Rohstoff. Wald bindet beim Wachstum CO2 und liefert Sauerstoff, damit führt er zu lokalen Luftgüteverbesserungen und wirkt dem anthropogenen verursachten Klimawandel in Form einer CO2 Senke entgegen. Holz ist vielseitig anwendbar und die Abfallprodukte finden als Brennmaterial Verwendung. Auch kältere Regionen, abseits des "Baumwollgürtels", können den Rohstoff für die Faser erzeugen und der Holzanbau liefert zudem pro Fläche höheren Ertrag als Baumwolle. Weiters zeichnet sich Viskose im Vergleich zu Naturfasern wie z. B. Baumwolle durch sehr niedrigen Wasserverbrauch bis zur Fasergewinnung aus.

Verarbeitung

Beim klassischen Viskoseverfahren kommt ein Schwefelsäurespinnbad zum Einsatz. Reine Holzcellulose wird mit Natronlauge und Schwefelkohlenstoff verflüssigt, direkt in die Faserform rückgeführt und unter Einwirkung von Chemikalien gesponnen. Ein Problem bei der Produktion sind die entstehenden, umweltschädlichen Stoffe Schwefelwasserstoff und Schwefelkohlenstoff, die durch Gaswäsche entfernt werden müssen. Der Einsatz vonReinigungs-, Filter- und Recyclingmaßnahmen ist notwendig. Nur durch die hohen Produktionsstandards & Umweltmanagementsysteme können saubere Produktion garantiert werden. Bei Viskose mit Europäischem Umweltzeichen kann der angewendete Lösehilfsstoff durch sein gutes Wassermischvermögen einfach aus der Faser entfernt werden, ist umweltverträglich, biologisch abbaubar und kann mit über 99% zurück gewonnen werden. Chemikalien werden wiederverwertet und bleiben im Kreislauf.

Für ein baumwolleähnliches Aussehen werden die Viskosefasern in einem Nachbehandlungsprozess gewaschen und gebleicht. Chlorfreie Bleiche und der Einsatz von chlorfrei hergestelltem Zellstoff ist in Europa bereits die Regel, die Textilien werden aber oft in Billiglohnländern mit niedrigen Umweltstandards hergestellt. Unbehandelte Abwässer aus der Färberei wirken sich negativ auf die Bodenqualität aus, verunreinigen das Grundwasser und können zur Erwärmung der Flüsse führen.

Das Endprodukt der Viskosefabrik ist das fertige Garn, im Gegensatz zu Faser bei Baumwolle. Die Produktionsphase der Viskose benötigt daher weit weniger Energie als die bei Baumwolle (11 MJ statt 24 MJ).

Nutzung

Die Nutzung von Viskose benötigt viel weniger Energie als Baumwolle (7 MJ statt 65 MJ), da eine Waschtemperatur von 40 °C ausreicht und elektrisches Trocknen und Bügeln nicht notwendig ist. Dadurch kommt es nicht nur zur Einsparung von Wasser und Primärenergie sondern auch zu finanziellen Einsparungen in der Nutzungsphase.

Viskose ist leicht, sehr saugfähig und lässt sich gut färben und bedrucken. Aufgrund ihrer Geschmeidigkeit ist sie angenehm auf der Haut zu tragen und fühlt sich wie Baumwolle oder Seide an.

Nach Gebrauch

Reine Viskose ist kompostierbar. Jedoch kommt sie oft in Mischungen vor bzw. ist mit Zusatzstoffen versehen, wodurch die biologische Abbaubarkeit nicht mehr gegeben ist. Über die Hälfte der Alttextilien landet in der Müllverbrennungsanlage oder auf der Deponie.
Ein Wirtschaftszweig zur Verwertung zu neuen Produkten ist derzeit nicht vorhanden, die Entwicklung von Viskoserecyclingprodukten wäre daher wünschenswert.

Quellen:
Falls nicht anders angegeben, stammen die Inhalte aus dem Endbericht des Fabrik der Zukunft Projektes "ECODESIGN Lernspiel - Konzeption eines ECODESIGN Lernspiels für Schulen und Jugendorganisationen", Projektnr. 813029, Institut für Konstruktionswissenschaften, Forschungsbereich Ecodesign, TU Wien, 2008