Bananen aus Düsseldorf

"alles authentische kommt aus köln. wenn es dazu noch auf englisch ist, im gegensatz zu bap, kann man es sogar in düsseldorf verstehen."

Das würde ich so nicht sagen. Eine sehr authentische englischsprachige Band aus Düsseldorf waren die

Banana

Irgendwann im Frühjahr 1978 bin ich im Ratinger Hof auf Gottfried Tollmann und Bill Brown getroffen, ich erinnere das gut, weil das ein sehr netter Abend und mit die intelligenteste Unterhaltung war, die ich in dem Laden hatte, das Gespräch auf deutsch und englisch geführt wurde und sich um Bandnamen, Stil, Outfit und dergleichen drehte, die beiden waren sich damals noch nicht sicher, ob sie sich "Fred Banana Combo" oder "Pharao Rock" nennen sollten. Ich fand beides nicht so toll, aber egal, wir waren alle der Ansicht, Hauptsache die Musik ist einfach, schnell und rauh, Punk, New Wave oder Rock´n´Roll seien eh übergreifend. Der Abend kam mir erst wieder in den Kopf, als irgendjemand ein Jahr später mit der ersten Single der Fred Banana Combo aufkreuzte, "No Destination Blues / Jerk off all night long", selbstproduziert, 1978 auf Warm Records erschienen und über London vertrieben, somit die erste Veröffentlichung einer deutschen Band, die man mit "Punk" im weiteren Sinne bezeichnen kann. Die beiden Majorlabel-Veröffentlichungen aus Hamburg und Frankfurt, die 1977 als solcher bezeichnet wurden kann ich nicht ernst nehmen. Also, die Jungs waren die Ersten, Respekt. Die A-Seite ist rock´n´rollig, ganz nett, die B-Seite könnte von ZZ Top sein...ich bin jetzt mal nett und erspar dem Franz das.

Das zweite mal habe ich die beiden 1980 in Berlin wiedergetroffen. Ich lebte nach dem Ende der Psychotic Tanks 1 damals dort, und ich wusste, das unser Schlagzeuger Schruuv von der Fred Banana Combo für die Promotionstour ihres ersten, von Conny Plank produzierten Albums geheuert war, welches auch ganz gut lief, es gab Airplay und sogar Rockpalast-Fernsehaufnahmen. Die beiden Auftritte in Berlin waren die letzten der Tour, der erste im Kant-Kino und der zweite in der Music Hall in Schöneberg. Aus welchem Grund weiss ich nicht, aber es waren keine Vorgruppen angekündigt, es gab wohl keine. Damals gab es noch keine Mobiltelefone, eine Band auf Tour war praktisch kaum erreichbar, also bin ich am Nachmittag des ersten Konzerts mit meiner damaligen Berliner Band "Fast Clean Cheap" mit Instrumenten zum Kant Kino gepilgert und wir haben gefragt: "Hey, können wir nicht für euch Support machen ?" -War für Management und Band kein Problem, wir haben dann bei beiden Gigs als Vorgruppe gespielt, hat Spass gemacht. Heute ist sowas kaum mehr vorstellbar. Die erste LP der Fred Bananas ist eine eigenwillige Scheibe, 18 Songs, davon 5 Cover, der längste davon 2:40 min, die meisten um die 1:50. Schnell und krachig. Früher 60iesbasierter Punk´n´Roll, würde ich es nicht kennen und heute vorgespielt bekommen, ich würde auf einen Rezillos-Ableger tippen. Eigentlich für die Zeit eine eher untypische Plank-Produktion, und mit der Schruuv am Schlagzeug kam das Material live natürlich einen guten Zacken härter und schneller.

Ein Jahr später waren sie wieder auf Tour, um ihre zweite (ebenfalls von Conny Plank produzierte) LP zu bewerben. Ich habe einen Gig davon gesehen, der fand in der obskuren kleinen Kölner Bhagvan-Disco statt (!?!) und war sehr schlecht besucht, aber mich hat die Band an dem Abend schlicht vom Hocker gerissen. Sie waren wesentlich weiterentwickelt, Nicolle Meyer an einem für sie spezialangefertigten Schlagzeug aus Kupfer mit einem Mördersound, sie haben mehrmals die Instrumente getauscht, es gab Stücke mit Posaune, zwei Bässen, alles sehr druckvolle, einfache Songs mit tollem Gesang und einprägsamen Melodien. Ich kann das heute noch nicht einem bestimmten Genre zuordnen, aber wahrscheinlich ist das reiner Power-Pop. Eigentlich hätte die Scheibe für die Band der Durchbruch sein müssen, war aber wahrscheinlich für die breite Masse zu unkonventionell.

Danach hatte ich keinen Kontakt mehr, am Rande habe ich die dritte, vorletzte Platte von ihnen noch wahrgenommen, fand die aber damals zu experimentell und nicht repräsentativ für deren Stil. Was nix heisst, damals (1982) wurde ja fast jede deutsche Band vor einer kommerziellen Produktion in Neunkirchen-Seelscheid durch die Flanger gejagt. Das sie sich bis dahin erfolgreich dagegen wehren konnten macht sie umso symphatischer. Heute finde ich die Scheibe im Vergleich relativ gut, meilenweit besser als der zeitgleich veröffentlichte NDW-Mist, und "Nowhere bei mir" ist definitiv ein Hit. 

Die vierte Platte kenne ich nicht, und vom Umzug der Band nach Köln und der Zusammenarbeit mit den Musikern um Dunkelziffer habe ich nichts mitbekommen, war nicht meine Szene.

Irgendwo im Netz habe ich über sie gelesen "sie machten Platten in ihrer eigenen kleinen Welt", das trifft es wohl. Der große kommerzielle Erfolg ist ihnen verwehrt (oder vielleicht besser erspart) geblieben, aber who cares ? Sie haben ein paar gute Platten produziert und einer Menge Leute viel Freude bereitet, die Konzerte von ihnen waren typische "gute Laune-Abende", sie konnten hervorragend spielen, die Musik war tanzbar und die Songs gut arrangiert. Persönlich habe ich die Bandmitglieder als nette, gutgelaunte und humorvolle Menschen kennengelernt, Ausnahmeerscheinungen in der deutschen Musikszene der 80er. Von Arroganz, Verstrahltheit oder Persönlichkeitsstörungen keine Spur. Wie man sie als "unsägliche Zeitgenossen" bezeichnen kann ist mir schleierhaft.