Nürnberger Menschenrechtspreisträger 2003
 
lbn Abdur Rehman
Ibn Abdur Rehman, Journalist und Direktor
der Human Rights Commission of
Pakistan

lbn Abdur Rehman, geboren am l. September 1930, ist eines der
Gründungsmitglieder der Human Rights Commission of Pakistan
und seit 1990 der Direktor der Menschenrechtskommission. 1994
wurde er zum Human Rights Watch Monitor ernannt. Er ist
schon immer eine treibende Kraft hinter den
Politikentscheidungen der Kommission, die zu Aktionen und
Kampagnen zu bestimmten Fragen geführt haben. Er hat einen
bedeutenden Beitrag zur Bewusstseinsbildung über
Menschenrechtsfragen und Grundfreiheiten an der Basis und in
den verschiedenen Gemeinschaften geleistet. Er ist eine Quelle
der Inspiration für Menschenrechtskämpfer, nicht nur bei den
Mehrheitsgruppen, sondern auch bei den Minderheiten. lbn
Abdur Rehman hat den religiösen Minderheiten in Pakistan
wertvolle Dienste geleistet, die unter aufeinander folgenden
Regierungen immer wieder unter religiöser Verfolgung und
Diskriminierung zu leiden hatten. Er hat sich stets in
Oppositionen zu undemokratischen Normen und Systemen
befunden und hat sich immer für soziale Gerechtigkeit und die
Rechte der Machtlosen eingesetzt. lbn Abdur Rehman hat sich
aktiv an der Unterstützung der Track Two Diplomation für
Frieden und Versöhnung zwischen Indien und Pakistan beteiligt.
Er arbeitete maßgeblich an der Gründung des Pakistan - India
Forums mit, das Kontakte von Mensch zu Mensch und
persönliche Austauschmaßnahmen anregt und unterstützt.
Damit hat er sich den Zorn des Militärs und der kompromisslosen
militanten islamischen Organisationen zugezogen. In letzter Zeit hat
er sich mit Organisationen auf beiden Seiten der Kaschmir-
Trennlinie getroffen, um besseres Verständnis und
Zusammenarbeit in dieser Region zu fördern. Für diese Arbeit ist
er in der Friedensbewegung von Indien und Pakistan
wohlbekannt.
lbn Abdur Rehman bekam den Preis von Human Rights Watch,
New York, verliehen.

