Bayern 2 - Gesundheitsgespräch

Prostata-Veränderungen Was ist gefährlich?

Nicht jede Veränderung bzw. Vergrößerung der Prostata ist gleich ein Krebs - es gibt auch gutartige Vergrößerungen. Und: Die Beschwerden sind bei einer gutartigen Veränderung oft schlimmer als bei einem Prostatakarzinom.

Stand: 24.11.2011
Mann beim Ultraschall zur Krebsvorsorge | Bild: picture-alliance/dpa

"Schon bei 30 Prozent der 30-jährigen Männer ist eine Veränderung der Prostata erkennbar, die durchaus als Vorstufe für ein späteres Karzinom betrachtet werden kann. Dies hat man bei Obduktionen von Männern jeglichen Alters festgestellt: Bei 80-Jährigen haben ca. 80 Prozent ein latentes Prostatakarzinom, das heißt ein nicht aktives Prostatakarzinom, welches sie sozusagen mit ins Grab nehmen."

Prof. Wolf Ferdinand Wieland, Direktor der Urologischen Universitätsklinik Regensburg

Definition: Veränderungen der Prostata

Wenn der Arzt von Veränderungen spricht, meint er Zellveränderungen, die bereits eine Vorstufe eines möglichen Prostatakrebses sein können. Dabei befinden sich Zellen in der Drüse, die zum Beispiel ein anormales Kern-Plasma-Verhältnis aufweisen oder andere Kriterien erfüllen, die als auffällig oder als Vorstufen eines späteren Prostatakrebses betrachtet werden können.

Sind Veränderungen immer gefährlich?

"Aus diesen Veränderungen muss zwar zwangsläufig nicht immer Krebs entstehen, aber es ist schon durchaus wahrscheinlich, dass diese Vorstufen letztendlich dann doch zu einer Krebsveränderung führen können. Über diese Frage sind sich die Wissenschaftler nicht einig. Allerdings sprechen die Zahlen dafür, dass ein klares Verhältnis zwischen Zellveränderungen und späterem Prostatakrebs besteht."

Prof. Wolf Ferdinand Wieland, Direktor der Urologischen Universitätsklinik Regensburg

Warum verhältnismäßig gesehen gerade in der Prostata diese Zellveränderungen öfter auftreten als in anderen Organen, ist nicht wirklich bekannt. Aber es ist durchaus wahrscheinlich, dass es mit dem hormongesteuerten Prostatawachstum zusammenhängt. Diese wachstumsbedingte Hormonabhängigkeit der Prostata macht sich letztlich auch die Therapie zunutze.

Gut- und bösartige Veränderungen

Nicht jede Veränderung bzw. Vergrößerung der Prostata ist gleich ein Krebs - es gibt auch gutartige Vergrößerungen. Und: Die Beschwerden sind bei einer gutartigen Veränderung oft schlimmer als bei einem Prostatakarzinom. Denn ein Karzinom kann sich auch in einer kleinen Prostata entwickeln, keinerlei Beschwerden machen und erst festgestellt werden, wenn es gewachsen ist und eventuell metastasiert ist.

Welche Beschwerden treten auf?

Männer stellen Veränderungen der Prostata fest, indem sie Probleme beim Wasserlassen (Fachausdruck Miktion) beobachten. Diese Beschwerden können sein:

  • Sogenannte irritative Beschwerden: Reizungen und entzündungsähnliche Symptome mit häufigem oder plötzlichem Harndrang. Diese Beschwerden schränken natürlich die Lebensqualität deutlich ein, zum Beispiel, wenn man nachts häufiger die Toilette aufsuchen muss. Diese Beschwerden sind aber in der Regel gut medikamentös behandelbar.


  • Obstruktive Beschwerden: Beschwerden, die den Harnabfluss behindern, zum Beispiel:

- dünnerer Harnstrahl,
- Pressen beim Wasserlassen,
- Gefühl, dass Urin in der Blase zurückbleibt.

Diese Beschwerden treten auf, wenn die Prostata vergrößert ist und eben eine Abflussbehinderung verursacht. In fortgeschrittenen Fällen kann dann ein sogenannter Harnverhalt auftreten. Dies bedeutet, dass die Entleerung der Blase meist urplötzlich nicht mehr möglich ist. Diese sehr schmerzhafte Situation erfordert eine sofortige Behandlung, das heißt Entleerung der Blase über einen Katheter.

Regel

Eine Prostatavergrößerung muss behandelt werden, wenn es bedingt durch die Abflussbehinderung medizinisch sinnvoll ist, oder wenn sich der Mann in seiner Lebensqualität deutlich eingeschränkt fühlt.