Freitag, 27. April 2012

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Bahn frei für Semmering-Basistunnel

Historischer Spatenstich in Gloggnitz: Nach jahrzehntelangem Streit der Länder wird der 3,1 Milliarden Euro teure Tunnel gebaut.

Letztes Update am 25.04.2012, 19:10


Ungewohnte Einigkeit beim Spatenstich am Mittwoch in Gloggnitz

Es war keine Frage von umstimmen lassen oder nicht, sondern letztendlich war es eine Frage von Fakten." So lautet die Antwort von Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll auf die Frage, wieso er vom strikten Gegner des Semmering-Basistunnels zu einem Befürworter geworden ist. Der neue, zweiröhrige Tunnel habe durch die neue Trassenführung auch nichts mehr mit dem alten Projekt zu tun.

Am Mittwoch wurde in Gloggnitz am Fuße des Semmering der Spatenstich für eines der größten und teuersten Infrastrukturprojekte des Landes gefeiert. Für 3,1 Milliarden Euro bauen die ÖBB bis zum Jahr 2024 einen 27,3 Kilometer langen Tunnel zwischen Gloggnitz und Mürzzuschlag. Die Fahrzeit von Wien nach Graz wird sich dadurch um rund 40 Minuten auf eine Stunde und 50 Minuten verkürzen.

Am Mittwoch nahm im niederösterreichischen Gloggnitz (Bezirk Neunkirchen) die Politprominenz den Spaten in die Hand und lächelte in die Kameras. Schließlich war Spatenstich für das Milliardenprojekt Semmering-Basistunnel (SBT).

(Bild: Der Vorstandsvorsitzende der Oesterreichischen Bundesbahnen (OeBB), Christian Kern (v.l.), Landeshauptmann der Steiermark, Franz Voves (SPOe), Infrastrukturministerin Doris Bures (SPOe), Landeshauptmann von Niederoesterreich, Erwin Proell (OeVP), die Vertreterin der Europaeischen Union, Desiree Oen, und Bischofsvikar Rupert Stadler)

Dann kommen echte Arbeiter und beginnen richtig mit den Bauarbeiten.

(Bild: Hier ist künftig die Baustelle des Semmering - Basistunnels.)

Lange hat´s gedauert: Bereits in den 1980er Jahren haben die ersten Planungen begonnen, mehrfach ist das Projekt Semmering-Basistunnel - vor allem von niederösterreichischer Seite - politisch totgesagt worden.

(Bild: Sonderstollen des Semmering-Basistunnels alt.)

Eine 2006 begonnene Überarbeitung der Pläne brachte im Vorjahr schließlich grünes Licht sämtlicher Behörden für den Bau des SBT.

Das vieldiskutierte Projekt ist für die ÖBB "ein wesentliches Schlüsselprojekt für die neue Südbahn als zentrale Achse auf der transeuropäischen Route von der Ostsee an die Adria"…

…soll der Basistunnel die bestehende Bergstrecke von Gloggnitz bis Mürzzuschlag, das Weltkulturerbe Ghega Bahn, zukünftig entlasten.

Neben der Leistungssteigerung im Güterverkehr verkürzt sich die Reisezeit zwischen Wien und Graz um bis zu 30 Minuten.

Im Gegensatz zur Bergstrecke wird der Tunnel dank seiner geringen Neigung selbst für schwere Güterzüge uneingeschränkt befahrbar sein.

Die Kosten für den 27,3 Kilometer langen, zweiröhrigen Eisenbahntunnel werden mit 3,1 Mrd. Euro beziffert.

Der Bau der eigentlichen Tunnelröhren ist ab 2014 geplant, die Inbetriebnahme für 2024.

Die Vorarbeiten für das erste Baulos starteten bereits im vergangenen Februar im niederösterreichischen Gloggnitz und im steirischen Spital am Semmering bzw. Steinhaus.

Gänzlich erledigt sind sämtliche Behördenverfahren aber noch nicht. Die Naturschutzorganisation "Alliance For Nature" zieht nach wie vor gegen den Tunnelbau zu Felde, hat jeden Bescheid angefochten und auch erst am Montag wieder an der Rechtsstaatlichkeit des Spatenstichs gezweifelt.

Teilweise stehen Entscheidungen auch tatsächlich noch aus - diese sollen aber nicht die aktuellen Arbeiten betreffen, versicherte man bei den ÖBB. Auch ein Teilverfahren in der Steiermark ist noch anhängig.

Für Generationen

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Während Verkehrsministerin Doris Bures und ÖBB-Chef Christian Kern davon sprachen, dass mit dem Projekt Werte für die nächsten Generationen geschaffen würden, kritisieren die Tunnelgegner zum einen die gewaltigen Kosten und zum anderen die Umweltauswirkungen. Trotz des Spatenstichs sind noch immer ei­nige Genehmigungsverfahren nach Einsprüchen etwa der "Alliance for Nature" (AFN) in Schwebe.

Die Organisation hält es für einen Schildbürgerstreich, dass in Gloggnitz bereits gefeiert wird, während die steirische Landesregierung gerade erst das behördliche Großverfahren zum Tunnel eingeleitet hat. "Durch derartiges Agieren verlässt die Politik den Boden der Rechtsstaatlichkeit", sagt AFN-Generalsekretär Christian Schuhböck.

"Die noch schwebenden Verfahren betreffen in keinster Weise jene Ar­beiten, die derzeit durchgeführt werden", beteuert ÖBB-Sprecher Christopher Seif. Der erste Tunnelvortrieb ist erst 2014 geplant. In den kommenden Monaten wird in Gloggnitz die 51.000 große Portal-Baustelle errichtet. Für die Verlegung der Bundesstraße mussten 27 Wohnhäuser abgelöst und dem Erdboden gleichgemacht werden.


Zankapfel: Tunnel hat lange Geschichte

Seit 30 Jahren wird um den Semmering-Basistunnel gestritten. In den 80er-Jahren begannen die Vorplanungen der ÖBB. 1991 wurden Planung und Bau des Tunnels an die Hochleistungs AG vergeben und 1994 folgte der Baubeginn für den Sondierstollen. 1999 brachte das Land NÖ den alten Tunnel schließlich mit einem negativen Naturschutzbescheid zu Fall. Einer der Gründe war der massive Wasserverlust durch den Bau. Die Tunnelgegner kritisieren, dass der Wasserverlust beim neuen Projekt ein Vielfaches ausmacht und Niederösterreich dennoch zustimme.


Letztes Update am 25.04.2012, 19:10


Artikel vom 24.04.2012 11:28 | KURIER | Patrick Wammerl | « zurück zu Wirtschaft


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