 
Teesta Setalvad
Teesta Setalvad, geboren am 9. Februar 1962, ist eine in Bombay
ansässige Journalistin und Herausgeberin der Zeitschrift
Communalism Combat („Kampf gegen Sektierertum").
Als Journalistin ist sie im Kampf um Menschenrechte engagiert,
insbesondere durch Analyse und Veröffentlichung von
Vorurteilen gegen Minderheiten und Frauen in den Medien, im
Staat und im Rechtssystem und der Polizei, z. B. indem sie
1992 Transkripte von abgefangenen Polizeifunknachrichten
veröffentlichte, die krasse Vorurteile gegen Minderheiten zum
Vorschein brachten.
Sie ist eine wortgewaltige Führsprecherin des Friedens und
kämpft mutig gegen die nukleare Bewaffnung von Indien und
Pakistan und gegen die Konfrontation zwischen diesen beiden
Ländern. Sie setzt sich als Akademikerin und Pädagogin für
radikale Veränderungen im Lehrplan und im Schulsystem ein, um
Vorurteile zu Rasse, Religion und Geschlecht zu bekämpfen.
Nach Abschluss ihres Philosophiestudiums an der Universität
Bombay begann Teesta Setalvad 1983 für die Hauptorgane der
Presse in Indien zu schreiben. Von Anfang an konzentrierte sie
sich auf sozialpolitische Fragen und auf Randgruppen der
Gesellschaft in Stadt und Land. Bei der Berichterstattung über
Fragen wie Dürre und die Politik der Wasserverteilung,
städtische Wohnungspolitik und Armut wurde ihr bald klar, dass
die Themen und Probleme zunehmend geschlechtsspezifisch waren.
Folglich engagierte sie sich in der Bombay Union of Journalist
und war Mitbegründerin des Women in the Media Committee
(Komitee Frauen in .den Medien), ein Forum, auf dem
arbeitsspezifische Fragen allgemeiner Diskriminierung von
Frauen in der Berichterstattung aufgeworfen werden (zum
Beispiel die Organisation einer nationalen Protestaktion gegen
die Verbrennung einer jungen Witwe bei lebendigem Leibe,
Analyse der Berichterstattung über dieses Ereignis und Kampagne
gegen Diskriminierung von Frauen durch die indische Marine).
Seit Ende der achtziger Jahre konzentriert sie sich
hauptsächlich darauf, die Hauptorgane der Medien zu überwachen,
insbesondere deren Berichterstattung über die Politik des
Hasses, die von der Hindu-Rechten propagiert wird, und die
parteiischen Aktionen beziehungsweise das Unterlassen von Aktionen
des Staates und seiner Polizei.
Nachdem die BJP in der Zentralregierung und in drei indischen
Bundesstaaten an die Macht gekommen war, wurde offenbar, dass
religiöse Minderheiten, Frauen und Dalits ("Unberührbare") zur
unmittelbaren Zielscheibe dieses Diskurses der Gewalt und des
Terrors werden würden. Zusammen mit Kollegen gründete Teesta
Setalvad eine Gruppe namens Journalist against Communalism
(„Journalisten gegen Sektierertum") und Sabrang („Alle Farben“). Nach dem Höhepunkt der Politik des Hasses in Indien in den
Jahren 1992 und 1993 (nach der Zerstörung der Babri- Moschee
in Ayodhy) und ihrer Enthüllung der Diskriminierung gegen
Minderheiten durch die Polizei war Teesta Setalavad zunehmend
unzufrieden mit der Berichterstattung der Hauptorgane der
indischen Medien und sie beschloss, zusammen mit ihrem
Kollegen Javed Anand zu starten. Diese Zeitschrift will die
größeren Hauptorgane der Medien überwachen und die Gründe
analysieren, die hinter den Ereignissen liegen, den Aufstand
in den Köpfen, der jahrelang schwelt, ehe er seinen Ausdruck
im Blut findet, das auf den Straßen vergossen wird. Neben der
Leitung der Zeitschrift ist Teesta Setalvad als Pädagogin und
Erziehungswissenschaftlerin tätig und beschäftigt sich
insbesondere mit dem Abbau diskriminierender Elemente im
Unterricht und der Entwicklung alternativer Ideen für einen
lebendigen und pluralistischen Lehrplan. Sie leitet das Projekt Education
for a Plural India Program (Erziehungsprogramm für ein
pluralistisches Indien), das sich mit der Ausarbeitung eines
vollständigen Satzes alternativer Schulbücher beschäftigt, für einen
veränderten Lehrplan, für eine Belebung des
Geschichtsunterrichts, ein tieferes Verständnis für
Menschenrechte und des Lehrplans in Sozialkunde
und radikale Veränderungen in Struktur und Organisation der
Institution Schule eintritt. Sie hält auch regelmäßig
Vorlesungen zu Menschenrechtsfragen in regionalen und
nationalen Ausbildungszentren der indischen Polizei. Sie ist
eine wortgewaltige Friedensaktivistin und hat das Projekt AMAN
und peacepals ins Leben gerufen und fördert Brieffreundschaften und
vielleicht in naher Zukunft Austauschmaßnahmen zwischen
Kindern aus Indien und Pakistan. Sie gehört zum inneren Kreis
des Pak-lndia People’s Forum for Peace and Democracy und ist
im Augenblick damit beschäftigt, für dieses Forum in Indien
eine breitere Basis zu gewinnen.
Teesta Setalvad, eine Hindu-Frau, die mit einem Moslem
verheiratet ist, hat in den letzten Jahren Bedrohungen für ihr
Leben und für die Zeitschrift erdulden müssen, die sie
zusammen mit ihrem Mann herausgibt.

