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Blick von einer Autobahnbrücke auf den fließenden Verkehr © picture-alliance/ dpa / Ronald Wittek Fotograf: Ronald Wittek
 

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Löcknitz lässt Rechte bei Festumzug mitlaufen

Im idyllischen Randow-Tal liegt Löcknitz. Die 3.000-Einwohner-Gemeinde im Landkreis Vorpommern-Greifswald ist nur einen Steinwurf von Polen entfernt. Der Ort hat ein eigenes Freibad, eine Freilichtbühne, einen Campingplatz, eine Bibliothek und die moderne "Randow-Passage". Auch ein Hotel und Pensionen gibt es. Eine tausendjährige Eiche - "Irmtruds Eiche" - erinnert an einen Feldzug deutscher Feudalherren gegen die Slawen.

Rechtsextreme zeigen Fahnen und Transparente

Das beschauliche Löcknitz ist auch einer der ältesten Orte Mecklenburg-Vorpommerns. Anfang Juni wurde das 800-jährige Bestehen groß gefeiert. Lange hatten sich die Einwohner darauf vorbereitet und gefreut. Doch der rund drei Stunden dauernde Festumzug hatte eine Besonderheit: Teils in SS- und Wehrmachtsuniformen und mit Sturmgewehr-Attrappen ausgerüstet marschierten Neonazis auf. Sie wollten so unter anderem die Zeit von 1933 bis 1945 darstellen. Auch Mitglieder der rechtsextremen NPD und von Neonazi-Kameradschaften liefen mit Fahnen und Transparenten im Festumzug mit.

Festumzug mit Neonazis - Ärger in Löcknitz

Löcknitz hat 800-jähriges Bestehen gefeiert. Im Festumzug marschierten Neonazis ganz offen mit - in Wehrmachts- und SS-Uniformen. Niemand schritt ein, jetzt ist die Aufregung groß.

Nur kein Aufsehen erregen

Die Veranstalter des Festumzuges hatten im Vorfeld gemeinsam mit der Polizei entschieden, dass die privat angemeldete Beteiligung der Rechtsextremen nur bei Gesetzesverstößen unterbunden werden solle. Die Strategie des "Kein-Aufsehen-Erregens" ging weitgehend auf. Die "Haff-Zeitung" berichtete zwar sehr kritisch, aber ansonsten störte sich kaum jemand an der Beteiligung der Rechtsextremen. Noch Tage danach schwärmte man in der Gemeinde von dem gelungenen Umzug. Fast die ganze Stadt war auf den Beinen: 1.000 Bürger marschierten mit, 2.000 schauten am Straßenrand zu - aber offenbar nicht kritisch genug hin. So kamen Vorwürfe hinterher zumeist von außerhalb.

Auch Partnerstadt bemerkt keine Auffälligkeiten

Doch nicht nur den Löcknitzern fielen die Neonazis nicht weiter auf: Die Partnergemeinde Sassenberg in Nordrhein-Westfalen hatte eine Delegation geschickt - unter anderem den Spielmannszug und eine Abordnung der Feuerwehr. Die "Ahlener Zeitung" berichtete nach dem Festwochenende und dem "Historischen Umzug" lediglich von "einem deftigen Abendessen", einem "nicht enden wollenden Umzug" und davon, dass "man wohlbehalten und um tolle Erlebnisse reicher" wieder zu Hause angekommen sei. Ob sich in der Formulierung "Vor allem die örtlichen Vereine wussten sich in Szene zu setzen" möglicherweise Kritik verbirgt, ist eher unwahrscheinlich.

Die Neonazis feiern ihren Propaganda-Erfolg hingegen wortreich im Internet.

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Links

Ganz Löcknitz hatte sich ins Zeug gelegt für die 800-Jahr-Feier. ("Haff-Zeitung")

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An der Jubiläumsfeier nahm eine Delegation der Partnerstadt Sassenberg teil. ("Ahlener Zeitung")

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