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Brandzeichen für Pferde bleiben erlaubt

Der Brennbeauftragte vom Hannoveraner Verband, Michael Müller, drückt in Osnabrück ein Brandeisen auf den rasierten Schenkel eines Fohlens. © dpa-Bildfunk Fotograf: Friso Gentsch Detailansicht des Bildes Für Pferdezüchter ist das Brandzeichen eine unverzichtbare Tradition. (Archivbild) Es war ein heißes Eisen, das die Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) angefasst hatte: Aigner hatte einen Gesetzentwurf vorgelegt, nach dem das Brandzeichen bei Pferden verboten werden sollte. Im Pferdeland Niedersachsen war der Vorstoß auf vehementen Widerstand gestoßen - trotz des Vorwurfs der Tierquälerei wollen vor allem Pferdezüchter die Tradition des Schenkelbrands nicht aufgeben - und das müssen sie auch nicht. Denn Medienberichten zufolge ist der Gesetzentwurf vom Tisch. Niedersachsens Agrarminister Gert Lindemann (CDU) nahm die Nachricht "mit Freude" auf, wie ein Sprecher seines Ministeriums am Sonnabend mitteilte. Der erste Vorsitzende des Hannoveraner Verbandes, Manfred Schaefer, sprach von einer "frohen Botschaft".

Verstärkt auf Schmerzlinderung setzen

Die agrarpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Christel Happach-Kasan, bestätigte dem NDR Schleswig-Holstein Magazin am Sonnabend, dass die Koalition vereinbart habe, dass Setzen eines Brandzeichens weiter zu erlauben. Man wolle aber verstärkt auf Möglichkeiten der Schmerzlinderung setzen und dies auch in einem Gesetz verankern. Der CDU-Berichterstatter für das Tierschutzgesetz, Dieter Stier, bestätigte, dass das Schenkelbrandverbot kein Thema mehr sei.

Lindemann lobt Kompromiss

Für Lindemann ist der Kompromiss genau der richtige Weg: Nicht das Kind mit dem Bade auszukippen und dem Tierschutz Priorität einzuräumen, sondern gleichzeitig das Kulturgut Schenkelbrand in der niedersächsischen Pferdezucht weiter beizubehalten, hieß es am Sonnabend aus dem Ministerium. Schließlich sei das Brandzeichen ein Markenzeichen der niedersächsischen Pferdezucht, die weltberühmt sei.

"Sicherheit und guter Ruf standen auf dem Spiel"

Schaefer erklärte, der Hannoveraner Verband habe in den vergangenen Monaten intensiv gekämpft und zwischendurch auch Signale erhalten, dass das Bemühen nicht aussichtslos sei. Dass das Verbot aber nun schon vom Tisch sei, überrasche und freue ihn. Schließlich habe nichts weniger als die Sicherheit und der gute Ruf der niedersächsischen Züchter auf dem Spiel gestanden: Die Erfahrungen hätten gezeigt, dass ein Chip allein zur Kennzeichnung nicht ausreiche, da er nicht fälschungssicher sei - zudem seien bei einer Fohlenauktion vor kurzem bei acht Tieren die Chips einfach weg gewesen: Hätten die keine Brandzeichen gehabt, hätte da einfach nur ein braunes Pferd gestanden, so Schaefer.

Ministerin Aigner hatte dagegen an dem geplanten Verbot festgehalten und nachdrücklich darauf verwiesen, dass Pferden seit drei Jahren aufgrund einer EU-Vorschrift ohnehin per Spritze ein Mikro-Chip in den Hals gesetzt werde und das Brandzeichen dadurch überflüssig geworden sei.

Zurückhaltung bei Verbund "Pferdeland Niedersachsen"

Der Geschäftsführer des Züchter- und Sportverbändezusammenschlusses "Pferdeland Niedersachsen", Enno Hempel, reagierte zunächst zurückhaltend. Er sehe zwar Licht am Ende des Tunnels, dennoch müsse man erst den endgültigen Entschluss durch den Bundestag abwarten. Dieser falle frühestens Anfang November.

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Eine Hand zeigt auf eine Brandingmarke an einen Pferdeschenkel. © NDR Online Fotograf: Dirk Harmssen
 
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Der Brennbeauftragte vom Hannoveraner Verband, Michael Müller, hält in Osnabrück eine Kiste mit Brandeisen und Gasbrenner. © dpa-Bildfunk Fotograf: Friso Gentsch
 
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