Teesta Setalvad wurde mit den folgenden Preisen ausgezeichnet:
1993

PUCL Journalism for Human Rights Award

1993

Chemali Devi Jain Award for outstanding Woman Journalist

1998

Rmkrishna Jaidayal Harmony Award for excellence in writing on
communal harmony in English (für hervorragende journalistische
Arbeit zum Thema Versöhnung zwischen den Bevölkerungsgruppen)

1999

Maharana Mewar Foundation's Hakim Khan Sur Award (jointly with
Javed Anand)

2000

Human Rights Award of the Dalit Liberation Education Trust

2001

Pax Christi International Peace Award (jointly with Australian
artist Eddi Kneebone)

2002
.
Rajiv Gandhi Award (jointly with Harsh Mander) for highlighting
and helping the victims of violence in February - July 2002 in
Gujarat, India.

 
Kaschmirkonflikt
Land und Leute

Der indische Unionsstaat Jammu und Kaschmir liegt im Norden Indiens und grenzt im West und Norden an Pakistan, im Osten an China.

Das Gebiet umfaßt 222236 km2 und die gesamte Einwohnerzahl liegt bei etwa 10,5 Millionen Menschen.
Dieser Bundesstaat ist Austragungsort des Kaschmirkonfliktes.
Ein Teil im Westen "Azad Kaschmir" und im Norden "Northern Areas" ist von Pakistan , ein Teil im Osten von China besetzt.

Amtssprache ist Englisch und u.a. Kaschmiri. Die grösste Stadt ist Srinagar.

Historischer Hintergrund

Vom 11. bis zum 18. Jahrhundert war Kaschmir von Muslimen regiert worden. Seine Bevölkerung hatte sich mehrheitlich zum sunnitischen Islam bekehrt. Im 19. Jahrhundert erobern die Briten Kaschmir. Sie geben das Land 1846, trotz seiner muslimischen Bevölkerung, an den hinduistischen Maharadscha von Jammu. Die anti-islamische Gesetzgebung bringt die Bevölkerung auf. Sie fordert immer heftiger das Recht auf freie Religionssausübung. Der Maharadscha verweist die stärksten Unruhestifter des Landes.
Die Verfolgung der Muslime in Kaschmir hält bis 1947 an.
In diesem Jahr beschließt Großbritannien, seine Kronkolonie Indien in die Unabhängigkeit zu entlassen. Dabei soll die Kolonie in einen hinduistischen Staat und in einen muslimischen Staat geteilt werden. Die Briten hatten beschlossen, dass Staaten mit überwiegend moslemischer Bevölkerung zu Pakistan gehören, mit hauptsächlich hinduistischer Bevölkerung jedoch Indien zugeordnet werden. Nach diesem Gesetz zufolge, hätte Jammu und Kaschmir Pakistan angehören müssen, doch das Gebiet grenzt an beide Staaten.

Am 01.Januar 1948 bezichtigt Indien Pakistan die Azad-Rebellen, eine moslemische Gruppe, zu unterstützen und klagt deshalb beim UN-Sicherheitsrat.

Pakistan streitet die Vorwürfe ab. Am 15. und 17.Januar 1948 beschließt die UNO eine dreiköpfige Untersuchungskommission nach Kaschmir zu schicken und widersetzt sich gegen die Meinungsverschiedenheiten der Konfliktparteien Indien und Pakistan. Die Untersuchungen ergeben, dass die Kampfhandlungen baldig beendet werden müssten und das Gebiet unter UN-Aufsicht gehört.
(Weiter noch nicht recherchiert, kommt aber noch…)

