Wachaubahn – sind schon alle Würfel gefallen?

Wie es aussieht, sind die Würfel in Punkto Wachaubahn schon gefallen. Seit mehr als zwei Monaten läuft das Mobilitätskonzept für die Wachau, sprich: die Wachaubahn ist eingestellt und für den Personenverkehr gibt es erweiterte Busverbindungen. Die Strecke der Wachaubahn wurde vom Land Niederösterreich übernommen und Sommer soll dann eine “hochwertige Nostalgiebahn” auf den Schienen der Wachaubahn verkehren. Letzteres ist auch notwendig, denn die Wachaubahn ist Teil des UNESCO-Weltkulturerbes Wachau und wenn man die Schienen verrotten ließe würde die Wachau wohl ihren Weltkulturerbe-Status verlieren.Soweit, so gut. Oder besser gesagt: so schlecht. Denn ganz zu Ende gedacht ist die Sache wohl nicht.

Der Aspekt Weltkulturerbe

Natürlich ist die Architektur ein wichtiger Teil der Kultur. Aber auch die Alltagskultur ist ein wichtiger Teil der Kultur. Durch die Einstellung wurde die Wachaubahn mit einem Schlag von einem Teil der Alltagskultur zu einer touristischen (“nostalgischen”) Infrastruktur degradiert.

Der Marketing-Aspekt

Die Wachauer sind mit der Wachaubahn aufgewachsen, mit ihr zur Schule gefahren usw. Da fällt natürlich die Informationsweitergabe an Touristen wesentlich leichter. Die Alternativen zur bisherigen Wachaubahn hießen Selbstfahren bzw. -gehen oder Taxifahren. Die neue Nostalgiebahn ist nicht Teil des Lebens der Wachauer, sie müssen sich erst selbst Informationen darüber besorgen. Die neue Wachaubahn wird sich nicht mit Taxi, Rad oder den eigenen Beinen der Touristen konkurrieren, sondern mit der Wachauschifffahrt, einer bereits seit Jahrzehnten etablierten touristischen Einrichtung, die aber für die meisten einen wesentlich höheren Erlebniswert hat. Bei dieser Konkurrenz muss sich die neue Nostalgiebahn aber einiges einfallen lassen, sowohl was Service, als auch was Preispolitik und Marketing betrifft. Kurzum: sobald die erste Neugier verflogen ist (und das wird in spätestens drei Jahren sein) wird das Land wohl wieder einiges in die Nostalgiebahn buttern müssen. Dann stellt sich die Frage: warum in eine exklusive Luxusbahn für Touristen Subventionen buttern und warum nicht gleich in eine bestehende Bahn, die für alle da ist, Geld stecken?

Der Sicherheits-Aspekt

In den letzten Jahren musste die B3 immer wieder wegen Hochwasser für den Straßenverkehr gesperrt werden. Die höher fahrende Wachaubahn konnte jedoch weiterfahren – und so auch die Menschen in den Hochwassergebieten versorgen. Das Land Niederösterreich hat aber bereits zugesagt, dass die neue Wachaubahn das auch in Zukunft wieder machen wird. Die abgeschnittenen Spitzer und Weißenkirchner wird es vielleicht freuen, mit einer “hochwertigen Nostalgiebahn” nach Krems einkaufen fahren zu können, aber ich bezweifle, dass man mit einer “hochwertigen Nostalgiebahn” auch Sandsäcke oder Bergegeräte transportieren kann.

Der Umwelt-Aspekt

Die Schulkinder mit modernen Bussen nach Krems zu chauffieren mag vielleicht sogar umweltfreundlicher sein als sie mit doch etwas älteren Dieseltriebwagen von diversen beheizten Bahnhöfen abzuholen. Aber wie sieht es mit den Holz- und Schottertransporten aus? Hier geht es ja nicht nur um Schadstoffemissionen sondern auch um Lärmbelästigung? Muss man sich darauf einstellen, in Zukunft immer öfter zwischen Holzsattelschleppern durch die Wachau tuckern zu müssen?

Es gibt sicherlich noch viele weitere Aspekte, die wir hier auflisten könnten. Kein Wunder, dass sich viele Wachauer nicht mit der Einstellung der Wachaubahn zufrieden geben wollen. Auch im Internet regt sich nach wie vor der Widerstand. Marko Spegel-Grünberger hat auf www.wachaubahn.at ein Wachaubahn-Wiki gegründet, dazu gibt es noch Vernetzungstreffen und auch eine facebook-Seite.

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