Der weitere Verlauf des Konflikts

Nach dem Beginn des Krieges 1989 und nach einer mißglückten Volksabstimmung richtet sich der Kampf vor allem gegen die Zentralregierung in Delhi. Diese hat 600 000 Soldaten in Kaschmir stationiert, und gegen diese richten sich die Angriffe. Immer wieder entstehen neue Konfrontationen mit blutigen Folgen. Immer wieder gehen die Moslems gegen die Hindus im eigenen Land vor. Dörfer und Tempel werden niedergebrannt und Menschen aus ihren Dörfern vertrieben. Es werden immer wieder hauptsächlich Ausländer und Touristen entführt, um gefangene Rebellenführer frei zu erpressen oder sonstige
Forderungen durchzusetzen. Die indische Regierung blieb aber fast in allen Fällen hart und hat bis auf einmal - bei der Entführung der Tochter des indischen Innenministers Lal Krishna Advani - fast nie den Forderungen nachgegeben. 1994 hat die Regierung den Kurs etwas geändert und mehr Kooperationsbereitschaft gezeigt. Es wurden Rebellenführer freigelassen, EU-Vermittler in die Region gelassen und sogar Wahlen vorbereitet, welche jedoch schon im Vorfeld abgelehnt wurden.

Gut ein Jahr nach dem Aufrücken Indiens und Pakistans in den Kreis der Atommächte eskaliert der Konflikt zwischen den Erzfeinden um die Kaschmirregion. Erstmals seit 20 Jahren flog Indien wieder Luftangriffe. Pakistan droht mit Vergeltung. Auslöser war nach Darstellung aus Neu-Delhi die Invasion von rund 600 Söldnern aus Pakistan, die sich bei Kargil im indischen Teil Kaschmirs festgesetzt haben sollen. Die Eindringlinge würden von offiziellen pakistanischen Verbänden unterstützt, hieß es in einer Erklärung der indischen Regierung. Pakistan widersprach umgehend, beschuldigte Indien des Abwurfs von Bomben und drohte Vergeltung an. Ungeachtet dessen, was tatsächlich passierte, heizte sich die Stimmung gefährlich auf. Die Angst vor einem neuen Krieg zwischen Indien und Pakistan ist umso größer, als er zum Atomkrieg eskalieren könnte.

Aktuelle Situation

Die Situation im Konflikt zwischen Indien und Pakistan treibt seit dem 13.12.2001 auf einen verschärften bewaffneten Konflikt der beiden Atommächte zu.
Am 13.12.2001 verübten pakistanische Extremisten einen blutigen Anschlag auf das indische Parlament in Neu Delhi. Indien fordert von Pakistan die Verfolgung der Attentäter und der Hintermänner bzw. der Gruppierungen. Gleichzeitig ziehen beiden Staaten Truppenverbände in der Region zusammen, die sich seit dem 11.1.2002 immer wieder Feuergefechte liefern.

Die Folgen des Konflikts und mögliche Lösungsansätze

Die Spirale der Gewalt windet sich weiter und lässt Paralelen zu anderen Krisenherden wie zum Beispiel Israel erkennen. In Vergessenheit gerät die Bevölkerung beider Konfliktstaaten, Menschen, die während immer weiter ansteigenden Militärausgaben in bitterer Armut leben und somit radikalisiert werden. Zwischen 17.000 und 47.000 Toten hat der Konflikt bereits gefordert. Die Staaten Pakistan und Indien verfeinden sich immer mehr, und international steigt die Angst vor einem weiteren Krieg mit möglichen verheerenden Folgen, da beide Staaten Atomwaffen besitzen. Außerdem ist das ehemals als Paradies auf Erden bekannte Kaschmir, wie die Einwohner sagen, zur Hölle auf Erden geworden.

Die wohl beste Lösung wäre meiner Meinung nach ein unabhängiger Staat Kaschmir, der jedoch unmöglich scheint, da weder Indien noch Pakistan dem zustimmen würden.
Ein weiterer Lösungsansatz wäre, dass Pakistan und Indien Aktionen gegen Terroristen starten, meinte Ari Fleischer, der Sprecher des Weißen Hauses, im Dezember 2001.